Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/jakob-nielsen-designexperte-kritisiert-verwirrende-bedienung-von-windows-8-1211-95823.html    Veröffentlicht: 20.11.2012 13:09

Jakob Nielsen

Designexperte kritisiert verwirrende Bedienung von Windows 8

Der Designexperte Jakob Nielsen hat sich die Bedienung von Windows 8 angesehen und kritisiert dessen Grundkonzept. Er hat aber Hoffnung, dass mit Windows 9 alles besser wird.

Das Grundkonzept von Windows 8 mit den zwei Bedienungswelten wurde bereits in Tests von Fachmedien kritisiert, auch von Golem.de. Nun hat der Designexperte Jakob Nielsen Microsofts neue Windows-Version untersucht und sich vor allem auf die Bedienbarkeit konzentriert. Für eine Studie hat Nielsen sich angesehen, wie zwölf Windows-Nutzer mit dem neuen System zurechtkamen.

Nielsen stört sich ebenfalls an den beiden Bedienungskonzepten von Windows 8 und kommt zu ähnlichen Ergebnissen wie bisherige Tests. Auch er bemängelt, dass das Betriebssystem nicht mehr intuitiv zu bedienen sei, weil der Anwender zwischen zwei komplett unterschiedlichen Bedienkonzepten wechseln muss.

Nach Auffassung von Nielsen hat Windows 8 zu viele verborgene Bedienungselemente. So koste es viel Einarbeitungszeit, bis Nutzer daran dächten, die Charms aufzurufen, die sich unter anderem öffnen, wenn mit dem Finger von rechts in den Bildschirm gefahren wird. Das führe aber dazu, dass wichtige Bedienungsfunktionen nicht mehr für den Anwender erkennbar seien.

Die unzureichende Implementierung der Charms-Funktion führt Nielsen zufolge zudem dazu, dass Nutzer diese nicht gern verwenden. Denn in vielen Applikationen arbeiten zahlreiche Charms-Funktionen nicht. Anwender vergessen daher diese Funktionen besonders schnell, weil sie den Eindruck haben, sie funktionierten ohnehin nicht zuverlässig. Nach Auffassung von Nielsen ist der Verzicht auf Bedienungselemente etwa für Mobiltelefone durchaus sinnvoll, bei Tablets schon nicht mehr und bei großen Desktop-PCs vollkommen überflüssig.

Bedienungsgesten sind zu kompliziert

Einige Bedienungsgesten von Windows 8 findet Nielsen zu kompliziert. Besonders stört er sich an der Geste, mit der eine Übersicht über die zuletzt aufgerufenen Anwendungen geöffnet wird. Dazu muss der Nutzer mit dem Finger von links in den Bildschirm wischen, dann wieder zurückfahren und schließlich den Finger nach oben oder unten bewegen. Diese Geste misslinge häufig und dann würden andere Funktionen ausgeführt, bemängelt Nielsen.

Windows 8 müsste eigentlich Window 8 heißen

Wenn eine Funktion nicht wie gewünscht funktioniert, versuchte der Nutzer üblicherweise nicht, sie zu trainieren, sondern nutze sie nicht, weil sie nicht wie erwartet funktioniert, meint Nielsen. Außerdem seien viele Gesten zu komplex und ließen sich daher nicht in kurzer Zeit ausführen. In Tests wurde etwa bemängelt, dass sich Kacheln nur mühsam mit dem Finger auf dem Metro-Startbildschirm verschieben lassen.

Die Designelemente der Metro-Oberfläche alias Modern UI sind für den Nutzer oft nicht als Befehlselement erkennbar. Nutzer würden nicht erkennen, dass sie etwa auf die Worte "Change PC settings" tippen müssten, um die Metro-Systemsteuerung zu öffnen, so Nielsen.

Kritik an animierten Kacheln

Den animierten Kacheln auf dem Windows-8-Startbildschirm kann Nielsen nicht viel abgewinnen. Das Konzept an sich begrüßt er, kritisiert aber die Umsetzung. Anwendungsentwickler können den Inhalt der animierten Kacheln selbst festlegen. Dadurch gibt es für den Nutzer kein eindeutig erkennbares Symbol mehr. Nutzer würden dann nicht mehr erkennen, von welcher Anwendung die betreffenden Informationen stammen.

Nach Nielsens Beobachtung werden vor allem auf Tablets viele Anwendungen installiert, die nur selten benutzt werden. Wenn diese dann nicht anhand eines klar erkennbaren Symbols erkannt werden, kann der Nutzer sie nicht mehr zuordnen.

Weil Microsofts neues Betriebssystem bei Metro-Apps keine Mehrfensterbedienung mehr verwendet, sondern die Apps üblicherweise im Vollbildmodus arbeiten, meint Nielsen, müsste die aktuelle Version eigentlich Window 8 statt Windows 8 heißen. Er bemängelt, dass damit vor allem bei der Arbeit an einem Desktop-PC viel Potenzial verschenkt werde. Der Nutzer muss sich nun merken, was in verschiedenen Anwendungen zu sehen ist und kann diese nicht mehr parallel im Blick haben.

In Windows 8 kann mit der Funktion Side-by-Side neben einer Metro-App eine weitere App verkleinert angezeigt werden. Die Größen der beiden Apps sind dann fest vorgegeben und können vom Nutzer nicht geändert werden. Die zwölf Tester der Studie haben das nicht hinbekommen, der Grund dafür wurde nicht genannt. Die betreffende Fingergeste ist kompliziert und gelingt oftmals nicht. Erst wenn das Display eine Auflösung von 1.366 Pixeln in der Breite liefert, steht die Side-by-Side-Funktion zur Verfügung.

Nielsen lobt Windows 7

Am Ende seiner Ausführungen erklärt Nielsen, dass er Windows keinesfalls hasse und mit Windows 7 sehr zufrieden sei. Daher habe er auch die Hoffnung, dass Windows 8 vergleichbar zu Windows Vista ist, das zur Markteinführung ebenfalls viel kritisiert wurde. Erst mit Windows 7 wurden die Fehler dann korrigiert. Diese Entwicklung erhofft er sich auch von Windows 8 und vermutet, dass Windows 9 die bestehenden Probleme beseitigt.  (ip)


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