Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-micky-epic-2-aus-die-maus-1211-95794.html    Veröffentlicht: 19.11.2012 14:36

Test Micky Epic 2

Aus die Maus

Es sollte alles besser werden als im Vorgänger - aber Micky Epic 2 ist Maus-Murks: Ein Begleiter mit massiven KI-Aussetzern und allgemein schlechtes Design machen Warren Spectors jüngstes Werk zur Enttäuschung.

Die virtuelle Kamera war das große Problem des ersten, nur für Wii erhältlichen Micky Epic. Für Teil 2 hat Chefdesigner Warren Spector (Deus Ex) im Sommer bei einem Gespräch mit Golem.de noch Besserung versprochen. Und tatsächlich funktioniert die Kamera in Micky Epic 2, das den Untertitel Die Macht der Zwei trägt, spürbar besser. Und trotzdem ist das Actionadventure, das bei seinem zu Disney gehörenden Entwicklerstudio Junction Point entstanden ist, alles andere als ein Meisterwerk.

Die Handlung spielt wieder im Wasteland, der Parallelwelt voller vergessener Disney-Figuren. Dort lassen seltsame Erdbeben die Wände wackeln und Brücken einstürzen. Dann taucht plötzlich der eigentlich böse Mad Doctor auf und präsentiert sich mit einem schick in Szene gesetzten und sehr flott arrangierten Lied als gute Seele. Er möchte helfen - braucht dazu aber unsere Hilfe.

Damit ist ein Heldenduo aus Micky Maus und der Comicfigur Oswald der lustige Hase gemeint. Während wir Micky steuern, übernimmt der Computer die Kontrolle der langohrigen Begleiter. Jedenfalls so lange, bis sich ein zweiter Spieler einen Controller schnappt und ihn nach einem Tastendruck übernimmt. Spaß macht beides nicht.

Der Computer ist leider richtig schlecht darin, Oswalds Geschicke zu lenken. Eigentlich soll die Comicfigur auf Knopfdruck von uns automatisch die jeweils sinnvolle Aktion ausführen und uns beispielsweise mit seinen Propellerohren über einen Abgrund tragen oder mit seiner Fernbedienung ein elektrisches Gerät einschalten. Stattdessen passiert in den meisten Fällen, in denen wir ihn aktivieren möchten, schlicht nichts.

Oswald, der unlustige Hase

Er hampelt im Hintergrund herum, fällt in besagten Abgrund oder steht nur dumm herum. Klingt lustig - ist es aber nicht. Denn erstens kommen wir nicht weiter, zweitens wissen wir dann oft nicht, ob wir vielleicht auf der falschen Fährte sind und es Absicht ist, dass Oswald nicht funktioniert. Wenn ein anderer Spieler ihn steuert, läuft das Spiel zwar. Aber unser Kumpel darf dann als unser Handlanger nur ziemlich langweilige Sachen machen. Trotzdem ist dieser Koopmodus die etwas spaßigere Alternative, aber eigentlich nur, weil man sich dabei über das Spiel unterhalten kann.

Unterhalten kann man sich tatsächlich ganz gut - leider nur in dem Sinne, wie sich etwa ein Ehepaar genervt unterhält, das mit seinem Auto in einer fremden Stadt ohne Navigationssystem unterwegs ist. Micky Epic 2 ist unübersichtlich. Die Ein- und Ausgänge der einzelnen Abschnitte sind schlecht aufeinander abgestimmt, die Figuren stehen plötzlich irgendwo und können nicht wieder zurück; die schlecht gestaltete Übersichtskarte hilft so gut wie nicht weiter. Dass ein Abschnitt aus zwei getrennten Teilen besteht, die durch einen Untergrund verbunden sind, haben wir erst sehr spät zufällig erklärt bekommen - ein Gefühl dafür haben wir selbst dann nicht entwickelt.

Designmängel und kein gutes Fazit

Aber auch die Aufgaben, die wir als Micky und Oswald erledigen sollen, lassen viele Fragen offen. Beispielweise sollen wir noch recht weit am Anfang Altmetall einsammeln. Wie viel wir brauchen, wo wir es finden können, wem wir es bringen sollen, ob das zu einer bestimmten Quest nötig ist oder ob wir nur die sporadisch in der Landschaft verteilten Truhen zerdeppern müssen - das alles sagt uns niemand, auch nicht die Questübersicht. So gut wie alle Aufgaben haben wir zufällig erledigt. Wie ein Erfolgserlebnis hat sich das nicht angefühlt.

Neben solchen Quests gibt es auch Spring- und Hüpfeinlagen, in denen sich Micky und Oswald nur seitwärts bewegen können und dabei über Hindernisse kommen müssen. Diese Abschnitte machen Spaß, sind aber extrem kurz und enthalten zumindest teilweise kleine Fehler, die ein Fortkommen unmöglich machen.

Eine der wirklich originellen Ideen, die Micky Epic 2 hatte, ist übrigens ziemlich uninteressant umgesetzt. Wir können, wie im Vorgänger, nämlich Gegenstände mit Farbe besprühen und sie damit nutzbar machen - etwa eine Plattform, auf die wir springen können. Mit einem Lösungsmittel lassen wir die Gegenstände dagegen verschwinden und legen so einen Durchgang frei. Sehr viel mehr als die beiden genannten Beispiele ist den Entwicklern leider nicht eingefallen. Und weil das Farbe-Auftragen und -Abtragen nur an fest vorgegebenen Stellen funktioniert, können wir uns auch nicht kreativ austoben.

Die Grafik macht einen ganz ordentlichen Eindruck, die Animationen sind gelungen. Wirklich gut ist der Soundtrack, insbesondere die gesungenen Lieder. Allerdings sind das so wenige, dass die vor der Veröffentlichung getroffene Aussage, Micky Epic 2 sei eine Art Spielemusical, nicht stimmt.

Micky Epic 2 ist für Xbox 360, Playstation 3 und Wii für rund 60 Euro erhältlich. Eine PC-Fassung soll zu einem späteren Zeitpunkt folgen. Die USK hat dem vollständig lokalisierten Spiel eine Freigabe ab 6 Jahren erteilt.

Fazit

Micky Epic 2 wirkt beeindruckend - aber nur für ein paar Minuten. Die Grafik ist ganz okay, der Soundtrack sogar klasse. Mehr Gutes ist über das Spiel aber nicht zu sagen: Das jüngste Abenteuer von Micky Maus ist eine herbe Enttäuschung.

Die Kameraprobleme sind zwar weitgehend gelöst, aber dafür funktioniert die KI von Oswald, dem gar nicht so lustigen Hasen, nicht - und im Koopmodus ist er schlicht langweilig. Noch viel problematischer sind andere Aspekte: Vor allem wird dem Spieler selten klar genug gesagt, was er tun soll oder kann. Die Kommunikation zwischen Spiel und Spieler ist von den Dialogen mit den NPCs bis hin zum Questjournal miserabel.

Dazu kommen langweilige Aufgaben, uninspirierte Rätsel und Actioneinlagen, die nie so etwas wie Spielfluss aufkommen lassen. Auch überzeugte Fans von Disney und Micky sollten sich diesen Murks ersparen.  (ps)


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