Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-nintendo-land-360-grad-freiheit-in-marios-disney-world-1211-95739.html    Veröffentlicht: 16.11.2012 00:03

Test Nintendo Land

360-Grad-Freiheit in Marios Disney World

Nintendo legt der Premiumversion der Wii U die Minispielsammlung Nintendo Land bei. Golem.de hat die zwölf Minispiele getestet, die versuchen, die Stärken der neuen Konsole aufzuzeigen.

Spieler landen in Nintendo Land zu Beginn auf dem sogenannten Plaza und werden von einem neuen Maskottchen begrüßt: Monita. Das Wichtigste, was die Dame mit dem Monitorkopf zu erzählen hat, betrifft das Wii-U-Gamepad. Das dient nämlich als Virtual-Reality-Brille und verleiht dem Spieler komplette Blickwinkelfreiheit.

Wer sich das Gamepad mit etwas Abstand vor die Augen hält, seine Arme nicht bewegt und den Oberkörper dreht, erlebt eine Illusion, die am ehesten mit John Carmacks Head Mounted Display oder Oculus Rift zu vergleichen ist. Das gelingt dank des geringen Gewichts des Pads mühelos und beeindruckt angesichts der latenzfreien Übertragung.

Über den Plaza wählen Spieler eine von zwölf verschiedenen Attraktionen aus.

Bis zu fünf Spieler dürfen in drei Minispielen von Nintendo Land gleichzeitig antreten - das ist einer mehr als etwa bei Wii Party. Möglich wird das durch vier angeschlossene Motion-Plus-Wiimotes und das neue Wii-U-Gamepad. Der Spieler mit dem Gamepad hat sein eigenes Display in der Hand und damit immer eine andere Spielerfahrung als der Rest der Gamergruppe.

In Luigis Geisterhaus jagen vier Spukjäger mit Wiimotes den Geist, der von dem Spieler mit dem Wii-U-Gamepad gesteuert wird. Er versucht, seine Mitstreiter von hinten zu überraschen, ohne entdeckt zu werden. Dabei hat er den Vorteil, alle Protagonisten zu sehen. Die Spukjäger dagegen sehen den Geist nur, wenn sie ihre Taschenlampe anschalten, die allerdings eine sehr schwache Batterie hat und nicht lange benutzbar ist.

Zeitweise erhellen auch Blitze einzelne Gänge des Hauses und verraten so den Standort des Geistes. Außerdem vibrieren die Wiimotes der Spukjäger, wenn sich der Geist in ihrer Nähe befindet. Das resultierende Katz-und-Maus-Spiel ist unser Favorit in Nintendo Land und macht immer wieder Spaß. Leider gibt es nur drei unterschiedliche Geisterhausgrundrisse.

Mario Chase und das Minispiel Animal Crossing spielen sich ganz ähnlich. In Ersterem flüchtet Mario vor vier Toads, im Zweiten vier Früchtediebe vor zwei Mitgliedern eines Dorfmobs, der mit Mistgabeln und Piken bewaffnet ist.

Pikmin Adventure, Zelda und Metroid mit Live-View

Dass sich die angekündigte Pikmin-Episode für Wii U gut steuern lassen wird, können Spieler von Nintendo Land bereits ahnen. Das enthaltene Pikmin Adventure spielt sich wie eine Demo der Abenteuer des Astronauten Olimar und seiner Pikmin-Horde. Das komplette Spiel findet auf dem Gamepad statt. Mit dem linken Analogstick wird die individuelle Spielfigur, der Mii, durch den Garten gescheucht, wobei die rechte Hand den Stylus führt. Gegner und Blumen müssen nur angetippt werden und der Mii wirft einen Pikmin in diese Richtung. Ein Druck auf den Schulterknopf versammelt alle Knospenläufer wieder um die Hauptfigur. Auch an Linkshänder hat Nintendo gedacht: Sie nehmen den Stylus in die linke Hand und nutzen zum Laufen einfach den rechten Analogstick, der auf der gleichen Höhe am Gamepad angebracht ist.

Auf dem TV läuft nur eine Live-Übertragung der Geschehnisse, damit Freunde alles gut mitverfolgen können. Das Gleiche gilt für das Metroid-Geballer und das Mini-Zelda, in dem sich ein Mii als Link verkleidet durch Armeen von Schweinen kämpft.

Die auserwählten Helden treten im Triforce-Abenteuer entweder mit Motion-Plus-Wiimote und Schwert in der Hand oder dem Wii-U-Gamepad und einem Holzbogen an. Der Link-Mii läuft von ganz allein, Bogenschüsse können aber aufgeladen werden - dafür bleibt die Figur stehen. In den Levels sind serientypische Krüge, Rubine und Herzen versteckt. Hier ist es zuweilen hilfreich, wenn ein paar Freunde die Übertragung auf dem großen TV im Blick haben. Während der Spieler mit dem Wii-U-Gamepad mit millimetergenauem Zielen und Ausweichen beschäftigt ist, können ihn die Zuschauer auf Extras und Boni aufmerksam machen, die er sonst übersehen könnte.

Rasante Kameraschwenks und Bogenschüsse in letzter Sekunde sind in den höheren Schwierigkeitsstufen an der Tagesordnung. Nach etwas Eingewöhnung zahlt sich das Zielen mittels Bewegung des Wii-U-Gamepads aber aus. Das einhändige Halten und Zielen mit einer Wiimote haben wir dagegen als anstrengender und ungenauer in Erinnerung.

Attraktionen mit Arcade-Charakter

Donkey Kong's Crash Course ist ein 2D-Parcours-Spiel, das unter anderem das Mikrofon nutzt. Um Windräder anzutreiben und damit Plattformen anzuheben, muss der Spieler hineinpusten. Ansonsten lässt sich die Spielewelt mit Hilfe des Gyrosensors kippen. Das kleine Fahrzeug, in dem der Mii hockt, bewegt sich mehr oder weniger schnell in die geneigte Richtung. Die Physik ist gnadenlos, aber fair und das Minispiel ein absoluter Zeitfresser für Perfektionisten und Highscorejäger - eines Donkey Kong würdig.

Im einfachen Musikspiel Octopus Dance muss der Spieler Bewegungen im 1-2-3-Rhythmus nachahmen. Die Hände werden mit den beiden Analogsticks gesteuert, gesprungen wird durch Schütteln des Gamepads. Das Neigen nach links oder rechts löst einen Tritt aus. Der Kniff: Der Spieler muss immer abwechselnd auf den Bildschirm des Gamepads und auf den Fernseher schauen, wenn er seine Figur von hinten sehen möchte. Denn nur in dieser Perspektive lassen sich die vorgemachten Tanzschritte leicht übernehmen.

Ballon Trip Breeze wäre vermutlich auch auf dem Nintendo 3DS möglich, zeigt aber sehr gut, wie präzise die Touchscreen-Eingaben auf dem Gamepad mit dem Stylus von der Wii U umgesetzt werden. Ein Stylus-Strich auf dem Touchscreen erzeugt Wind, der einen kleinen Jungen mit Ballons von rechts nach links schweben lässt. Zu Beginn sammelt er nur ein paar Ballonpunkte ein, später hat er mit Wind, Wetter, Walen und elektrisierten Bomben zu kämpfen. Um sicher bei der nächsten Fahne landen zu können, muss der Spieler behutsam, aber schnell Windschübe auf seinen Touchscreen zeichnen. Wer sich als Postbote betätigt und sich zusätzliche schwere Pakete ans Bein bindet und sie durch den Parcours hindurch abliefert, bekommt Zusatzpunkte. Ohne jegliche Verzögerung kommen die Brisen auf der Wii U an.

Das Minispiel würde sich auf dem 3DS zwar vermutlich genauso anfühlen, Bildschirmtode sind hier aber immer auf eigene Fehler zurückzuführen, nicht auf fehlerhaft interpretierte Eingaben.

Gewinne, Gewinne, Gewinne und Fazit

Jedes Nintendo Land verwandelt sich mit zunehmender Spieldauer. In den zwölf Minispielen ergattern Spieler Münzen, die im großen Turm in der Mitte des Plazas in einen 8-Bit-Pachinkoautomaten geworfen werden können und sich in Geschenke verwandeln.

Öffnet sie der Spieler in der Oberwelt von Nintendo Land, verwandeln sie sich beispielsweise in eine Jukebox für den zuckersüßen Soundtrack oder einen Knopf, mit dem die Tageszeiten durchgeschaltet werden können. Meistens enthalten die Präsente aber bekannte Figuren wie den Deku-Baum oder Objekte, zum Beispiel Samus Arans Bombe.

Nintendo Land erscheint zusammen mit der Wii U am 30. November 2012 und kostet einzeln 60 Euro. Die USK hat den Titel ab 6 Jahren freigegeben. Der Titel liegt in englisch und deutscher Sprachversion auf der DVD. Die Grafik unterstützt Auflösungen bis 1080p, FullHD.

Fazit

Würden die zwölf Minispiele von Nintendo Land einzeln unter iOS, Android oder Windows zum Verkauf stehen, wären die meisten davon wohl Verkaufsschlager. Die kurzweiligen Games rund um Mario, Link, Samus und Co werden sehr charmant präsentiert und tun genau, was sie sollen: Sie stellen die Eigenheiten und Stärken der Wii U vor - mehr aber naturgemäß nicht. Highscorelisten und die vielen freispielbaren Extras sorgen dennoch für Langzeitmotivation.

Besonders beeindruckend ist, wie direkt die Eingaben mit dem Wii-U-Gamepad umgesetzt werden. Verzögerungen wie bei Kinect oder Playstation Move gibt es hier nicht. Selbst die Eingaben via Motion-Plus-Wiimote sind noch direkter als in Zelda Skyward Sword auf der Wii.

Uns gefällt vor allem Nintendos Mut zu einem höheren Schwierigkeitsgrad und zu komplexen Eingaben. Das macht Nintendo Land viel attraktiver für erfahrene Spieler als es seinerzeit Wii Sports für die Wii war.

Nachtrag vom 30. November 2012, 0:32 Uhr

Wir haben den Artikel um das versprochene Test-Video erweitert.  (mw)


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