Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/nexus-10-im-test-das-tablet-das-zeigt-was-android-kann-1211-95727.html    Veröffentlicht: 15.11.2012 15:01

Nexus 10 im Test

Das Tablet, das zeigt, was Android kann

Ein hochauflösendes Display und ein kräftiger Prozessor, das sind die herausragenden Merkmale des Nexus 10. Samsung hat im Auftrag von Google ein tolles Tablet zusammengestellt, auf dem Android so gut läuft wie auf kaum einem anderen Gerät.

Darauf haben wir gewartet: ein 10-Zoll-Tablet, auf dem Android so läuft, wie wir uns das vorstellen. Samsung hat das Nexus 10 im Auftrag von Google entworfen und hergestellt. Es ist aber mehr als nur ein Referenzgerät für Android 4.2. Mit seinem hochauflösenden Display und kräftigen Prozessor ist es nicht nur für Entwickler, sondern auch für Nutzer interessant. Kritikpunkte gibt es dennoch.

Das Nexus 10 ähnelt mit seinen leicht abgerundeten Längs- und Querseiten dem Rückspiegel eines Autos. Sein Gehäuse ist komplett aus Kunststoff, wirkt aber dennoch hochwertig verarbeitet. Die Rückseite ist gummiert, fühlt sich ein wenig an wie Leder und rutscht nicht, wenn das Tablet auf einer glatten Oberfläche liegt. Wegen des Kunststoffgehäuses wiegt das Nexus 10 mit 604 Gramm fast 50 Gramm weniger als das iPad 4 ohne UMTS- und LTE-Modul mit 648 Gramm. Es lässt sich deshalb sogar angenehm in einer Hand halten.

Display mit viel Platz

Das wesentliche Merkmal des Nexus ist das hochauflösende 10-Zoll-Display. Satte 2.560 x 1.600 Pixel werden von dem PLS-Display (Plane to Line Switching) angezeigt. Die Pixeldichte beträgt etwa 300 ppi. Zum Vergleich: Das 9,7-Zoll-Retina-Display des iPad 3 und iPad 4 hat eine Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixeln bei 264 ppi. Nicht nur ist die Diagonale des Nexus-10-Displays größer, sein Bildschirm ist 217 x 127 mm auch weniger quadratisch als der des iPad 4 mit 196 x 148 mm. Auf dem Display des Nexus 10 sind die Softwaretasten integriert.

Analog zur Displaygröße unterscheiden sich Nexus 10 und iPad 4 auch bei der Gehäusegröße: Das Nexus 10 hat eine Abmessung von 263,9 x 177,6 x 8,9 mm, das iPad 4 misst 241,2 x 185,7 x 9,4 mm und ist damit quadratischer.

Kräftiger System-on-a-Chip

Die Farben beider Displays wirken natürlich. Bei einem weißen Hintergrund wirken die Farben auf dem Nexus 10 etwas rötlicher als auf dem iPad 4. Die Helligkeit ist auf beiden Geräten nahezu identisch. Auch bei der Spiegelung im direkten Sonnenlicht nehmen sich die beiden Geräte nicht viel. Beide sind dort auch gut lesbar. Schriften werden in den Standardeinstellungen ebenfalls auf beiden Geräten gestochen scharf dargestellt.

An der Qualität des Bildschirms ist nichts zu kritisieren. Beim OpenGL-Benchmark GLBenchmark schaffte das Nexus 10 in Egypt HD durchschnittlich 26 fps. Das ist zwar kein Spitzenwert, dennoch traten bei grafikintensiven 3D-Spielen kaum Ruckler auf. Der Seitenaufbau im Browser Chrome war flink, beim Scrollen durch Webseiten konnten wir keine Verzögerungen feststellen. Selbst bei grafisch anspruchsvollen 3D-Spielen machte das Tablet einen außerordentlich guten Eindruck.

Mali-GPU und Cortex-A15

Das Display des Nexus 10 wird von der GPU T604 Mali angetrieben. Die GPU ist in dem Exynos 5250-SoC verbaut. Dieser hat zwei Kerne, die mit bis zu 1,7 GHz getaktet werden können. Die beiden Kerne des Exynos 5 basieren auf einem Cortex-A15, der einem A9 überlegen ist. Er ist damit einer der ersten SoCs, die ARMs aktuelle CPU-Architektur nutzen. Die CPUs werden in der 32-Nanometer-Technik gefertigt. Dadurch soll auch die Leistungsaufnahme des SoCs geringer ausfallen.

Über zwei LPDDR-Ports, die mit 800 MHz getaktet sind, ist der SoC mit dem Speicher verbunden. Daraus ergibt sich eine Bandbreite von 12,8 Gbyte/s. Das ist eine Verdopplung im Vergleich zum Vorgänger A9.

1080p bei 60 Bildern pro Sekunde

Von der hohen Bandbreite profitiert auch die GPU, die dem Display die maximale Auflösung liefert. Videos spielt der Exynos 5250 in voller HD-Auflösung von 1080p mit 60 Bildern pro Sekunde ab. Das gilt auch für WebM-Videos, denn der Chip beherrscht auch den Videocodec VP8, sowohl fürs Codieren als auch fürs Decodieren. Außerdem unterstützt das Nexus 10 MP4, H.264, DivX und WMV. Bei der Ausgabe der Videos wird HDMI 1.4a unterstützt, so dass sich auch 3D-Videos ausgeben lassen. Ein Micro-HDMI-Ausgang ist seitlich verbaut. Multimediadaten können per DLNA gesendet und empfangen werden.

Speichermangel

Der Arbeitsspeicher beträgt 2 GByte. Das Nexus 10 wird wahlweise mit 16 oder 32 GByte Flash-Speicher ausgeliefert. Einen Steckplatz für eine Micro-SD-Karte gibt es nicht. Das ist inzwischen bei Geräten der Nexus-Reihe üblich. Die Datenübertragung mit dem MT-Protokoll zu Rechnern erfolgt über einen Micro-USB-Anschluss. Demnach lassen sich an dem Nexus 10 keine USB-Sticks oder Kartenleser ohne zusätzliche Apps nutzen, etwa das kostenpflichtige Nexus Media Importer oder das kostenlose Stickmount für das das Gerät allerdings zuvor gerootet werden muss.

Für Fotografen, die die hervorragende Bildschirmauflösung des Nexus 10 unterwegs für das Betrachten von Fotos nutzen wollen, ist das ein Nachteil, der aber auch andere Tablets betrifft. Auch der Speicherplatz von 16 GByte ist für eine Fotosammlung mit hochauflösenden Aufnahmen zu gering, geschweige denn für eine Videosammlung. Die integrierte 5-Megapixel-Kamera macht eben nur Schnappschüsse, die auf dem Display des Nexus 10 auch so aussehen.

WLAN im 5-GHz-Bereich

WLAN beherrscht das Tablet nach 802.11b/g/n und a/n. Demnach kann das Nexus 10 auch den Frequenzbereich von 5 GHz nutzen. Das verschweigt das offizielle Datenblatt von Google. Bluetooth unterstützt das Tablet in Version 3.0. Außerdem gibt es ein NFC-Modul. Die Standortbestimmung lässt sich über GPS oder Glonass feststellen. Ein UMTS- Modem oder gar ein LTE-Modul ist nicht vorhanden.

Der Lagesensor reagiert mit einer leichten Verzögerung, was ein unbeabsichtigtes Umschalten verhindert. Der Helligkeitssensor funktioniert zuverlässig.

Guter Klang, wenig Bässe

Die Lautsprecher sind an den beiden Querseiten des Tablets verbaut. Die Abdeckungen erstrecken sich fast über die gesamte Seite. Die Lautsprecher liegen am oberen Ende des Tablets. Sie liefern einen klaren Stereoklang, der bei den Standardeinstellungen im Equalizer einen etwas blechig ist. Ein wenig fehlten uns die Bässe. Bei maximaler Lautstärke verzerrten Höhen kaum. Im Vergleich hat das iPad 4 leichte Vorteile bei der Klangqualität, aber nur einen Lautsprecher. Ohne Zusatzsoftware lassen sie Musikdateien abspielen, die mit MP3, WAV, eAAC+, WMA und Flac (Free Lossless Audio Codec) kodiert sind.

Die Nennladung des nicht auswechselbaren Lithium-Ionen-Akkus gibt Hersteller Samsung mit 9.000 mAh an. Bei der Videowiedergabe über Googles Film-Streaming-Dienst reduzierte sich die Ladung des Akkus nach vier Stunden auf ein Viertel. Die angegebenen 9 Stunden erreichten wir nicht.

Mehrbenutzermodus in Android 4.2

Pünktlich zum missglückten Verkaufsstart erhielt das Nexus 10 ein weiteres Update für das bereits in einer Vorabversion installierten Android 4.2, das den Namen Jelly Bean behält. Damit bekommt das Tablet eine Funktion, die es ermöglicht, mehrere Benutzerkonten einzurichten und zu verwalten. Mehrere angemeldete Anwender können mit ihren eigenen Einstellungen, Inhalten und Apps das Tablet verwenden. Im Anmeldebildschirm lässt sich der erste weitere Benutzer einrichten. Danach erscheinen dort für jeden Benutzer Schaltflächen.

Alternativ können Benutzer auch über die Einstellungen unter der neuen Rubrik "Nutzer" verwaltet werden. Der erste eingerichtete Benutzer erhält einen Art Administratorenkonto, der den Status eines "Eigentümers" erhält. Nur er ist berechtigt, Nutzer hinzuzufügen. Nutzer können ihren eigenen Account aber ebenso löschen, wie der Eigentümer. In den Einstellungen kann jeder angemeldete Nutzer ein eigenes Passwort oder eine PIN für die Anmeldung festlegen. Auch solche abgesicherten Nutzerkonten kann der Eigentümer löschen. Auf dem Login-Screen wird der vom jeweiligen Nutzer ausgewählte Desktophintergrund angezeigt. Ist das Konto per Passwort gesichert, lässt sich auch das Benachrichtigungsmenü nicht mehr im Anmeldebildschirm öffnen. Symbole werden dort aber angezeigt.

Kein App-Sharing

Einige Einstellungen gelten indes weiter für alle Anwender und lassen sich auch von diesen festlegen, etwa die für die Schriftgröße. Bei solchen Änderungen wird ein Warnhinweis gezeigt. Die Entwickleroptionen sind in den Einstellungen zusätzlicher Nutzer nicht vorhanden, sie sind lediglich dem Eigentümer vorbehalten. Eine App-Verwaltung, über die Eigentümer selbst kostenlose, installierte Apps auch anderen Nutzern zur Verfügung stellen, fehlte uns indes.

Auch einen freigegebenen Bereich, in dem gemeinsam genutzte Daten abgelegt werden, gibt es nicht. Unter Windows zeigt das Tablet jeweils nur die Ordner eines Benutzers an. Der Wechsel zwischen den Ordnern erfolgt dort bereits, wenn auf dem Anmeldebildschirm ein anderer Anwender ausgewählt wird. Einen direkte Anmeldung ist nicht nötig. Außerdem fehlt eine Kindersicherung, wie sie es beispielsweise in der Android-Version des Kindle Fire gibt. Der Browser lässt sich somit weiterhin von allen Anwendern nutzen. Lediglich in einigen einzelnen Apps können Sperren eingerichtet werden, etwa in Googles Play Store.

Widgets auf dem Login-Screen

Auf dem Anmeldebildschirm lassen sich neben einer Uhr auch drei weitere Widgets platzieren, darunter für den Gmail-Account oder Kalenderdaten. Inzwischen hat Google Informationen zu den APIs freigegeben. Damit dürfte sich in nächster Zeit die Anzahl der dort angebotenen Widgets noch erhöhen.

Wie auch auf dem Smartphone Nexus 4 lässt sich auf dem Tablet während des Aufladens eine Uhr auf dem ansonsten schwarzen Bildschirm anzeigen. Die Funktion heißt Daydream - zu Deutsch Tagtraum - und kann in den Einstellungen unter Display aktiviert werden. Wahlweise kann der Nutzer sich auch eine Bildergalerie oder Informationen aus Google Currents anzeigen lassen.

Das Tastaturlayout hat sich seit Android 4.1 nicht geändert. Hinzugekommen ist jedoch die Eingabe per Wisch mit dem Finger, statt wie bisher nur über das Antippen der virtuellen Tastatur. Die Eingabe funktioniert auch auf dem großen Display des Tablets gut.

Verfügbarkeit des Nexus 10 und Fazit

Das Nexus 10 mit 16 GByte Flashspeicher kostet über Googles Play Store 400 Euro - ohne Versandkosten. Für die Variante mit 32 GByte werden 500 Euro verlangt. Seit dem 13. November 2012 wird es dort verkauft. Innerhalb von wenigen Minuten waren beide Versionen des Geräts jedoch ausverkauft.

Fazit

In Sachen Hardware ist das Android Tablet von Samsung dem aktuellen iPad 4 in fast jeder Hinsicht überlegen. Bleibt die Frage, warum Android erst auf so einem kräftigen Gerät so läuft wie iOS auf weit weniger leistungsfähiger Hardware.

An Samsungs Tablet gibt es wenig auszusetzen. Der Bildschirm ist überdurchschnittlich. Trotz der hohen Auflösung konnten wir keine grafischen Schnitzer oder Ruckler feststellen. Die Ladezeiten im Browser sind erkennbar besser als auf vielen Tablets, die wir bis jetzt getestet haben.

Über die Akkulaufzeit im Videobetrieb, die abermals unter dem vom Hersteller genannten Wert liegt, kann man sich ärgern. Das ist allerdings Jammern auf sehr hohem Niveau. Zumal das nicht vorhandene UMTS-Modul den Anwender dazu zwingt, das Tablet in WLAN-Reichweite und damit in der Regel auch in der Nähe einer Steckdose zu nutzen.

Der fehlende Steckplatz für Micro-SD-Karten ist aber vor allem bei diesem Gerät ein großes Manko. Denn das riesige und gute Display lädt förmlich dazu ein, hochauflösende Fotos anzusehen, die dann erst mühsam auf das Nexus 10 übertragen werden müssen. Außerdem dürften 16 GByte Speicherplatz oder selbst 32 GByte sowohl für Foto- als auch für Filmfans einfach zu wenig sein.

Die für das Nexus 10 mit 16 GByte verlangten 400 Euro können getrost in die Rubrik "Kampfpreis" eingeordnet werden. Selbst die 500 Euro für die Variante mit 32 GByte sind fast lächerlich - sofern ein williger Käufer überhaupt eines ergattern kann.  (jt)


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