Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/open-source-buchscanner-blaettert-mit-staubsaugerhilfe-um-1211-95718.html    Veröffentlicht: 15.11.2012 08:18

Open Source

Buchscanner blättert mit Staubsaugerhilfe um

Ein Google-Mitarbeiter hat mit einfachsten Mitteln einen Scanner entwickelt, der automatisch ganze Bücher einscannt. Das Umblättern übernimmt ein handelsüblicher Staubsauger. Die Bauanleitung ist nun frei verfügbar.

Der Buchscanner von Google-Ingenieur Dany Qumsiyeh kann innerhalb von 90 Minuten bis zu 1000 Seiten starke Bücher vollautomatisch digitalisieren. Das Umblättern erfolgt bei der Konstruktion mit Hilfe von Ansaugluft, die von einem Staubsauger stammt. Die Konstruktionszeichnungen und die Bauanleitung wurden jetzt für Nachbauten veröffentlicht. Qumsiyeh hatte seinen Scanner bereits im Mai 2012 auf einer Konferenz präsentiert.

Das Buch wird aufgeschlagen auf einem Schlitten über eine Fläche gezogen, in der sich die Scanner-Sensoren befinden. Sie stammen aus einem handelsüblichen Scanner. Für die gesamte Konstruktion gibt Qumsiyeh einen Materialwert von 1500 US-Dollar an. Die Hälfte davon entfiel auf den Flachbett-Scanner, der dafür zerlegt werden musste.

Das Umblättern geschieht in mehreren Schritten. Zunächst wird bei der Rückwärtsbewegung des Schlittens die oberste Seite durch Düsen am Rand angesaugt, während das Buch transportiert wird. Auf der Bahn befinden sich Schlitze, die diese Seite erfassen, die dann durch eine Öffnung in der Oberkante der Bahn vollständig umgeblättert wird. Danach läuft der Wagen wieder in die Gegenrichtung und der Scanvorgang beginnt aufs Neue.

Die Scangeschwindigkeit hängt von der Leistungsfähigkeit des eingesetzten Motors ab. Derzeit kann ein 1000-Seiten-Buch in etwas über 90 Minuten eingelesen werden. Dieser Wert lasse sich aber noch steigern, so Qumsiyeh. Vollkommen fehlerfrei funktioniert die Technik auch nach vielen Optimierungsschritten, die vor allem bei der Konstruktion der Papierschlitze erforderlich waren, jedoch nicht - manchmal wird mehr als eine Seite umgeblättert, beispielsweise wenn Seiten aneinander kleben. Die Buchgröße ist durch die Konstruktion des Schlittens limitiert - und allzu klein und leicht dürfen die Bücher nach Angaben des Ingenieurs auch nicht sein. Da nicht auszuschließen ist, dass auch Seiten zerrissen werden, verbietet sich der Scan von wertvollen Büchern.

Die Konstruktionspläne für den "Linear Book Scanner" hat der Google-Ingenieur als Open Source veröffentlicht, damit der Buchscanner von Dritten nachgebaut und verbessert werden kann. Auch der Verkauf der Scanner ist gestattet. Der automatisch umblätternde Buchscanner entstand im Rahmen des 20-Percent-Time-Programm von Google, bei dem die Mitarbeiter 20 Prozent ihrer Arbeitszeit selbstverantwortlich einteilen und an Projekten arbeiten dürfen, die irgendwann einmal Google helfen könnten.

Das 20-Percent-Time-Programm rief Google 2006 ins Leben. Durch diese Nebenprojekte sollen Teile von Google News, dem Google Reader und Gmail entstanden sein.  (ad)


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