Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-black-ops-2-call-of-duty-geht-kaempferisch-in-die-zukunft-1211-95665.html    Veröffentlicht: 12.11.2012 17:15

Test Black Ops 2

Call of Duty geht kämpferisch in die Zukunft

Vom Pferderücken in Afghanistan in die Zukunft des Jahres 2025: Black Ops 2 schickt den Spieler durch die jüngste und die künftige Kriegsgeschichte - was nach einem relativ schwachen und ekligen Auftakt dank kleiner inhaltlicher Neuerungen dann doch Spaß macht.

Deutlich mehr Geld als Moral, eine riesige Privatarmee und weltweit ein bis zwei Milliarden Anhänger: Das alles hat Raul Menendez, der Bösewicht im neuen Call of Duty. In der Kampagne von Black Ops 2 erfahren wir als Elitesoldat Alex Mason in Einsätzen in den 1980er Jahren nach und nach, wie Menendez es zu seinem Reichtum gebracht hat. Und erleben im Jahr 2025 als Alex' Sohn David, was Menendez damit für Unheil über die Welt bringt. Schon recht bald ist klar: Wir sind, gemeinsam mit einer Handvoll weiterer Elitesoldaten, aufs Engste mit dem Werdegang des Oberschurken verbandelt - und müssen ihn stoppen.

Die Handlung von Black Ops 2 ist minimal weniger unverständlich erzählt als in früheren Serienteilen. Neben Rückblenden aus Sicht des alten Sergeant Frank Woods gibt es wieder wirre Zwischensequenzen und wilden Multimediaschnickschnack. Wir haben am Ende zwar ungefähr eine Ahnung, was passiert ist. Aber ganz genau ist uns eben nicht klar, wer wen verprügelt, gefoltert, ermordet oder verraten hat.

Auch nicht so schön: Die ersten paar Missionen. Wir müssen in einem Einsatz namens "Pyrrhussieg" im Jahr 1986 in Angola auf einem Schlachtfeld kämpfen - was wenig originell, aber ziemlich eklig in Szene gesetzt ist. Dazu kommen noch verkohlte Leichen im Intro, brennende Menschen im Einsatz selbst und ein Container voller halbverwester Toter - wir finden das abstoßend.

Anfangs durchwachsene Missionen

Der zweite Einsatz im Jahr 2025 fängt dann zwar spektakulär mit einer kurzen Klettereinlage an einem Steilhang an, ist aber auch nicht viel mehr als das übliche Geballer, zunächst an der frischen Luft, dann in einem unterirdischen Labor. Anschließend geht es wieder zurück in die Vergangenheit: In Afghanistan dürfen wir von einem - miserabel animierten - Pferderücken aus russische Helikopter abschießen, was auch nicht so richtig Spaß macht.

Dann allerdings steigt die Qualität der Missionen spürbar an. Eines der Highlights ist ein Einsatz in Pakistan. Erst kämpfen wir uns bei Nacht und starkem Regen zu Fuß die hüfthoch überfluteten Straßen einer Stadt hoch und weichen dabei den Lichtkegeln von fliegenden Drohnen aus. Dann fällt mal längere Zeit kein Schuss, stattdessen belauschen wir Menendez per Richtmikrofon und müssen ihm dabei durch ein Gebäude folgen. Natürlich fliegen wir früher oder später auf - und deshalb gibt es zum Finale eine spektakulär inszenierte Flucht, bei der wir abwechselnd die Bordwaffen einer Drohne bedienen, und am Boden einen Jeep mit Karacho durch niederprasselnde Bomben steuern.

Agenten statt Soldaten

Uns hat auch ein Einsatz im Jahr 1986 in Nicaragua gefallen. Dabei kommt nach kurzer Zeit die Schwester von Menendez ums Leben. Was es damit genau auf sich hat, erfahren wir aber erst später in der Mission. Ungewöhnlich für die Serie ist auch ein Abschnitt in der Nähe der Kaimaninseln. Dort steht im Jahr 2025 ein riesiges Luxusresort, in dem wir uns eher in der Art von Agenten als von Soldaten einschleichen und sogar eine metallene Spinne mit Videokameraauge durch die Lüftungsschächte steuern. Wenig später kommt es dann zu Tumulten und Erschießungen in einer Diskothek - was an den umstrittenen Level mit dem Flughafenmassaker in Modern Warfare 2 erinnert, aber viel klarer als "feindlich" und "böse" erkennbar ist.

Das Gameplay von Black Ops 2 unterscheidet sich in einigen Details von dem der Vorgänger. Beispielsweise sind die Level im Durchschnitt jetzt weniger schlauchartig angelegt. Zwar gab es das auch schon früher, aber jetzt haben sich die Entwickler getraut, öfter auf große Umgebungen zu setzen, in denen sie den Spieler hin- und herscheuchen. Allerdings: Wer sich zu weit von dem Bereich entfernt, in dem die Designer ihn gerade haben wollen, bekommt ein "Game Over" angezeigt und wird zum letzten Kontrollpunkt zurückversetzt.

Vor den Missionen können wir nun weitgehend selbst bestimmen, mit welchen Kampfgeräten wir losziehen - passend zur Epoche haben wir dabei die Wahl zwischen klassischen Waffen der damaligen Zeit oder dezent moderner wirkenden, aber letztlich auch nicht so viel anderen Schusswaffen aus der Zukunft. Diese haben etwa ein Röntgenvisier, das uns den Blick auf Feinde durch Wände hindurch erlaubt. Die modernen Gerätschaften haben unter dem Strich keine allzu großen Auswirkungen auf das Spielgefühl.

Missionen mit mehr Freiheit

Deutlich spürbar ist ein Mehr an Freiheit in den sogenannten Eingreiftruppen-Missionen. Dort müssen wir innerhalb einer vorgegebenen Zeit beispielsweise einen Computerraum verteidigen. Oder erst die Luftabwehrstellungen des Feindes zerstören, um dann ein Containerschiff in die Luft zu jagen. Dabei können wir jederzeit die Steuerung über einen anderen Soldaten, ein feststehendes Geschütz oder eine dick gepanzerte Drohne übernehmen; wie das genau funktioniert, erklärt ein kurzes Tutorial.

Die Eingreiftruppen-Einsätze erinnern an Multiplayergefechte mit Bots und haben uns Spaß gemacht. Sie sind mit einer kleinen Rahmenhandlung direkt in die Kampagne eingebettet, müssen aber nicht sofort erledigt werden - wer mag, kann sich meist ein oder zwei reguläre Missionen Zeit lassen. Die Eingreiftruppen-Level haben übrigens kleine Auswirkungen auf die Kampagne, und damit dann zusammen mit weiteren Entscheidungen auf den Ausgang des Kampfes gegen Menendez.

Wie in der Serie gewohnt, tauchen am Rande historische Gestalten auf, etwa der umstrittene US-Militärberater Oliver North sowie, als Figur direkt in einigen Missionen, der frühere panamaische Machthaber Noriega, der seit 1992 unter anderem wegen Drogenhandels und Schutzgelderpressung in einem US-Gefängnis sitzt. Ebenfalls Call-of-Duty-typisch in Black Ops 2 hat es das Entwicklerstudio Treyarch trotz des weltpolitischen Themas sorgfältig vermieden, irgendwie Stellung politischer oder moralischer Art zu beziehen. Mit etwas Wohlwollen könnte man allerdings angesichts der Handlung zu dem Schluss kommen, dass das Einmischen der USA in Konflikte anderer Länder mit verdeckten Operationen nicht zu mehr Frieden, sondern zu mehr Krieg in der Zukunft führt.

Multiplayer, Zombies und das Fazit

Beim Spielen der Kampagne sind uns zwar keine ganz dicken Bugs aufgefallen. Aber wir hatten den Eindruck, dass das Spiel nicht ganz so poliert ist wie die meisten der Vorgänger. Da gilt eine Mission auch mal als gescheitert, weil wir mit dem Fallschirm zwei Meter zu weit rechts neben dem eigentlichen Landeplatz aufsetzen. In Afghanistan haben wir nicht klar genug gesagt bekommen, dass wir eine schlecht sichtbare Leiter hochkraxeln müssen. An anderen Stellen werden nicht wie sonst die Knöpfe eingeblendet, die wir drücken sollen, oder andere Sachen funktionieren erst im vierten oder fünften Anlauf. Auch angesichts der sehr fairen Kontrollpunkte ist nichts davon wirklich dramatisch - aber es ist halt nicht perfekt.

Neben der Kampagne gibt es erneut einen umfangreichen Multiplayermodus, der unter anderem ein neues System namens "Pick 10" zur Ausstattung des Charakters enthält. Damit ist es möglich, nach Belieben bis zu zehn Gegenstände mit ins Onlinegefecht zu nehmen. Wer beispielsweise keine Handfeuerwaffe möchte, kann mit einem Perk auch eine zusätzliche Fertigkeit ausrüsten. Auch das Bewertungssystem ist generalüberholt - sogar für Aktionen wie das Ergreifen einer Fahne bekommen wir Erfahrungspunkte. Treyarch setzt außerdem mehr als bei früheren Call of Dutys auf E-Sport-Funktionen, inklusive des Live-Streamings auf Tablets für Zuschauer. Wie bereits früher angekündigt, ist die Mitgliedschaft in Elite nun kostenlos - wer alle Multiplayermaps haben möchte, greift stattdessen zum Season-Pass.

Typisch für ein Call of Duty von Treyarch: Es gibt einen Zombie-Modus, der sogar noch ausgebaut worden ist. Wir können allein gegen immer neue Wellen von Untoten antreten, aber auch online oder per System-Link. Dann schießen wir mit drei weiteren menschlichen Spielern auf Zombies. Wer mag, darf sogar in einem Reisebus mit maximal vier Mitstreitern von Zombienest zu Zombienest fahren. Wahlweise kämpfen wir im sogenannten Schmerz-Modus mit einem zweiten Team (also insgesamt mit acht Spielern) darum, wer am längsten gegen die computergesteuerten Gegner überlebt.

Verfügbarkeit und Preis

Call of Duty: Black Ops 2 ist ab dem 13. November 2012 für Xbox 360, Playstation 3 und Windows-PC verfügbar. Die Konsolenfassungen kosten rund 60 Euro. Die PC-Fassung ist im Handel für rund 50 Euro zu haben, bei Steam kostet sie sogar 60 Euro; dort muss auch die Ausgabe aus dem Handel aktiviert werden. Das Programm ist aufwendig lokalisiert, was auch einige Begriffe betrifft, die wir nicht übersetzt hätten - gemeint sind vor allem Fachworte aus dem Multiplayermodus. Die Sprachausgabe finden wir hingegen gelungen. Das Programm erscheint - von einem gelösten Problem abgesehen - ungeschnitten in Deutschland, die USK hat eine Freigabe ab 18 Jahren erteilt.

Fazit

Echte Innovation sieht anders aus, aber die kleinen Schritte in Richtung etwas mehr spielerische Freiheit und Abwechslung tun der Kampagne von Black Ops 2 gut. Allerdings: Wer an Call of Duty vor allem das Elitesoldaten- und Kriegsszenario mag, kommt diesmal nur zum Teil auf seine Kosten. Oft hatten wir nicht mehr das Gefühl, als Bestandteil einer riesigen Armee zu kämpfen, sondern fühlten uns eher wie Agenten in einem kleinen Team von Kollegen. Die Story ist besser erzählt als in früheren Serienteilen - aber noch lange nicht gut und immer noch viel zu verwirrend.

Sein Kerngeschäft, die Missionen, beherrscht Black Ops 2 aber wie die Vorgänger. Zwar sind die ersten paar Einsätze angesichts des sonst gebotenen Niveaus schwach, aber bald gewinnt das Programm deutlich an Qualität. Dann gibt es echte Überraschungsmomente, die Inszenierung und die wieder teils spektakulären Einsätze machen Spaß - sogar die etwas ruhigeren Missionen zwischendurch sind gelungen.

Schade allerdings, dass Grafik und Technik inzwischen nicht mehr ganz zeitgemäß wirken. Im Vergleich mit anderen aktuellen Titeln wie Halo 4 kommt Black Ops 2 teils leicht altbacken rüber. Es wird höchste Zeit, dass Activision seiner Vorzeigereihe eine neue Engine gönnt, was angesichts der hoffentlich kommenden neuen Konsolen aber sowieso unumgänglich sein dürfte. Unterm Strich: Mit Black Ops 1 und Modern Warfare 3 gab es zuletzt etwas bessere Call-of-Duty-Jahrgänge, aber die kleinen Ansätze von Innovation sind gelungen - und allein schon wegen des Multiplayermodus führt für echte Fans sowieso kaum ein Weg an dem neuen Spiel vorbei.

Nachtrag vom 12. November 2012, 23:20 Uhr

Anstelle des kurzen Fazit-Videos zeigt Golem.de auf der ersten Seite des Artikels nun einen 4:34 Minuten langen, vollwertigen Videotest. Das nachträglich aktualisierte Video geht nicht mehr nur auf die Solokampagne, sondern auch auf den Mehrspieler- und Zombiemodus von Call of Duty: Black Ops 2 ein.  (ps)


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