Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/nexus-4-im-test-schickes-smartphone-schwacher-akku-1211-95613.html    Veröffentlicht: 09.11.2012 12:07

Nexus 4 im Test

Schickes Smartphone, schwacher Akku

Das Nexus 4 ist in Kooperation von Google und LG entstanden und soll als Referenzplattform für Android 4.2 dienen. Ein kräftiger Vierkernprozessor treibt das schicke Smartphone an. Der niedrige Preis bei Google Play könnte trotz des schwachen Akkus ein Kaufargument sein.

Diesmal durfte LG das von Google in Auftrag gegebene Nexus-Smartphone mit der Zusatzzahl 4 herstellen. Herausgekommen ist ein schickes Gerät mit aktueller Hardware und Android 4.2 alias Jelly Bean. Wer eines erwirbt, muss aber häufig eine Steckdose suchen.

Uns ist sofort die Rückseite des Nexus 4 aufgefallen, die eine Abdeckung aus Gorilla-Glas hat. Sie verleiht dem Smartphone von LG ein hochwertiges Aussehen. Das Design des Gehäuses erinnert mit seinen abgerundeten Längsseiten an das des Galaxy Nexus von Samsung. Mit 133,9 x 68,7 x 9,1 mm ist das Gerät auch nur wenig kleiner als das Galaxy Nexus mit 135,5 x 67,9 x 8,9 mm. Das Nexus 4 ist mit 145 Gramm ein wenig schwerer als das Galaxy Nexus mit 138 Gramm.

Die Rückseite lässt sich nicht entfernen, daher ist ein Akkuwechsel nicht ohne weiteres möglich. Der Einschub für die Micro-SIM-Karte ist seitlich verbaut und muss mit einem beiliegenden Dorn geöffnet werden.

Als SoC kommt der aktuelle Snapdragon S4 Pro von Qualcomm zum Einsatz, der auch unter der Bezeichnung APQ8064 bekannt ist. Er ist mit vier Krait-Kernen bestückt, die theoretisch mit bis zu 2,5 GHz getaktet werden können. Im Nexus 4 hat LG die maximale Taktfrequenz auf 1,5 GHz begrenzt. Das soll wohl auch die Laufzeit des Akkus erhöhen, dessen Nennladung LG mit 2.100 mAh angibt. Der Arbeitsspeicher ist mit 2 GByte größer als bei vielen anderen Smartphones. Das Nexus 4 gibt es mit 8 und 16 GByte Flash-Speicher zu kaufen. Ein Steckplatz für Micro-SD-Karten ist nicht vorhanden.

Das induktive Laden konnten wir mangels zugehöriger Station nicht testen. Mit dem Touchstone für Smartphones von Palm funktionierte das Laden wegen der Inkompatibilität zu dem vom Nexus 4 verwendeten QI-Wireless-Charging-Standard nicht. Wann die Ladestation erhältlich sein wird, ist noch nicht bekannt.

Kräftige Kerne und schwacher Akku

Die Krait-Kerne von Qualcomm sind eine eigene Erweiterung des Cortex-A9 von ARM. Sie arbeiten beispielsweise mit elf statt acht Pipeline-Stufen und haben einen L0-Cache, der dem A9 fehlt. Der Quadcore-Variante des Snapdragon S4 hat Qualcomm außerdem 2 MByte L2-Cache spendiert, das Cortex-A9 hat nur 1 MByte. Die Krait-CPUs werden in der 28-Nanometer-Technik gefertigt. Insgesamt sollen die Krait-Kerne damit eine höhere Leistung bringen als herkömmliche Cortex-A9-Kerne.

Das zeigen auch unsere Benchmarks mit Geekbench. Mit einem Durchschnittswert von 2.009 Punkten liegt das Nexus 4 weit vor dem iPhone 5 mit 1.645 und dem HTC One X Plus mit durchschnittlich 1.551 Punkten.

Schlechte Akkulaufzeit

Allerdings nehmen die Krait-Kerne auch mehr Leistung auf. Ein Akku-Laufzeittest mit der Applikation Antutu-Tester bei voller Last aller vier Kerne ergab eine Betriebsdauer von etwa 1,5 Stunden. Zum Vergleich: Das HTC One X Plus mit seinem Tegra-3-SoC mit vier Kernen und einem Akku mit der gleichen Nennladung hielt bei dem Test 2,5 Stunden durch. Außerdem bemerkten wir eine deutliche, aber nicht unangenehme Wärmeentwicklung auf der rückseitigen Glasabdeckung des Nexus 4. Die Temperaturmessung im Antutu-Tester zeigt bisweilen über 60 Grad Celsius an.

Weitere Tests ergaben, dass die Laufzeit des Nexus 4 bei intensiver Nutzung unterdurchschnittlich ist. Mit aktivem WLAN und UMTS sowie maximaler Bildschirmhelligkeit und aktiven E-Mail-, Facebook und Twitter-Accounts sank die Ladung des Akkus bereits nach etwa 1,5 Stunden um ein Drittel. Die Herstellerangaben, wonach die Sprechzeit bei mehr als 15 Stunden liegt, dürfen demnach angezweifelt werden, auch wenn der Bildschirm abgedunkelt wird. Um diesen Wert annähernd zu erreichen, müsste das Smartphone im reinen GSM-Betrieb laufen, was im Alltag unrealistisch ist.

Kaum Energiesparoptionen

Jelly Bean hat auch in Version 4.2 kaum Einstellungen zur Begrenzung des Energieverbrauchs, etwa zur Drosselung der CPUs, wie sie beispielsweise Samsung mit seinen Touchwiz-Erweiterungen bietet. Immerhin kann der Bildschirm abgedunkelt werden und damit auch die Hardware, die im Normalbetrieb die höchste Leistung aufnimmt. Darüber hinaus bleibt dem Anwender nur noch die Option, einzelne Netzwerkmodule auszuschalten. Wer also die durchaus gute Grafikleistung des Nexus 4 zum Spielen nutzen will, sollte das neben einer Steckdose tun.

Als GPU kommt nämlich ein Adreno 320 zum Einsatz, der für eine fast durchweg flüssige Bedienung und ruckelfreie Darstellung auf dem 4,7-Zoll-Bildschirm sorgt. Selbst grafiklastige 3D-Spiele laufen flüssig. Die Auflösung beträgt 1.280 x 768 Bildpunkte, die Pixeldichte beträgt etwa 320 dpi. Die Navigationstasten sind als Softwaretasten umgesetzt und nehmen einen Teil des Bildschirms auf. Die Farben auf dem IPS-Display wirken im Vergleich zum Galaxy Nexus natürlicher, sind aber flau und kontrastarm und vor allem dunkler als beim iPhone 5. Verändert sich der Blickwinkel auf das Gerät, lässt sich zumindest bei Grautönen eine leichte Invertierung erkennen. Die Messungen in GLBenchmarks Egypt HD sind mit 35 fps deutlich über dem Durchschnitt. Das HTC One X Plus mit dem aktuellen Tegra-3-SoC schaffte nur die Hälfte.

WLAN im 5-GHz-Bereich

Ein Einschub an der linken Längsseite nimmt eine Micro-SIM-Karte auf. Das Smartphone verbindet sich über Quadband-GSM und mit den UMTS-Frequenzen 850/900/1.700/1.900/2.100 MHz. Ein LTE-Modul gibt es nicht. WLAN beherrscht das Nexus 4 nach 802.11 b/g/n und a/n. Googles Angaben zu den Spezifikationen stimmen nicht ganz, denn das Smartphone funkt auch im 5-GHz-Bereich. Bluetooth beherrscht das Nexus 4 in Version 4.0. Ein NFC- und ein GPS-Modul sind ebenfalls vorhanden.

Noch mehr Geleebohnen

Auf dem Nexus 4 ist Android 4.2 installiert. Das Update für Jelly Bean hat einige Neuerungen erhalten, die sich auf dem Smartphone von LG ausprobieren lassen. Über die Benachrichtigungsleiste erhält der Anwender ein Menü mit ausgewählten Einstellungen, darunter für die Bildschirmhelligkeit oder das WLAN. Mit einem Wisch mit zwei Fingern von oben nach unten wird es direkt aufgerufen. Der bislang in Android auf Smartphones verwendete Standardbrowser ist verschwunden. Stattdessen ist der Chrome-Browser installiert.

Bei der Installation von Applikationen, die nicht aus dem Play Store stammen, gibt es jetzt einen Warnhinweis. Außerdem warnt Jelly Bean vor dem Versand von kostenpflichtigen sogenannten Premium-SMS, die oft von Betrügern ausgenutzt werden.

Leichteres Einstellen in der Foto-App

Das Menü der Einstellungen in der Kameraapplikation ist direkt in den Sucher integriert worden. Mit einem einfachen Tipper lässt sich wie bisher die automatische Schärfe aktivieren. Hält der Anwender den Finger länger auf den Bildschirm, erscheint das Einstellungsmenü in Form eines Kreises. Dort kann dann eine Option ausgewählt und eine Einstellung vorgenommen werden, ohne dass der Finger vom Display genommen werden muss.

Zusätzlich zu dem Panoramamodus hat Google einen 360-Grad-Modus umgesetzt. Die Aufnahmen werden aus elf Einzelbildern zusammengesetzt. Sie lassen sich aber nur auf dem Gerät oder bei Google+ ansehen, externe Bildbetrachter kommen damit nicht zurecht.

Tippen per Wischgeste und Tagträume

Auf der Tastatur lassen sich Eingaben per Gesture-Typing vornehmen, also mit einer durchgehenden Wischgeste über die einzelnen Buchstaben. Das funktionierte recht gut. An der Tastatur selbst hat sich nichts geändert.

Außerdem hat Google eine Funktion aus WebOS kopiert, die dort Exhibition-Modus und bei Android Daydreams heißt - zu Deutsch Tagträume. Ist er aktiviert, erscheinen beim Aufladen per Ladegerät oder auf der Dockingstation wahlweise eine Uhr, Fotos oder Inhalte aus Google Currents.

Verfügbarkeit des Nexus 4 und Fazit

Die teils großen Diskrepanzen im Preis des Nexus 4 führen gegenwärtig zu Verwunderung und Ärger. Über Googles Play Store kostet das Smartphone mit 8 GByte Speicher 300 Euro, mit dem doppelten Speicherplatz 350 Euro. Hinzu kommen noch die Versandkosten von 10 Euro. Bei Media Markt in Deutschland soll die Variante mit 16 GByte 395 Euro kosten.

Auch in anderen europäischen Ländern gibt es Probleme mit dem Preis. Der spanische Ableger des Mobiltelefonhändlers The Phone House hat angekündigt, das Nexus 4 in Spanien nicht anzubieten, da LG einen zu hohen Listenpreis dafür festgesetzt habe. Demnach müsste das Nexus 4 bei The Phone House 600 Euro kosten - in welcher Speicherausstattung, ist nicht bekannt.

In Österreich und Italien wird über Googles Play Store keine Hardware angeboten. Auch dort soll das Smartphone teurer angeboten werden als direkt bei Google.

Fazit

Das Display des Nexus 4 von LG zeigt etwas verwaschene Farben und es ist deutlich dunkler als vergleichbare Smartphones. Selbst das Display des Vorgängers Galaxy Nexus ist heller.

Das Gerät ist wegen des Snapdragon-S4-SoC sehr leistungsfähig. Die Bedienung ist flüssig, die Darstellung ruckelfrei. Selbst bei 3D-Spielen sind keine Aussetzer zu sehen.

Auch das Gehäuse macht einen schicken Eindruck. Die rückseitige Glasabdeckung wertet das Smartphone nicht nur optisch auf, es fühlt sich auch robust an. Während sich die etwas flauen Farben des Displays noch verschmerzen lassen, ist die Laufzeit des nicht austauschbaren Akkus aber eine herbe Enttäuschung. Sie ist vor allem auf den offensichtlich leistungshungrigen Chipsatz zurückzuführen. Das ist vor allem ärgerlich, da das Smartphone mit einer überdurchschnittlichen Grafikleistung glänzt. Wer auf dem Nexus 4 spielen will, sollte stets eine Stromquelle in der Nähe haben.

Als Referenzgerät für Android 4.2 ist das Nexus 4 fast perfekt und der Preis bei Google ist mehr als gerecht. Für den Alltagsgebrauch ist es wegen der schlechten Laufzeit aber nur bedingt tauglich.  (jt)


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