Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/samsung-galaxy-note-2-im-test-gelungenes-stift-smartphone-1211-95549.html    Veröffentlicht: 07.11.2012 12:05

Samsung Galaxy Note 2 im Test

Gelungenes Stift-Smartphone

Das Smartphone Galaxy Note 2 von Samsung fällt wie sein Vorgänger durch sein großes Display auf. Der Bildschirm ist noch größer geworden, das Gerät selbst ein wenig schlanker.

Mit dem Galaxy Note 2 GT-N7100 hat Samsung ein weiteres übergroßes Smartphone entworfen. Auf seinem 5,5 Zoll großen Touchscreen lassen sich Inhalte übersichtlicher darstellen als bei kleineren Smartphones. Es eignet sich auch für die Eingabe per Stift und damit für typische PDA-Aufgaben. Bereits das erste Galaxy Note hatte ein 5,3-Zoll-Display und damit nahezu Tabletgröße. Anders als noch bei der Einführung des ersten Note gibt es mittlerweile deutlich mehr Smartphones mit größeren Displays von 4,7 Zoll und mehr. Das Note 2 hebt sich aber durch seine größtenteils gelungene Stifteingabe von ihnen ab - und macht in fast allen Bereichen einen überdurchschnittlichen Eindruck.

Das Gehäuse des Galaxy Note 2 ist etwas länger und etwas schlanker als das des Vorgängers. Das erste Galaxy Note hatte die Maße 146,85 x 82,95 x 9,65 mm, während das aktuelle Galaxy Note 2GT-N7100 150,7 x 80,4 x 9,4 mm misst. Das macht sich in der Handhabung bemerkbar: Es lässt sich etwas besser mit einer Hand halten und bedienen. Mit 180 Gramm ist das aktuelle Galaxy Note 2 nur zwei Gramm schwerer als das erste Galaxy Note mit 178 Gramm.

Im Galaxy Note 2 ist der Exynos-SoC 4412 von Samsung verbaut. Dessen vier Kerne lassen sich mit bis zu 1,6 GHz takten. Außerdem hat der SoC eine Mali-GPU mit vier Kernen. Der Arbeitsspeicher beträgt 2 GByte. Der integrierte Flash-Speicher ist 16 GByte groß. Der Vorgänger hatte noch einen Exynos 4210 mit einem Zweikernprozessor, 1 GByte RAM und ebenfalls 16 GByte Flash-Speicher.

Gute Benchmark-Werte

Auch die Benchmark-Werte, die wir gemessen haben, zeigen, dass das Galaxy Note 2 von der guten Vierkern-CPU profitiert. Im Javascript-Benchmark Octane erreichte es durchschnittlich 2.211 Punkte. Zum Vergleich: Das HTC One X+ mit aktuellem Tegra-3-SoC mit ebenfalls vier Kernen schafft 2.078 Punkte. Das Galaxy Nexus mit seinem Zweikernprozessor schafft 1.377 Punkte. Den Sunspider-Benchmark absolvierte das Galaxy Note 2 in 1.029 Millisekunden, das HTC One X+ brauchte dafür 1.015 Millisekunden. Dabei gilt es zu berücksichtigen, dass die meisten Tests dieser Benchmarks nur einen Kern belasten. Beide Benchmarks haben wir im Standardbrowser vorgenommen.

Im prozessorlastigen Benchmark Geekbench schaffte das Galaxy Note 2 einen vergleichsweise hohen Wert von 1.989 Punkten. Dort erreichen das HTC One X+ mit vier Kernen 1.524 und das Galaxy Nexus mit seinen zwei Kernen nur 1.088 Punkte.

Auch im Grafikbenchmark GLBenchmark 2.5.1 liegt das Samsung Galaxy Note 2 mit 17 fps im oberen Durchschnitt. Das HTC One X+ mit dem Tegra-3-SoC schaffte 18 fps. Bei grafiklastigen Spielen gab es auch beim Galaxy Note 2 aber kaum Ruckler.

Kräftiger Akku, lange Laufzeit

Das Galaxy Note 2 verwendet Quad-Band-GSM sowie die UMTS-Frequenzen 850/900/1.900/2.100. Ein LTE-Modul gibt es in der in Deutschland bislang angebotenen Version nicht. WLAN beherrscht das Smartphone nach 802.11 b/g und a/n, es ist damit Dualband-fähig. Bluetooth lässt sich mit dem Gerät in Version 4.0 nutzen. Außerdem hat das Galaxy Note 2 ein NFC-Modul. Sowohl GPS als auch Glonass kann das Smartphone für die Standortbestimmung nutzen. Medien können per DLNA im Netzwerk verteilt werden. Mit einem MHL-Stecker lässt sich das Galaxy Note 2 per HDMI an einen Fernseher anschließen.

Das Gehäuse ist im typischen Samsung-Plastik-Look gehalten. Die glatte rückseitige Abdeckung knarzt ein wenig. Sie lässt sich abnehmen, um eine Micro-Sim-Karte einzulegen. Außerdem ist dort ein Steckplatz für eine Micro-SD-Karte, die bis zu 64 GByte Speicherplatz haben darf.

Ohne aufladen surfen bis in den späten Abend

Der überdimensionale Lithium-Ionen-Akku lässt sich austauschen. Er hat eine Nennladung von 3.100 mAh und soll laut Aufschrift 11,78 Wattstunden liefern. Tatsächlich konnten wir das Smartphone ohne zwischenzeitliches Aufladen lange benutzen; auch bei intensivem Gebrauch mit maximaler Bildschirmhelligkeit, aktiviertem WLAN und stets aktiver UMTS-Verbindung war der Akku erst am späten Abend leer.

Zusätzlich hat Samsung einige Energiesparoptionen integriert, mit denen sich die Laufzeit noch erhöhen lässt. So lässt sich beispielsweise die Bildschirmhelligkeit speziell für den Browser anpassen. Wird er aufgerufen, verdunkelt sich das Display unabhängig davon, wie die Helligkeit systemweit eingestellt ist. Spezielle Einstellungen lassen sich aber nur in den einzelnen Anwendungen vornehmen und nicht in den allgemeinen Optionen. Das ist von Samsung inkonsistent umgesetzt und kann verwirrend sein.

Bildschirm etwas zu dunkel

Der Bildschirm hat eine Diagonale von 5,55 Zoll. Das Super-Amoled-Display hat eine Auflösung von 1.280 x 720 Pixeln und ist unter einer Abdeckung von Cornings Gorilla-Glas 2 verborgen. Der Vorgänger hatte mit 1.280 x 800 Bildpunkten eine höhere Auflösung. Das Format wechselt damit von 16:10 auf 16:9 - was für die Wiedergabe von Filmen von Vorteil ist. Das Display ist aber etwas dunkler als das des Vergleichsgeräts Galaxy Nexus. Bei direktem Sonnenlicht lässt sich der Bildschirm nicht so gut ablesen.

Der große Bildschirm ist vor allem für die Eingabe mit dem Stift gedacht und stellt Inhalte übersichtlicher dar. Auch das Tippen klappt auf dem Touchscreen fast fehlerfrei, die Tasten sind wegen der vergleichsweise großen Bilddiagonale leicht zu treffen. Wir hätten uns zwar eine höhere Auflösung gewünscht, aber auch ohne diese wird Schrift auf dem 5,55-Zoll-Display scharf dargestellt, es sind keine Treppeneffekte sichtbar. Bei dem großen Display mit 267 dpi lässt sich zumindest mit der Schriftgröße experimentieren, um ein wenig mehr Inhalte auf den Bildschirm zu bringen, etwa in den Systemnachrichten. In den Einstellungen können die Größen in fünf Stufen dargestellt werden.

Smartphone - mit Stift

Die virtuelle Tastatur wurde von Samsung angepasst, etwa um Pop-up-Notes aufzurufen. Mit dieser Anwendung lassen sich mit dem integrierten Stift handschriftliche Eingaben machen. Der integrierte Stift war auch schon beim ersten Galaxy Note eine Besonderheit. Im aktuellen Galaxy Note 2 ist der Stift etwas länger und dicker und damit die Handhabe deutlich bequemer. Die Hand verkrampft nicht so schnell und der Druckknopf ist einfacher zu erreichen.

Wird der auf Wacom-Technik basierende Stift entnommen, reagiert das Smartphone mit einem haptischen Feedback und die Anwendung S-Note, in der handschriftliche Notizen oder Zeichnungen gemacht werden können, öffnet sich. Der Stift soll 1.024 Druckstufen bieten. Tatsächlich sind beim Benutzen aber nur wenige zu bemerken. Zwar reagiert der Stift auf Druck und Geschwindigkeit mit unterschiedlichen Linienstärken, aber nicht alle Stufen können umgesetzt werden.

Zuverlässige Schrifterkennung

Die Schrifterkennung funktioniert wie beim Vorgänger gut, teils auch bei krakeligen Eingaben. Die Anwendung S-Note wurde ebenfalls verbessert und ist übersichtlicher geworden. Die dort integrierte Schrifterkennung ist in ein eigenes Fenster ausgelagert, das Menü überdeckt die Eingaben nicht mehr, wie noch beim Galaxy Note 10.1.

Auch als Eingabegerät lässt sich der Stift gut nutzen. Er wird erkannt, wenn er wenige Millimeter über dem Bildschirm schwebt, und kann dann beispielsweise zum Scrollen auf Webseiten im Browser verwendet werden. Mit Air View erhalten Anwender Vorschauinformationen, wenn der Stift in geringem Abstand zum Display gehalten wird, etwa die Betreffzeile oder einen Teil des Inhalts einer E-Mail. Im Videoplayer genügt es, den Stift über die Timeline zu führen, um eine Vorschau der entsprechenden Szenen zu zeigen.

Mit dem Stift lassen sich auch Schnellbefehle handschriftlich eingeben und etwa eine Internetsuche mit einem Fragezeichen starten. Eigene Befehle lassen sich in den Einstellungen hinzufügen. Außerdem können mit dem Stift Textpassagen oder Bildausschnitte markiert und in die Zwischenablage kopiert werden.

Altbackene Benutzeroberfläche

Samsung hat dem Galaxy Note 2 seine Touchwiz-Oberfläche in Version 4 gegeben, die etwas altbacken aussieht, etwa so wie das auf dem ersten Galaxy Note verwendete Android 2.3.5 alias Gingerbread. Das dürfte zum größten Teil an den erfolgreichen Klagen durch Apple liegen, das Samsung die Verwendung von Icons mit runden Ecken verbietet. Das darunterliegende Android 4.1.1 sieht deutlich schicker aus. Funktionen wie das automatische Erstellen von Ordnern, wenn Icons übereinandergelegt werden, fehlen in den Erweiterungen von Samsung. Dort muss über das Kontextmenü des Homescreen zunächst ein Ordner erstellt werden.

Samsung hat eine zusätzliche Menüleiste integriert, die sich über ein Tab auf der unteren Seite des Bildschirms öffnen lässt. Sie lässt sich seitlich oder oben platzieren und mit eigenen Anwendungen erweitern. Mit dem Ruhemodus, der über das Systemmenü über den Eintrag Block-Modus aktiviert wird, lassen sich auf einen Schlag Benachrichtigungen, eingehende Anrufe, Alarme und die LED-Anzeige deaktivieren. Ausnahmen können Anwender für einzelne Kontakte festlegen. Außerdem lässt sich der Ruhemodus automatisch zu einer bestimmten Uhrzeit aktivieren und wieder ausschalten.

Alles läuft flüssig

Touchwiz 4 und Jelly Bean laufen auf dem Gerät äußerst flüssig. In keiner Anwendung haben wir Ruckler festgestellt, selbst grafikintensive Spiele laufen gut und Videos lassen sich ebenfalls flüssig abspielen. Filme lassen sich in einem Overlay-Fenster darstellen. Auch in diesem Fall konnten wir weder in der Videowiedergabe noch in den darunter laufenden Anwendungen Aussetzer feststellen.

Verfügbarkeit und Fazit

Samsung nennt als Listenpreis für das Galaxy Note 2 mit 16 GByte 700 Euro. Inzwischen ist es bei zahlreichen Anbietern, etwa Amazon, ab 530 Euro erhältlich. Die Variante mit 32 GByte Speicher gibt es in Deutschland gegenwärtig nicht.

Fazit

An dem Samsung Galaxy Note 2 gibt es wenig zu kritisieren. Allenfalls die etwas unübersichtliche und altbackene Benutzeroberfläche stört ein wenig. Ob versierte Stiftartisten mit den geringeren Druckstufen etwas anfangen können, ist zweifelhaft. Außerdem ermüdet die Hand wegen des kleinen Stifts schnell. Das etwas zu dunkel geratene Display lässt sich angesichts der langen Akkulaufzeit verschmerzen. Eine höhere Auflösung auf dem großen Display hätten wir uns aber gewünscht.

Das ist allerdings Jammern auf hohem Niveau, denn das Galaxy Note 2 macht ansonsten einen durchweg guten Eindruck. Alle von uns getesteten Anwendungen laufen flüssig, selbst mit grafikintensiven Spielen kommt das Gerät zurecht.

Der Formfaktor des Smartphones ist durchaus sinnvoll: Die Eingabe ist einfacher - gleich ob mit Stift oder Finger. Trotzdem verschwindet das Galaxy Note 2 in jeder Tasche und fällt beim Telefonieren nicht mehr auf als aktuelle 4,7-Zoll-Geräte.

Der Stift ist nicht nur als Fingerersatz tauglich, die zusätzlichen Gesten helfen beim Surfen und machen es unnötig, die Smartphone-Oberfläche häufig zu putzen. Als modernes PDA taugt das Galaxy Note 2 sehr gut.  (jt)


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