Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/ipad-4-im-kurztest-lightning-ipad-gegen-30-pin-ipad-1211-95547.html    Veröffentlicht: 06.11.2012 20:10

iPad 4 mit Retina Display im Kurztest

Lightning-iPad gegen 30-Pin-iPad

Nur etwas mehr als ein halbes Jahr Zeit hat sich Apple für den Nachfolger des "neuen iPads" mit Retina-Display gelassen. Das iPad 4 hat einen deutlich schnelleren Prozessor und den fixen Lightning-Anschluss. Wir wollten wissen, ob ein iPad-3-Besitzer nun neidisch auf das iPad 4 gucken muss.

"Was ist denn mit Apple los?" hat sich so mancher gefragt, der gerade erst das "neue" iPad gekauft hat. Von dem gibt es jetzt nämlich ein noch neueres Modell, das wir der Einfachheit halber iPad 4 nennen, obwohl wir versucht wären, es nun als das "neueste" iPad zu bezeichnen. Erst Mitte März 2012 hatten wir das nun nicht mehr neue iPad getestet. Mit einem Nachfolger nach nur acht Monaten hat kaum einer gerechnet - auch wir nicht.

Nun sind die Unterschiede zwischen dem iPad 3 und dem iPad 4 nicht so wesentlich, dass wir alles noch einmal testen. Wir beschränken uns auf die Kernunterschiede: das neue System on a Chip (SoC) A6X mit seinen zwei CPU-Kernen, den Lightning-Anschluss und die neue Facetime-Kamera. Wer sich für einen Vergleich mit dem iPad 2 interessiert, dem empfehlen wir unseren iPad-3-Test.

Rein äußerlich hat sich beim iPad 4 fast nichts getan. Es ist wie der Vorgänger ein 9,7-Zoll-Tablet mit iOS und einer Auflösung von 2.048 x 1.536 Pixeln. Mittlerweile holt jedoch die Android-Fraktion auf. Das Nexus 10 hat sogar noch mehr Pixel, so dass das Retina-Display langsam seine Besonderheit verliert. Hier zeigt sich, wie Konkurrenz das Geschäft beleben kann.

Dem Nexus 10 fehlen aber einige Dinge, die bei Apple Standard sind: Dual-Band-WLAN (802.11a/n und b/g/n) gibt es bei Google ebenso wenig wie eine maximale Speicherausstattung von 64 GByte. Nachtrag: Googles Nexus 10 unterstützt entgegen dem offiziellen Datenblatt Dual-Band-WLAN, was wir mit einem Testgerät verifizieren konnten. Apples iPad 4 bleibt also ausstattungstechnisch auf dem hohen Niveau der Vorgänger. Dazu gehört optional ein LTE-Modem, das wir aber noch nicht testen konnten; ein iPad 4 mit Mobilfunkmodem soll erst in ein paar Wochen verfügbar sein.

Kurzer Check der Unterschiede zwischen iPad 3 und 4

Neben der praktisch identischen Ausstattung haben wir diverse Einzelkomponenten des iPad 4 kurz angeschaut, um sicherzustellen, dass unsere Ergebnisse des iPad-3-Tests übertragbar sind. Das ist in den meisten Fällen tatsächlich der Fall. Unter anderem auch deshalb, weil sich keine Unterschiede beim Betriebssystem ausmachen ließen - das iPad 4 kommt mit dem aktuellen iOS 6.0.1, das es auch für das iPad 3 gibt.

Bei der Hauptkamera und der Tonausgabe konnten wir keine Unterschiede ausmachen. Die zum Nutzer gerichtete Facetime-Kamera wurde hingegen deutlich verbessert, wie in unserem Video zu sehen ist. Das Bild des iPad 4 rauscht hier verglichen mit dem Vorgänger deutlich weniger. Außerdem sind mehr Details zu sehen.

Das Display ist wie gewohnt fettabweisend und spiegelnd sowie hell genug, um tagsüber gut mit dem iPad 4 arbeiten zu können. Wie gehabt ist zudem der Energiebedarf des Displays sehr hoch, weil durch die vielen Pixel eine stärkere Lichtquelle aktiv sein muss. Es ist uns auch beim iPad 4 passiert, dass es an einem älteren Macbook Pro nicht mehr laden wollte, wenn bereits ein anderes Gerät aufgeladen wird. Die 2,5 Watt des USB-Standards sind nicht ausreichend, weswegen Apple ein 12-Watt-Netzteil beilegt und an Macs den Energiebedarf aushandelt. Das beherrschen andere Netzteile und Computer nicht.

Am Rande verwundert uns, dass Apple laut Datenblatt nicht die Nano-SIM, sondern eine Micro-SIM voraussetzt. Beim iPhone 5 und dem iPad Mini wird auf die vierte SIM-Karten-Generation gesetzt. Das iPad 4 bleibt bei der dritten Generation. Das bedeutet, wer gelegentlich SIM-Karten zwischen seinen Geräten tauscht, braucht bei aktueller Apple-Hardware trotzdem einen Adapter. Das Problem dürfte jedoch nur wenige betreffen.

Neues Zubehör dank Lightning

Der größte äußerliche Unterschied zum Vorgängermodell ist der neue Lightning-Anschluss, der mit dem iPhone 5 vor über einem Monat eingeführt wurde und auch beim iPad Mini Verwendung findet. Der ist schön klein und hat einen Vorteil, der bei Computeranschlüssen selten ist: Wie herum er eingesteckt wird, ist schlicht egal. Wer viel mit USB herumhantiert, weiß, wie nervenschonend das sein kann.

Es ist trotzdem ein USB-Kabel; an einer Seite des Kabels wird der ein oder andere also dreimal seinen Stecker drehen, bis er es geschafft hat. Lightning bietet zudem manchmal Vorteile bei der Datenübertragung, die wir direkt mit dem iPad 3 verglichen haben.

Synchronisation mit Lightning und Benchmarks

Dank Lightning sollte die Synchronisation von Daten deutlich schneller vonstatten gehen. Allerdings haben wir kaum Unterschiede zwischen iPad 3 (30-Pin), iPad 4 und iPad Mini entdecken können. Wir haben etwas über 10 GByte gemischt mit Apps, TV-Serien, Filmen und Musik synchronisiert und brauchten jeweils aufgerundet 11 Minuten. Das iPad 4 und die Miniversion brauchten nur 10 Sekunden weniger als beim gleichen Versuch mit einem 30-Pin-Anschluss.

In anderen Peripherietests macht sich das neue iPad besser. So konnten wir 15 Rohfotos einer Nikon D90 mit dem iPad 4 in nur 23 Sekunden importieren. Das iPad 3 braucht 51 Sekunden. Da wir wissen wollten, ob dies nun an der Lightning-Schnittstelle oder am neuen A6X-Prozessor liegt, haben wir den Test zusätzlich an einem iPad Mini mit dem A5 durchgeführt. Hier sind es 41 Sekunden. Es liegt der Verdacht nahe, dass sowohl Prozessor als auch die Schnittstelle oder gar ein verbesserter SD-Kartenadapter für die Ergebnisse verantwortlich sind, da das eigentlich langsame iPad Mini ein iPad 3 doch recht deutlich schlägt. Nachtrag: Ein alter SD-Kartenadapter ist an einem 30-Pin-Lightning-Adapter nahezu genauso schnell wie der teure Lightning-auf-SD-Kartenadapter. Wir haben hier ebenfalls 23 Sekunden gemessen.

Ähnlich deutlich sind die Ergebnisse unseres WLAN-Tests zwischen iPad 3 und iPad 4. Letzteres handelt jetzt bei Bedarf 150 MBit/s mit der Gegenstelle aus. Das alte liegt etwa bei der Hälfte. In der Praxis sind die Ergebnisse zwar schwankend und damit sicher keine Laborwerte, aber doch so eindeutig, dass wir sie hier nennen wollen. Ein WLAN-Sync einer 118 MByte großen Datei dauert beim iPad 3 3:08 Minuten. Das neue Modell braucht nur 1:16 Minuten. Die Spitzen liegen hier bei 1,2 beziehungsweise 3,6 MByte/s, allerdings insbesondere beim iPad 3 sehr stark schwankend. Der Test wurde über etwa 5 Meter durchgeführt. Dabei musste das Signal durch eine Gipswand hindurch.

Benchmarks und fehlende Grafikanwendungen

Apple konnte uns eine Vorschau von Real Racing HD 3 demonstrieren, die schon gut aussah, doch im App Store ist das Spiel noch nicht zu finden. Die neue Grafikeinheit des A6X haben wir uns mit Infinity Blade 2 kurz angesehen. Dabei mussten wir allerdings schon sehr genau hinschauen, um leicht schärfere Texturen im Hintergrund und Details auszumachen. Bisher wirkt sich der Grafikkern des A6X in der Praxis nicht aus.

Die reine Rechenleistung ist hingegen eine enorme Steigerung, die an vielen Stellen bemerkbar ist. Möglicherweise ist in Teilen zusätzlich schnellerer Flashspeicher dafür verantwortlich. Im CPU-intensiven Geekbench erreicht ein iPad 4 1.770 Punkte. Der Vorgänger gerade einmal 757 Punkte. Auch beim Booten ist das iPad 4 schneller. Allerdings haben wir selbst bei frisch installierten iPads enorme Schwankungen gesehen, so dass wir nur generell sagen, das iPad 4 bootet schneller. Der Geschwindigkeitsvorteil kann zwischen 2 und 20 Sekunden liegen.

Apps starten ebenfalls schneller. Jetpack Joyride braucht auf dem iPad 3 11 Sekunden. Beim iPad 4 sind es nur noch 8 Sekunden.

Den Akkutest beschränkten wir bei unserem Test auf einen direkten Vergleich während des Betriebs bei unterschiedlichen Lastszenarien. Dazu gehören das Spielen von Infinity Blade 2, der Import von Fotos oder auch die Aufnahme von Videos und das Surfen. Dabei ergab sich trotz des schnelleren A6X in keiner Situation eine größere Abweichung als 2 Prozentpunkte.

Verfügbarkeit des iPad 4 und Fazit

Apple bietet das iPad 4, das schlicht iPad mit Retina-Display genannt wird, derzeit nur in einer WLAN-Variante an. Das 10-Zoll-Tablet kostet rund 500, 600 und 700 Euro. Dafür gibt es 16, 32 beziehungsweise 64 GByte internen Speicher. Die Mobilfunkversion soll es ab Ende November 2012 zu einem Aufpreis von jeweils 130 Euro geben.

Fazit

Wird nur das iPad 4 als Hardware betrachtet, können wir eine klare Empfehlung aussprechen. Zwar ist das neue Modell weiterhin ziemlich schwer, dick und nicht gerade einfach mit Energie aufzuladen, wenn das Netzteil nicht mitgenommen wird. Dafür bekommt der Anwender das gute Retina-Display, einen wirklich schnellen Prozessor und natürlich die große App-Auswahl von iOS. Wer es etwas kleiner und leichter haben möchte, kann alternativ zum von uns getesteten iPad Mini greifen. Das bietet zwar nur alte und langsame Hardware, ist mit 300 Gramm und aufgrund seiner geringen Maße aber deutlich handlicher.

Das neue iPad zeigt auch, dass Apple eigentlich nur den Prozessor effizienter gestalten konnte. An dem großen Akku konnte Apple nichts ändern. Das liegt an dem enormen Energiebedarf des Retina-Displays. Damit ist das iPad 4 zwar ein Ärgernis für iPad-3-Besitzer, die ihr Gerät gerade erst gekauft haben, aber das bezieht sich nur auf den Prozessor, der derzeit ohnehin kaum ausgenutzt wird.

Trotzdem hätte Apple mehr Zeit zwischen den Generationen verstreichen lassen und diese nutzen sollen, um mehr Verbesserungen zu erreichen, etwa beim Gewicht. Für iOS-Nutzer sind so kurze Produktzyklen eine neue Erfahrung. Sie können trotzdem weiterhin damit rechnen, dass iOS-Updates zeitnah kommen, solange das Gerät noch unterstützt wird. Das wird wohl sowohl fürs iPad 3 als auch für das neue iPad 4 gelten.

Für Besitzer der ersten beiden iPad-Generationen gibt es jetzt eher einen Grund zum Wechsel. Die bessere Kamera des iPad 3 steckt auch im Vierermodell und die Mehrleistung des Prozessors macht es etwas zukunftssicherer. Der Nachteil des hohen Gewichts und des langsam ladenden Akkus bleibt aber. Zudem ist das iPad 4 verglichen mit dem iPad 2 weniger mobil, das häufig an Fremdnetzteilen noch in akzeptabler Geschwindigkeit aufgeladen werden kann.  (as)


Verwandte Artikel:
iPad 3 im Test: Gut für Einsteiger, nichts für iPad-2-Besitzer   
(16.03.2012 12:17, http://www.golem.de/news/ipad-3-im-test-gut-fuer-einsteiger-nichts-fuer-ipad-2-besitzer-1203-90550.html)
iPad Mini im Test: Apple macht halbe Sachen   
(02.11.2012 20:28, http://www.golem.de/news/ipad-mini-im-test-apple-macht-halbe-sachen-1211-95475.html)
Dell XPS 10 im Test: Der Prozessor macht den Unterschied   
(05.02.2013 12:10, http://www.golem.de/news/dell-xps-10-im-test-der-prozessor-macht-den-unterschied-1302-97342.html)
Archos Gamepad mit Android im Test: Teurer und besser wäre besser gewesen   
(11.01.2013 12:11, http://www.golem.de/news/archos-gamepad-mit-android-im-test-teurer-und-besser-waere-besser-gewesen-1301-96833.html)
Mediapad 10 FHD im Test: Huaweis Nexus-10-Konkurrent hat es schwer gegen Google   
(03.01.2013 12:09, http://www.golem.de/news/mediapad-10-fhd-im-test-huaweis-nexus-10-konkurrent-hat-es-schwer-gegen-google-1301-96638.html)

© 2014 by Golem.de