Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/test-assassin-s-creed-3-liberation-freie-welt-mit-zu-vielen-grenzen-1211-95521.html    Veröffentlicht: 05.11.2012 14:09

Test Assassin's Creed 3 Liberation

Freie Welt mit zu vielen Grenzen

Eine wunderschöne Südstaatenmetropole mit düsteren Geheimnissen: In Assassin's Creed 3 Liberation ist der Spieler als Meuchelmörderin in New Orleans unterwegs - und kämpft auf der PS Vita trotz toller Ansätze mit inhaltlichen und technischen Limitierungen.

Um das Jahr 1765 war New Orleans eine pulsierende Metropole. Die Stadt im heutigen US-Bundesstaat Louisiana lag direkt am Meer, sie war farbenfroh und es gab leckere kreolische Spezialitäten zu essen. Aber es gab auch eine andere, düstere Seite: New Orleans war ein Zentrum des Sklavenhandels. Das alles wissen wir nicht (nur) aus dem Geschichtsbuch - sondern wir waren da. Jedenfalls virtuell, und zwar in Assassin's Creed 3 Liberation als Aveline de Grandpré. Die junge Frau mit französischen und afrikanischen Wurzeln ist Hauptfigur in dem nur für die PS Vita erhältlichen Actionabenteuer, das ungefähr zur gleichen Zeit spielt wie das "große" Assassin's Creed 3; dessen Held Connor taucht am Rande kurz auf.

Liberation ist ein eigenständiges Werk, in dem Desmond Miles (der erinnerungsreisende Protagonist der Hauptserie) keine Rolle spielt. Stattdessen tut das Programm so, als ob wir quasi selbst mit Hilfe eines Animus in die Vergangenheit reisen. Abschnitte in der Gegenwart gibt es nicht. Stattdessen erleben wir in den Südstaaten einerseits den Kampf der Bewohner von New Orleans gegen die Spanier, andererseits die Suche von Aveline nach dem Grund, warum ihre Mutter vor vielen Jahren verschwunden ist. Klingt spannend, ist es aber nicht, weil die Story Lücken hat - und damit meinen wir nicht Informationen, die wir als Nebenquest erst im Laufe des Spiels freischalten können.

Eine Besonderheit von Liberation ist, dass wir nicht immer in der Assassinen-Kluft durch die Stadt springen. Stattdessen sind wir wahlweise in drei Outfits unterwegs. Als Dame im eleganten Kleid können wir nicht klettern, aber beispielsweise Wachen auf Knopfdruck betören - die Herrschaften folgen uns dann mit einem Herzchen über dem Kopf brav wie ein Kätzchen und sind quasi ausgeschaltet.

Als Sklavin verkleidet können wir nur schlecht kämpfen, aber klettern und uns vor allem leicht in Menschenmengen verstecken. Und im klassischen Assassinen-Gewand können wir alles, fallen aber auf wie ein bunter Hund und lösen entsprechend schnell Alarm aus. Schade: In den meisten Storymissionen können wir nicht selbst bestimmen, wie wir antreten, sondern bekommen das von dem Spiel vorgegeben.

In den Nebenmissionen ist das anders. Liberation bietet im Grunde die gleiche Mischung aus linearer Handlung und freiem Erkunden der Welt wie die Hauptserie. Allerdings gibt es deutlich weniger zu tun als etwa in Boston, Details wie die Ausbildung eigener Assassinen sind nicht vorhanden.

Kampfsystem und Fazit

Einen gewissen Ausgleich bildet das Wirtschaftssystem, mit dem wir im Spielverlauf eine eigene Reederei aufbauen und damit Kaffee und andere Waren zwischen Europa, Nordamerika und der Karibik handeln können, um Geld für neue Waffen oder zusätzliche Umkleidekabinen zu bekommen.

Das Kampfsystem ist noch etwas einfacher als das neue System von Assassin's Creed 3: Im Grunde reicht es aus, einen Gegner anzuvisieren und dann ausdauernd genug auf den entsprechenden Knopf zu drücken. Die anderen Feinde halten sich im Hintergrund, bis sie an die Reihe kommen. Der Schwierigkeitsgrad ist dadurch deutlich niedriger, die Hauptkampagne nach fünf bis zehn Stunden geschafft.

An einigen Stellen nutzt das Programm bestimmte Funktionen der PS Vita. So müssen wir die Kamera zu einer Lichtquelle ausrichten, um Botschaften auf Papier zu lesen oder einen Brief mit einen Griff entlang des Bildschirms und der Touch-Rückseite öffnen. In einem Fall geht das Ganze furchtbar daneben: Ein Minispiel, bei dem wir eine Kugel mit Hilfe der Bewegungssteuerung durch ein Labyrinth bugsieren müssen, ist noch ziemlich verbuggt.

Assassin's Creed 3 Liberation ist nur für die PS Vita erhältlich. Eigentlich sollte so ein Titel genau auf die Leistungsfähigkeit seiner Plattform angepasst sein - aber das ist leider nicht der Fall. Wirklich flüssig ist die Darstellung der Spielewelt selten, stattdessen ist meist ein mal mehr, mal weniger starkes Ruckeln zu spüren. Wenn richtig viel los ist auf dem Bildschirm, etwa in Kämpfen oder in Szenen mit großer Fernsicht, kommt es sogar häufiger zu größeren Sprüngen.

Davon abgesehen ist die Grafik gut. Die Stadt New Orleans ist schick in Szene gesetzt, die weiteren Gebiete, vor allem die Sumpflandschaft Bayou, sehen ebenfalls sehr stimmungsvoll aus. Die Zwischensequenzen wirken zwar längst nicht so aufwendig wie in der Hauptserie, aber für ein Handheld überdurchschnittlich gut. Statt eines echten Multiplayermodus gibt es die Möglichkeit, Kämpfe auswürfeln zu lassen - völlig überflüssig, aber Ubisoft gibt auf der Verpackung auch nur "1 Spieler" an.

Liberation kostet rund 45 Euro. Das Spiel ist ungeschnitten und voll lokalisiert - die meisten Sprecher der deutschen Version gefallen uns aber nur mäßig. Die USK hat eine Freigabe ab 16 Jahren erteilt.

Fazit

Auf den ersten Blick macht Assassin's Creed 3 Liberation ordentlich was her: Die offene Welt im Handheld-Format der PS Vita wirkt faszinierend, die farbenfrohe Stadt New Orleans gefällt uns als Szenario sogar besser als das düstere Boston in Assassin's Creed 3. Die Idee mit den unterschiedlichen Kostümierungen und Fähigkeiten ist gelungen und könnte durchaus in einen "großen" Serienteil passen.

Die imposante Grafik hat allerdings ihren Preis, und der ist hoch: Uns jedenfalls hat das ständige Ruckeln auf Dauer wirklich genervt. Bewegungen und vor allem schnelle Action fühlen sich in Liberation nahezu immer irgendwie zäh an. Schade, dass auch die Handlung eine Enttäuschung ist - wenn auch auf vergleichsweise hohem Niveau.

Unterm Strich machen das Erkunden der Welt, die Vielfalt und Menge interessanter Aufgaben und die gute Steuerung trotzdem einigermaßen Spaß - ein Stück weit ist das Spielprinzip von Assassin's Creed eben schlicht unkaputtbar. Mit besserer Technik, oder eben mehr Rücksicht auf die Grenzen der PS Vita, wäre aber mehr drin gewesen.  (ps)


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