Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/bundesinnenministerium-netzbetreiber-sollen-ip-adressen-und-passwoerter-herausgeben-1210-95323.html    Veröffentlicht: 25.10.2012 18:39

Bundesinnenministerium

Netzbetreiber sollen IP-Adressen und Passwörter herausgeben

Eine Gesetzesergänzung des Bundesinnenministeriums soll Telekommunikationsbetreiber verpflichten, dynamische IP-Adressen, PIN-Codes oder E-Mail-Passwörter jederzeit an Geheimdienste und Polizei herauszugeben. Dazu soll der Verdacht auf Bagatellstraftaten ausreichen.

Das Bundesinnenministerium will das Telekommunikationsgesetz (TKG) ergänzen lassen, um Netzbetreiber zum Übermitteln von IP-Adressen, PIN-Codes und E-Mail-Passwörtern der Nutzer an staatliche Stellen veranlassen zu können.

Rechtsanwalt Jan Mönikes, dem der Gesetzestext vorliegt, erklärte zu dem Ministeriumsentwurf: "Ein neuer Absatz 5 im Paragraf 113 TKG soll eine elektronische Schnittstelle zur Bestandsdatenabfrage einführen. Und ein neuer Paragraf 100j Strafprozessordnung soll den Anspruch auch auf dynamische IP-Adressen ausdehnen, die 'zu einem bestimmten Zeitpunkt' zugewiesen waren. (...) Zusätzlich zur bisherigen manuellen Abfrage sollen die Telekommunikationsunternehmen gezwungen werden, in eine elektronische Schnittstelle zu investieren, die von zahlreichen Diensten künftig als der 'Quick-Button' gedrückt werden kann. Ohne richterliche Auskunft oder vorheriger Kontrolle (...) können dann nicht nur 'near time' alle vorhandenen Bestandsdaten im Sinne von 'welchem Kunden gehört eine Rufnummer oder IP-Adresse?', sondern eben auch PUKs für Handys, Passwörter für die Cloud und viele andere schönen Sachen ganz leicht, easy und ohne Kontrolle abgefragt werden."

Wenn das wirklich so käme, so Mönikes, dann könnte sich dies noch deutlich schlimmer auswirken als eine begrenzte Umsetzung der Richtlinie zur Vorratsdatenspeicherung. Ob das Bundeskabinett den Entwurf am 25. Oktober 2012 verabschiedet hat, ist unklar.

Die Piratenpartei erklärte: "Damit wird die Identität von Internetnutzern für Behörden wie Bundesnachrichtendienst, Bundeskriminalamt, Militärischen Abschirmdienst, Bundesverfassungsschutz, Bundespolizei und Zollfahndung teilweise ohne richterlichen Beschluss zugänglich. Mit diesem Schritt würde das im Grundgesetz verankerte Fernmeldegeheimnis eingeschränkt."

Patrick Breyer, Mitglied der Piratenfraktion im Landtag Schleswig-Holstein, sagte: "Wenn dieser Entwurf so verabschiedet wird, wird die private Kommunikation im Internet noch stärker überwacht werden, als dies ohnehin bereits geschieht. Der Verdacht von Bagatellstraftaten soll genügen, um ohne richterliche Anordnung Internetnutzer zu identifizieren. Das ist schlicht ein Unding." Auch Geheimdienste und BKA könnten dann privaten Internetnutzern ohne größere Einschränkungen hinterherschnüffeln.  (asa)


Verwandte Artikel:
Vorratsdatenspeicherung: EU-Kommissarin will Strafgeld von Deutschland einfordern   
(09.12.2011 18:22, http://www.golem.de/1112/88332.html)
Leutheusser-Schnarrenberger: Gerüchte zu Strafen zur Vorratsdatenspeicherung sind falsch   
(03.09.2012 19:00, http://www.golem.de/news/leutheusser-schnarrenberger-zahlen-zu-strafen-zur-vorratsdatenspeicherung-sind-falsch-1209-94307.html)
Überwachung: Zu wenige SPD-Mitglieder gegen Vorratsdatenspeicherung   
(24.10.2012 10:12, http://www.golem.de/news/ueberwachung-zu-wenige-spd-mitglieder-gegen-vorratsdatenspeicherung-1210-95275.html)
Vorratsdatenspeicherung: Klage der EU stößt auf Protest   
(31.05.2012 17:29, http://www.golem.de/news/vorratsdatenspeicherung-klage-der-eu-stoesst-auf-protest-1205-92199.html)
Vorratsdatenspeicherung: EU-Strafzahlung billiger als Wiedereinführung   
(26.04.2012 15:44, http://www.golem.de/news/vorratsdatenspeicherung-eu-strafzahlung-billiger-als-wiedereinfuehrung-1204-91426.html)

© 2014 by Golem.de