Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/memoto-lifelogging-camera-das-fotografische-gedaechtnis-zum-umhaengen-1210-95250.html    Veröffentlicht: 23.10.2012 12:17

Memoto Lifelogging Camera

Das fotografische Gedächtnis zum Umhängen

Das eigene Leben als Bilderfolge: Die Memoto-Kamera eines schwedischen Startups knipst alle 30 Sekunden ein Foto. Memoto wird dazu an Hemd, Jacke oder Halskette befestigt.

Das schwedische Startup-Unternehmen Memoto will das Leben seiner Kunden in Bildern festhalten - vorausgesetzt, die Finanzierung über Kickstarter klappt. Alle 30 Sekunden soll die Memoto-Kamera automatisch ein 5-Megapixel-Foto schießen und zusätzlich Zeit und GPS-Position aufzeichnen.

Das Memoto-Gehäuse ist mit 36 x 36 x 9 mm sehr kompakt, Bedienungselemente gibt es nicht und zum Auslesen dient eine Micro-USB-Schnittstelle. Der interne Akku und der 8-GByte-Flashspeicher sollen für zwei volle Tage ausreichen, was insgesamt 4.000 Fotos entspricht. Wird die Kamera zwischendurch in die Hose gesteckt, stoppt Memoto mit der Aufzeichnung.

Das eigene Leben fotografiert

Das Konzept einer Miniaturkamera als Chronist des eigenen Lebens ist nicht neu. Mit dem Knipsen alleine ist es beim Lifelogging jedoch nicht getan, wie Memoto anmerkt. Immerhin fallen bis zu 4 GByte Bilder pro Tag an. Die resultierende umfangreiche Fotosammlung wird schnell unübersichtlich.

Beim Anschluss an den PC werden deshalb die Bilder von Memotos mitgelieferter Software automatisch in die Memoto-eigene Cloud kopiert. Der Zugriff auf die Kamera kann per Passwort geschützt werden, die Übertragung und Onlinespeicherung erfolgt verschlüsselt.

Wird ein Memoto gestohlen oder geht verloren, sollen die Daten damit Fremden versperrt bleiben. "Sicherheit auf allen Ebenen hat für uns die höchste Priorität", sagte Memoto-Sprecher Oskar Kalmaru Golem.de.

Die Nutzung anderer Cloud-Dienste erwäge Memoto zwar, aus Sicherheits- und Datenintegritätsgründen sei es aber vermutlich erforderlich, die Fotos auf von Memoto kontrollierten Servern abzulegen. Wer eine Memoto-Kamera kauft, soll ein Jahresabo für die Speicherung beliebig vieler Fotos dazubekommen. Einen angekündigten lebenslangen kostenlosen Zugang für Unterstützer durfte Memoto nicht anbieten - Kickstarter soll das nicht geduldet haben.

Fotomassen unter Kontrolle?

Auf der Memoto-Website oder in Apps stehen die Fotos nach Zeit und Ort in Zeitstrahlen sortiert zur Durchsicht und zum optionalen Teilen mit Freunden oder der Öffentlichkeit zur Verfügung. Kein Foto soll gelöscht, aber die besten Bilder sollen hervorgehoben werden. Betrachtet werden die Fotos im Webbrowser oder mit Smartphone-Apps. Dass dabei nicht jedes Foto gelungen und vieles verwaschen, unscharf oder unzureichend belichtet sein wird, soll aufgrund der schieren Menge an Fotos keine Rolle spielen.

Memoto macht auf seiner Kickstarter-Projektseite noch auf ein rechtliches Problem aufmerksam, dessen sich die Nutzer bewusst sein müssen: "Rechtlich gesehen darf man fotografieren, was man will, solange man nicht jemandes Privatsphäre verletzt oder ein offizielles Fotografierverbot missachtet. Wenn jemand Sie ersucht, die Memoto-Kamera nicht zu nutzen - dann tun Sie das bitte auch nicht. Wenn jemand nicht explizit fragt, aber Sie glauben, dass der Ort oder der Kontext unpassend zum Fotografieren ist - dann lassen Sie es bitte".

Deshalb sei es Memoto beim Design des Kameragehäuses laut Kalmaru auch nicht darum gegangen, es möglichst unscheinbar zu machen. Kalmaru: "Wir haben keine Spionagekamera designt, eher etwas mit einem ehrlichen Aussehen: Man sieht, wenn jemand die Memonto-Kamera trägt, aber sie ist dennoch so designt, dass sie zu den vielen verschiedenen Stilen der Leute passt."

Auslieferung für 2013 angepeilt

Noch kann Memoto von seiner Kamera nur einen funktionsfähigen Prototyp und ein fertig designtes kleines Gehäuse vorweisen. Die miniaturisierte Elektronik soll sich aber kurz vor der Vollendung befinden und noch 2012 getestet werden.

Wer zu den ersten 1.000 Memoto-Vorbestellern ("Early Bird Special") gehört, kommt für 199 US-Dollar an die Kamera heran. Jeweils weitere 1.000 Memoto-Kameras sollen im März und April 2013 folgen - kosten dann aber 249 respektive 279 US-Dollar. Versandkosten fallen nicht an.

Wenn die Kickstarter-Finanzierung klappt, die Finalisierung des Hardwaredesigns nach Plan verläuft und die Produktion pünktlich startet, dann sollen Unterstützer ihre Memoto-Kameras im Februar 2013 zugeschickt bekommen.

Wie bei allen Kickstarter-Projekten gilt zu beachten: Auch wenn das Projekt Memoto vielversprechend aussieht und bei dem Startup aus Stockholm offenbar auch erfahrene Unternehmer und Hardwaredesigner involviert sind, so könnte das Vorhaben dennoch scheitern oder stark in Verzug geraten - ohne, dass der Kunde sein Geld wiedersieht.

Crowdfunding, Risiken und Chancen

Das ist etwa bei der Videokamerabrille Eyez passiert, die eigentlich schon 2011 hätte erscheinen sollen. Zion Eyez hatte offenbar die technische Komplexität von Design und Fertigung unterschätzt. Auf Nachfrage von Golem.de hieß es vor einigen Wochen, dass die Brille noch in Arbeit sei. Viele Unterstützer glauben jedoch nicht mehr daran, wie auf Kickstarter nachzulesen ist.

Das heißt jedoch nicht, dass Crowdfunding-Projekte deshalb gemieden werden müssen. Oft geht es ja um Produkte, die etwas Besonderes sein sollen, vielleicht den großen Durchbruch bringen - oder es einfach ermöglichen, bei Entwicklungen früh dabei zu sein.

Nachtrag vom 31. Oktober 2012, 0:02 Uhr

Memoto hat auf Kickstarter bereits Zusagen in Höhe von über 350.000 US-Dollar erreicht. Die Entwickler wollen den Funktionsumfang deshalb um eine lokale Speicheroption, eine manuelle Kameraauslösung inklusive automatischem Bookmark sowie um veränderbare Auslöseintervalle erweitern.  (ck)


© 2014 by Golem.de