Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/elektromobilitaet-daimler-entwicklungschef-glaubt-nicht-an-millionenziel-1210-95090.html    Veröffentlicht: 15.10.2012 11:34

Elektromobilität

Daimler-Entwicklungschef glaubt nicht an Millionenziel

Daimler glaubt an einen langfristigen Erfolg der Elektromobilität. Das Ziel der Bundesregierung, bis 2020 eine Million Elektroautos auf die Straße zu bringen, hält Entwicklungschef Thomas Weber aber für überzogen.

Bis 2020 will die Bundesregierung eine Million Elektroautos auf die Straßen bringen. Thomas Weber, Entwicklungschef beim Autohersteller Daimler, hält das für unrealistisch. Dafür macht er auch die Politik verantwortlich.

Das Ziel von einer Million Elektroautos hatte die Bundesregierung 2009 im Nationalen Entwicklungsplan Elektromobilität ausgegeben. Die Nationale Plattform Elektromobilität hat es inzwischen auf 600.000 korrigiert - eine Zahl, die auch Weber für realistisch hält. "Jetzt gehen wir von rund 600.000 Fahrzeugen aus und werden im ersten Schritt die nationalen Forschungsanstrengungen konsequent weiter intensivieren", sagte er im Interview mit dem Nachrichtenangebot Autogazette.

Keine Finanzhilfe

Die Verantwortung dafür, dass die Million kaum erreicht werden kann, sieht er auch bei der Bundesregierung: Hierzulande gebe es - anders als etwa in Frankreich - "keine Incentivierungsprogramme" beim Kauf eines Elektroautos. Die Industrie fordert eine solche Förderung, da die Elektroautos zumindest am Anfang noch teurer sind als vergleichbare Fahrzeuge mit Verbrennungsantrieb. Das lehnt die Regierung aber ab.

"Irgendwann muss sich Deutschland aber entscheiden, ob die Technologie hier nur entwickelt wird und der Markt woanders stattfindet, oder ob wir in Deutschland doch noch zum Leitmarkt aufsteigen wollen", erklärte Weber. Deutschland zum Leitmarkt für Elektromobilität zu machen, ist erklärtes Ziel des Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität.

Langfristige Perspektive

Anders als Konkurrent Toyota, der kürzlich erklärte, dass Elektromobilität kein tragfähiges Geschäftsmodell sei, glaubt Daimler an einen Erfolg des alternativen Antriebs - allerdings nicht kurzfristig. "Wir gehen bereits im kommenden Jahr von größeren Stückzahlen aus", sagte er. Eine "großvolumige Serienfertigung" wird es seiner Ansicht nach aber "frühestens ab 2017" geben.

Auf dem Pariser Autosalon, der am Sonntag endete, haben die Stuttgarter drei neue Elektroautos vorgestellt: die dritte Generation des Elektro-Smart, einen Mercedes B-Klasse Electric Drive sowie den elektrisch betriebenen Supersportwagen SLS AMG Coupé Electric Drive.  (wp)


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