Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/news/samsung-galaxy-note-10-1-im-test-android-tablet-mit-stift-und-fenstern-1208-93720.html    Veröffentlicht: 13.08.2012 12:10

Samsung Galaxy Note 10.1 im Test

Android-Tablet mit Stift und Fenstern

Zukunftsweisend - aber in der Gegenwart nur bedingt nutzbar: Beim Galaxy Note 10.1 hat Samsung die Stiftbedienung sinnvoll in das System integriert und bietet Splitscreen und Extrafunktionen. Ganz so wie gedacht, funktioniert das aber noch nicht.

Samsung hat dem größeren Modell des Galaxy Note nicht nur ein 10-Zoll-Display, sondern auch einen Digitizer spendiert, der den Galaxy Tabs der selben Größe fehlt. Außerdem will Samsung mit seinen Anpassungen an Android 4.0 die Multitaskingfähigkeiten des Betriebssystems demonstrieren und damit eine erste Version eines Tablet-PCs mit Android schaffen. Dabei ist das Unternehmen, trotz guter Ansätze, allerdings nur mäßig erfolgreich.

Der Name von Samsungs neuem Tablet ist etwas verwirrend, denn das erste Galaxy Note war noch ein Hybrid aus Smartphone und Tablet. Vermutlich wollte Samsung mit dem Namen Galaxy Note 10.1 zeigen, dass sich das Tablet von den anderen Galaxy Tabs abhebt - auch vom ersten Galaxy Note, das nur halb so groß ist.

Der beigelegte Stift soll mehr als nur ein Eingabestift sein. Er verwendet eine Technik, wie ihn Nutzer von Zeichentablets von Wacom kennen. Mit Funktionen wie einer Handschrifterkennung in der Anwendung S Note soll der Anwender neue Möglichkeiten bekommen. Die Handschrifterkennung funktioniert auch systemweit.

Die Hardware des 10-Zoll-Tablets ist überdurchschnittlich. Ein Quadcore-Prozessor aus der Exynos-Reihe von Samsung soll für genügend Leistung sorgen. Den Arbeitsspeicher hat Samsung auf 2 GByte aufgerüstet. Denn das Galaxy Note 10.1 soll multitaskingfähig sein. Durch eigene Anpassungen laufen zumindest einige Anwendungen in einem zweigeteilten Bildschirm parallel nebeneinander. Einen Fenstermodus wie auf richtigen Tablet-PCs gibt es jedoch nicht.

2 GByte Arbeitsspeicher in der Ausstattung

Die Angaben zur Hardware wirken ziemlich beeindruckend. Die CPU stammt von Samsung und trägt die Bezeichnung Exynos 4412. Sie hat vier Kerne, die jeweils mit 1,4 GHz getaktet werden können und außerdem einen Mali-400-GPU. Die gleiche CPU kommt in Samsungs Smartphone Galaxy S3 zum Einsatz. Dazu kommen 2 GByte RAM. Effektiv bedeutet dies keine Arbeitsspeicherverdoppelung, sondern eher eine Verdreifachung. Geräte wie diese haben schon beim Nichtstun eine Speicherbelegung um die 500 MByte. Es bleiben also 500 MByte frei bei Tablets mit 1 GByte. Das Note bietet hingegen Werte im Bereich der 1,5 GByte.

Die Auflösung des Displays beträgt 1.280 x 800 Pixel. Da die Navigationstasten in den Bildschirm integriert sind, beträgt die effektive Auflösung 1.280 x 752 Pixel im Querformat. Für ein modernes Tablet ist die Auflösung damit zu niedrig, zumal selbst das erste Galaxy Note mit seinem 5,3-Zoll-Bildschirm die gleiche Auflösung hat und aktuelle 10-Zoll-Tablets 1.920 x 1.080 Pixel haben. Der Lagesensor reagiert richtig, der Bildwechsel zwischen Hoch- und Querformat ist zügig.

Auch die verbaute Kamera mit 5 Megapixeln ist nicht mehr ganz modern. Die Linse auf der Rückseite wird von einem LED-Licht flankiert, das auch als Taschenlampe oder Umgebungsbeleuchtung genutzt werden kann. Die frontseitige Kamera hat immerhin 1,9 Megapixel und kann beispielsweise für die Videotelefonie verwendet werden.

Viel fürs Netzwerk

Die weitere Ausstattung ist großzügig. Für das Empfangen und Versenden von Frequenzen gibt es Bluetooth 4.0, GPS und Glonass, Dual-Band-WLAN nach 802.11a/n und b/g/n sowie ein 3G-Modem, das im GSM-Betrieb vier Bänder und im UMTS-/W-CDMA-Betrieb die Frequenzen 850, 900, 1.900 und 2.100 MHz unterstützt. Ein NFC-Chip ist nicht vorhanden.

Das Tablet wiegt 599 Gramm. Zum Vergleich: Das iPad 3 wiegt mit UMTS-Modul 662 Gramm. Dafür verzichtet Samsung auch auf jegliches Metall im Gehäuse. Es hat die Abmessung 262 x 180 x 8,9 Millimeter und wirkt durch das glatte Plastik nicht besonders hochwertig. Dabei ist das Galaxy Note stabiler als das sehr dünne Galaxy Tab, das bei unserem Test durchaus einige Nachteile hatte. Dabei sind die Unterschiede gering. Das Galaxy Tab 10.1 ist 8,5 mm dick, das Galaxy Note mit gemessenen 9 mm nur wenig dicker und doch deutlich verwindungssteifer.

Das Gehäuse wirkt insgesamt zwar schick, aber auch irgendwie eigenartig. Es sieht aus, als könnte der Nutzer ein iPad aus dem silbernen Rahmen herausbrechen.

Als Fernbedienung für die Couch

Samsungs Tablet lässt sich mit seiner Infrarotlampe auch als universale Fernbedienung nutzen. Damit lassen sich nicht nur Fernseher von Samsung selbst steuern. Die dazugehörige Applikation bietet eine stattliche Auswahl von Geräten verschiedener Hersteller. Die Liste holt sich die Anwendung von einem Server, für die initiale Konfiguration ist also eine Internetverbindung notwendig. Das klappte mit einem Fernseher von Philips problemlos. Auch DVD- und Blu-ray-Player, Set-Top-Boxen oder Stereoanlagen sollen so konfiguriert werden können. Einen aktuellen Blu-ray-Player von Panasonic konnten wir ebenfalls ansteuern. An einer nicht mehr taufrischen Stereoanlage von Sony scheiterte die Tablet-Fernbedienung jedoch.

Ist das Galaxy Note 10.1 gar kein Tablet?

Die Unterscheidung zwischen Tablet und Tablet-PC fällt häufig schwer. Vor allem Marketingabteilungen neigen dazu, ihre Tablets lieber Tablet-PCs zu nennen. Das gilt erfahrungsgemäß besonders für Billigtablets, die mit dem Namen Tablet-PC geadelt werden sollen. Tatsächlich ist ein Tablet-PC schlicht ein PC mit Digitizer und Stift und muss einige Vorgaben erfüllen, damit er so genannt werden darf. In der Regel werden Tablet-PCs mit Windows ausgeliefert und müssen eine systemweite Handschrifterkennung bieten.

Das Galaxy Note 10.1 ist ein Tablet, das vom Funktionsumfang einem Microsoft-Tablet-PC sehr nahe kommt, da Samsung viele Anwendungen an die Stiftbedienung angepasst hat. Allerdings ist die Bedienung nicht integraler Bestandteil des Betriebssystems, was bei richtigen Tablet-PCs der Fall ist, die auch einen Digitizer als Voraussetzung haben müssen.

Ähnlichkeit hat das Galaxy Note eher mit dem von uns ebenfalls getesteten HTC Flyer, das nun mehr als ein Jahr alt ist und damals nur Android 2.3 bot. HTCs 7-Zoll-Tablet Flyer hat zwar einen Digitizer wie auch das Galaxy Note 10.1, aber die Firma hat die Stiftmöglichkeiten nicht so weit durchdacht wie Samsung. Samsungs Anpassungen behandeln wir nun im Detail.

Technik von Wacom

Beim Galaxy Note 10.1 kann der Stift im Gehäuse versenkt werden. HTC ist dieses Kunststück beim Flyer nicht gelungen. Das liegt einerseits daran, dass schlicht kein Platz da war, andererseits daran, dass HTC Stifttechnik von N-Trig verwendet. Und die bekommt ihre Energie nicht vom Display, sondern von einer nicht ganz so geläufigen AAAA-Zelle, die den Stift so dick macht, dass er ohnehin nicht ins Gehäuse passen würde.

Samsungs Digitizer nutzt die passive Technik von Wacom. Das Panel liefert die Energie, sofern der Stift nah genug ist. Damit konnte er besonders klein konstruiert werden. Das Galaxy Note 10.1 ist mit fast 9 mm ein eher dickes und stabiles Tablet und hat damit Platz für den Schacht, in dem der Stift versenkt wird. Der Stift ist kompatibel mit anderen Wacom-Tablets, was wir an einem Convertible-Tablet-PC mit Wacom-Digitizer ausprobiert haben.

Samsungs S-Pen in Aktion

Samsung hat auch die Benutzeroberfläche für die Verwendung mit dem Stift angepasst. Ein Sensor registriert die Entnahme des Stifts und öffnet standardmäßig eine Symbolleiste mit stifttauglichen Anwendungen an der rechten Seite des Bildschirms. Sie wird wieder ausgeblendet, wenn der Stift wieder im Schacht versenkt wird. Allerdings werden nur vorinstallierte Anwendungen angezeigt, wir haben keine Erweiterungsmöglichkeit entdeckt.

Durch Ziehen des Stifts können auch direkt Anwendungen gestartet werden, beispielsweise der Kalender oder die Notizanwendungen. Das Entfernen des Stifts ist auch ein Einschalter, was die Stiftbedienung fördert. Der Nutzer muss also nicht erst den Schalter drücken, um den Bildschirm zu entsperren.

Zur Orientierung kann in den Optionen eine Anzeige der Stifterkennung eingeschaltet werden. Dann sieht der Nutzer einen Cursor in Form eines Punktes, wie ihn auch Nutzer von Tablet-PCs kennen. Das ist sinnvoll, um zu beurteilen, ob der Stift schon in Reichweite ist. Denn in Reichweite wird der Touchscreen deaktiviert, um Vectoring, also versehentliches Zeichnen mit dem Handballen, zu verhindern. Wir fragen uns, warum diese sinnvolle Option nicht standardmäßig aktiviert ist.

Erweiterungen von Samsung

Die Stiftsache hat aber einen Haken. Sie ist in Android kein Standard und so ist es kaum zu erwarten, dass viele Anwendungen dafür angepasst werden. Samsung hat zwar eine annehmbare Auswahl vorinstalliert, allerdings sehen vor allem die Anpassungen an Android nicht so aus, als könnten sie ohne Samsungs Hilfe erweitert werden.

Es sollte aber möglich sein, über den Play Store weitere Anwendungen anzubieten - sofern die Community Interesse an entsprechenden Entwicklungen zeigt. Samsung sieht aber offensichtlich keine Integration von weiteren Anwendungen in die Seitenleiste vor.

Wo ist der verflixte Stift?

Leider lässt sich der Stift nirgends am Gehäuse mit einer Schnur anbinden. Wir haben es bereits in den ersten Teststunden geschafft, den Stift mehrfach zu verlegen. Die Benutzung erfordert also einige Disziplin.

Von den 1.024 Druckstufen, die der Stift bieten soll, bleibt in der Praxis fast nichts übrig. In der S-Note-Anwendung gefallen uns die Notizen nicht, weil wir sehr dicke Linien zeichnen müssen. Denn der Stift wird erst ab einem gewissen Druck so erkannt, dass er zeichnet. Wenn der Stift nur leicht über die Oberfläche gleitet, schreibt er nicht, obwohl der Digitizer die Berührung erkennt. Das ist offensichtlich eine Vorgabe in Samsungs Software. Normalerweise sind Digitizer empfindlicher. Wer bereits ein Zeichentablet benutzt hat, muss sich etwas umgewöhnen.

Nur noch fein

Die Schriftstärke lässt sich durchaus verändern, leider aber auf Kosten der Erkennung der Druckstärke des Stiftes. In der feinsten Einstellung schreibt der Stift nur noch fein, auch bei erhöhtem Druck.

In der Anwendung S-Note kann über eine Schaltfläche eingestellt werden, dass Eingaben nur noch von dem Stift entgegengenommen werden. Denn standardmäßig kann der Handballen ein ungewolltes Zeichnen auslösen, wenn er vor dem Stift die Oberfläche trifft. Das passiert auch, wenn der Stift in der Nähe schon erkannt wird. Der Touchscreen wird nämlich erst ab etwa 12 mm Stiftentfernung abgeschaltet, um Vectoring zu verhindern. Für Digitizer ist das ein normaler Wert. Der Nutzer muss sich an die unterschiedliche Handhabung von digitalem Stift und analogem Schreibgerät gewöhnen.

Parallaxe

Durch den Digitizer ist der Abstand zwischen Außenglas und eigentlichem Display sichtbar. Es gibt also beim Zeichnen einen gewissen Parallax-Effekt. Daran gewöhnt sich der Nutzer schnell. Woran wir uns allerdings nicht so schnell gewöhnen konnten, war die Abweichung der Stiftspitze von dem Cursor. Die ist aber offenbar prinzipbedingt so. Der Stift ist so kalibriert, dass er senkrecht von oben präzise trifft. Der Mensch hält den Stift aber beim Schreiben schräg. Unter Windows gibt es dafür die Kalibrierung für jede Displayorientierung. Die fehlt dem Samsung-Tablet. Obwohl der Digitizer präzise ist, stört beim Galaxy Note 10.1, dass es keine Möglichkeit gibt, den Schreibwinkel anzupassen.

Die Handschrifterkennung ist gut versteckt

Die Handschrifterkennung zu finden, ist gar nicht so einfach. Hier zeigt sich, dass Android auf Stifteingaben schlicht nicht vorbereitet ist. In der Notizanwendung muss der Nutzer erst einmal auf die Produktivitätstools umschalten. Voreingestellt ist sinnloserweise das Zeichnen von Formeln, was bei uns auch nicht funktionierte. Nur wer in den Tools auf die Texterkennung umgestellt hat, kann losschreiben. Alternativ gibt es aber auch eine systemweite Texterkennung, die allerdings gut versteckt ist.

Wer die Bildschirmtastatur aktiviert, der kann über die Schaltfläche neben der Leertaste zwischen Eingabemethoden umschalten. Ein einfaches Antippen aktiviert die Spracherkennung. Um die Handschrifterkennung zu aktivieren, muss der Nutzer länger gedrückt halten. Dann erscheinen, ähnlich wie bei Umlauten, unterschiedliche Eingabemethoden, zwischen denen gewählt werden kann. Das funktioniert am besten mit dem Finger, dort kann die Handschrifterkennung präzise ausgewählt werden.

Mit dem Digitizer gibt es hingegen einen etwa 5 mm breiten Versatz, so dass der Anwender unter Umständen das Symbol der Handschrifterkennung nicht trifft.

Ziemlich nervig: Die Werkzeugleisten in S-Note verdecken mitunter geschriebenen Text. Normalerweise erscheinen handschriftliche Texteingaben, die in Text umgewandelt werden, in einer Textbox. Wird jedoch das Memofeld zwischenzeitlich editiert, springt der Cursor an den Anfang des Dokuments und danach eingegebener Text landet ebenfalls dort.

Unverständlicherweise sind die ersten Zeilen vom Menü verdeckt. Zunächst irritiert das, denn nach der Eingabe verschwindet der handschriftliche Text, aber keine Buchstaben erscheinen. Erst wenn auf die Scrolleinstellung umgestellt wurde, kommen weitere Teile des Dokuments zum Vorschein. Aber selbst das reicht nicht, denn die ersten Zeilen bleiben auf jeden Fall verdeckt, es sei denn, die Symbolleiste oben wird komplett ausgeblendet.

Gute Erkennung bei krakeliger Schrift

Die Texterkennung selbst funktioniert erstaunlich gut, selbst bei krakeligen Eingaben. Es nervt aber, dass geschriebene Schrift nicht immer dort in Druckschrift umgesetzt wird, wo der Nutzer geschrieben hat. Stattdessen landet das Geschriebene ganz oben - mitunter in einem Bereich, wo der Nutzer nichts sieht, weil sich die Symbolleiste im Handschriftenmodus nicht vollständig ausblenden lässt.

Photoshop Touch liefert Samsung kostenlos mit. Über die Werkzeugeinstellungen lassen sich hier auch die Druckeinstellungen für den Stift aktivieren. In der Standardeinstellung ist das nicht der Fall. Die Druckerkennung funktioniert im Unterschied zu S Note bei Photoshop Touch ziemlich gut.

Samsungs Anpassungen an Android 4.0

Neben der Leiste mit Anwendungen, die für den Digitizer gedacht sind, hat Samsung eine weitere Schnellstartleiste integriert. Sie wird durch das Pfeilsymbol in der Mitte der Taskleiste geöffnet und enthält Starter für Miniversionen wichtiger Anwendungen, etwa für Nachrichten, Telefonie oder Weltzeituhr. Auch eine Miniversion der Anwendung S-Note ist integriert. Darin lassen sich zwar Notizen schreiben, es fehlt aber die Handschrifterkennung. Die Schnellstartleiste lässt sich per Drag-and-Drop anpassen, das Hinzufügen weiterer Starter ist aber nicht vorgesehen.

Android 4.0.4 hat Samsung ebenfalls erweitert. So lässt sich die Helligkeitsautomatik auch im eingeschalteten Zustand nachregulieren. Die gleiche Funktion findet sich beim iPad.

Die Tastatur kann durch Kneifgesten verkleinert oder in zwei Teile geteilt werden. Aus Android 4.0 hingegen stammt die Möglichkeit, per Kneifgeste auf dem Homescreen eine Übersicht über alle Startbildschirme zu erhalten.

Jelly Bean - vielleicht

Die Touchwiz-Anpassungen sind im Vergleich zum Smartphones von Samsung etwas abgespeckt worden. Das mit dem Galaxy S3 vorgestellte Smart Stay hat Samsung hingegen auch auf dem Galaxy Note 10.1 umgesetzt. Dabei registriert das Gerät per Gesichtserkennung über die Frontkamera, ob ein Anwender auf dem Tablet liest und schaltet das Timeout des Bildschirms ab, auch wenn keine Eingaben auf dem Touchscreen erfolgen.

Noch läuft auf dem Galaxy Note 10.1 Android 4.0 alias Ice Cream Sandwich in der vierten Version. Samsung will Android 4.1 alias Jelly Bean als Update für das Galaxy Note 10.1 nachliefern. Einen Termin nennt der koreanische Hersteller allerdings nicht.

Splitscreen-Modus bei niedriger Auflösung und Akkulaufzeiten

Mit den Multitasking-Anpassungen in Android 4.0.4 wirkt das Galaxy Note 10.1 ebenfalls wie ein Tablet-PC. Denn als Besonderheit bietet Samsung einen Splitscreen-Modus an. So können zwei Android-Anwendungen nebeneinander dargestellt werden. Sie haben dann jeweils effektiv 640 x 800 Pixel. Nun mag der ein oder andere argumentieren, eine höhere Auflösung wäre schöner, gibt es in der Größe doch auch schon Full-HD-Panels und, wie beim iPad 3, mehr. Doch diese nutzen die hohe Auflösung eher für eine feinere Darstellung, da kleine Bedienungselemente mit derselben Auflösung schwieriger mit dem Finger zu treffen sind.

Für Notizen neben dem Browser oder das gleichzeitige Lesen von E-Mails ist der Splitscreen-Modus angenehm. Die Funktion hat allerdings, wie alle Samsung-Anpassungen, einen großen Nachteil. Nicht alle Anwendungen können diesen Modus nutzen. Darauf vorbereitet sind vor allem Samsung-Apps, die in einem entsprechenden Dropdown-Menü gelistet werden.

Copy-and-Paste funktioniert weitgehend, allerdings oft zu umständlich. Beim Kopieren von Text zwischen Memoanwendung und E-Mail-Programm beispielsweise nervte die ständig aufpoppende Tastatur.

Für das Kopieren von Bildern hat sich Samsung etwas Besonderes einfallen lassen. Soll ein Bild vom Browser in eine Notiz kopiert werden, wird zunächst ein Screenshot vom gesamten geöffneten Browserfenster gemacht. Danach wird es über das Browserfenster gelegt und der Anwender hat die Möglichkeit, einen Ausschnitt zu markieren und es per Drag-and-Drop in das danebenliegende Fenster mit der Notizanwendung oder dem E-Mail-Programm zu ziehen. Bis wir diese fummelige Funktion einigermaßen beherrschten, brauchten wir mehrere Durchläufe.

Benchmarks und Akkulaufzeit

Der 7.000-mAh-Akku, eine Angabe in Wattstunden gibt es von Samsung nicht, ermöglicht eine ordentliche Laufzeit. Unter Volllast mit unserer Scroll-Testseite hielt der Akku fünf Stunden durch. Bei normaler Verwendung musste das Tablet erst nach acht Stunden an das Ladegerät.

Der Quadcore-Prozessor liefert im Sunspider-Benchmark sogar bessere Werte als im Smartphone Galaxy S3. Im Standardbrowser schaffte Sunspider auf dem Tablet durchschnittlich 1.225 Millisekunden. Auf dem Galaxy S3 waren es noch 1.500 Millisekunden. Damit übertrifft das Tablet noch die Spitzenwerte des Smartphones.

Fazit und Verfügbarkeit des Galaxy Note 10.1

Das Galaxy Note 10.1 wird laut Samsung bereits ausgeliefert. Einige Händler listen bereits das Tablet. Der Preis ist offiziell mit rund 600 Euro für die WLAN-Variante und fast 700 Euro für die hier getestete 3G-Variante ziemlich hoch. Die Straßenpreise sind aber rund 100 Euro niedriger. Die beiden Modelle bieten jeweils 16 GByte internen Speicher. Varianten mit 32 oder 64 GByte sind zwar laut Samsung möglich und sollen in anderen Ländern auch verkauft werden. Für Deutschland gibt es diesbezüglich jedoch derzeit keine Pläne.

Fazit

Unverständlich finden wir weiterhin, dass Samsung seine Tablets hierzulande so gerne in der Sparvariante mit 16 GByte ausliefert. Samsung entschuldigt das mit mangelnder Nachfrage nach einem höherpreisigen Gerät. Trotz des Micro-SD-Slots halten wir das für eine falsche Entscheidung. Bei dem hohen Preis sollte gerade für den Flash-Fertiger Samsung mehr möglich sein.

Schade, dass die meisten Samsung-Spezialitäten eben nur Spezialitäten sind. Die vielen Verbesserungen von Samsung sollten Bestandteil von Android werden. Nur so werden Android-Entwickler in großer Anzahl diese Funktionen für ihre Apps umsetzen.

Die Schrifterkennung und Stiftbedienung ist an einigen Stellen hakelig, denn der Anwender muss diese erst einmal finden. Dafür funktioniert die Erkennung von Handschrift ziemlich gut. Wer häufig Notizen macht, findet mit dem Galaxy Note 10.1 eines der wenigen Tablets mit guter Stiftbedienung. In den meisten Anwendungen ist der Digitizer aber nur ein Ersatz für den Finger und es wird kein Gebrauch von dem speziellen Stift und seinen Tasten gemacht. Er ist aber immerhin präziser als ein kapazitiv arbeitender Stift.

Das zaghafte Multitasking, das Samsung und Google auf dem Tablet vorführen, ist nicht für die aktive Nutzung gedacht. Das Lesen zweier Anwendungen nebeneinander mag nützlich sein, Copy-and-Paste und Drag-and-Drop sind hingegen in dieser Form fast nicht nutzbar.

Insgesamt weisen viele der Softwarefunktionen zwar in die Zukunft, sind aber gegenwärtig kaum nutzbar. Der Digitizer verkommt in fast allen Anwendungen zur Spielerei, ein sinnvolles Arbeiten wie auf einem normalen Zeichentablet ist kaum möglich.

Die Hardwareausstattung ist bis auf die Displayauflösung allerdings überdurchschnittlich, auch dank des Quadcore-Prozessors und des großzügigen Arbeitsspeichers.

Das Galaxy Note 10.1 ist trotz Digitizer schlichtweg zu teuer.

Nachtrag vom 14. August 2012, 12:00 Uhr

Das Galaxy Note 10.1 bietet doch eine systemweite Handschriftenerkennung. Diese hat Samsung aber gut verborgen. Es gibt in der virtuellen Tastatur ein Werkzeugsymbol, mit dem die Handschriftenerkennung aktiviert werden kann. Ein kurzer Klick reicht jedoch nicht, da dann nur die Spracherkennung aktiviert wird. Stattdessen muss auf diese Schaltfläche lange gedrückt werden. Dann taucht eine Auswahl der Handschriftenerkennung auf. Diese kann mit dem Digitizer nur direkt ausgewählt werden, wenn der Anwender sich fast zum Nachbarsymbol bewegt, da hier ein Versatz von einem halben Zentimeter vorhanden ist. Der Text wurde entsprechend angepasst und das Tablet neu bewertet.  (as)


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