Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/1108/85444.html    Veröffentlicht: 03.08.2011 11:11

USK-Leitlinien

"Treffervisualisierung spielt eine zentrale Rolle"

Bislang galten sie als Verschlusssache: die Kriterien, nach denen die USK ihre Altersfreigaben für Computerspiele vergibt. Jetzt stellen die Jugendschützer Entwicklern, Publishern und der Öffentlichkeit ihre Leitlinien vor.

"Kinder und Jugendliche haben ein Recht darauf, vor sie beeinträchtigenden medialen Inhalten und Darstellungen geschützt zu werden", schreibt die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle in der Präambel ihrer jetzt veröffentlichten Leitlinien. Erstmals erklären die Jugendschützer darin, welche Kriterien bei der Altersbewertung eine Rolle spielen. "Diese Leitkriterien sind damit intern eine zentrale Grundlage für die Prüfgremien und bieten gleichzeitig hilfreiche Information sowohl für Nutzer als auch für Spielehersteller", erklärt USK-Geschäftsführer Felix Falk.

Die USK schreibt beispielsweise zum Thema Gewalt: "Bei der Bewertung der Wirkungsmacht von Gewaltdarstellungen spielt die Visualisierung und dabei vor allem die Treffervisualisierung eine zentrale Rolle. Diese kann in verschiedenen Grafikstilen umgesetzt sein, die von comichaft abstrakt bis zu realitätsnah reichen. Sind die Folgen der Gewalthandlungen detailliert umgesetzt und beinhalten dabei die Darstellung von Blut, Verletzungsfolgen (z. B. Wunden, Verbrennungen, akustische Umsetzung von Knochenbrüchen usw.) oder gar die Möglichkeit, Gliedmaßen von Gegnerfiguren abzutrennen bzw. vergleichbar drastische Visualisierungen, so ist dies im Hinblick auf die Einschätzung einer Beeinträchtigung oder sogar Gefährdung von besonderer Bedeutung."

An anderer Stelle führt die USK aus, dass "an tatsächlichen Konflikten orientierte Begebenheiten oder Schlachten" zwar sehr realitätsnah seien, aber "im Regelfall nicht die Lebenswirklichkeit von Kindern und Jugendlichen" abbilden und deshalb generell weniger problematisch seien. Anders sei es mit Settings, "die dem alltäglichen Leben von Kindern oder Jugendlichen entsprechen. Beispiele hierfür wären Szenarien, die Schulen, Wohngebiete, Einkaufszentren, Wohnheime oder Clubs nachbilden. Eine solche Nähe zur Realität oder Lebenswirklichkeit von Kindern oder Jugendlichen muss bei der Bewertung berücksichtigt werden, insbesondere wenn Gewalthandlungen in den Vordergrund des Gameplays rücken."

Andere aufgeführte Aspekte der Wirkungsmacht beziehen sich auf Gameplay, Atmosphäre und Jugendaffinität. Die Leitkriterien ergeben sich aus den geltenden Gesetzen, den Grundsätzen der USK, Erkenntnissen aus der Wissenschaft und der Spruchpraxis aus den 30.000 USK-Prüfungen in 16 Jahren sowie dem gesellschaftlichen Diskurs. Sie wurden laut USK von einem Expertenkreis erarbeitet und vom Beirat der USK beschlossen und in Kraft gesetzt.  (ps)


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