Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/1106/84163.html    Veröffentlicht: 14.06.2011 12:06

HTC Sensation im Test

Solides Smartphone enttäuscht mit schwachem Display

Mit dem Sensation präsentiert HTC ein robustes High-End-Smartphone mit einem großen 16:10-Display und einem Doppelkernprozessor, das gut in der Hand liegt. Unser Test hat allerdings gezeigt: Das Sensation ist gut - das Galaxy S2 ist besser.

Mit dem Sensation will HTC in der Smartphone-Oberklasse aufholen. Es hat ein großes Display und einen Doppelkernprozessor. Damit ist es mit Samsungs Galaxy S2 vergleichbar. Die beiden Smartphones unterscheiden sich jedoch; nicht nur im Format der Displays und bei der Anzahl der Bildpunkte, sondern auch bei der Darstellung - wir haben uns angesehen, wie.

Robustes Gehäuse mit Aluminium

Auf den ersten Blick wirkt das HTC Sensation solide. Das Gehäuse ist im aktuellen HTC-Design gehalten, mit einem diagonalen Querstreifen aus Aluminium auf der Rückseite, der nur bei genauerem Hinsehen erkennbar ist. Die Abdeckungen darüber und darunter sind aus kräftigem Plastik. Dadurch ist die rückseitige Abdeckung sehr viel robuster als die des Galaxy S2. Die mit Aluminium verarbeitete Rückseite wirkt sich auf das Gewicht aus: Das HTC Sensation wiegt 149 Gramm - viel, verglichen mit den 115 Gramm des Galaxy S2 und den 140 Gramm des iPhone 4, das ebenfalls einen Aluminiumrahmen hat.

Das HTC Sensation ist mit fast durchgehend 11,3 Millimetern deutlich dicker als das Galaxy S2 mit 8,5 Millimetern und das iPhone 4 mit 9,4 Millimetern, jedoch ähnlich lang und breit: Mit 126 Millimetern ist das HTC fast genauso lang wie das Galaxy S2 und mit 65,4 Millimetern nur wenig breiter. Durch seine abgerundeten Ecken wirkt das Sensation jedoch schlanker als das eckige Smartphone von Samsung.

Doppelkernprozessor von Qualcomm

Im HTC Sensation ist wie im Galaxy S2 von Samsung ein Doppelkernprozessor verbaut. Während HTC genaue Angaben zu dem Prozessor macht - einem Snapdragon QSD 8255 von Qualcomm mit ARM-Cortex-A7-Architektur -, teilt Samsung nur mit, es handle sich um die Eigenentwicklung Exynos-4210, einen Chipsatz auf ARM-Cortex-A9-Basis.

Benchmarks und Displayvergleich

Die Benchmarks Spidermonkey und Quadrant zeigen das Galaxy S2 deutlich vorne: Im Standardbrowser lag das Smartphone von Samsung mit durchschnittlich 6.400 Punkten vor dem Sensation mit 3.475 Punkten. Im Firefox-Browser bestätigten sich die Ergebnisse mit durchschnittlich 2.450 Punkten beim HTC Sensation gegenüber 1.520 Punkten beim Galaxy S2. Die Werte werden auch von dem Quadrant-Benchmark bestätigt, das auch die Leistung des Grafikchips und die Schreib- und Lesegeschwindigkeit auf die SD-Karte misst: Dort lag das Galaxy S2 mit durchschnittlich 3.500 Punkten vor dem Sensation mit 2.200 Punkten. Im normalen Gebrauch spielt die schwächere Leistung des Sensation aber kaum eine Rolle: Während Webseiten mit Flash-Inhalten beim Scrollen noch leichte Ruckler verursachen, ist das Abspielen von HD-Videos flüssig; es gab keine Aussetzer. Auch das Starten von Anwendungen war ebenso flott wie die Reaktion auf Eingaben.

Gorilla-Glas im 16:10-Format

Unter der Scheibe aus Gorilla-Glas verbirgt sich ein Super-LC-Display im 16:10-Format. Das kratzfeste Glas ist an den Rändern nach innen gewölbt. Dadurch soll das Display stabiler sein. Dem Bildschirm hat HTC satte 540 x 960 Bildpunkte gegönnt, die auf 4,3 Zoll in der Diagonalen verteilt sind. Auffällig ist zunächst, dass das Display des Sensations nur wenig blickwinkelstabil ist; wird das Smartphones nur leicht gekippt, wirken die Farben verwaschen mit deutlichen verstärkten Weißtönen. In hellen Umgebungen wird der Bildschirm schnell unlesbar.

Im Vergleich zum Galaxy S2 mit seinem Super-Amoled-Display mit 480 x 800 Pixeln wirken die Farben beim Sensation selbst beim direkten Draufblicken und voller Lichtstärke unecht und verwaschen, auch wenn das Galaxy S2 einen leichten Blaustich hat. Auch mit dem Retina-Display des iPhone 4 (640 x 960 Pixel) kann das Sensation nicht mithalten.

Netzwerk ohne HSPA+

HTC hat das Sensation mit 786 MByte Arbeitsspeicher ausgestattet, davon bleiben dem Anwender 558 MByte für das Ausführen von Anwendungen. Android 2.3.3 ist auf dem 4 GByte großen ROM-Chip untergebracht, von dem 1,2 GByte als interner Speicher zur Verfügung stehen. Zusätzlich legt HTC dem Gerät eine Micro-SD-Speicherkarte mit 8 GByte bei. Im Vergleich hat das Galaxy S2 1 GByte RAM und 2 GByte internen Speicher.

Auch bei den Netzwerkfähigkeiten bleibt das HTC Sensation hinter dem Galaxy S2 zurück, das WLAN-Modul nach 802.11 b/g/n deckt das 5-GHz-Band nicht ab, und auch mit HSPA+ kommt das Gerät nicht klar. Die Übertragung per WLAN ist aber sehr gut. Beide Geräte können über Bluetooth 3.0 funken. Die Sprachqualität beim Telefonieren ist einwandfrei.

Der Lithium-Ionen-Akku hat eine Kapazität von 1.520 mAh und versorgt das Gerät bei durchschnittlichem Gebrauch bis zu eineinhalb Tage mit Strom. GPS, WLAN und das Abspielen von Videos beanspruchen den Leistungsverbrauch überdurchschnittlich. Im Vergleich hält das Galaxy S2 marginal länger durch.

Kamera und HTC Sense

Die im Gerät von HTC verbaute 8-Megapixel-Kamera kann auf einen doppelten LED-Blitz zurückgreifen. Die Einstellungen für Fotoaufnahmen sind durchschnittlich, sie beschränken sich auf das Nötigste, etwa für ISO-Werte oder den Weißabgleich. Die Aufnahmen mit der Kamera sind ebenfalls nichts Besonderes, die Farben verwaschen bei schwierigeren Lichtverhältnissen schnell. Auch die Videoaufnahmen sind mäßig. Die Kamera nimmt Videos in Full-HD auf. Für die meisten Belange reicht die Kamera durchaus, die im Galaxy S2 macht allerdings bessere Aufnahmen.

HTC-Sense mit neuem Lock-Screen

Gut gefällt die HTC-eigene Benutzeroberfläche Sense, die auf dem Sensation in der Version 3.0 beiliegt. Vor allem die Funktionen auf dem Sperrbildschirm überzeugen: Sie zeigen verpasste Anrufe sowie empfangene E-Mails und Nachrichten an. Mit dem Ziehen eines Symbols auf den Ring zum Entsperren startet direkt die entsprechende Anwendung. Zusätzlich gibt es ein Schnellstarticon für die Kamera.

Durch die Homescreens kann jetzt um 360 Grad gescrollt werden. Durch die installierten Apps wird weiterhin von oben nach unten gescrollt. Applikationen werden unter dem Sternicon nach der Häufigkeit der Benutzung sowie unter dem Pfeilicon nach von Benutzer installierten Apps sortiert. Zusätzlich hat HTC ein Fotoraster-Widget spendiert, in dem Fotos gekachelt dargestellt und per Antippen angezeigt werden können. Neu hinzugekommen ist auch das Widget Watch, das den Zugang zu HTCs Videostreamdienst ermöglicht.

Verfügbarkeit und Fazit

Bei Vodafone ist das HTC Sensation ohne Vertrag für 539 Euro erhältlich. Sowohl die Telekom als auch Base bieten das Smartphone im Rahmen einer Vertragsverlängerung an. Bei Amazon kostet das Gerät 577 Euro. Der Listenpreis beträgt 599 Euro.

Fazit

Der Bildschirm des Sensation hält dem direkten Vergleich zum Galaxy S2 nicht stand. Die Farben wirken unecht und die Darstellung schon bei kleinen Blickwinkeländerungen verwaschen. Hinzu kommen die durchschnittlichen Netzwerkfähigkeiten, WLAN im 5-GHz-Bereich ist bereits weit verbreitet und HSPA+ dürfte in den kommenden zwei Jahren eine immer größere Rolle spielen. In Anbetracht dieser Mankos ist der empfohlene Verkaufspreis von 599 Euro im Vergleich zu den 649 Euro, die Samsung für das Galaxy S2 mit 16 GByte Speicher verlangt, zu hoch.

Für sich allein betrachtet, macht das HTC Sensation aber einen guten Eindruck. Das Display macht die schlechte Darstellung durch seine Größe zumindest teilweise wett. Die solide Verarbeitung überzeugt, das Gerät liegt gut in der Hand und wirkt robuster als das Galaxy S2. Dass die Benchmarks im Vergleich zu Samsungs Galaxy S2 schlechter ausfallen, spielt im Alltag fast keine Rolle; nur der Flash-Player bremst das Gerät etwas aus. Die Benutzeroberfläche Sense 3.0 macht einen durchdachten Eindruck und die neuen Funktionen auf dem Sperrbildschirm sind gut. Wer mit dem schwachen Display leben kann und keinen Wert auf überdurchschnittliche Fotos legt, der ist mit dem HTC Sensation gut bedient.  (jt)


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