Original-URL des Artikels: http://www.golem.de/0712/56741.html    Veröffentlicht: 31.12.2007 14:41

24C3: Volldampf voraus zu mehr Selbstbeteiligung

Tim Pritlove zieht positives Kongressfazit, fordert mehr Engagement

Gleich nach den Security Nightmares kam traditionell Tim Pritloves Abschlussrede zum 24C3. Trotz leicht gesunkener Teilnehmerzahl fühlte sich der Kongress sehr voll an. Pritlove zog denn auch ein positives Fazit und schloss mit der Aufforderung, selbst aktiv zu werden, den Kongress ab.

Twentyfour - Vierundzwanzig: Damit leitete Tim Pritlove den Anfang vom Ende des Kongresses ein, der im Berliner Congress Center (BCC) stattfand. Ganz ohne Schwierigkeiten verlief der Kongress nicht, auch wenn davon von außen und innen wenig zu bemerken war. Probleme bereitete ein fehlender Raum im Workshop-Bereich im Vorfeld sowie das Netzwerk im Verlauf der Veranstaltung.

Die im BCC verlegten Glasfasern (Multimode) waren nicht ideal für das geplante 10-GBit-Ethernet und es waren einige Hardwarehacks notwendig, um das Netzwerk in Betrieb zu nehmen. Unter anderem brauchte man spezielle Geräte und ER-Dioden, um die Glasfasern nutzbar zu machen. Eigentlich reichen die Dioden, um etwa 40 Kilometer Glasfaser zu überbrücken. Im BCC schaffte man damit ganze 50 Meter. So kurz vor Weihnachten und noch durch das Chaos Communication Camp geschwächt, war dies durchaus eine Herausforderung für die Organisation und das Netzwerkteam.

Unter dem Strich zählte der Kongress 4.013 Besucher, 100 Vorträge und 25 Workshops. Im Netzwerk meldeten sich mehr als 5.800 eindeutige MAC-Adressen an, im WLAN fanden sich zu Spitzenzeiten ganze 625 Geräte. Am RFID-Projekt "Sputnik" nahmen dieses Jahr nur 210 Kongressbesucher teil. Die Daten des letzten Jahres sind durch Fehler nicht ganz so ergiebig gewesen. Dieses Jahr soll aber alles geklappt haben. Die RFID-Sender der Teilnehmer wurden über 37 Lesegeräte registriert. Immerhin 580 MByte an Daten konnten gesammelt werden, die demnächst beim OpenBeacon-Project bereitstehen sollten.

Die maximal genutzte Bandbreite von drei Leitungen mit je 1 GBit/s betrug 2,3 GBit/s im Upstream, auch für das Streaming der Konferenzbeiträge. Auf einem Graphen der Netzwerk-Modulation entdeckte man übrigens ein "Hello World" im Morsecode - hacken einmal anders.

Von außen waren, bis auf wenige Ausnahmen, die Vorträge als Live-Stream abrufbar. Mittlerweile ist der Großteil der Vorträge auch als Videodownload in verschiedenen Formaten zu finden. Der Server der TU-Ilmenau hat alleine rund 10 Terabyte an Daten in 7 Tagen über die Streaming-Leitung geschickt - das Videoteam war dieses Jahr äußerst schnell. Die meisten Beiträge finden sich im "Matroska / Vorbis / H.264"-Bereich, andere Formate werden erst im Laufe der Zeit vervollständigt.

Ein paar kleinere Vorfälle waren ebenfalls zu verzeichnen. Der erwähnenswerteste war sicher der Hack kleinerer Seiten der SPD und CDU. Beide Webseiten wurden durch neue selbsternannte Mitglieder dazu bewogen, ein "Zurückrollen" Schäubles vom Amt des Innenministers zu fordern sowie die Forderung des CCC nach Streichung des umstrittenen Hacker-Paragrafen zu unterstützen. Dafür gab es vom Publikum einen stürmischen Applaus. Eine kleine Liste aller Hacks gibt eine Übersicht weiterer Aktivitäten einiger Hacker.

Ein weiteres Opfer war ein Bluespot der Berliner Wall AG, welcher kurzerhand mit dem 24C3-Logo verziert wurde. Der neben dem Kongress vorhandene Media Markt setzte einen Kongressteilnehmer fest, der mit einer TV-B-Gone-Fernbedienung den Markt durchquerte. Die Universalfernbedienung ist in der Lage, mehrere Fernseher auszuschalten - praktisch, wenn mehrere im eigenen Besitz sind, nicht so praktisch, wenn man sie in Elektrofachmärkten benutzt. Außerdem kursierten wohl einige Bilder, die man via Bluetooth nicht annehmen hätte sollen - sie sollen einige Mobiltelefone zum Stillstand gebracht haben.

Einen Aufruf hatte Tim Pritlove noch an alle Zuschauer: Er forderte zu mehr Eigenbeteiligung auf und zeigte sich erfreut über die kleine Demonstration vor dem BCC gegen Vorratsdatenspeicherung und Überwachung. Seine Ratschläge im Einzelnen: "Educate your peers; Organize and look forward; Build a hacker Space; Create, intensify and unite!".

Am Ende wurden die Zuhörer noch mit einer Kuriosität beglückt oder - je nach Sichtweise - gequält: Eine musikalische Einspielung eines Popsongs aus dem Jahre 1996, der sich dem Thema Bits & Bytes zumindest ansatzweise näherte, sollte für Stimmung unter den Hackern sorgen. Die sollten frei nach dem Motto "Ballermann 24" sogar mitsingen. Der Titel "Surfen Multimedia" der Popgruppe Eurocats sorgte dank unfreiwillig komischer Texte und nicht gerade guter Musikuntermalung allerdings eher für Gelächter, damit aber ebenso für gute Stimmung.

Im kommenden Jahr feiert der Chaos Communication Congress sein 25. Jubiläum, wieder zwischen den Jahren. Auch 2008 wird die Veranstaltung im Berliner Congress Center (BCC) in der Nähe des Alexanderplatzes stattfinden. Die Zusammenarbeit mit dem BCC klappt laut Pritlove gut, man spricht eher von einem freundschaftlichen Verhältnis.  (as)


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Links zum Artikel:
Chaos Computer Club: http://www.ccc.de

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