Anzeige
Wer hört alles mit, wenn Juniper-Geräte Datenverkehr verschlüsseln?
Wer hört alles mit, wenn Juniper-Geräte Datenverkehr verschlüsseln? (Bild: Victorgrigas, Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0)

Zufallszahlengenerator: Juniper wegen Hintertüren in Erklärungsnot

Wer hört alles mit, wenn Juniper-Geräte Datenverkehr verschlüsseln?
Wer hört alles mit, wenn Juniper-Geräte Datenverkehr verschlüsseln? (Bild: Victorgrigas, Wikimedia Commons/CC-BY-SA 3.0)

Nach wie vor verwenden Juniper-Geräte einen Zufallszahlengenerator, der vermutlich eine Hintertür eingebaut hat. Juniper will diesen zwar entfernen, sieht aber keine akute Gefahr. Dabei gibt es sehr klare Hinweise darauf, dass er böswillig eingebaut wurde.

Juniper hat sich nach längerem Schweigen nun in einem Blogeintrag zu den Entdeckungen rund um die mutmaßlichen Hintertüren in seinen ScreenOS-Produkten geäußert. Demnach will der Konzern den fragwürdigen Zufallszahlengenerator Dual EC DRBG, der sehr wahrscheinlich ein Produkt der NSA ist und eine Hintertür enthält, aus seinen Produkten entfernen. Aktuell nutzen die ScreenOS-Router jedoch noch Dual EC. Juniper bestreitet, dass dies eine Gefahr darstellt. Neuere Untersuchungen der Juniper-Firmware, die auf der Real-World-Crypto-Konferenz vorgestellt wurden, lassen jedoch kaum einen anderen Schluss zu, als dass dieser Zufallszahlengenerator von jemandem eingebaut wurde, der einen Hintertür-Schlüssel dazu besitzt.

Anzeige

Zwei Hintertüren - oder auch drei

Zur Erinnerung: Kurz vor Weihnachten hatte Juniper öffentlich bekannt gegeben, dass in seinen ScreenOS-Routern zwei Hintertüren gefunden wurden. Bei der einen handelt es sich um ein fest eingestelltes SSH-Passwort - eine relativ triviale, aber doch gravierende Lücke. Weit ausgefeilter ist die zweite Lücke: Ein Angreifer hatte offenbar die Parameter für den Zufallszahlengenerator Dual EC geändert.

Der Zufallszahlengenerator Dual EC erlaubt es demjenigen, der die Parameter für die darin verwendeten elliptischen Kurven erstellt, gleichzeitig, einen geheimen Wert zu speichern, der es ihm anschließend erlaubt, bei Kenntnis eines kleinen Zufallszahlenstroms die zukünftigen Werte von Dual EC zu berechnen. Das Pikante: Der Angreifer, der die Hintertüre in Junipers Produkten platziert hatte, hat die Parameter für Dual EC lediglich ausgetauscht. Dazu kommt: Durch einen Fehler im Code wurde ein zweiter Zufallszahlengenerator namens ANSI X9.31 deaktiviert. Durch die Verkettung von zwei Zufallszahlengeneratoren wäre die Gesamtkonstruktion ohne diesen Fehler wieder sicher gewesen.

Als Juniper die geänderten Parameter entdeckte, wurden zunächst lediglich die alten Parameter wiederhergestellt. Der Bug, der die Verwendung von ANSI X9.31 verhindert, wurde bislang nicht behoben. Doch ob die ursprünglichen Parameter frei von einer Hintertür sind, ist äußerst fragwürdig. Juniper bestreitet jedoch, dass es hier ein Problem gebe. "Wir sind überzeugt davon, dass die gepatchten Releases, die Dual EC verwenden, sowohl den unautorisierten Zugriff als auch die VPN-Entschlüsselung verhindern", heißt es dazu in Junipers Blogpost.

Änderung an IPSEC macht Juniper-Erklärung unglaubwürdig

Hovav Shacham, Professor an der University of California in San Diego, hat auf der Real-World-Crypto-Konferenz in Stanford vor einigen Tagen weitere Details zu Junipers Verwendung von Dual EC präsentiert. Eine Änderung in IPSEC, die gleichzeitig mit der Einführung von Dual EC in ScreenOS vorgenommen wurde, dürfte Juniper in Erklärungsnöte bringen. Das IKE-Protokoll, das Teil von IPSEC ist, verwendet einen Nonce-Wert, der durch den Zufallszahlengenerator erzeugt wird. Die Länge des Nonce-Wertes ist variabel, die Mehrzahl der IPSEC-Implementierungen verwendet hier 20 Bytes. Juniper änderte diesen Wert auf 32 Byte - und zwar exakt zu dem Zeitpunkt, als der Zufallszahlengenerator Dual EC ursprünglich in ScreenOS eingebaut wurde. Beide Änderungen wurden in der Version 6.2.0r1 vorgenommen.

Dazu muss man wissen: Für einen erfolgreichen Angriff auf Dual EC benötigt ein Angreifer, der den geheimen Schlüssel besitzt, einige ungefilterte Zufallsbytes. 20 Bytes reichen hier nicht, 32 Bytes sind jedoch ausreichend. Sprich: Genau zu dem Zeitpunkt, als Juniper Dual EC in ScreenOS eingebaut hat, wurde auch eine Änderung im IPSEC-Protokoll vorgenommen, die die Ausnutzung der Dual-EC-Schwäche erst ermöglicht.

Es deutet viel darauf hin, dass es sich bei den Hintertüren in Junipers Geräten um drei unterschiedliche Akteure handelte. 2008 wurde Dual EC in den ScreenOS-Code eingefügt. Durch eine Änderung am Nonce-Wert von IKE und einen Bug wurde die Ausnutzung überhaupt erst möglich. 2012 wurden die Parameter von Dual EC geändert, nach der Entdeckung vor Weihnachten wurden diese auf den ursprünglichen Wert zurückgestellt. 2014 wurde das davon komplett unabhängige Default-Passwort im SSH-Code eingefügt.

Junipers Erklärung, dass der Zufallszahlengenerator Dual EC keine Gefahr darstelle, erscheint vor diesen Hintergründen kaum glaubwürdig. Von Junipers Pressestelle erhielten wir einen Verweis auf den Blogeintrag, weitere Fragen zu dem Vorfall wollte Juniper nicht beantworten. Juniper plant nun, den Zufallszahlengenerator Dual EC und auch ANSI X9.31 komplett zu entfernen und durch einen völlig anderen Zufallszahlengenerator zu ersetzen. Doch wann diese Änderung vorgenommen wird, dazu gibt es bislang von Juniper keine Angaben. Besitzern von Junipers ScreenOS-Produkten kann man zur Zeit wohl nur empfehlen, diese Geräte nicht mehr zu nutzen.


eye home zur Startseite
DetlevCM 12. Jan 2016

Meine ehemalige Uni hatte vorher Exchange - also mindestens etwas Kompetenz in Sachen...

Wurly 12. Jan 2016

Man kann Volkswagen aber mit den Worten "dem Autohersteller" ... einleiten.

spiderbit 11. Jan 2016

ja statt das problem einfach zu fixen wird ein neuer ein gebaut wo noch niemand die...

Wallbreaker 11. Jan 2016

Klingt mir zu sehr verallgemeinert. Wenn die richtigen und vor allem unabhängigen Leute...

Kommentieren



Anzeige

Stellenmarkt
  1. IVU Traffic Technologies AG, Berlin, Aachen
  2. Robert Bosch GmbH, Stuttgart-Feuerbach
  3. Robert Bosch GmbH, Leonberg
  4. Robert Bosch GmbH, Gerlingen-Schillerhöhe


Anzeige
Blu-ray-Angebote
  1. 18,99€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. 149,99€
  3. (jeden Dienstag ist eine neue Folge verfügbar)

Folgen Sie uns
       


  1. Kompressionsverfahren

    Dropbox portiert Brotli auf Rust

  2. Amazon

    Smartphone-Kauf wird durch Werbeeinblendungen billiger

  3. EM-Drive

    Der Warp-Antrieb muss noch warten

  4. Faster

    Googles Seekabel ist fertig

  5. Uncharted 4

    Nathan Drake mit Level 70

  6. BVG

    U-Bahn nutzt für WiFi-Hotspots eigenes Glasfasernetz

  7. Brexit

    Nordrhein-Westfalen wirbt um Vodafone-Konzernzentrale

  8. Like-Buttons

    Facebook darf Daten von Nicht-Nutzern weiter speichern

  9. Linux-Distributor

    Canonical drängt Hoster zu Ubuntu-Markenlizenzen

  10. Klage gegen Apple

    Angeblicher iPhone-Erfinder will 21 Milliarden US-Dollar



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Bargeld nervt: Startups und Kryptowährungen mischen die Finanzbranche auf
Bargeld nervt
Startups und Kryptowährungen mischen die Finanzbranche auf
  1. Gehalt.de Was Frauen in IT-Jobs verdienen
  2. Darknet-Handel Nutzerdaten von Telekom-Kunden werden verkauft
  3. Homeland Security Frage nach Facebook-Konto bei Einreise in die USA geplant

Geforce GTX 1080/1070 im Test: Zotac kann Geforce besser als Nvidia
Geforce GTX 1080/1070 im Test
Zotac kann Geforce besser als Nvidia
  1. Die Woche im Video Superschnelle Rechner, smarte Zähler und sicherer Spam
  2. Geforce GTX 1080/1070 Asus und MSI schummeln mit Golden Samples
  3. Geforce GTX 1070 Nvidia nennt Spezifikationen der kleinen Pascal-Karte

IT und Energiewende: Fragen und Antworten zu intelligenten Stromzählern
IT und Energiewende
Fragen und Antworten zu intelligenten Stromzählern
  1. Smart Meter Bundestag verordnet allen Haushalten moderne Stromzähler
  2. Intelligente Stromzähler Besitzern von Solaranlagen droht ebenfalls Zwangsanschluss
  3. Smart-Meter-Gateway-Anhörung Stromsparen geht auch anders

  1. Re: EU Austritt aber im EWR bleiben?

    DrWatson | 12:17

  2. Re: Aufsatz Infrarot Filter für das iPhone wird...

    TrollNo1 | 12:16

  3. Re: Egal wie es ausgeht, GB ist der dumme

    Avarion | 12:16

  4. Re: Ich find's X gut, weil...

    Bouncy | 12:16

  5. Re: Sicht-Hindernisse gab es auch

    TrollNo1 | 12:15


  1. 12:20

  2. 12:17

  3. 12:06

  4. 12:05

  5. 11:18

  6. 11:15

  7. 10:03

  8. 09:36


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel