World Press Photo Award: Wie viel Photoshop verträgt ein Reportagebild?
Das umstrittene Siegerbild des World Press Photo Award 2012 (Bild: Paul Hansen/Dagens Nyheter)

World Press Photo Award Wie viel Photoshop verträgt ein Reportagebild?

Die Kontroverse um das Siegerbild des World Press Photo Award 2012 reißt nicht ab. Eine laienhafte Analyse der Bearbeitungsschritte rief zahlreiche Berichte hervor, die Jury des Preises weist die Kritik deutlich zurück.

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Die Organisation World Press Photo hat in einer ausführlichen Stellungnahme Kritik am Foto des Jahres 2012 zurückgewiesen. Zuvor hatten einige US-Medien vermeintlich detaillierte Analysen des nach ihrer Meinung stark bearbeiteten Bildes veröffentlicht. Besonders fiel dabei ein Artikel bei Extremetech auf, in dem in der ursprünglichen Fassung das Foto als "betrügerische Fälschung" bezeichnet worden war. Diese Formulierung hat Extremetech inzwischen geändert.

Die Webseite stützte sich dabei auf einen Blogeintrag von Neal Krawetz, einem Doktor der Informatik, der sich auf Datenforensik spezialisiert hat. Krawetz hatte vor einigen Tagen unter anderem behauptet, dass das Bild mittels Compositing aus mehreren Aufnahmen zusammengesetzt und eigens für den Wettbewerb noch einmal in einer neuen Fassung bearbeitet worden sei.

  • Das Originalbild, wie es zum Wettbewerb eingereicht wurde (Foto: Paul Hansen/Dagens Nyheter)
Das Originalbild, wie es zum Wettbewerb eingereicht wurde (Foto: Paul Hansen/Dagens Nyheter)

Dem widerspricht World Press Photo; die Organisation hatte dazu auch die originale Raw-Datei der Aufnahme drei Wissenschaftlern zur Verfügung gestellt. Die Experten kommen zu dem Schluss, dass es sich nicht um Compositing handelt und weisen Krawetz einen entscheidenden Fehler nach: Anhand der Metadaten der JPEG-Datei - und nur diese ist öffentlich zugänglich - lässt sich nämlich nicht nachweisen, wann und in wie vielen Versionen das Bild gespeichert wurde.

Das hatte Krawetz aber behauptet und er geht anhand von im Web gesammelten verschiedenen Versionen der JPEG-Datei und den Metadaten davon aus, dass das Bild am Tag der Aufnahme, dem 20. November 2012, erstmals bearbeitet worden sei. Danach soll es aber Anfang 2013 - also während des Wettbewerbs - erneut verändert worden sein.

Wie die von World Press Photo bestellten Experten jedoch erklären, lässt sich durch die von Photoshop gespeicherten XMP-Daten nicht nachvollziehen, welche Bearbeitungsschritte vollzogen wurden und wie oft sie gespeichert wurden. Das räumt auch Krawetz in einem neuen Blogeintrag ein.

Auch der Vorwurf des Compositing ist noch nicht vom Tisch, denn die Verteidiger der Aufnahme sagen - ebenso wie der Fotograf Paul Hansen, von dem das Bild stammt -, dass für das Endergebnis mehrere Layer derselben Raw-Datei verwendet wurden. Das verleiht dem Bild auch den HDR-ähnlichen Look, der bei dieser Technik oft verwendet wird: Mehrere in Farbe, Helligkeit und Kontrast unterschiedliche Ebenen desselben Bildes werden kombiniert. So dürften hier unter anderem die Gesichter der Personen in der dunklen Umgebung aufgehellt worden sein, ohne die Häuser zu hell werden zu lassen.

Krawetz schreibt in seinem Update, dass er damit den Vorwurf des Compositing als erwiesen ansehe. Darüber kann man jedoch immer noch streiten, denn die endgültige Darstellung besteht nur aus den Daten, die mit einer Aufnahme erfasst worden waren. Ob jedoch die starke Bearbeitung bei Farbe und Licht zulässig ist, ist eine andere Frage.

Unscharfe Regeln führen zu gestalteten Bildern 

ichbinsmalwieder 27. Jun 2013

Solche Vorwürfe kommen i.d.R. von selbst ernannten Semi-Profi-Fotografen, die glauben...

anne-ma 23. Mai 2013

ist doch nicht anders zu erwarten. hauptsache photogeshoped.

Icestorm 16. Mai 2013

Ich habe schon längere Zeit die Vorstellung einer abstrakten Szenen- oder...

WerbeMax 16. Mai 2013

Selbst als Fotolaie brauch ich keine Brille um zu sehen, dass an dem Bild gedreht wurde...

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KAY MACKE's Websudelbuch / 16. Mai 2013

Diskreditierung



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