Werbefinanzierte Copyrightverstöße: Die Spur des Geldes im Netz
(Bild: Bernadett Szabo/Reuters)

Werbefinanzierte Copyrightverstöße Die Spur des Geldes im Netz

Auch Unternehmen wie Google und Yahoo sollen am Werbegeschäft von Internetportalen beteiligt sein, denen zahlreiche Urheberrechtsverletzungen vorgeworfen werden, so eine Studie. Eine US-Urheber-Initiative fordert Künstler auf, gegen Markenwerbung auf sogenannten Piratenseiten mobil zu machen.

Anzeige

Große Unternehmen werben mitunter auf Internetseiten, die gewerbsmäßig Urheberrechte verletzen, indem sie Filme, Spiele und Musik illegal zugänglich machen. Das ist für Rechteinhaber seit langem ein Ärgernis. Die Betreiber illegaler Plattformen finanzieren mit den Werbeerlösen ihre technische Infrastruktur und fahren in Fällen wie der mittlerweile geschlossenen Streaming-Plattform Kino.to Gewinne in Millionenhöhe ein. In die Produktion der Werke, mit denen sie oft immense Klickzahlen generieren - Kino.to war einst eine der 50 meistbesuchten Seiten Deutschlands - investieren die Plattformbetreiber dagegen keinen Cent.

Bereits im August 2012 belegte die US-Urheber-Initiative The Trichordist ("Künstler für ein ethisches und nachhaltiges Internet") mit Screenshots: Anzeigen großer Markenhersteller wie VW, Ford, Emirates Airlines und LG landen auf dem Portal Filestube, dem bereits millionenfach Copyrightverstöße vorgeworfen wurden. Allerdings müssen die Unternehmen die Schaltung nicht bewusst veranlasst haben. Sie beauftragen in der Regel Agenturen, die wiederum zahlreiche weitere Vermittler - etwa Internetbörsen für Onlinewerbung (Ad Exchanges) - einschalten, bis das Werbebanner schließlich irgendwo im Netz landet.

Ein Bericht des Annenberg Innovation Lab der University of Southern California (5. Januar 2013) kommt aktuell zu dem Schluss: Markenunternehmen sind sich oft nicht bewusst, dass sie mit ihren Werbegeldern "parasitäre" Geschäftsmodelle finanzieren. Die mangelnde Transparenz der Werbenetzwerk-Industrie im Internet sei ein klassischer Fall des Marktversagens.

Das Lab will mit einem Transparenzbericht monatlich dokumentieren, welche Werbenetzwerke Betreibern von "Piratenseiten" Anzeigen vermitteln. Die ersten Ergebnisse zeigen die Beteiligung prominenter Unternehmen. In den Top Ten der von "Piraterieseiten" genutzten Werbenetzwerke und -Server landet Google (inklusive des Dienstes Doubleclick) auf Platz 2 und Yahoo (inklusive des Dienstes Right Media) auf Platz 6.

"Unternehmen und Werbenetzwerke wollen nicht als böse gelten"

Google reagierte mit verhaltener Kritik. Man glaube, die Ergebnisse seien irreführend, wenn sie nahelegen, dass Google-Anzeigen eine bedeutende Einnahmequelle für große Piratenseiten seien, erklärte das Unternehmen auf Anfrage der Los Angeles Times. Was Google als eine "große" Piratenseite einstuft und was als "bedeutende" Einnahmequelle, lässt das Unternehmen offen. Ein eindeutiges Dementi hört sich anders an.

Google verweist gegenüber dem Innovation Lab außerdem darauf, dass das Unternehmen nicht unbedingt an Werbeerlösen von Internetseiten beteiligt ist, die einen Google-Code in ihrem Quelltext verwenden. Millionen von Werbetreibenden und Seitenbetreibern würden selbst entscheiden, wie sie Googles Doubleclick-Technologie nutzen, und man könne nicht "sehen", wo all diese Anzeigen auftauchen.

Zugleich sichert Google zu, Vorwürfen nachzugehen. Bekomme man Kenntnis davon, dass mit der Doubleclick-Technologie Anzeigen auf copyrightverletzenden Seiten geschaltet würden, kontaktiere man die beteiligten Werbetreibenden und Seitenbetreiber, damit sie "etwas unternehmen" ("We contact the affected advertisers and publishers to take action"), zitiert der Bericht das Unternehmen. Das Annenberg Innovation Lab kommentiert: "Wir sind darüber erfreut, dass Google seit kurzem seine Bemühungen verstärkt, Werbekunden wissen zu lassen, wenn ihre Anzeigen auf illegalen Seiten erscheinen." Man gehe davon aus, dass sich diese Bemühungen in den neuen Daten niederschlagen würden, die das Innovation Lab im Februar veröffentlichen will. Außerdem regt der Bericht wissenschaftliche Untersuchungen der Geldflüsse im Netz an.

"Wir glauben, dass sowohl die prominenten Werbenetzwerke als auch die großen Markenunternehmen nicht als 'böse' wahrgenommen werden wollen", schreibt das Innovation Lab in Anspielung auf Googles informelles Unternehmensmotto "Don't be evil" (Sei nicht böse). Tatsächlich könnten die Recherchen des Annenberg Lab speziell für Google peinlich werden, wenn sich der Eindruck erhärtet, das Unternehmen kooperiere mehr oder minder indirekt mit fragwürdigen Internetangeboten.

Was ist eine Piratenseite?

Das Lab nutzt Googles eigenen Transparenzbericht, um sogenannte Piratenseiten zu identifizieren. Darin listet Google Internetangebote auf, gegen die besonders häufig Löschanträge wegen Copyrightverstößen eingehen. Auf Antrag von Rechteinhabern streicht das Unternehmen monatlich Millionen Unterseiten von Domains wie Filestube, Isohunt und MP3Skull aus den Suchergebnissen. Doch ausgerechnet die Werbeschaltung auf dem Portal Filestube, das im Transparenzbericht regelmäßig den Rekord bei Löschanträgen von Rechteinhabern aufstellt, lief die Werbeschaltung zumindest 2012 noch teilweise über Google-Dienste, wie der Bericht des Annenberg Innovation Lab nahelegt (siehe Visualisierung auf Seite 5).

Google lässt mit Rechteinhabern den illegalen Markt erforschen 

Trockenobst 13. Jan 2013

Ging es bei dem Thema nicht um Informationsfreiheit, Lagerfeuerromantik und all die...

Trockenobst 13. Jan 2013

Ich finde die Übertreiben. Der Untergrund hat genug Werbekunden aus der Porno...

Kommentieren



Anzeige

  1. (Senior) Projektmanager (m/w) Inhouse Consulting mit Schwerpunkt Finanz- und Rechnungswesen sowie IT
    über InterSearch Executive Consultants GmbH & Co. KG, keine Angabe
  2. Testmanager/-in-User Acceptance Test (UAT)
    M-net Telekommunikations GmbH, München
  3. Projekt-Ingenieur (m/w) Security Sicherheitssysteme
    Flughafen München GmbH, München
  4. Junior Performancetester (m/w)
    Interhyp AG, München

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. Fire TV Stick
    39,00€
  2. TOPSELLER BEI ALTERNATE: G.Skill DIMM 8 GB DDR3-1600 Kit
    59,90€
  3. TIPP: Alternate Schnäppchen Outlet

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Andrea Voßhoff

    Bundesdatenschützerin nennt Vorratsdaten grundrechtswidrig

  2. Release-Datum

    Windows 10 erscheint laut AMD Ende Juli

  3. Update

    Android Wear bekommt WLAN-Unterstützung und App-Übersicht

  4. Big Data in Unternehmen

    Wenn die Firma vor Ihnen weiß, wann Sie kündigen

  5. Biicode

    Abhängigkeitsverwaltung für C/C++ ist Open Source

  6. Elektroautos

    Google wollte Tesla für 6 Milliarden US-Dollar kaufen

  7. Blizzard

    Heroes of the Storm bricht im Juni 2015 los

  8. Ursache unklar

    IT bei Bundesagentur für Arbeit komplett ausgefallen

  9. MS Open Tech

    Microsoft integriert Open-Source-Tochterunternehmen

  10. Nach Microsoft-Deal

    Nokia plant für 2016 neue Smartphones



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Vorratsdatenspeicherung: Das erste Placebo mit Nebenwirkungen
Vorratsdatenspeicherung
Das erste Placebo mit Nebenwirkungen
  1. Überwachung Telekom begrüßt Speicherdauer der Vorratsdatenspeicherung
  2. Vorratsdatenspeicherung Regierung will Verkehrsdaten zehn Wochen lang speichern
  3. Asyl für Snowden Bundesregierung bestreitet Drohungen der USA

Vindskip: Das Schiff der Zukunft segelt hart am Wind
Vindskip
Das Schiff der Zukunft segelt hart am Wind
  1. Volvo Lifepaint Reflektorfarbe aus der Dose schützt Radfahrer
  2. Munin Moderne Geisterschiffe brauchen keinen Steuermann
  3. Globales Transportnetz China will längsten Tunnel am Meeresgrund bauen

Raspberry Pi im Garteneinsatz: Wasser marsch!
Raspberry Pi im Garteneinsatz
Wasser marsch!
  1. Hummingboard angetestet Heiß und anschlussfreudig
  2. Onion Omega Preiswertes Bastelboard für OpenWrt
  3. GCHQ Bastelnde Spione bauen Raspberry-Pi-Cluster

  1. Re: warum nicht Android ?

    KojiroAK | 03:04

  2. Re: Bei der Art, wie man dort Ausschreibungen...

    User_x | 02:52

  3. Re: Das bedeutet, in einem Jahr konkuriert Nokia...

    KojiroAK | 02:47

  4. Re: Naja, eventuell gibt's jetzt ein paar freie...

    User_x | 02:46

  5. Re: Man könnte es kaufen ...

    throgh | 02:40


  1. 18:12

  2. 17:41

  3. 17:31

  4. 17:23

  5. 16:57

  6. 16:46

  7. 16:20

  8. 15:54


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel