WCIT-12 Tim Berners-Lee hält ITU-Pläne für problematisch

Tim Berners-Lee, Entwickler des WWW und Chef des W3C, hat sich gegen eine Neuorganisation des Internets ausgesprochen. Das derzeitige System funktioniere gut. Eine Umstrukturierung könnte die Stabilität beeinträchtigen und neue Probleme schaffen.

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Mit Tim Berners-Lee hat sich ein weiterer Internetpionier gegen das Vorhaben ausgesprochen, die Kontrolle über das Internet an die International Telecommunications Union (ITU) zu übergeben. Ein solcher Plan wird derzeit auf der World Conference on International Telecommunications (WCIT-12) in Dubai diskutiert.

Derzeit wird das Internet durch verschiedene Organisationen kontrolliert. Dazu zählt etwa die Internet Corporation for Assigned Names and Numbers (Icann) oder das World Wide Web Consortium (W3C), dessen Direktor Berners-Lee selbst ist. "Ich glaube, es ist wichtig, dass die existierenden Strukturen, ohne den Versuch, sie zu umgehen, weiter verwendet werden", sagte er der BBC. Die verschiedenen Organisationen seien schon seit Jahren aktiv und leisteten gute Arbeit. Wenn jetzt andere deren Aufgaben übernehmen sollten, könnte das die Stabilität des Systems ernsthaft bedrohen.

Internet und ITRs

Er hält es auch nicht für nötig, das Internet zum Teil eines internationalen Vertragswerks zu machen, um den Zugang zu verbessern. Bei der WCIT-12 sollen die International Telecommunications Regulations (ITRs) überarbeitet werden. Es gibt Vorschläge, das Internet in die ITRs einzubeziehen.

Das hält Berners-Lee inzwischen für überflüssig. Vor einigen Jahren habe es die Sorgen über den Zugang gegeben. Doch das sei vorbei: Das Internet wachse "spektakulär", und die größten Wachstumsraten verzeichneten die Entwicklungsländer.

"Wir müssen uns mit anderen Anliegen beschäftigen, etwa mit Netzneutralität, ob Regierungen das Internet überwachen oder ob sie es blockieren", erklärte Berners-Lee. Es gebe die Besorgnis, dass Regierungen versuchen könnten, über die ITU ihre restriktiven Vorstellungen vom Internet durchzusetzen und andere Länder dazu zwingen könnten, mitzuziehen.

Kontrolle und Sperre

Unbegründet sind solche Sorgen nicht: So fordern einige Regierungen die Möglichkeit, Nutzern aus verschiedenen Gründen den Internetzugang sperren zu können. Andere wollen, um Spam oder kriminelle Aktivitäten zu bekämpfen, den Datenverkehr kontrollieren. Von Netzbetreibern kommt der Vorschlag, Internetunternehmen sollten für die von ihnen angebotenen Inhalte, die über das Internet transportiert werden, zahlen.

Zu den Staaten, die die Kontrolle über das Internet an die ITU übertragen wollen, gehören einige arabische Staaten, China, der Iran und Russland. Würden sie sich damit durchsetzen, bekämen sie künftig mehr Einfluss: In der ITU haben nur Regierungen Stimmrecht, wobei jede Regierung eine Stimme hat.

Konsens statt Mehrheit

Sehr wahrscheinlich ist das indes nicht: Eine solche Maßnahme könne nicht durch einen Mehrheitsentscheid durchgesetzt werden, hat ITU-Generalsekretär Hamadoun Touré vor der Konferenz erklärt. Ein Vorschlag werde nur dann angenommen, wenn bei allen 178 Teilnehmerländern Konsens darüber bestehe.

Im Sommer hatte die US-Regierung bereits klargestellt, dass sie gegen eine Kontrollübernahme durch die ITU sei. Auch die Abgeordneten des Europaparlaments haben sich dagegen ausgesprochen.

Kritik der Pioniere

Berners-Lee, der das World Wide Web entwickelt hat, ist nicht der einzige Internetpionier, der gegen eine Neuordnung des Internets ist: Vinton Cerf, einer der Autoren des Internetprotokolls, hatte sich zum Auftakt der Konferenz ebenfalls öffentlich dagegen ausgesprochen. Die Protokolle seien darauf ausgerichtet gewesen, "die Netze des Internets nichtproprietär und interoperabel zu gestalten". Diese Offenheit sei nun in Gefahr.

Die WCIT-12 wurde am 3. Dezember in Dubai eröffnet und dauert bis zum 14. Dezember. Verhandelt wird im Geheimen. Über die Tagesordnungspunkte und Vorschläge ist nur wenig bekannt. Zwei US-Wissenschaftler haben die Seite WCIT Leaks eingerichtet, auf der sie Dokumente veröffentlichen, die vorab durchgesickert waren.


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