Wahlkampf NRW-CDU kapert Piratendomains
Der Kampf um die Wählergunst führt in Nordrhein-Westfalen zu Kapriolen. Die CDU Ratingen hat sich im Internet als Piratenpartei registriert. Die Aktion ist kein Witz.
Sechs Wochen vor den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen lässt die CDU im Wahlkreis Ratingen mit einem regelrechten Cyber-Coup staunen. Wer im Internet nach der modischen Konkurrenz von der Piratenpartei sucht, landete nicht dort, sondern bei der guten alten CDU. Sie hat die Internetpräsenz der Piraten einfach gekapert.
Die Webseiten piratenratingen.de, piraten-ratingen.de und piratenparteiratingen.de führten allesamt zu einem Ziel: zur CDU der Stadt Ratingen. Auf der Hauptseite prangte eine Pressemitteilung zur Kandidatur von Wilhelm Droste für den Landtag. "Wilhelm Droste vertritt engagiert und erfolgreich die Interessen unserer Heimatstadt Ratingen und bietet der fatalen Schuldenpolitik von SPD, Grünen und Linkspartei im Landtag Paroli", sagt dort der CDU-Stadtverbandsvorsitzende David Lüngen. Warum dies auf einer Internetseite verbreitet wird, die den Namen Piraten trägt, sagt er nicht. Aber immerhin: Ausweislich der Internetseite finden 57 Personen die CDU Ratingen auf Facebook gut.
Die Taktik, die eigene Partei bekannter zu machen, indem man die Namen anderer Parteien im Internet zweckentfremdet, ist neu, aber kein Witz. Ausweislich der Denic-Datenbank wurde die Piratenadresse von Udo Schäckermann registriert, dem ehemaligen Vorsitzenden der CDU Ratingen. Schäckermann weicht Fragen zu der Aktion aus. "Ich bin schon seit sechs Jahren nicht mehr Vorsitzender und wusste gar nicht, dass diese Domains noch auf meinen Namen registriert sind", sagte der CDU-Mann auf Anfrage des Handelsblattes. Er habe auch schon einen Beschwerdebrief abgeschickt.
Als Ansprechpartner verweist Schäckermann auf David Lüngen, den Stadtverbandsvorsitzenden und stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Ratingen. Der hat eine interessante Erklärung. Die CDU in Ratingen sei "überrascht gewesen, dass die Domains noch frei waren", sagt Lüngen. "Da haben wir uns die Seiten natürlich erst einmal reserviert." Seine Partei habe mit den Registrierungen darauf hinweisen wollen, dass "auch bei den Piraten dunkle Flecken in der digitalen Welt existieren". Dieser Hinweis sei gerade vor dem Hintergrund der anstehenden Landtagswahl wichtig.
Mittlerweile ist unter den genannten URLs nur noch eine leere Seite zu finden. Lüngen zum weiteren Vorgehen: "Natürlich sind wir bereit, den Piraten diese Domains nach einer entsprechenden Anfrage kostenfrei zu übergeben. Wir freuen uns auch, dass die Piraten in diesem Zusammenhang mit dem Wunsch nach einem Austausch darüber an uns herangetreten sind."
Die Piratenpartei liest die CDU-Attacke ein bisschen anders. Natürlich sei es nicht schön, wenn eine andere Partei unter dem Segel der Piraten fahre, sagt Piraten-Sprecher Gabriel Heinzmann-Jimenez. Man wolle das Ganze aber nicht an die große Glocke hängen. "Wir sehen die Aktion der CDU als Zeichen, dass sie zu uns übertreten will", sagt Heinzmann-Jimenez. "Deshalb haben wir die CDU-Vertreter nun zu Sondierungsgesprächen eingeladen."






Es geht nicht ums Urheberrecht! Es geht um Kopierrechte!
Wer die Wahl hat, hat die Quall.
Ich hab den Vers nicht übersetzt, aber ich (als Autor des Beitrags) habe die Anmerkung...
Genau das dacht ich auch! sieh an: clubdeutscherunternehmer-ratingen.de...
ja, wurde 30min nach meinem Thread hier nachgeliefert.
Kommentieren