VSA: Apothekenzentrum handelt mit Patientendaten
Apothekenzentrum VSA in der Kritik (Bild: VSA/Screenshot: Golem.de)

VSA: Apothekenzentrum handelt mit Patientendaten

Das Apothekenrechenzentrum VSA handelt Informationen des Nachrichtenmagazins Der Spiegel zufolge mit mehreren Millionen Daten von Patienten und Ärzten. Die Daten, die sich zurückpersonalisieren lassen, werden demnach über weitere Unternehmen in mehr als hundert Länder exportiert.

Anzeige

Das vor allem in Süddeutschland aktive Apothekenrechenzentrum VSA, das Teil der Unternehmensgruppe VSA ist, handelt laut einem Bericht des Nachrichtenmagazins Der Spiegel mit Patientendaten, die unzureichend verschlüsselt sind. VSA pseudonymisiert die Daten nur mit einem 64-stelligen Code. Dieser kann laut Spiegel aber zurückgerechnet werden, so dass die Versicherungsnummer der Kunden offenbart wird. Das Magazin berichtet gar von einem "Ausspähen" von Patienten - ein Begriff, der ein aktives Vorgehen nahelegt und von anderen Medien aufgegriffen wurde.

Konkreter Kunde solcher Datensätze mit 64-stelligem Pseudonym ist das US-Unternehmen IMS Health. IMS erhält auch das Alter und Geschlecht des jeweiligen Patienten. Das Unternehmen zahlt pro Patientendatensatz gerade einmal 1,5 Cent und verkauft die Daten dann selbst in mehr als hundert Länder.

Patientenindividuelle Angebote

IMS Health verwaltet wohl 42 Millionen deutsche Versicherte. Wie viele Daten davon von VSA stammen, ist unbekannt. VSA ist zwar überregional aktiv, die Schwerpunkte liegen aber in Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt und Baden-Württemberg. IMS sei etwa in der Lage "patientenindividuelle" Informationen aus Insulinrezepten mit 12-Monats-Updates anderen Unternehmen anzubieten, so Der Spiegel, dem ein solches Angebot vorliegt. Ob es dem IMS gelungen ist, das Pseudonym in eine Versicherungsnummer zurückzurechnen, geht daraus nicht hervor.

Der Datenschutzbeauftragte Thilo Weichert kritisierte letzten Monat in der Deutschen Apotheker Zeitung (DAZ) solche Methoden und erinnerte Apotheken daran, dass sie eigentlich einem Berufsgeheimnis und einer Schweigepflicht unterliegen. Bereits 2012 hatte Der Spiegel einen Skandal um die Weiterreichung von pseudonymisierten Patientendaten aufgedeckt. Auch hier war IMS Health ein Kunde. Das Norddeutsche Apothekenzentrum hat bereits reagiert und seine Datenweitergabe umgestellt. Das hat allerdings keine Auswirkungen auf bereits weitergegebene Daten.

Inwiefern sich der Patient vor dem Datenhandel schützen kann, ist nicht bekannt. Möglicherweise hilft es erst einmal, bei der eigenen Apotheke zu fragen, ob eigene Daten an ein Apothekerzentrum weitergegeben werden und das dann entsprechend zu untersagen. Laut Weichert sind Apotheken weiterhin strafrechtlich an ihr Berufsgeheimnis gebunden, auch wenn sie die Abrechnungen durch ein Apothekenrechenzentrum durchführen lassen. Weichert hat bereits Reaktionen der Zentren beobachtet. Sie senken ihre Gebühren. Von der Nutzung eines Apothekenrechenzentrums ohne ausreichende Anonymisierung rät er grundsätzlich ab.

In der DAZ deutet Weichert Konsequenzen an: "Wir scheuen aber nicht den indirekten Austausch vor Gericht. Es wäre jedoch traurig, wenn die Dienstleister des Vertrauensberufs 'Apotheker' erst durch Gerichtsprozesse zur Vertraulichkeit zu veranlassen wären."

In der VSA-Unternehmensgruppe befindet sich neben Abrechnungsdienstleistern für Apotheker, Ärzte, Drogerien und Physiotherapeuten auch eine Marktforschungsfirma. Die hat für Apotheken ein recht attraktives Angebot und zahlt jährlich bis zu 1.800 Euro für die Teilnahme an Befragungen. Zusätzlich lockt ein Gewinnspiel mit Barpreisen von 200 bis 2.000 Euro. Das zeigt, dass das Apothekenrechenzentrum und seine Unternehmen ein sehr großes Interesse an Daten hat.


Träumerli 21. Aug 2013

http://www.lda.bayern.de/lda/datenschutzaufsicht/p_archiv/2013/pm005.html

kmork 19. Aug 2013

Ok sorry, aber irgendwie sind es nunmal die Probleme der Menschen, denen es wirklich...

Zwangsangemeldet 19. Aug 2013

Aber dann doch keinen, bei dem man weiß, dass die eigene Gesundheit dadurch beträchtlich...

Dietbert 19. Aug 2013

Ohne dich beunruhigen zu wollen, aber wenn es sich nicht nur dem Namen nach um eine...

Captain 19. Aug 2013

wirklich kwT

Kommentieren



Anzeige

  1. Manager (m/w) Softwareentwicklung
    WTS Group AG Steuerberatungsgesellschaft, Erlangen (Raum Nürnberg)
  2. Inhouse Spezialist SAP (m/w)
    ROTA YOKOGAWA GmbH & Co. KG, Wehr am Rhein
  3. Entwicklungsingenieur (m/w) Software
    EBE Elektro-Bau-Elemente GmbH, Leinfelden-Echterdingen bei Stuttgart
  4. Produktmanager für digitales Entertainment / Product Owner (m/w)
    Media-Saturn Deutschland GmbH, Ingolstadt

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Nocomentator

    Filterkiste blendet Sportkommentare aus

  2. Gameworks

    Nvidia rollt den Rasen aus

  3. Rolling-Release

    Opensuse Factory und Tumbleweed werden zusammengeführt

  4. Project Ara

    Google will nicht nur das Smartphone neu erfinden

  5. Wildstar

    NC Soft entlässt Mitarbeiter

  6. Mozilla

    Einfache Web-Apps auf dem Smartphone erstellen

  7. Civ Beyond Earth Benchmark

    Schneller, ohne Mikroruckler und geringere Latenz mit Mantle

  8. Allview X2 Soul mini

    Sehr dünnes Smartphone im Alu-Gehäuse für 200 Euro

  9. Toybox Turbos

    Codemasters veranstaltet Rennen auf dem Frühstückstisch

  10. Xamarin

    C# dank Mono für die Unreal Engine 4



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Aquabook 3: Das wassergekühlte Gaming-Notebook
Aquabook 3
Das wassergekühlte Gaming-Notebook
  1. Nepton 120XL und 240M Cooler Master macht Wasserkühlungen leiser
  2. DCMM 2014 Wenn PC-Gehäuse zu Kunstwerken werden

Merkel auf IT-Gipfel: Netzneutralität wird erst im Glasfasernetz wichtig
Merkel auf IT-Gipfel
Netzneutralität wird erst im Glasfasernetz wichtig
  1. Digitale Verwaltung 2020 E-Mail soll Briefe und Amtsbesuche ersetzen
  2. Digitale Agenda Ein Papier, das alle enttäuscht
  3. Webmail Web.de kritisiert langsame De-Mail-Einführung der Regierung

Hoverboard: Schweben wie Marty McFly
Hoverboard
Schweben wie Marty McFly
  1. Design-Fahrzeuge U-Bahnen in London sollen autonom fahren
  2. Fahrassistenzsystem Volvos virtueller Lkw-Beifahrer soll Unfälle verhindern
  3. Computergrafik US-Forscher modellieren Gesichter in Videos dreidimensional

    •  / 
    Zum Artikel