Anzeige
Im VR-Kino gibt es Drehstühle statt Kinosessel.
Im VR-Kino gibt es Drehstühle statt Kinosessel. (Bild: &samhoud media)

Virtuelle Realität: Ein Kino nur für Brillenträger

Im VR-Kino gibt es Drehstühle statt Kinosessel.
Im VR-Kino gibt es Drehstühle statt Kinosessel. (Bild: &samhoud media)

Die virtuelle Realität ist eine einsame - bis jetzt jedenfalls. Ein VR-Kinoabend in Berlin zeigt, wie es sich gemeinsam abtauchen lässt. Mit Brillen und auf Drehstühlen.

Der Blick schweift über ein Meer aus Zelten, Containern und Wohnwagen. In welche Richtung man auch schaut - die beigefarbenen Behausungen auf steinigem Grund scheinen kein Ende zu nehmen. Ein Mädchen namens Sidra erzählt vom Leben an diesem Ort, dem jordanischen Flüchtlingslager Zaatari mit 80.000 Menschen, vom endlosen Warten und von der Hoffnung auf eine Rückkehr in ihr Heimatland Syrien. Immer wieder blickt man den Menschen direkt in die Augen. Und hat das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein.

Anzeige

Clouds over Sidra ist ein achtminütiger Dokumentarfilm, gedreht für Virtual-Reality-Brillen wie die Samsung Gear VR. Zusammen mit anderen Kurzfilmen wurde die Dokumentation am Dienstagabend in der Platoon-Kunsthalle in Berlin gezeigt. Die niederländische Firma &samhoud media tourt mit ihrem Pop-up-Kino durch verschiedene deutsche Städte, seine Premiere hatte das mobile Kino vergangenes Jahr in Amsterdam. Die Vorführungen starten im Halbstundentakt und sind auf 50 Besucher ausgelegt: Jeder bekommt eine VR-Brille und Kopfhörer, sitzt auf einem Drehstuhl und kann zwischen verschiedenen Kurzfilmen wählen. Virtuelle Realität als Gemeinschaftserlebnis - kann das überhaupt funktionieren?

Wie einsam ist VR wirklich?

In Deutschland sind öffentliche VR-Kinoabende jedenfalls neu. Die meisten Veranstaltungen dieser Art fanden bis jetzt in den USA statt, dort gibt es auch bereits VR-Festivals wie das Kaleidoscope. Wer Virtual Reality privat ausprobieren möchte, braucht dafür ein leistungsfähiges Smartphone und eine Halterung wie Gear VR oder Google Cardboard. Technisch aufwendigere, aber auch teurere Brillen sollen im Laufe dieses Jahres erscheinen: Oculus Rift ist für Ende März angekündigt, HTC Vive für den April, und auch PlayStation VR von Sony wird wohl nicht mehr allzu lange auf sich warten lassen. Die nötigen Inhalte sollen Computerspielhersteller liefern, aber eben auch Filmstudios wie Vrse.works, von dem die Doku Clouds over Sidra stammt.

VR stellt Filmemacher vor etliche Herausforderungen. Zum Beispiel lässt sich die Aufmerksamkeit der Zuschauer viel schwieriger in eine bestimmte Richtung lenken. Außerdem dürfen in den 360-Grad-Videos weder Regisseur noch Kamerateam zu sehen sein, die Kameras werden deshalb meist ferngesteuert.

VR kämpft mit dem Vorwurf, ein einsames Erlebnis zu sein. Der Vorwurf ist nicht ganz unbegründet, schließlich schotten Brille und Kopfhörer den Träger stark von der Außenwelt ab. Allerdings haben Entwickler gerade erst begonnen, die Nutzer untereinander zu vernetzen und gemeinsam in virtuelle Räume zu schicken - Facebook hat Oculus wohl nicht ohne Grund gekauft. Dass sich VR-Träger gemeinsam in einen physischen Raum wie das Pop-up-Kino setzen, erscheint da zunächst wie ein Widerspruch. Schließlich geht es bei VR ums ablenkungsfreie Eintauchen in die virtuelle Welt.

Beim Kinoabend in der Berliner Kunsthalle wird allerdings deutlich: VR muss keine vollständig abschottende Erfahrung sein. Die Besucher sitzen in vier Reihen verteilt, die Drehstühle stehen etwa einen Meter voneinander entfernt. Die Brillen registrieren, in welche Richtung der Träger gerade schaut, und zeigen den entsprechenden Ausschnitt des 360-Grad-Panoramas an. Viele Besucher der Berliner Vorführung drehen sich langsam auf ihren Sitzen, schauen nach oben, unten oder über die Schulter. Einige Pärchen halten sich an den Händen - wobei der Partner nicht unbedingt auf die gleichen Filmszenen reagiert, weil die Brillen nicht untereinander synchronisiert sind und die Filme leicht zeitversetzt starten.

Unbeabsichtigte Berührungen

In San Francisco wurde das unlängst anders gelöst: Es gab dort keine Kopfhörer, der Ton kam - wie in einem herkömmlichen Kino - aus Surroundboxen. Die Besucher konnten also hören, wie andere Zuschauer auf die Filme reagierten - ein etwas eigentümliches Erlebnis, wenn man sich während des Films in einem menschenleeren Haus oder einer öden Wüstenlandschaft befindet. "Wir verwenden derzeit keine Technologie, die Synchronisation ermöglicht", sagt der Organisator des Berliner Kinoabends, Jip Samhoud. "Wir haben uns auch deshalb für Kopfhörer entschieden, weil das immersiver ist."

Ein interessanter, wenn auch unbeabsichtigter Effekt ergab sich aus der dichten Bestuhlung: Hin und wieder stößt man aus Versehen mit den Knien anderer Besucher zusammen - und könnte meinen, die Berührung stamme aus dem laufenden Film. So plastisch, so nah wirkt alles.

Für die dreißigminütige Vorführung hat Samhoud sehr unterschiedliche Kurzfilme ausgewählt: Das Programm beginnt mit einem 360-Grad-Flug über den Wolken, wo man auf schwebende Gestalten trifft, bevor man wieder auf Straßenniveau herabsaust. Ein weiterer Kurzfilm lässt die Zuschauer in schwindelerregender Höhe über Berlin schweben. Dann folgt die Doku Clouds over Sidra, die ausschließlich mit statischen Kameras arbeitet. Zwischen den Kurzfilmen zeigt die Brille kurze, bereits vorproduzierte Szenen aus dem Zuschauerraum. Ein geschickter Zug, der den Realitätssinn zumindest teilweise zurückholt, ohne dass man dafür die Brille abnehmen müsste.

Der Geisterbahn-Effekt beeindruckt 

eye home zur Startseite
Sebbi 22. Jan 2016

Wie machen es Computerspiele in denen du dich frei bewegen kannst? Im Zweifel wartet die...

Hotohori 21. Jan 2016

Von solchen Ideen würde ich gedanklich lieber erst mal Abstand nehmen, weil bis wir so...

Augenstern 21. Jan 2016

Plasma hat wieder geflimmert weil das Gas immer wieder gezündet werden muss. ( So ähnlich...

Kommentieren



Anzeige

  1. IT Specialist (Service Desk & IT Operations) (m/w)
    TUI Cruises GmbH, Hamburg
  2. Mitarbeiter 2nd-Level-Support (m/w)
    KREMPEL GmbH, Vaihingen an der Enz
  3. Junior Software-Entwickler (m/w)
    AOK Systems GmbH, München
  4. Senior IT Architect / Solution Architect (m/w) Security Application Operation
    Daimler AG, Stuttgart

Detailsuche



Anzeige

Folgen Sie uns
       


  1. Smartphone-Betriebssystem

    Microsoft verliert stark gegenüber Google und Apple

  2. Onlinehandel

    Amazon startet eigenen Paketdienst in Berlin

  3. Pastejacking im Browser

    Codeausführung per Copy and Paste

  4. Manuela Schwesig

    Familienministerin will den Jugendschutz im Netz neu regeln

  5. Intels Compute Stick im Test

    Der mit dem Lüfter streamt (2)

  6. Google Chrome für zSpace

    Augmented-Reality-Version des Browsers kommt noch 2016

  7. Medizin

    Tricorderartiger Sensor erfasst Vitaldaten

  8. TG-Tracker

    Sensorbeladene Olympus-Actionkamera mit 4K-Aufnahme

  9. Trotz Unterlassungserklärung

    Unitymedia bleibt im Streit um WLAN-Hotspots hart

  10. Auftragshersteller

    Apple soll Bestellungen für iPhone 7 stark erhöht haben



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Doom im Test: Die beste blöde Ballerorgie
Doom im Test
Die beste blöde Ballerorgie
  1. id Software Doom wird Vulkan unterstützen
  2. Id Software PC-Spieler müssen 45 GByte von Steam laden
  3. id Software Dauertod in Doom

Darknet: Die gefährlichen Anonymitätstipps der Drogenhändler
Darknet
Die gefährlichen Anonymitätstipps der Drogenhändler
  1. Privatsphäre 1 Million Menschen nutzen Facebook über Tor
  2. Security Tor-Nutzer über Mausrad identifizieren

Privacy-Boxen im Test: Trügerische Privatheit
Privacy-Boxen im Test
Trügerische Privatheit
  1. APT28 Hackergruppe soll CDU angegriffen haben
  2. Veröffentlichung privater Daten AfD sucht mit Kopfgeld nach "Datendieb"
  3. Security Roboter aus Lego knackt Gestenauthentifizierung

  1. Kanalbündelung/Lastausgleich

    Sea | 15:29

  2. Re: Qualität ist zu schlecht.

    Lala Satalin... | 15:29

  3. Re: Uralt und benötigt kein JavaScript!

    Trollmagnet | 15:28

  4. Wirklich ordentlich dimmbar?

    Nasreddin | 15:28

  5. Re: Mini PCs

    Dwalinn | 15:28


  1. 14:57

  2. 14:31

  3. 13:45

  4. 12:33

  5. 12:02

  6. 11:56

  7. 11:38

  8. 11:28


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel