Abo
  • Services:
Anzeige
Noch keine Gefahr für die Verschlüsselung: Quantencomputer der Firma D-Wave
Noch keine Gefahr für die Verschlüsselung: Quantencomputer der Firma D-Wave (Bild: D-Wave Systems/Lizenz: CC-BY-3.0)

Verschlüsselung: NSA forscht am Quantencomputer

Noch keine Gefahr für die Verschlüsselung: Quantencomputer der Firma D-Wave
Noch keine Gefahr für die Verschlüsselung: Quantencomputer der Firma D-Wave (Bild: D-Wave Systems/Lizenz: CC-BY-3.0)

Die NSA unterstützt nicht nur öffentliche Projekte zum Bau eines Quantencomputers. Für ein geheimes Projekt zum Knacken von Verschlüsselung gibt der Geheimdienst Millionen Dollar aus.

Anzeige

Was bislang Gegenstand von vielen Spekulationen war, haben Dokumente aus dem Fundus von US-Whistleblower Edward Snowden bestätigt: Der US-Geheimdienst NSA hat ein eigenes Projekt zum Bau eines Quantencomputers gestartet, das mit knapp 80 Millionen Dollar finanziert wird. Mit Quantencomputern könnte es möglich sein, gängige Verschlüsselungsverfahren wie RSA zu knacken. Auch wenn der volle Umfang der NSA-Forschungen auf dem Gebiet nicht bekannt sei, legten die verfügbaren Snowden-Dokumente nahe, dass der Geheimdienst den übrigen Wissenschaftlern nicht voraus sei, meldet die Washington Post, die die Dokumente auszugsweise veröffentlichte.

Der Bau eines "kryptologisch brauchbaren Quantencomputers" ist demnach Teil eines Projektes mit dem Titel "Penetrating Hard Targets". Dazu habe die NSA raumhohe Metallkästen in einem Labor in College Park im US-Bundesstaat Maryland aufgestellt, um in diesen Faraday'schen Käfigen die Arbeit an Quantencomputern voranzutreiben. Die NSA sieht sich dabei in Konkurrenz mit Wissenschaftlern in Europa. "Der geografische Bereich hat sich von globalen Bemühungen verengt auf einen einzelnen Schwerpunkt in der Europäischen Union und der Schweiz", heißt es nach Angaben der Washington Post in einem Dokument. Diese Aussage wird von Seth Lloyd, Professor für Quantenmechanik am MIT, bestätigt: "Die EU und die Schweiz haben in den vergangenen zehn Jahren bedeutende Fortschritte gemacht und auf dem Gebiet der Quantencomputertechnik zu den USA aufgeschlossen."

USA fürchten Angriff auf eigene Systeme

In einem Dokument aus dem September 2011, das die Zeitung veröffentlichte, versucht die NSA detailliert zwischen öffentlichen und geheimen Aussagen zur Quantencomputerforschung zu unterscheiden. Demnach ist es kein Geheimnis, dass die NSA die Forschung zu diesem Thema unterstützt und die Potenziale von Quantencomputern anerkennt. Aber schon die Tatsache, dass es ein eigenes Projekt dazu gibt, soll demnach geheim bleiben. Als "streng geheim" sollen Erkenntnisse gelten, die die NSA aus ihren eigenen Forschungsdurchbrüchen gewinnt und sie neu einschätzen lässt, in welchem Zeitrahmen und mit welchem Aufwand ein Quantencomputer gebaut werden kann. Auch, ob ein solcher Computer tatsächlich gebaut wird oder nicht, gilt als streng geheim.

Letzten Endes steht die NSA bei ihren Forschungen vor zwei Herausforderungen: "Die Anwendung von Quanten-Technik auf Verschlüsselungsalgorithmen droht dramatische Auswirkungen auf die Fähigkeit der USA-Regierung zu haben, sowohl ihre eigene Kommunikation zu schützen als auch die Kommunikation ausländischer Regierungen abzuhören", heißt es in einem der Dokumente. Die Entschlüsselung von Nachrichten ihrer Spähziele ist auch Teil des Projektes "Owning the Net" (OTN), wie aus einem weiteren Dokument hervorgeht. Dieses Projekt soll die technischen Mittel bereitstellen, um die Kommunikation "hochrangiger Ziele" auszuspähen. OTN solle dazu die Hard- und Software der "gegnerischen Netzwerke" manipulieren. Dabei solle auch die Entwicklung neuer Angriffe auf Verfahren mit Quantenschlüsselaustausch unterstützt werden.

Was die Verwundbarkeit eigener Kryptosysteme durch Attacken mit Quantencomputern betrifft, so sollen entsprechende Erkenntnisse "streng geheim" bleiben. Geheim sollen auch Erkenntnisse bleiben, die die NSA über die Sicherheit asymmetrischer Verschlüsselungsverfahren gewonnen hat, wenn dieses Wissen noch nicht weit verbreitet sein sollte.

Gigantische Herausforderung

Aus wissenschaftlicher Sicht gilt es immer noch als gigantische Herausforderung, einen Quantencomputer zu bauen. Allerdings sind mit einem solchen Computer nur bestimmte Verschlüsselungsverfahren angreifbar, die auf der Faktorisierung großer Zahlen oder elliptischen Kurven basieren. Für symmetrische Verfahren sind Quantencomputer keine große Bedrohung. Sie würden die Schwierigkeit eines Angriffs nur auf die Quadratwurzel reduzieren. Es existieren auch Public-Key-Verfahren, die gegen Quantencomputer immun sind. Allerdings handelt es sich dabei um exotische und wenig untersuchte Verfahren. Mit der Entwicklung von solchen Verschlüsselungsverfahren beschäftigt sich die Post-Quanten-Kryptographie.

Keine Bedrohung für Verschlüsselungsverfahren sind übrigens die Quantencomputer der Firma D-Wave. Der D-Wave-Computer ist kein generischer Quantencomputer und nicht in der Lage, den Algorithmus von Peter Shor auszuführen. Shor hatte 1994 gezeigt, dass sich die Faktorisierung großer Zahlen oder das diskrete Logarithmusproblem auf einem Quantencomputer effizient lösen lassen.


eye home zur Startseite
Julius Csar 08. Jan 2014

Einfach verschiedene Algorithmen ineinander verschachteln (die NSA weiß ja zumeist nicht...

Abendschnee 06. Jan 2014

Wenn die USA Ihren Geheimdienst und Ihr Militär nicht hätten, würden grosse...

DY 06. Jan 2014

Die Frage grundsätzlich wäre, ob diese Angaben auch stimmen. Allein dass die Snowden...

cicero 04. Jan 2014

Sorry, da wurde ziemlich miserabel rescherschiert - so was sollte Golem nicht...

attitudinized 04. Jan 2014

OTP - und sicher...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. ORBIT Gesellschaft für Applikations- und Informationssysteme mbH, Bonn
  2. ERWEKA GmbH, Heusenstamm
  3. Bosch Sensortec GmbH, Reutlingen
  4. Deutsche Telekom AG, Bonn, Berlin, Darmstadt


Anzeige
Top-Angebote
  1. 44,99€
  2. (u. a. Ronaldo Blu-ray 9,97€, Mia san Champions Blu-ray 7,97€)
  3. beim Kauf eines 6- oder 8-Core FX Prozessors

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Globale SAP-Anwendungsunterstützung durch Outsourcing
  2. Kritische Bereiche der IT-Sicherheit in Unternehmen
  3. Sicherheitskonzeption für das App-getriebene Geschäft


  1. Exo-Planet

    Der Planet von Proxima Centauri

  2. Microsoft

    Windows 10 Enterprise kommt als Abo

  3. Umwelthilfe

    Handel ignoriert Rücknahmepflicht von Elektrogeräten

  4. 25 Jahre Linux

    Besichtigungstour zu den skurrilsten Linux-Distributionen

  5. Softrobotik

    Oktopus-Roboter wird mit Gas angetrieben

  6. Anniversary Update

    Kindle-Reader lässt Windows 10 abstürzen

  7. Sichtschutz

    HP Sure View gegen seitliche Einblicke auf Notebooks

  8. SWEET32

    Kurze Verschlüsselungsblöcke sorgen für Kollisionen

  9. Mobilfunk

    Telekom bietet Apple Music wohl als Streamingoption an

  10. Android 7.0

    Erste Nougat-Portierungen für Nexus 5 und Nexus 7 verfügbar



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Wiper Blitz 2.0 im Test: Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag (Teil 2)
Wiper Blitz 2.0 im Test
Kein spießiges Rasenmähen mehr am Samstag (Teil 2)
  1. Warenzustellung Schweizer Post testet autonome Lieferroboter
  2. Lockheed Martin Roboter Spider repariert Luftschiffe
  3. Kinderroboter Myon Einauge lernt, Einauge hat Körper

8K- und VR-Bilder in Rio 2016: Wenn Olympia zur virtuellen Realität wird
8K- und VR-Bilder in Rio 2016
Wenn Olympia zur virtuellen Realität wird
  1. 400 MBit/s Telefónica und Huawei starten erstes deutsches 4.5G-Netz
  2. Medienanstalten Analoge TV-Verbreitung bindet hohe Netzkapazitäten
  3. Mehr Programme Vodafone Kabel muss Preise für HD-Einspeisung senken

Lernroboter-Test: Besser Technik lernen mit drei Freunden
Lernroboter-Test
Besser Technik lernen mit drei Freunden
  1. Landwirtschaft 4.0 Swagbot hütet das Vieh
  2. Künstliche Muskeln Skelettroboter klappert mit den Zähnen
  3. Cyborg Ein Roboter mit Herz

  1. WOHA!

    jsm | 13:25

  2. Re: Spiele JETZT Goodgame Empire!

    quineloe | 13:24

  3. Re: Kaputte Welt.

    ibsi | 13:23

  4. Re: Tesla, Tesla, Tesla....

    lephisto | 13:21

  5. Re: Soso, "Deutsche Umwelthilfe" ...

    ersatzhero | 13:18


  1. 13:22

  2. 13:00

  3. 12:45

  4. 12:02

  5. 11:57

  6. 10:54

  7. 10:33

  8. 09:31


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel