Landgericht Köln
Landgericht Köln (Bild: Landgericht Köln)

U+C-Abmahnung Gericht hat Streaming und P2P verwechselt

Die Daten der Nutzer der Streaming-Plattform Redtube.com sollen mit der Software GladII 1.1.3. von ITGuards ermittelt worden sein. Das Landgericht Köln habe offenbar getäuscht werden sollen und sei deshalb von P2P ausgegangen, so der Anwalt Johannes von Rüden, dem Akteneinsicht gewährt wurde.

Anzeige

Das Landgericht Köln ist von P2P ausgegangen, als es dem Antrag stattgegeben hat, die Daten zu den IP-Adressen der Nutzer der Pornoplattform Redtube.com herauszugeben. Das hat die Berliner Anwaltskanzlei Werdermann/von Rüden erklärt, die Akteneinsicht hatte. In dem Beschluss heißt es: "Durch das öffentliche Zugänglichmachen des geschützten Werkes zu den aus der Anlage ersichtlichen Zeitpunkten über eine sogenannte Tauschbörse liegt zudem eine Rechtsverletzung im Sinne vom Paragraf 19a Urheberrechtsgesetz vor." Doch in dem Antrag habe "nichts von einer Tauschbörse" gestanden, sagte Johannes von Rüden.

Von den Streaming-Abmahnungen der U+C-Rechtsanwälte zu Redtube.com dürften über 10.000 Menschen betroffen sein.

"Wir haben im Eilverfahren Akteneinsicht beantragt und konnten am frühen Montagmorgen die ersten Akten einsehen", so von Rüden.

Das Landgericht Köln ist dafür zuständig, die Anträge im Auskunftsverfahren zu bearbeiten, damit Provider wie die Deutsche Telekom die Genehmigung bekommen, die Verknüpfung von Namen und IP-Adresse gegenüber den Rechteinhabern herauszugeben.

Doch es dürfte praktisch keinen legalen Weg geben, wie die Abmahner an die IP-Adressen der Nutzer von Redtube.com gekommen sind. Mit der Software GladII 1.1.3. soll das Unternehmen ITGuards die einer Kammer des Gerichts übermittelten 1.000 IP-Adressen festgestellt haben. Rechtsanwalt Daniel Sebastian, der für Urmann + Collegen (U+C) aktiv war, erklärte laut den Akten zur Feststellung der IP-Adressen: "Dateien beziehungsweise Dateibündel werden eindeutig durch die eigene URL, mithin eine einzigartige Ressourcenverweisung (Link) identifiziert. Für jeden dieser Links existiert ein einzigartiger, sogenannter Hash-Wert, der mit dem digitalen Fingerabdruck einer Datei oder eines Links vergleichbar ist und diesen unverwechselbar macht."

Weiter heißt es: "Nach dem Sammeln dieser Daten zu den einzelnen urheberrechtlich geschützten Werken werden diese zur Probe heruntergeladen. Diese Dateien werden dann mittels manueller Hör- und Sichtprobe daraufhin überprüft, ob sie tatsächlich urheberrechtlich geschütztes Material enthalten." Erst nach dieser Probe begänne die Protokollierung der Daten. Die so gesammelten 1.000 IP-Adressen sollen zwischen dem 8. und 11. August 2013 auf den Film Amanda's Secret zugegriffen haben.

"Die Ausführungen erinnern sehr stark an die üblichen Ausführungen zur Funktionsweise von Software zur Überwachung von Filesharing-Netzwerken", sagte von Rüden. Dass die Daten heruntergeladen worden seien und dann "angehört und angesehen wurden", sei wahrscheinlich einfach Unsinn. "Die Daten sind möglicherweise unter Verstoß gegen das Datenschutzgesetz herausgegeben worden. Das könnte strafbar, zumindest aber auf jeden Fall ordnungswidrig gewesen sein", so von Rüden. Das Landgericht Köln habe offenbar getäuscht werden sollen, erklärte er.

"Weder weisen der Antrag, noch der Beschluss darauf hin, dass hier ein Streaming-Portal oder überhaupt Redtube überwacht wurde", sagte von Rüden.

Für Nutzer seriöser Erotikportale sei es nicht möglich, auf den ersten Blick zu erkennen, woher die hochgeladenen Dateien stammten und ob diese von rechtswidrig hergestellten Vorlagen stammten.

Nachtrag vom 9. Dezember 2013, 18:03 Uhr

Der Rechtsanwalt Christian Solmecke erklärte: "Damit lässt sich feststellen, dass die Beschlüsse schlichtweg falsch sind und eine Auskunft nie hätte erteilt werden dürfen. Wäre den Richtern am Landgericht Köln der komplette Sachverhalt bekannt gewesen, hätten sie erkannt, dass eine Urheberrechtsverletzung nicht gegeben ist, und daher wäre keine Auskunft erteilt worden. Für die Nutzer ist dies jedoch nur ein Pyrrhussieg. Denn selbst eine rechtlich nicht einwandfrei erlangte Auskunft kann vor Gericht verwendet werden. Für die Zukunft wird das allerdings bedeuten, dass dieser Abmahn-Maschinerie ein Riegel vorgeschoben wird. Dann können alle Streaming-Nutzer wieder aufatmen und nur die Tauschbörsennutzer müssen weiterhin mit Abmahnungen rechnen."


Benny_Crochino 15. Mai 2015

Ich empfinde es im Allgemeinen als absurd, dass irgendein Rechtsanwalt auf die Idee...

MarcoW75 29. Dez 2013

Sehe ich genauso. Praktisch jede Streaming-Seite hat die Möglichkeit,eine Abuse-Meldung...

MarcoW75 29. Dez 2013

An IPs zu kommen ist nun wirklich ein Kinderspiel. Ein einfacher IP-Scanner reicht,um...

MarcoW75 29. Dez 2013

So eine Software begutachtet man nicht mal eben in einem Tag,zumindest nicht wenn man die...

mixedfrog 14. Dez 2013

Das ein Link keine Aussagekraft hat weiß ich auch. Noch weniger natürlich ein Hash des...

Kommentieren




Anzeige

  1. Release- und Integrationsmanager/-in für das Projekt MBconnect
    Daimler AG, Stuttgart
  2. Mitarbeiter Qualitätssicherung (m/w)
    ipoque GmbH, Leipzig
  3. (Senior) Manager Enterprise Architecture/IT-Transformati- on (m/w)
    Media-Saturn-Holding GmbH, Ingolstadt
  4. Frontend Entwickler AngularJS (m/w)
    STAFF FINDER AG, Zürich (Schweiz)

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. Apple iPad Air Wi-Fi 32 GB Spacegrau
    359,00€ inkl. Versand
  2. TIPP: Alternate Schnäppchen Outlet
    (täglich neue Deals)
  3. PREIS-TIPP: SanDisk SDSSDP-128G-G25 SSD 128GB
    49,99€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Googles Project Vault

    Der Krypto-Rechner auf der SD-Karte

  2. Project Jacquard

    Google webt Trackpads aus Stoff in Kleidungsstücke

  3. Project Abacus

    Google will Passwörter eliminieren

  4. Apple

    Tim Cook spendet 50.000 Apple-Aktien für wohltätige Zwecke

  5. Unsichere Apps

    Millionen Kundendaten gefährdet

  6. Silk-Road-Prozess

    Lebenslange Haft für Ross Ulbricht

  7. Die Woche im Video

    Rasende Rennautos, gemächliches Google, schnelles Smartphone

  8. Kritische Infrastruktur

    Weitere Beweise für Geheimdienstangriff auf Bundestag

  9. Überwachung

    Berliner abgehört - aus Protest gegen die NSA

  10. Tor

    Hidden Services leichter zu deanonymisieren



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Surface 3 im Test: Tolles teures Teil
Surface 3 im Test
Tolles teures Teil
  1. Surface Pro 3 Microsoft erhöht Preise um bis zu 250 Euro
  2. Surface 3 im Hands on Das Surface ohne RT

SSD HyperX Predator im Test: Kingstons Mischung ist gelungen
SSD HyperX Predator im Test
Kingstons Mischung ist gelungen
  1. Z-Drive 6300 Neue SSD bietet bis zu 6,4 TByte Speicherplatz
  2. Crucial BX100 und MX200 im Test Mehr SSD pro Euro gibt's derzeit nicht
  3. Plextor M6e Black Edition im Kurztest Auch eine günstige SSD kann teuer erkauft sein

BND-Affäre: Keine Frage der Ehre
BND-Affäre
Keine Frage der Ehre
  1. NSA-Affäre Merkel wohl über Probleme mit No-Spy-Abkommen informiert
  2. Freedom Act US-Senat lehnt Gesetz zur NSA-Reform ab
  3. BND-Chef Schindler "Wir sind abhängig von der NSA"

  1. Re: Wieso?

    Eheran | 00:30

  2. Re: Krass!

    BilboBeutlin | 00:22

  3. Re: Wie funktioniert das?

    Nocta | 00:21

  4. Re: Unglaublich, was für eine Nachricht, 6...

    Chardonnay | 00:20

  5. Re: Wer nutzt eigentlich noch (aktiv) Dienste von...

    Clarissa1986 | 00:16


  1. 16:27

  2. 14:12

  3. 13:39

  4. 12:55

  5. 12:21

  6. 11:04

  7. 09:01

  8. 18:56


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel