Twitter: Bezahlen mit Hashtag statt mit Euro
Das Twitter-Logo (Bild: Lionel Bonaventure/AFP/Getty Images)

Twitter Bezahlen mit Hashtag statt mit Euro

American Express und Twitter testen ein neues Bezahlsystem: Um etwas zu kaufen, muss man nur ein bestimmtes Schlagwort twittern. Das ist auch ein Datenschutz-Experiment.

Anzeige

Besitzer einer American-Express-Kreditkarte können nun auch über Twitter einkaufen, ohne dass dabei jedes Mal Daten übertragen werden. Dazu müssen sie zunächst ihre Kreditkarte mit ihrem Twitter-Konto verbinden. Anschließend können sie eine Reihe von Produkten kaufen, die über Twitter angeboten werden.

Das funktioniert folgendermaßen: Die Kunden loggen sich auf einer bestimmten Website mit ihren Twitter-Zugangsdaten ein und hinterlassen dort ihre Kreditkarten-Informationen. Die sind damit dem Twitter-Konto zugeordnet. Die Seite sei sicher, sagt American Express, und die Daten würden auch nicht weitergegeben. Sie wird vom Kreditkarten-Unternehmen betrieben; die Daten dürften also besser gesichert sein, als das bei Twitter der Fall wäre.

American Express veröffentlicht dann auf seinem Twitter-Konto einen sogenannten Hashtag für ein bestimmtes Produkt - ein Schlagwort, das mit einem #-Zeichen gekennzeichnet ist. Den jeweiligen Hashtag muss dann der Kunde twittern, wenn er das Angebot in Anspruch nehmen möchte. Er bekommt anschließend via Twitter einen Bestätigungs-Hashtag mitgeteilt, den er innerhalb von 15 Minuten selbst noch einmal twittern muss, der Verkauf ist damit erledigt. Je nach Angebot wird das gekaufte Produkt dann per Post verschickt oder muss in einem Laden abgeholt werden.

Die ersten Produkte, die sich so kaufen lassen, sollen das Tablet Kindle Fire von Amazon sein, die Spielekonsole Xbox 360 von Microsoft und eine Kamera von Sony.

Das Ganze ist zunächst ein Test, wie gut Twitter als Werbe- und Verkaufsplattform funktioniert: Verknüpfen Menschen ihr Profil im sozialen Netzwerk freiwillig mit ihren Kreditkartendaten? Nehmen sie anschließend die Angebote bei Twitter wahr oder gehen diese in der Flut der täglichen Nachrichten unter? Bestätigen die Nutzer öffentlich sichtbar ihre Kaufabsichten und machen damit gleichzeitig Werbung für das Produkt?

Es wäre "wertvolle" Werbung, weil sie vor allem diejenigen erreichen kann, die dem Nutzer folgen, ihn also interessant finden. Ähnlich wie in den "gesponserten Meldungen" von Facebook werden dabei Marken mit Freunden und Bekannten verknüpft. Die Botschaft, dass ein Freund ein bestimmtes Produkt gekauft hat, wird also bestenfalls als Empfehlung wahrgenommen.

Gleichzeitig könnte man es auch als Datenschutz-Experiment betrachten: Wie viele Menschen haben kein Problem damit, ihre Einkäufe öffentlich zu tätigen? Ab welchem Preisnachlass ist die Hemmschwelle überwunden? Wem wäre unwohl, wenn die Schufa ihm auf Twitter folgen würde, um seine Konsumgewohnheiten zu beobachten? (Einen Twitter-Account hat die Schufa, sie folgt bislang aber niemandem.)

Funktioniert der Verkauf über die Plattform, könnte Twitter künftig einen Anteil des Verkaufspreises als Provision einbehalten. Wie Twitter zu Beginn von der neuen Bezahlfunktion profitiert, wollte aber keiner der Beteiligten sagen.

American Express scheint an den Erfolg des Modells zu glauben. Laut Wall Street Journal hat das Unternehmen ähnliche Deals auch mit Facebook, Foursquare und dem Microsoft-Dienst Xbox Live abgeschlossen.


Baron Münchhausen. 13. Feb 2013

Nett gemeint von Dir, aber golem.de weiß das auch selber. Sind kluge Leute da. Deshalb...

ji (Golem.de) 12. Feb 2013

Das nennt man einfach Zusammenarbeit zweier Redaktionen die sich gegenseitig schätzen...

Kommentieren



Anzeige

  1. Anwendungs- / Softwareberater (m/w) für SAP PLM
    MAHLE International GmbH, Stuttgart
  2. Senior UX/UI Designer für Web & Mobile Apps (m/w)
    24-7 Entertainment GmbH, Berlin
  3. Content Manager/in
    Erich Schmidt Verlag GmbH & Co. KG, Berlin
  4. Netzwerktechniker (m/w)
    Funkwerk video systeme GmbH, Nürnberg, Frankfurt am Main

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Spiele-API

    DirectX-11 wird parallel zu DirectX-12 weiterentwickelt

  2. Streaming-Box

    Netflix noch im Herbst für Amazons Fire TV

  3. Schnell, aber ungenau

    Roboter springt im Explosionsschritt

  4. Urteil

    Foxconn-Arbeiter wegen iPhone-6-Diebstahl verhaftet

  5. Weniger Consumer-Notebooks

    Toshiba baut 900 Arbeitsplätze in der PC-Sparte ab

  6. XSS

    Cross-Site-Scripting über DNS-Records

  7. Venue 8 7000

    6-mm-Tablet wird mit Dell Cast zum Desktop

  8. HTML5-Videostreaming

    Netflix arbeitet an Linux-Unterstützung

  9. iPhone 6 und iPhone 6 Plus im Test

    Aus klein mach groß und größer

  10. Cloudflare

    TLS-Verbindungen ohne Schlüssel sollen Banken schützen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



DDR-Hackerfilm Zwei schräge Vögel: Mit Erotik und Kybernetik ins perfekte Chaos
DDR-Hackerfilm Zwei schräge Vögel
Mit Erotik und Kybernetik ins perfekte Chaos
  1. Zoobotics Vier- und sechsbeinige Pappkameraden
  2. Miraisens Virtuelle Objekte werden ertastbar
  3. Autodesk Pteromys konstruiert Papiergleiter am Computer

Rezension What If: Ein Highlight der Nerdkultur vom XKCD-Autor
Rezension What If
Ein Highlight der Nerdkultur vom XKCD-Autor
  1. Transistoren Rechnen nach dem Schmetterlingsflügel-Prinzip
  2. MIT-Algorithmus Wie rotiert Schrott in Schwerelosigkeit?
  3. Neues Verfahren Yale-Forscher formt Smartphone-Hüllen aus metallischem Glas

IMHO: Microsoft kauft sich einen Markt mit Klötzchen
IMHO
Microsoft kauft sich einen Markt mit Klötzchen
  1. Minecraft Microsoft kauft Mojang
  2. Minecraft Microsoft will offenbar Mojang kaufen
  3. Minecraft New-Gen-Klötzchenwelt mit 1080p und 60 fps

    •  / 
    Zum Artikel