Windows 8 darf in deutschen Behörden nicht eingesetzt werden, sagen IT-Experten.
Windows 8 darf in deutschen Behörden nicht eingesetzt werden, sagen IT-Experten. (Bild: Lucas Jackson/Reuters)

Trusted Computing Experten des Bundes warnen vor TPM 2.0 mit Windows 8

Windows 8 ist ein inakzeptables Sicherheitsrisiko für Behörden und Firmen, warnen Experten der Regierung nach Dokumenten, die Zeit Online vorliegen. Das sogenannte Trusted Computing sei eine Hintertür für die NSA. Das BSI dementiert.

Anzeige

Wie vertrauenswürdig ist Microsoft? Für die Bundesverwaltung und alle deutschen Behörden, Unternehmen und Privatanwender, die auch in Zukunft mit dem Betriebssystem Windows arbeiten wollen, stellt sich diese Frage heute mehr denn je. Denn früher oder später müssten sie Windows 8 oder dessen Nachfolger verwenden. Aus Dokumenten, die Zeit Online vorliegen, geht aber hervor, dass die IT-Experten des Bundes Windows 8 für geradezu gefährlich halten. Das Betriebssystem enthält ihrer Ansicht nach eine Hintertür, die nicht verschlossen werden kann. Diese Hintertür heißt Trusted Computing und könnte zur Folge haben, dass Microsoft jeden Computer aus der Ferne steuern und kontrollieren kann. Und damit auch die NSA.

Trusted Computing ist alles andere als ein neues Phänomen. Seit rund zehn Jahren ist die Technik auf dem Markt. Vereinfacht gesagt, geht es dabei um den Versuch, den Rechner vor Manipulationen durch Dritte zu schützen, zum Beispiel vor Viren und Trojanern. Der Benutzer soll sich dabei um nichts mehr kümmern müssen. Um das zu erreichen, braucht es erstens einen speziellen Chip, der Trusted Platform Module (TPM) genannt wird, und zweitens ein darauf abgestimmtes Betriebssystem. Zusammen regeln sie unter anderem, welche Software der Nutzer auf einem Computer installieren darf und welche nicht. Wie das genau funktioniert und welche Funktionen sonst noch zum Trusted Computing gehören, wird zum Beispiel hier und hier erklärt.

Die Art und Weise, wie der Chip und das Betriebssystem zusammenarbeiten, ist standardisiert. Die entsprechende Spezifikation wird von der Trusted Computing Group (TCG) festgelegt. Die TCG wurde vor zehn Jahren von Microsoft, Intel, Cisco, AMD, Hewlett-Packard und Wave Systems gegründet - allesamt US-Unternehmen.

Die bisherige TPM-Spezifikation wird demnächst durch eine neue ersetzt, sie heißt kurz TPM 2.0. Was in Smartphones, Tablets und Spielekonsolen längst üblich ist, wird durch die Kombination von TPM 2.0 und Windows 8 auch auf PCs und Notebooks zum Normalfall: Hardware und Betriebssystem sind aufeinander abgestimmt, und der Hersteller des Betriebssystems legt fest, welche Anwendungen auf einem Gerät installiert werden können und welche nicht. Anders gesagt: Trusted Computing ist ein Weg, ein Digital Rights Management (DRM) durchzusetzen.

Microsoft könnte damit theoretisch bestimmen, dass kein Textverarbeitungsprogramm außer Microsoft Word unter Windows 8 funktioniert. Das kann wettbewerbsrechtlich problematisch sein. Es hat aber auch sicherheitsrelevante Folgen, eben weil der Nutzer keinen Einfluss auf das hat, was Microsoft erlaubt und was nicht. Drei Punkte sind dafür entscheidend: Erstens ist das TPM im Gegensatz zum bisherigen Standard künftig schon beim ersten Einschalten des Computers aktiviert. Wer den Computer in Betrieb nimmt, kann also nicht mehr selbst entscheiden, ob er die Trusted-Computing-Funktionen nutzen will (Opt-in). Zweitens ist künftig kein nachträgliches, vollständiges Deaktivieren des TPM mehr möglich (Opt-out). Drittens übernimmt das Betriebssystem die Oberhoheit über das TPM, im Fall eines Windows-Rechners also letztlich Microsoft.

Spätestens im Jahr 2015 wird praktisch jeder handelsübliche Computer mit Windows 8.x nach dem Standard TPM 2.0 funktionieren. Was Microsoft durch Aktualisierungen dann aus der Ferne mit dem System und damit dem ganzen Computer macht, ist für den Nutzer nicht vollständig zu überblicken.

Zusammengefasst verlieren die Nutzer eines Trusted-Computing-Systems die Kontrolle über ihren Computer. Das gehört zwar ein Stück weit zur Grundidee von Trusted Computing, wie das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hier sehr ausführlich erklärt. Das BIS empfiehlt Behörden, Unternehmen und Privatanwendern den Einsatz dieser Technik auch, sofern sie bestimmte Voraussetzungen erfüllt. Zu diesen Voraussetzungen aber gehören die Optionen des Opt-in und des Opt-out - und die fallen künftig weg.

"Vertraulichkeit und Integrität nicht gewährleistet"

Stattdessen könnte Microsoft festlegen, welche Programme noch auf dem Computer installiert werden können, bereits eingerichtete Programme nachträglich unbrauchbar machen und Geheimdiensten helfen, fremde Computer zu kontrollieren. Die zuständigen Fachleute im Bundeswirtschaftsministerium, in der Bundesverwaltung und beim BSI warnen denn auch unmissverständlich vor dem Einsatz von Trusted Computing der neuen Generation in deutschen Behörden.

So heißt es in einem Papier aus dem Wirtschaftsministerium von Anfang 2012: "Durch den Verlust der vollen Oberhoheit über Informationstechnik" seien "die Sicherheitsziele 'Vertraulichkeit' und 'Integrität' nicht mehr gewährleistet". An anderer Stelle stehen Sätze wie: "Erhebliche Auswirkungen auf die IT-Sicherheit der Bundesverwaltung können damit einhergehen." Die Schlussfolgerung lautet dementsprechend: "Der Einsatz der 'Trusted-Computing'-Technik in dieser Ausprägung … ist für die Bundesverwaltung und für die Betreiber von kritischen Infrastrukturen nicht zu akzeptieren."

Die NSA unterstützt den neuen Standard 

Rulf 28. Aug 2013

ausgestattet sein müssen heißt schon so gut wie eingeschaltet sein müssen...man streitet...

baltasaronmeth 26. Aug 2013

Mir dauert das zu lange, also möchte ich an dieser Stelle die Diskussion auf Apparmor...

baltasaronmeth 26. Aug 2013

Du sagst nicht genug um etwas falsches zu sagen. Dein Denkansatz ist aber nicht verkehrt...

baltasaronmeth 26. Aug 2013

Nur HTTP und FTP? Das ist wie in Urlaub Fahren und sich sicher fühlen, denn es steht ja...

KimDotMega 26. Aug 2013

Und in deinem Windowstaskmanager siehst du dann alle geladen Treiber und DLLs die geladen...

Kommentieren


Eviltux. IT & Gesellschaft / 21. Aug 2013

Windows 8: Bundesregierung warnt vor Einsatz



Anzeige

  1. Software-Tester / Test­manager (m/w)
    SOGETI Deutschland GmbH, verschiedene Standorte
  2. Leiter IT (CIO) (m/w)
    MKM Mansfelder Kupfer und Messing GmbH, Hettstedt bei Halle (Saale)
  3. Softwareentwickler Feldgeräteintegration (m/w)
    Festo AG & Co. KG, Denkendorf bei Stuttgart
  4. Entwicklungsingenieur (m/w) Software für den Bereich Firmware Smart-TV-Anwendung
    Metz Consumer Electronics GmbH, Zirndorf Raum Nürnberg

Detailsuche


Top-Angebote
  1. VORBESTELLBAR: Uncharted: The Nathan Drake Collection - Special Edition [PlayStation 4]
    79,95€ (Vorbesteller-Preisgarantie)
  2. DEAL DER WOCHE: ANNO 2070 - Bonus Edition [PC Download]
    6,36€
  3. NEU: Kingsman - The Secret Service [Blu-ray]
    11,99€

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Lenovo Yoga Tab 3 Pro

    10-Zoll-Tablet mit eingebautem 70-Zoll-Projektor

  2. Smartwatches

    Motorola stellt neue Moto 360 und Moto 360 Sport vor

  3. Umfrage

    Jeder vierte Nutzer hat Probleme beim Streaming

  4. Asus GX700

    Übertakter-Notebook läuft mit WaKü und geheimer Nvidia-GPU

  5. Testlauf

    Techniker Krankenkasse zahlt Ärzten Online-Videosprechstunde

  6. Mate S im Hands On

    Huawei präsentiert Smartphone mit Force-Touch-Display

  7. Smartwatch

    Huawei Watch kostet so viel wie Apple Watch

  8. Sonys Xperia-Z5-Modellreihe im Hands on

    Das erste Smartphone mit 4K-Display

  9. Für unterwegs und Homeoffice

    Telekom bietet den neuen Service "One Number"

  10. Copyrightstreit um Happy Birthday

    Kinderlieder gegen Time Warner



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Primove in der Hauptstadt: Berlin hat wieder eine E-Bus-Linie
Primove in der Hauptstadt
Berlin hat wieder eine E-Bus-Linie
  1. Berliner Verkehrsbetriebe Update legt elektronischen Echtzeit-Fahrplan tagelang lahm
  2. Bombardier Primove Eine E-Busfahrt, die ist lustig
  3. Bombardier Primove Erste Tests mit Induktionsbussen in Berlin

Digiskopie ausprobiert: Ich schau dir in die Augen, Wildes!
Digiskopie ausprobiert
Ich schau dir in die Augen, Wildes!
  1. Modulo Neue Kamera belichtet nie über
  2. Obstruction-Free Photography Algorithmus entfernt störende Elemente aus Fotos
  3. Flir One Hochauflösende Wärmebildkamera für iOS und Android

Snowden-Dokumente: Die planmäßige Zerstörungswut des GCHQ
Snowden-Dokumente
Die planmäßige Zerstörungswut des GCHQ
  1. Macbooks IBM wechselt vom Lenovo Thinkpad zum Mac
  2. Liske Bitkom schließt Vorstandsmitglied im Streit aus
  3. IuK-Kommission Das Protokoll des Bundestags-Hacks

  1. Re: Man merkte an der Serifenschrift dass die...

    exxo | 04:09

  2. Re: Im Grunde nix anderes als Waze

    Atalanttore | 04:00

  3. Wer will schon ein vernetztes Fahren?

    Atalanttore | 03:52

  4. Re: Und Tschüss ....

    Galde | 03:49

  5. Mit dem autonomen Fahrzeug durch Wanderbaustellen...

    Atalanttore | 03:39


  1. 22:20

  2. 21:45

  3. 21:17

  4. 18:20

  5. 17:49

  6. 17:43

  7. 17:24

  8. 16:45


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel