Abo
  • Services:
Anzeige
Der Contest von Telegram sagt wenig über die Sicherheit aus.
Der Contest von Telegram sagt wenig über die Sicherheit aus. (Bild: Screenshot Telegram.org)

Telegram: Der wertlose Krypto-Contest

Die Entwickler des Messengers Telegram werben damit, dass derjenige, der ihre Verschlüsselung knackt, 200.000 US-Dollar erhält. Doch in der Praxis relevante Angriffe werden von dem Contest überhaupt nicht erfasst.

Anzeige

Telegram ist einer von vielen Messengern, die zurzeit große Zuwachszahlen verzeichnen können, da nach der Whatsapp-Übernahme durch Facebook viele Anwender nach Alternativen suchen. Anders als Threema kann Telegram damit werben, dass seine Software zumindest teilweise quelloffen ist. Der Code kann auf Github heruntergeladen werden und steht unter der GPL v2. Bislang sind nur Teile von Telegram offengelegt, doch die Entwickler kündigen in ihrer FAQ an, dass sie auch den Rest des Programms veröffentlichen wollen.

200.000 US-Dollar für erfolgreiche Hacker

Der Messenger-Dienst wirbt für die Sicherheit seines Protokolls mit einem besonderen Versprechen: Wer die Verschlüsselung knackt, erhält ein Preisgeld von 200.000 US-Dollar. Ein scheinbar verlockendes Angebot. Sollte Telegram Schwächen haben, müsste sich doch leicht ein Sicherheitsexperte finden, der das Preisgeld einstreicht. Grundsätzlich sind derartige Contests eine gute Idee, um die Sicherheit eines Produkts zu belegen. So zahlen viele Softwareentwickler sogenannte Bounties an Personen, die Sicherheitslücken in ihren Produkten entdecken. Doch das Versprechen von Telegram hat einige Tücken.

Der Contest funktioniert laut Telegram-Webseite so: Jeden Tag sendet einer der Telegram-Entwickler einem Kollegen eine verschlüsselte Nachricht. Diese enthält einen willkürlichen Text und eine Mailadresse. Die verschlüsselten, übertragenen Daten dieser Nachricht kann man auf der Telegram-Webseite herunterladen und analysieren.

Kaum praxisrelevant

Das Problem dabei: Ein Angreifer hat in diesem Szenario viele Möglichkeiten nicht, die in der Praxis äußerst relevant sind. Das Blog Crypto Fails hat auf einige der Probleme bereits im Dezember hingewiesen.

Ein realer Angreifer kann häufig Nachrichten nicht nur mitlesen, sondern auch manipulieren. Man spricht von sogenannten Man-in-the-Middle-Angriffen. Ein Angreifer, der beispielsweise die Kontrolle über den Router beim Netzprovider eines Telegram-Nutzers hat, könnte etwa Teile von verschlüsselten Nachrichten verändern, die Zustellung von Nachrichten verhindern oder komplett neue Nachrichten schicken. Ein gutes Verschlüsselungsprotokoll sollte sich davon nicht beeindrucken lassen und auch unter diesen Umständen keine Informationen über den Klartext oder geheime Schlüssel preisgeben.

Kaum Angriffszenarien

Viele Angriffe auf kryptographische Protokolle funktionieren außerdem nur, wenn ein Angreifer eine große Zahl von Nachrichten mitlesen kann. Man kann sich leicht denken, dass so etwas praxisrelevant ist: Ein längerer Chat, möglicherweise über mehrere Tage, kann schnell Hunderte von Nachrichten enthalten. Beim Telegram-Contest kann man nur täglich eine verschlüsselte Nachricht herunterladen.

Kryptographen haben aus diesen Gründen eine Vielzahl von theoretischen Angriffsszenarien entwickelt. Man unterscheidet beispielsweise zwischen Known-Plaintext-Angriffen (ein Angreifer kennt manche Nachrichten in unverschlüsselter Form), Chosen-Ciphertext-Attacks (Angreifer kann selbst gewählte, manipulierte "verschlüsselte" Nachrichten an das System schicken) oder Chosen-Plaintext-Attacks (Angreifer kann selbst unverschlüsselte Nachrichten einschleusen und die passende verschlüsselte Nachricht sehen). Ein gutes Krypto-System sollte gegen alle derartigen Angriffe sicher sein. Der Contest von Telegram erfasst sie alle nicht, es handelt sich lediglich um einen sogenannten "Known-Ciphertext-Attack".

Noch dazu sind insbesondere in jüngerer Zeit viele Angriffspunkte in kryptographischen Protokollen aufgetaucht, die auf Timing-Probleme zurückgehen. Dabei erfährt ein Angreifer Informationen über die Zeit, die ein System benötigt, um gewisse manipulierte Nachrichten zu verarbeiten. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist die Lucky-Thirteen-Attacke auf TLS. Doch Timing-Angriffe sind vom Telegram-Contest ebenfalls nicht erfasst.

Komplett unsicheres Protokoll könnte Contest ebenfalls bestehen 

eye home zur Startseite
rommudoh 04. Mär 2014

Noch nicht mal aus was die 1 Mio bestehen... 1 Mio Peischenhiebe?

frostbitten king 04. Mär 2014

Danke, endlich einer der es schafft sachlich zu erklären. Ich bin da schon längst drüber...

DerGoldeneReiter 04. Mär 2014

Wenn die Telegram-Entwickler ein etabliertes Kryptographieverfahren (Diffie-Hellman) mit...

DerGoldeneReiter 03. Mär 2014

Ich lasse mir das gleich patentieren. :D

DerGoldeneReiter 03. Mär 2014

Das verhindert aber leider nicht, dass Eigenentwickelungen von Protokollen und...



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Robert Bosch GmbH, Bühl
  2. über Robert Half Technology, Großraum Düsseldorf
  3. Mobile Trend GmbH, Hamburg
  4. Zurich Gruppe Deutschland, Köln


Anzeige
Top-Angebote
  1. (alle Angebote versandkostenfrei, u. a. Xbox One Special Edition Controller je 37,00€, Game of...
  2. für je 11,99€
  3. 22,46€

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Potenzialanalyse für eine effiziente DMS- und ECM-Strategie
  2. Globale SAP-Anwendungsunterstützung durch Outsourcing
  3. Kritische Bereiche der IT-Sicherheit in Unternehmen


  1. Project Mortar

    Mozilla möchte Chrome-Plugins für Firefox unterstützen

  2. Remedy

    Steam-Version von Quantum Break läuft bei Nvidia flotter

  3. Videostreaming

    Twitch Premium wird Teil von Amazon Prime

  4. Dark Souls & Co.

    Tausende Tode vor Tausenden von Zuschauern

  5. Die Woche im Video

    Grüne Welle und grüne Männchen

  6. Systemd.conf 2016

    Pläne für portable Systemdienste und neue Kernel-IPC

  7. Smartphones und Tablets

    Bundestrojaner soll mehr können können

  8. Internetsicherheit

    Die CDU will Cybersouverän werden

  9. 3D-Flash-Speicher

    Micron stellt erweiterte Fab 10X fertig

  10. Occipital

    VR Dev Kit ermöglicht Roomscale-Tracking per iPhone



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Canon vs. Nikon: Superzoomer für unter 250 Euro
Canon vs. Nikon
Superzoomer für unter 250 Euro
  1. Snap Spectacles Snapchat stellt Sonnenbrille mit Kamera vor
  2. MacOS 10.12 Fujitsu warnt vor der Nutzung von Scansnap unter Sierra
  3. Bildbearbeitungs-App Prisma offiziell für Android erhältlich

Autonomes Fahren: Die Ethik der Vollbremsung
Autonomes Fahren
Die Ethik der Vollbremsung
  1. Autonomes Fahren Komatsu baut Schwerlaster ohne Führerstand
  2. Postauto Autonomer Bus baut in der Schweiz einen Unfall
  3. Sebastian Thrun Udacity will autonomes Auto als Open-Source-Modell anbieten

Besuch bei Dedrone: Keine Chance für unerwünschte Flugobjekte
Besuch bei Dedrone
Keine Chance für unerwünschte Flugobjekte
  1. In the Robot Skies Drohnen drehen einen Science-Fiction-Film
  2. UTM Nokia lässt Drohnen am Flughafen steigen
  3. Project Wing Google fliegt Burritos aus

  1. Re: Wenn das so weiter geht gibt es nur noch...

    regiedie1. | 17:20

  2. Linux-Support

    jak | 17:19

  3. Re: Na das sind Probleme: "du machst aber alles...

    JouMxyzptlk | 17:12

  4. Re: Das Spiel auf eigene Faust erkunden und die...

    JouMxyzptlk | 17:07

  5. Re: So eine Verschwendung von Steuergeldern

    divStar | 16:59


  1. 13:15

  2. 12:30

  3. 11:45

  4. 11:04

  5. 09:02

  6. 08:01

  7. 19:24

  8. 19:05


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel