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"Your computer is hacked..."
"Your computer is hacked..." (Bild: Jörg Thoma)

Alles ist kaputt!

Jetzt kommt Harry zum Punkt: Das Zertifikat sei der Grund für die Probleme auf meinem Computer. Ich müsse es erneuern. Das könne ich durch eine erneute Registrierung meiner Windows-Installation erledigen. Außerdem brauche ich neue Software. Als Beweis zeigt Harry mir noch die Liste beendeter Dienste in der Systemkonfiguration. Dass diese Dienste normalerweise nur einmalig gestartet und dann beendet werden, sagt mir Harry nicht. Und ich brauche noch eine Firewall. Harry verschweigt mir, dass Windows eine hat. Ich frage nicht nach. Ah, und es muss noch unbedingt ein Anti-Hacking-Gerät installiert werden, rät mir Harry. Und er bietet mir Hilfe und Support rund um die Uhr an. Das wird vermutlich teuer, denke ich.

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Hilfe zum Vorzugspreis

Allein das neue Zertifikat koste normalerweise über 1.000 Euro, sagt mir Harry. Er könne mir aber in Microsofts Namen einen Rabatt anbieten. Das Gesamtpaket im Jahresabonnement koste schlappe 160 Euro. Lebenslanger Support koste mich aber nur 325 Euro. Das gelte für mein gesamtes Leben, betont Harry, nicht für die Lebensdauer meines Rechners. Und Windows 10 gebe es obendrein noch gratis. Wow, denke ich. Schnäppchen!

Inzwischen telefoniere ich schon fast eine Dreiviertelstunde mit Harry. Verdammt, mein Pesto. Aber Harry fesselt mich ein weiteres Mal ans Telefon. Wie ich bezahlen wolle, online oder offline, fragt er. Zahlen will ich zwar nichts, will aber trotzdem das Spiel mit Harry noch ein wenig weiterspielen. Ich hoffe, noch einen Blick auf die Software zu bekommen, die Harry anbietet. Offline, sage ich vorsichtshalber.

Offline-Zahlung möglich

Ah, sagt Harry. Ob ich Western Union kenne? Ich gebe auf Harrys Anweisung eine falsche Adresse in ein Suchfeld auf der Webseite des weltweiten Zahlungsanbieters ein und bekomme eine Liste nahegelegener Filialen. Ich soll dort die Überweisung tätigen. Jetzt gibt mir Harry noch ein paar Tipps, um weitere Kosten zu sparen. Es gebe drei Länder, in die Überweisungen an Microsoft getätigt werden können: die USA, China und Indien. Eine Überweisung in die USA koste 160 Euro, nach China 40 und nach Indien nur 25 Euro. Ich entscheide mich natürlich für die günstigste Variante.

Normalerweise koste ein geschäftlicher Transfer deutlich mehr, deshalb solle die Überweisung direkt an einen zertifizierten Mitarbeiter gehen, sagt Harry und schreibt mir einen Namen in eine inzwischen geöffnete Textdatei auf meinem Rechner. Und ich solle deshalb tunlichst vermeiden, im Western-Union-Büro den Namen Microsoft zu erwähnen. Ich solle gleich losgehen und die Überweisung tätigen, rät Harry. Den Rechner könne ich laufenlassen und bei meiner Rückkehr einfach in die geöffnete Textdatei den Satz "Ich bin wieder da" eintippen. Jetzt will ich das Ganze beenden. Mein Pesto wartet. Inzwischen sind anderthalb Stunden vergangen.

Harrys Rache

Auf das, was jetzt passiert, bin ich nicht gefasst. Ich erkläre Harry, dass ich seine Abzocke kenne und keinesfalls auf seine Masche reinfallen werde. Außerdem gebe ich mich als IT-Journalist zu erkennen, während ich beginne, die offenen Fenster auf dem Rechner zu schließen.

Harry wird jetzt wütend. Er droht damit, dafür zu sorgen, dass meine Windows-Installation ungültig wird. Bevor ich die Fernwartung kappen kann, öffnet Harry noch schnell ein Fenster und gibt ein Passwort für den Systemstart ein. Ich sei jetzt aus meinem System ausgesperrt, keift Harry noch ins Telefon, bevor ich auflege und die Fernwartungssoftware schließe. Zu spät. Harry hat mich im letzten Moment doch noch überrumpelt.

Ich setze meine virtuelle Maschine auf den Ursprungszustand zurück. Und ärgere mich im Nachhinein, dass ich nicht doch beobachtet habe, was Harry noch so alles auf meinem Rechner anstellt, während ich angeblich zu Western Union tigere. Aber früher oder später wird ja sicher wieder jemand anrufen, der mir mit meinem kaputten Windows helfen will.

In einem Pilotprojekt mit Narando vertonen wir in den kommenden Wochen zwei bis drei Golem.de-Artikel pro Woche. Die Texte werden nicht von Robotern, sondern von professionellen Sprechern vorgelesen. Über Feedback unserer Zuhörer freuen wir uns - im Forum oder an redaktion@golem.de.

 Hütchenspiele im Terminal

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Fíli 20. Jun 2016

Och, je nach Rufnummer im Display (Bin Wohnhaft in der CH) Federal Buero of...

Bachsau 19. Jun 2016

Hä? Was hast du für'n Problem?

Bachsau 19. Jun 2016

Wasn das für'n Film? Gibts eigentlich in Indien keine Gesetze gegen sowas? Ich meine, den...

Friko44 16. Jun 2016

Es ist nicht immer leicht, das stimmt. Wobei ich das Brechdeutsch eines Inders nicht...

newbit 13. Jun 2016

+1



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