Südkorea Politiker will Microsofts Browser-Dominanz beenden

Ein Präsidentschaftskandidat möchte die jahrelange Vorherrschaft des Internet Explorers in Südkorea beseitigen. Aufgrund eines selbst entwickelten Sicherheitssystems für Onlinefinanztransaktionen waren Südkoreaner bisher von Microsofts Browser abhängig.

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Der südkoreanische Präsidentschaftskandidat Cheol-Soo Ahn hat angekündigt, im Falle eines Wahlsieges die Vorherrschaft des Internet Explorers in seinem Heimatland beenden zu wollen. Das berichtet Korea Realtime, ein auf Korea spezialisiertes Blog des Wall Street Journals, unter Berufung auf ein Manuskript des Politikers.

Microsofts Webbrowser hatte im Oktober 2012 in dem ostasiatischen Land laut Statcounter einen Marktanteil von fast 75 Prozent. Der zweitplatzierte Browser ist Googles Chrome mit knapp 17 Prozent.

Weltweit liegt der Internet Explorer mit einem Marktanteil von momentan etwa 32 Prozent knapp hinter Chrome mit knapp 35 Prozent. Mozillas Firefox kommt mit rund 22 Prozent auf den dritten Platz.

Eigene Verschlüsselungstechnologie erforderte Internet Explorer

Einer der Gründe für die starke Verbreitung des Internet Explorers in Südkorea ist eine selbst entwickelte Verschlüsselungstechnologie für Onlinefinanztransaktionen. 1998 ließ die südkoreanische Regierung einen eigenen Verschlüsselungsalgorithmus mit 128 Bit namens SEED entwickeln, der mittlerweile als veraltet gilt. Dieser musste für die Verschlüsselung aller Finanzgeschäfte im Internet wie beispielsweise Onlinebanking eingesetzt werden.

Die Sicherheitszertifikate konnten nur mit Hilfe von ActiveX-Steuerelementen ausgestellt werden. Daher mussten Südkoreaner den Internet Explorer für jede Finanztransaktion im Internet verwenden. Andere Browser unterstützen ActiveX nur bedingt. Chrome bietet ein Plugin an, Firefox hingegen nicht mehr. Opera unterstützt einige Netscape-kompatible Plugins. Zudem läuft ActiveX seit der Einstellung des Internet Explorers für Mac OS nur noch unter Windows.

Zertifikatsbindung offiziell bereits abgeschafft

2010 beschloss die südkoreanische Regierung, die verpflichtende Verwendung von ActiveX abzuschaffen. Grund dafür war laut Korea Realtime auch die wachsende Verbreitung von Smartphones. Außerdem übten Gruppierungen wie Open Web Druck auf die Regierung aus.

Möchte ein Unternehmen seitdem eine andere Verschlüsselung verwenden, muss es sich von einer Regierungsstelle eine Genehmigung einholen. Laut einem Bericht der Korea Times hat diese Regierungsstelle jedoch bis jetzt noch keine solche Genehmigung erteilt.

Dennoch hat in den vergangenen zwei Jahren die Dominanz des Internet Explorers in Südkorea etwas abgenommen. Dies kann an der Ausbreitung von Smartphones sowie an der ActiveX-Unterstützung von Googles Chrome-Browser liegen.

Chancen für Präsidentschaftskandidatur momentan gering

Cheol-Soo Ahn ist der Gründer von Ahnlab, eines Herstellers für Antivirensoftware. Im Kampf um die Präsidentschaftskandidatur liegt der unabhängige Ahn nach den letzten Umfragen jedoch hinter seinem Mitstreiter Jae-In Moon von der DUP (Democratic United Party). Die beiden Politiker einigten sich Anfang November darauf, ihren Wahlkampf gegen den Kandidaten der Regierungspartei gemeinsam zu führen. Inwieweit Ahn die Vorherrschaft des Internet Explorers in Südkorea beenden kann, bleibt also offen.


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