Anzeige
Diese Android-App schnüffelt - aber im Dienst der Wissenschaft.
Diese Android-App schnüffelt - aber im Dienst der Wissenschaft. (Bild: Google/Screenshot: Golem.de)

Stanford-Experiment: Metadaten verraten intimste Details des Privatlebens

Zwei Wissenschaftler der Universität Stanford haben die Verbindungsdaten von freiwilligen Teilnehmern einer Studie gespeichert. Zusammen mit anderen, öffentlich zugänglichen Informationen konnten sie Rückschlüsse auf privateste Dinge ziehen.

Anzeige

Die Studenten Jonathan Mayer und Patrick Mutchler von der Stanford-Universität bereichern die Debatte um die Speicherung von Metadaten mit einem eindrucksvollen Experiment. Seit Jahren wird darüber gestritten, ob Informationen darüber, wer mit wem wie lange gesprochen hat, eher unverfänglich sind oder ob mit ihrer Hilfe Bürger tatsächlich ausspioniert werden können. In Deutschland steht dafür seit Jahren die Vorratsdatenspeicherung in der Kritik, und auch in den USA regt sich durch die NSA-Spähaffäre inzwischen Widerstand.

Mit den Methoden eines Geheimdienstes, aber stets mit Wissen der Beteiligten, gingen auch die beiden Stanford-Wissenschaftler vor. Dazu haben sie im November 2013 das Programm Metaphone bei Google Play veröffentlicht. Die Android-App speichert Metadaten von Anrufen, Chats und auch vom Facebook-Profil des Nutzers. Die Inhalte der Kommunikation würden ausdrücklich nicht gespeichert, so die Forscher auf der Projektseite. Die ersten Ergebnisse der Studie liegen nun vor, worauf die Süddeutsche Zeitung hinweist. Weitere Details sind zudem bei Stanford selbst einsehbar.

Wie schnell große Personenkreise einer solchen Überwachung wie durch Metaphone betroffen sein können, zeigt schon eine einfache Zahl: Nur 546 Teilnehmer hat die Studie nach dem Bericht bisher, diese riefen jedoch bei knapp 34.000 Nummern an. Gut 6.100 dieser Nummern ließen sich durch Nutzung öffentlicher Verzeichnisse wie Google Places oder Yelp einer bestimmten Einrichtung zuordnen.

Die Wissenschaftler machten sich damit gezielt auf die Suche nach sehr persönlichen Informationen, die sich durch die Verknüpfung von Metadaten mit anderen Quellen finden lassen.

Ein langes Telefonat mit dem Schwesterherz

Dazu hier nur zwei Beispiele: Eine Teilnehmerin telefonierte morgens lange mit ihrer Schwester. Zwei Tage danach rief sie mehrere Stellen für Schwangerschaftsberatung an, und zwei Wochen danach noch einmal. Einen Monat später tätigte sie einen letzten Anruf bei einer der Stellen. Dieses Verhalten legt nahe, dass es sich um eine ungewollte Schwangerschaft und möglicherweise um einen Abbruch handelte, die Wissenschaftler verzichteten aber darauf, diese These zu überprüfen.

Ein anderer Proband kontaktierte im Zeitraum von drei Wochen einen Baumarkt, einen Schlosser sowie Firmen, die Hydrokulturgeräte vertreiben und einen Fachhändler für Drogenzubehör. Auch hier ist der Schluss leicht zu ziehen: Offenbar wollte sich da jemand eine eigene Marihuana-Plantage anlegen. Auch hier überprüften die Forscher ihre Mutmaßungen nicht. Sie weisen zudem darauf hin, dass die erfassten Daten "mit verhältnismäßigem Aufwand gesichert und gespeichert" werden sollen. Die Studie soll im Juni 2014 enden. Ob die Daten danach gelöscht werden, ist nicht bekannt.

Während die Forscher den politischen Schlussfolgerungen der Debatte um Metadaten nicht vorgreifen wollen, stellen sie schon jetzt fest: "Die Wissenschaft zeigt eindeutig: Die Metadaten von Telefonen sind hoch sensibel."


eye home zur Startseite
ichbinsmalwieder 31. Mär 2014

Jemand, der eine Schwangerschaftshotline anruft, ist möglicherweise schwanger - ACH...

double1981 25. Mär 2014

Das Argument betrifft doch die verdachtsunabhängige Erfassung aller Daten um einen...

dbettac 22. Mär 2014

Es spielt doch aber keine Rolle, ob dieser Schluss richtig war. Du wirst im Ernstfall...

attitudinized 20. Mär 2014

Wo sind die News?

Aerouge 20. Mär 2014

Also ich hätte jetzt auf einen Hobby-Laden mit Magic The Gathering Karten und Warhammer...

Kommentieren



Anzeige

  1. Qualitätsmanager (m/w)
    HECTEC GmbH, Landshut-Altdorf
  2. UX Designer für Mobile Apps (m/w)
    Daimler AG, Ulm
  3. Automatisierungstechniker / Programmierer (m/w)
    Vogt-Plastic GmbH, Rheinfelden
  4. IT Infrastruktur Support (m/w)
    RATIONAL AG, Landsberg am Lech

Detailsuche



Anzeige

Folgen Sie uns
       


  1. Die Woche im Video

    Die Schoko-Burger-Woche bei Golem.de - mmhhhh!

  2. Zcryptor

    Neue Ransomware verbreitet sich auch über USB-Sticks

  3. LTE-Nachfolger

    Huawei schließt praktische Tests für Zukunftsmobilfunk ab

  4. Beam

    Neues Modul für Raumstation klemmt

  5. IT-Sicherheit

    SWIFT-Hack vermutlich größer als bislang angenommen

  6. Windows 10

    Microsoft bringt verdoppelten Virenschutz

  7. Audience Network

    Facebook trackt auch Nichtnutzer für Werbezwecke

  8. Statt Fernsehen

    Ministerrat will europaweite 700-MHz-Freigabe für Breitband

  9. Gran Turismo Sport

    Ein Bündnis mit der Realität

  10. Fensens Parksensor

    Einparken mit dem Smartphone



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
GPD XD im Test: Zwischen Nintendo 3DS und PS Vita ist noch Platz
GPD XD im Test
Zwischen Nintendo 3DS und PS Vita ist noch Platz
  1. Playstation 4 Rennstart für Gran Turismo Sport im November 2016
  2. Project Spark Microsoft stellt seinen Spieleeditor ein
  3. AMD Drei Konsolen-Chips für 2017 angekündigt

Intels Compute Stick im Test: Der mit dem Lüfter streamt (2)
Intels Compute Stick im Test
Der mit dem Lüfter streamt (2)
  1. Apple Store Apple darf keine Geschäfte in Indien eröffnen
  2. Prozessoren Intel soll in Deutschland Abbau von 350 Stellen planen
  3. HBM2 eSilicon zeigt 14LPP-Design mit High Bandwidth Memory

Xiaomi Mi5 im Test: Das fast perfekte Top-Smartphone
Xiaomi Mi5 im Test
Das fast perfekte Top-Smartphone
  1. Konkurrenz zu DJI Xiaomi mit Kampfpreis für Mi-Drohne
  2. YI 4K Xiaomi greift mit 4K-Actionkamera GoPro an

  1. Re: Wieso denn so teuer?

    Prinzeumel | 09:47

  2. Re: was ist eigentlich mit

    seizethecheesl | 09:39

  3. Re: MS warnt? Die Unterstützen das doch.

    longthinker | 09:27

  4. Re: Adblocker sind die besseren Antiviren

    medium_quelle | 09:25

  5. Ja und? Es gibt reichlich Straßen wo ein LKW...

    derdiedas | 09:25


  1. 09:01

  2. 17:09

  3. 16:15

  4. 15:51

  5. 15:21

  6. 15:12

  7. 14:28

  8. 14:17


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel