Staatstrojaner BKA muss neue Überwachungssoftware kaufen

Der bisher verwendete Staatstrojaner wird von Bundesbehörden nicht mehr eingesetzt, sagt das Innenministerium. Aber die geplante Eigenentwicklung liegt in weiter Ferne.

Anzeige

Der Staatstrojaner solle vom Bund künftig selbst entwickelt werden, kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor ziemlich genau einem Jahr an. Im Bundeskriminalamt wurde dafür ein Kompetenzzentrum eingerichtet. Doch bis die neue Software einsatzbereit ist, wird es offenbar noch dauern. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, sagte der Mitteldeutschen Zeitung: "Die Entwicklung von Software durch das BKA wird voraussichtlich noch Monate dauern, vielleicht sogar Jahre."

Bis dahin muss die Behörde auf diese Art der Überwachung verzichten - oder weiter entsprechende Programme kaufen. Die bisher genutzte Software von Digitask zur sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) jedenfalls "wird von Behörden des Bundes nicht mehr eingesetzt", heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Jan Korte. "Für die Zeit bis zur Fertigstellung der Eigenentwicklung wird seitens des Bundeskriminalamtes eine kommerzielle Übergangslösung vorbereitet", heißt es in den Dokument. "Ein Armutszeugnis für den Innenminister", sagt Korte.

Der Chaos Computer Club hatte den Digitask-Trojaner - mit dem zum Beispiel Skype-Gespräche von Verdächtigen abgehört wurden - analysiert und festgestellt, dass er mehr kann, als er gesetzlich dürfte. Datenschützer hatten das mehrfach bestätigt, obwohl Digitask sich stets weigerte, den Quellcode zu seiner Software zu zumutbaren Bedingungen offenzulegen.

Aber es gibt ja noch andere Anbieter solcher Überwachungsprogramme. Finspy von Gamma International zum Beispiel. Die Bundesregierung hatte schon im vergangenen Dezember eingeräumt, dass das BKA eine Testversion von Finspy besitzt. Die Software wurde unter anderem vom Mubarak-Regime in Ägypten genutzt. Ob sie in Deutschland tatsächlich eingesetzt wird, ist unklar.

Welche Software das BKA auch immer nutzen wird, sie muss "einer umfassenden Funktionsprüfung unterzogen werden", wie das Innenministerium schreibt. So soll sichergestellt werden, dass sie nicht auch Funktionen zur heimlichen, verfassungswidrigen Überwachung von unverdächtigen Privatpersonen beinhaltet. Korte sagte Zeit Online: "Ich bin der Überzeugung, dass das nicht möglich ist."

Eine BKA-eigene Lösung hätte den Vorteil, dass sie leichter von der Politik und von Fachleuten überprüft werden könnte. 2,2 Millionen Euro stehen der Behörde für die Entwicklung einer Quellen-TKÜ-Software jährlich zur Verfügung. Eine passende Stellenausschreibung, die vor einigen Wochen auf der Website des BKA zu sehen war, ist mittlerweile nicht mehr online. Gesucht wurde "ein/e Software Designer/in zur Konzeption und Entwicklung technischer Überwachungsmethoden bei Straftaten im Zusammenhang mit Computernetzwerken". Die Vergütung sollte außertariflich erfolgen, eine spätere Verbeamtung wurde nicht ausgeschlossen.

Aber selbst wenn das BKA mittlerweile geeignete Mitarbeiter gefunden haben sollte, würde es noch lange dauern, bis die eine entsprechende Software entwickelt haben. Uhl sagt: "Vielleicht werden wir eines Tages sogar kleinlaut zugeben müssen, dass wir es gar nicht können."


__destruct() 10. Okt 2012

Husch, husch, Typ, der es schafft, dabei noch weiter an korrekte Entscheidungen unserer...

marqu1s_de_sade 10. Okt 2012

Eine Legislative die sich selbst durch ihre eigene Unfähigkeit sabotiert und so den...

__destruct() 10. Okt 2012

Das wäre eigentlich kein Problem.

Nocta 10. Okt 2012

Die Idioten sind jetzt so auf die Schnauze geflogen mit ihrer Pfuscherei und die geben's...

Kommentieren



Anzeige

  1. SPS-Programmierer (m/w)
    Ampack GmbH, Königsbrunn
  2. Software Entwickler (TTS) (m/w)
    Continental AG, Villingen-Schwenningen
  3. Entwickler (m/w) für VBA-Entwicklung, MS Office, Reporting, Inhouse-Schnittstellen
    PSI AG, Berlin
  4. IT-Trainee (m/w)
    Allianz Deutschland AG, München

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Darknet

    Grams - eine Suchmaschine für Drogen

  2. Kitkat-Smartphone

    Samsungs Galaxy Ace Style kommt früher

  3. Netmundial-Konferenz

    Netzaktivisten frustriert über "Farce" der Internetkontrolle

  4. Zalando

    Onlinekleiderhändler schließt einen Standort

  5. Apple vs. Samsung

    Google versprach Samsung Hilfe im Patentstreit mit Apple

  6. Deadcore

    Indiegames-Turmbesteigung für PC, Mac und Linux

  7. Reprap

    "Waschmaschinen werden auch nur 5% der Lebenszeit verwendet"

  8. Spam

    AOL bekämpft Spam mit Verschärfung der DMARC-Einstellung

  9. Mac OS X

    Sicherheitsupdate und Beta-Versionen für alle

  10. Onlinemodus

    Civ 3 und 4 sowie Borderlands ziehen um



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Windows XP ade: Linux ist nicht nur ein Lückenfüller
Windows XP ade
Linux ist nicht nur ein Lückenfüller

Wenn der Support für Windows XP ausläuft, wird es dringend Zeit, nach einer sicheren und vor allem kostenlosen Alternative zu suchen. Linux ist dafür bestens geeignet. Bleibt nur noch die Qual der Wahl.

  1. Freedesktop-Summit Desktops erarbeiten gemeinsam Wayland und KDBus
  2. Open Source Linux 3.15 startet in die Testphase
  3. Linux-Kernel LTO-Patch entfacht Diskussion

OpenSSL: Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed
OpenSSL
Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed

Der Heartbleed-Bug in OpenSSL dürfte wohl als eine der gravierendsten Sicherheitslücken aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.

  1. Libressl OpenBSD startet offiziell OpenSSL-Fork
  2. OpenSSL OpenBSD mistet Code aus
  3. OpenSSL-Lücke Programmierer bezeichnet Heartbleed als Versehen

Test LG L40: Android 4.4.2 macht müde Smartphones munter
Test LG L40
Android 4.4.2 macht müde Smartphones munter

Mit dem L40 präsentiert LG eines der ersten Smartphones mit der aktuellen Android-Version 4.4.2, das unter 100 Euro kostet. Dank der Optimierungen von Kitkat überrascht die Leistung des kleinen Gerätes - und es dürfte nicht nur für Einsteiger interessant sein.

  1. LG G3 5,5-Zoll-Smartphone mit 1440p-Display und Kitkat
  2. LG L35 Smartphone mit Android 4.4 für 80 Euro
  3. Programmierbare LED-Lampe LG kündigt Alternative zur Philips Hue an

    •  / 
    Zum Artikel