Hervorgehoben ist der vom Chaos Computer Club enttarnte und analysierte Trojaner der hessischen Firma Digitask.
Hervorgehoben ist der vom Chaos Computer Club enttarnte und analysierte Trojaner der hessischen Firma Digitask. (Bild: Odd Andersen/AFP/Getty Images)

Staatstrojaner BKA muss neue Überwachungssoftware kaufen

Der bisher verwendete Staatstrojaner wird von Bundesbehörden nicht mehr eingesetzt, sagt das Innenministerium. Aber die geplante Eigenentwicklung liegt in weiter Ferne.

Anzeige

Der Staatstrojaner solle vom Bund künftig selbst entwickelt werden, kündigte Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) vor ziemlich genau einem Jahr an. Im Bundeskriminalamt wurde dafür ein Kompetenzzentrum eingerichtet. Doch bis die neue Software einsatzbereit ist, wird es offenbar noch dauern. Der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, sagte der Mitteldeutschen Zeitung: "Die Entwicklung von Software durch das BKA wird voraussichtlich noch Monate dauern, vielleicht sogar Jahre."

Bis dahin muss die Behörde auf diese Art der Überwachung verzichten - oder weiter entsprechende Programme kaufen. Die bisher genutzte Software von Digitask zur sogenannten Quellen-Telekommunikationsüberwachung (Quellen-TKÜ) jedenfalls "wird von Behörden des Bundes nicht mehr eingesetzt", heißt es in einer Antwort auf eine Kleine Anfrage des Linken-Bundestagsabgeordneten Jan Korte. "Für die Zeit bis zur Fertigstellung der Eigenentwicklung wird seitens des Bundeskriminalamtes eine kommerzielle Übergangslösung vorbereitet", heißt es in den Dokument. "Ein Armutszeugnis für den Innenminister", sagt Korte.

Der Chaos Computer Club hatte den Digitask-Trojaner - mit dem zum Beispiel Skype-Gespräche von Verdächtigen abgehört wurden - analysiert und festgestellt, dass er mehr kann, als er gesetzlich dürfte. Datenschützer hatten das mehrfach bestätigt, obwohl Digitask sich stets weigerte, den Quellcode zu seiner Software zu zumutbaren Bedingungen offenzulegen.

Aber es gibt ja noch andere Anbieter solcher Überwachungsprogramme. Finspy von Gamma International zum Beispiel. Die Bundesregierung hatte schon im vergangenen Dezember eingeräumt, dass das BKA eine Testversion von Finspy besitzt. Die Software wurde unter anderem vom Mubarak-Regime in Ägypten genutzt. Ob sie in Deutschland tatsächlich eingesetzt wird, ist unklar.

Welche Software das BKA auch immer nutzen wird, sie muss "einer umfassenden Funktionsprüfung unterzogen werden", wie das Innenministerium schreibt. So soll sichergestellt werden, dass sie nicht auch Funktionen zur heimlichen, verfassungswidrigen Überwachung von unverdächtigen Privatpersonen beinhaltet. Korte sagte Zeit Online: "Ich bin der Überzeugung, dass das nicht möglich ist."

Eine BKA-eigene Lösung hätte den Vorteil, dass sie leichter von der Politik und von Fachleuten überprüft werden könnte. 2,2 Millionen Euro stehen der Behörde für die Entwicklung einer Quellen-TKÜ-Software jährlich zur Verfügung. Eine passende Stellenausschreibung, die vor einigen Wochen auf der Website des BKA zu sehen war, ist mittlerweile nicht mehr online. Gesucht wurde "ein/e Software Designer/in zur Konzeption und Entwicklung technischer Überwachungsmethoden bei Straftaten im Zusammenhang mit Computernetzwerken". Die Vergütung sollte außertariflich erfolgen, eine spätere Verbeamtung wurde nicht ausgeschlossen.

Aber selbst wenn das BKA mittlerweile geeignete Mitarbeiter gefunden haben sollte, würde es noch lange dauern, bis die eine entsprechende Software entwickelt haben. Uhl sagt: "Vielleicht werden wir eines Tages sogar kleinlaut zugeben müssen, dass wir es gar nicht können."


__destruct() 10. Okt 2012

Husch, husch, Typ, der es schafft, dabei noch weiter an korrekte Entscheidungen unserer...

marqu1s_de_sade 10. Okt 2012

Eine Legislative die sich selbst durch ihre eigene Unfähigkeit sabotiert und so den...

__destruct() 10. Okt 2012

Das wäre eigentlich kein Problem.

Nocta 10. Okt 2012

Die Idioten sind jetzt so auf die Schnauze geflogen mit ihrer Pfuscherei und die geben's...

Kommentieren



Anzeige

  1. Junior / Senior Softwareentwickler (m/w) PHP / MAGENTO
    Stiefelparadies GmbH, Neuss
  2. Webentwickler/in
    ALPLA Werke Alwin Lehner GmbH & Co KG, Hard (Österreich)
  3. Java Softwareentwickler (m/w)
    VSA GmbH, München
  4. Junior Systemadministrator (m/w)
    FAST LTA AG, München

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. Marshall STANMOREBLACK stanmore Bluetooth-Lautsprecher
    285,00€ statt 329,00€
  2. PCGH-Extreme-PC GTX980Ti-Edition
    (Core i7-5820K + Geforce GTX 980 Ti)
  3. Samsung-UHDTV kaufen und Sommer-Bonus erhalten
    100,00€ bis 1.000,00€ Cashback

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Samsung

    Smartphone-Kamerachip mit 1 Mikrometer großen Bildpunkten

  2. Quartalsbericht

    Facebook hat fast 1,5 Milliarden Nutzer

  3. Magnetische Induktion

    US-Wissenschaftler verbessern drahtlose Stromübertragung

  4. DDR4-4000

    Gskills neuer Arbeitsspeicher taktet mit 2 GHz

  5. Yager

    Dead-Island-2-Projektgesellschaft ist insolvent

  6. Nokia

    Ozo nimmt 360-Grad-Videos in Echtzeit auf

  7. Nintendo

    Wii U schafft die 10-Millionen-Marke

  8. Allison Road

    Das geistige Erbe von Silent Hill entwickelt ein Deutscher

  9. Windows 10

    Verteilung des Gratis-Upgrades erzwingen

  10. Actionspiel

    EA kündigt Titanfall Online an



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Neue WLAN-Router-Generation: Hohe Bandbreiten mit zweifelhaftem Nutzen
Neue WLAN-Router-Generation
Hohe Bandbreiten mit zweifelhaftem Nutzen
  1. EA8500 Linksys' MU-MIMO-Router kostet 300 Euro
  2. Aruba Networks 802.11ac-Access-Points mit integrierten Bluetooth Beacons
  3. 802.11ac Wave 2 Neue Chipsätze für die zweite Welle von ac-WLAN

Simulus QR-X350.PRO im Test: Der Quadcopter, der vom Himmel fiel
Simulus QR-X350.PRO im Test
Der Quadcopter, der vom Himmel fiel
  1. Flugverkehrskontrolle Amazon will Drohnenverkehr regeln
  2. Paketzustellung Google will Flugverkehrskontrolle für Drohnen entwickeln
  3. Luftzwischenfall Beinahekollision zwischen Lufthansa-Flugzeug und Drohne

OCZ Trion 100 im Test: Macht sie günstiger!
OCZ Trion 100 im Test
Macht sie günstiger!
  1. PM863 Samsung packt knapp 4 TByte in ein flaches Gehäuse
  2. 850 Evo und Pro Samsung veröffentlicht erste Consumer-SSDs mit 2 TByte
  3. TLC-Flash Samsung plant SSDs mit 2 und 4 TByte

  1. Re: US-Wissenschaftler haben herausgefunden...

    PiranhA | 08:07

  2. Atelco.ein Nachruf ?

    perlian | 08:06

  3. Re: Warum Packetdrohnen?

    bungeeee | 08:01

  4. Re: HILFE!

    Dominic_Arni | 08:00

  5. Re: Es könnte so einfach sein...

    Phantomal | 07:58


  1. 08:10

  2. 22:38

  3. 18:20

  4. 17:18

  5. 16:58

  6. 16:04

  7. 15:47

  8. 15:15


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel