SSL/TLS: Problematisches Nachladen von Zertifizierungsstellen
Zertifikate für den Internet Explorer unter Windows 7 (Bild: Screenshot Golem.de)

SSL/TLS: Problematisches Nachladen von Zertifizierungsstellen

Die TLS-Schnittstelle von Windows lädt automatisch fehlende Zertifizierungsstellen nach. Das sowieso schon kritisierte System der TLS-Zertifizierung wird dadurch noch unsicherer.

Anzeige

Surft ein Nutzer mit dem Internet Explorer auf eine HTTPS-Seite, überprüft der Browser anhand einer vorhandenen Liste von Root-Zertifikaten, ob das Zertifikat der Webseite von einer bekannten Zertifizierungsinstanz unterschrieben wurde. Dieses Konzept ist nicht ohne Risiken, da der Nutzer damit automatisch allen vorhandenen Zertifizierungsstellen vertraut. Jede einzelne dieser sogenannten CAs (Certificate Authorities) ist theoretisch in der Lage, einen Man-in-the-Middle-Angriff auf TLS-Verbindungen durchzuführen.

Ein Bericht der Zeitschrift c't weist nun auf ein problematisches Verhalten der Kryptographie-Schnittstelle unter Windows hin. Findet der Internet Explorer eine Webseite, deren Zertifikat von einer unbekannten Stelle unterschrieben wurde, wird automatisch online eine Liste von weiteren Zertifizierungsstellen nachgeladen. Diese Funktion wurde 2007 bei Windows eingeführt, sie wurde damals allerdings kaum wahrgenommen.

Theoretisch könnte Microsoft also dem Nutzer jederzeit ein Zertifikat unterschieben, das von einer bislang nicht in Erscheinung getretenen Zertifizierungsstelle unterschrieben wurde.

Es ist zwar möglich, diese Funktionalität abzuschalten, das führt aber fast zwangsläufig zu Problemen. Denn Windows liefert nicht mehr alle Zertifizierungsstellen mit. So ist etwa das Root-Zertifikat der Deutschen Telekom in der Liste der vorhandenen Zertifizierungsstellen nicht enthalten. Wer die Funktion abstellt, erhält also auf vielen Seiten Warnmeldungen, dass die Echtheit eines Zertifikats nicht überprüft werden konnte.

Nicht nur der Internet Explorer ist betroffen, auch Chrome und Safari nutzen unter Windows das systemeigene Zertifikatsmanagement. Mozilla Firefox hingegen verwendet seine TLS-Implementierung NSS, die eine eigene Liste von Zertifikaten mitbringt und keine vergleichbare Funktionalität besitzt.

Schon in der Vergangenheit wurde häufig kritisiert, dass Browser zu vielen Zertifizierungsstellen automatisch vertrauen und kaum transparent ist, nach welchen Regeln diese arbeiten. Nur in seltenen Fällen werden Zertifizierungsstellen wieder aus den Browsern entfernt. Auch kann jede Zertifizierungsstelle nach Belieben Unterzertifizierungsstellen erzeugen.

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hatte 2010 in großem Umfang TLS-Zertifikate und Zertifizierungsstellen untersucht und festgestellt, dass ein gängiger Browser, wenn man alle bekannten Unterzertifizierungsstellen einrechnet, etwa 1.500 Zertifikate als vertrauenswürdig einstuft. Diese befänden sich in 52 Staaten.

Doch obwohl die Probleme des CA-Systems bekannt sind, gibt es bislang keine Alternativen. Es wird diskutiert, Zertifikate künftig über DNSSEC zu prüfen, das entsprechende Protokoll DANE existiert bereits. DNSSEC soll künftig die Auflösung von Domainnamen absichern und könnte dabei auch Zertifikatsinformationen mitliefern. Doch bislang wird DNSSEC nur von sehr wenigen Domains genutzt.


phade 30. Jul 2013

Es gaebe nur die Alternative einer durch eine Community geflegten CA-Liste, die im...

Switchblade 30. Jul 2013

Lies doch die News:

Kommentieren



Anzeige

  1. Softwareentwickler (m/w) .NET/C#
    Seven2one Informationssysteme GmbH, Karlsruhe
  2. Softwareentwickler Big Data (m/w)
    TRUMPF GmbH + Co. KG, Ditzingen (bei Stuttgart)
  3. Projektleiter/in Software für mechatronische Fahrwerksysteme
    Schaeffler Technologies GmbH & Co. KG, Herzogenaurach
  4. Anwendungsadministrator/IT-L- eiter (m/w)
    Wwe. Th. Hövelmann GmbH & Co. KG, Rees

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Hoverboard

    Schweben wie Marty McFly

  2. Nepton 120XL und 240M

    Cooler Master macht Wasserkühlungen leiser

  3. Deutsche Telekom

    Umstellung auf VoIP oder Kündigung erst ab 2017

  4. HTC

    Desire 820 Mini mit Quad-Core-Prozessor und 5-Zoll-Display

  5. Merkel auf IT-Gipfel

    Netzneutralität wird erst im Glasfasernetz wichtig

  6. Elektromobilität

    Die Chipkarte für die Ladesäule

  7. Next Century Cities

    32 US-Städte wollen Glasfaserausbau selbst machen

  8. Azure-Server

    Microsoft und Dell bringen Cloud in a Box

  9. GNU

    Emacs 24.4 mit integriertem Browser

  10. IT-Gipfel 2014

    De Maizière nennt De-Mail "nicht ganz zufriedenstellend"



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



OS X 10.10: Yosemite ist da
OS X 10.10
Yosemite ist da
  1. Betriebssystem Apple bringt dritte öffentliche Beta von OS X 10.10
  2. Apple OS X Yosemite - die zweite öffentliche Beta ist da
  3. Apple verkraftet Ansturm nicht OS X Yosemite - die öffentliche Beta ist da

Sony Alpha 7S im Test: Vollformater sieht auch bei Dunkelheit nicht schwarz
Sony Alpha 7S im Test
Vollformater sieht auch bei Dunkelheit nicht schwarz
  1. FPS 1000 Kamera soll 18.500 Frames pro Sekunde aufnehmen
  2. Bericht Sony will 4K-Superzoom-Kamera entwickeln
  3. Minikamera Ai-Ball Die WLAN-Kamera aus dem Überraschungsei

Google: Nexus 9 als erstes Tablet mit 64-Bit-Tegra von Nvidia
Google
Nexus 9 als erstes Tablet mit 64-Bit-Tegra von Nvidia
  1. Android L Das L steht für Lollipop
  2. Volantis Nexus 9 bekommt FCC-Zertifizierung

    •  / 
    Zum Artikel