Spanner Googles globale Datenbank

Seit rund drei Jahren ist Spanner bei Google im Einsatz, in der vergangenen Woche veröffentlichte Google nun Details zu Spanner, das Google-Systeme wie Bigtable und Megastore ablösen soll. Dabei wird deutlich: Google ist seiner Konkurrenz einen Schritt voraus.

Anzeige

Mit Ansätzen wie Mapreduce und Bigtable hat Google die Art und Weise, wie große Datenmengen verarbeitet werden, maßgeblich beeinflusst. Mapreduce ist die Grundlage von Apache Hadoop, das heute von vielen Unternehmen eingesetzt wird, bei HBase wurde nach dem Vorbild von Bigtable entwickelt. Die Idee hinter Mapreduce und auch Bigtable hatte Google zuvor jeweils in Form von wissenschaftlichen Aufsätzen erläutert. Nun erläutert Google mit Spanner ein System, das bei Google Mapreduce und Bigtable ablöst und einige neue Ansätze enthält.

Google selbst setzt Spanner seit rund drei Jahren ein. Es ist die Grundlage für F1, der Datenbank hinter Googles Werbenetzwerk. Google hat dabei MySQL durch F1 ersetzt, denn F1 soll so ausfallsicher und skalierbar sein wie NoSQL-Datenbanken, dabei aber den Vorteil einer SQL-Datenbank bieten. Möglich macht dies Spanner.

Googles global verteilte Datenbank

Google beschreibt Spanner als global verteilte Datenbank, die skalierbar, multiversional und synchron repliziert wird. Dabei handle es sich um das erste System, das Daten im globalen Maßstab verteilt und dennoch aus externer Sicht konsistente, verteilte Transaktionen unterstützt. Dabei soll Spanner eine hohe Verfügbarkeit und minimale Latenzen beim Lesen und Schreiben von Daten bieten.

Der Schlüssel dazu sind Zeitstempel, partielles Locking und synchrone Replikation. Spanner basiert zwar auf Ideen aus Bigtable, ist aber ein deutlicher Schritt hin zu einem global verteilten relationalen Datenbankmanagementsystem. So soll Spanner das von Jeff Dean 2009 formulierte Ziel erreichen: ein System, das mehrere Exabyte (10^18 Byte) Daten in mehreren Billionen Verzeichnissen auf mehreren Millionen Maschinen in tausenden Rechenzentren und einem Namensraum auf der ganzen Welt verteilt.

Letztendlich soll Spanner so extern konsistente, globale Schreibtransaktionen mit synchroner Replikation, nicht blockierende Lesezugriffe auf Daten der Vergangenheit und lockfreie Nur-Lese-Transaktionen bieten. Die Daten werden dabei semirelational gespeichert, wobei kleine Schemaänderungen vorgenommen werden können, ohne dass dazu die gesamte Datenbank gesperrt werden muss. Die Abfrage erfolgt über ein SQL-ähnliches Interface, die Verteilung der Daten erledigt Spanner vollautomatisch, einschließlich Auto-Rebalancing. Die Kontrolle über die Datenreplikation und -verortung liegt aber bei der jeweiligen Applikation.

Wie Spanner funktioniert

Die große Neuerung an Spanner ist dessen Umgang mit Zeit. Sämtliche Einträge in der Datenbank werden mit einem Zeitstempel versehen, so dass Spanner jederzeit erkennen kann, welcher Eintrag neuer ist. Da dies aber über mehrere auf der ganzen Welt verteilte Rechenzentren funktionieren soll, muss das System aber damit umgehen können, dass die Zeit in den einzelnen Systemen voneinander abweicht.

Dazu setzt Google zum einen auf ein System aus GPS-Empfängern und Atomuhren in den Rechenzentren, um dafür zu sorgen, dass die Zeit überall möglichst synchron gehalten wird. Zum anderen führt Google aber einen Unsicherheitsfaktor ein, der die trotz GPS und Atomuhren auftretenden Zeitdifferenzen ausgleicht. Das sich daraus ergebende Zeitintervall nennt Google "TrueTime".

Truetime garantiert, dass eine Transaktion in dem angegebenen Intervall stattgefunden hat, ganz gleich, welches System in welchem Rechenzentrum an welchem Ort auf der Welt diese abgewickelt hat. Das Intervall wird ständig angepasst, wobei Spanner davon ausgeht, dass die Abweichung der Uhren in den einzelnen Systemen steigt, bis diese wieder mit einem Zeit-Master abgeglichen werden. Die angenommene Abweichung schwankt bei Google zwischen 1 und 7 ms. Sie liegt im Mittel bei 4 ms. Alle 30 Sekunden holt sich der Zeit-Deamon die aktuelle Zeit.

Lesende Zugriffe verwenden immer einen Zeitstempel: Entweder wird dieser explizit angegeben oder vom System automatisch zugewiesen. So kann sichergestellt werden, dass Antworten nur von einem replizierenden Server kommen, dessen Datenbestand aktuell genug ist.

Die Zeitstempel werden auch bei Schemaänderungen genutzt. Spanner verfügt dazu über eine spezielle Transaktion für atomare Schemaänderungen, die die Datenbank nicht blockieren. Einer solchen Schemaänderung wird ein in der Zukunft liegender Zeitstempel zugewiesen, ab dem dann alle Systeme das neue Schema nutzen.


Schattenwerk 25. Sep 2012

Gibts zu diesen Seiten Links? Würde mich persönlich mal interessieren!

Neuro-Chef 24. Sep 2012

Beides, wenn das Fenster im 1. Stock oder höher liegt ;-)

Neuro-Chef 24. Sep 2012

http://www.getdigital.de/images/produkte/t4/t4_sticker-trollface.jpg SCNR :D

Spaghetticode 24. Sep 2012

(k. T.)

BLi8819 24. Sep 2012

Wäre doch eine viel schönere Überschrift gewesen :-D :-D Aber guter Artikel. ;-)

Kommentieren



Anzeige

  1. IT-Trainee (m/w)
    Allianz Deutschland AG, München
  2. SPS-Programmierer Steuerungen / Automatisierungslösungen (m/w)
    über CAPERA Consulting, Nordhessen
  3. Leiter/in des Universitätsrechenzentrums
    Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt, Eichstätt-Ingolstadt
  4. Applikationsspezialist / Applikationssupport (m/w)
    medavis GmbH, Karlsruhe

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Quartalsbericht

    Facebook macht erneut Rekordgewinn

  2. Quartalszahlen

    Apple kann Gewinn und Umsatz wieder steigern

  3. IBM Power8

    Mit 96 Threads pro Sockel gegen Intels Übermacht

  4. Printoo

    Arduino kannste jetzt knicken

  5. Cloud-Dienste

    Streem verspricht unbegrenzten Speicherplatz

  6. Streaming

    HBO-Serien für US-Kunden von Amazon Prime

  7. Theo de Raadt

    OpenSSL ist nicht reparierbar

  8. Xplore XC6 DMSR

    Blendend hell und hart im Nehmen

  9. Programmiersprache

    Go 1.3 kommt für Solaris, Plan 9 und NaCL

  10. Arin

    IPv4-Adressen in Nordamerika nähern sich dem Ende



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Ubuntu 14.04 LTS im Test: Canonical in der Konvergenz-Falle
Ubuntu 14.04 LTS im Test
Canonical in der Konvergenz-Falle

Ubuntu soll künftig auch auf Tablets und PCs laufen, weshalb die Entwicklung des Unity-Desktops derzeit offenbar feststeckt. Die wenigen neuen Funktionen könnten gut für die lange Support-Dauer sein, zeigen aber auch einige interne Probleme auf.

  1. Canonical Ubuntu One wird beendet
  2. Canonical Mir in Ubuntu abermals verschoben
  3. Trusty Tahr Erste Beta der Ubuntu-Derivate verfügbar

25 Jahre Gameboy: Nintendos kultisch verehrte Daddelkiste
25 Jahre Gameboy
Nintendos kultisch verehrte Daddelkiste

Der Gameboy ist gut gealtert - heute wird mit der Konsole Musik gemacht, und selbst Spieleprogrammierer werden beim Anblick des grauen 8-Bit-Klotzes nostalgisch.

  1. Satoru Iwata Nintendo will Handhelds und stationäre Konsolen vereinen
  2. Nintendo Yamauchi-Clan will Anteile abstoßen
  3. Mario Nintendo macht Apps und gesund

OpenSSL: Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed
OpenSSL
Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed

Der Heartbleed-Bug in OpenSSL dürfte wohl als eine der gravierendsten Sicherheitslücken aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.

  1. Libressl OpenBSD startet offiziell OpenSSL-Fork
  2. OpenSSL OpenBSD mistet Code aus
  3. OpenSSL-Lücke Programmierer bezeichnet Heartbleed als Versehen

    •  / 
    Zum Artikel