Secure Boot Spanische Linux-Gruppe reicht Klage gegen Microsoft ein

Die spanische Linux-Gruppe Hispalinux hat gegen Microsoft Klage bei der EU-Kommission eingereicht. Der für UEFIs Secure Boot benötigte Microsoft-Schlüssel sperre die Hardware für Linux und andere Betriebssysteme, so der Vorwurf.

Anzeige

Eine spanische Linux-Gruppe hat eine Klage gegen den Windows-Hersteller Microsoft bei der EU-Kommission eingereicht, weil Linux auf Rechnern mit UEFIs Secure Boot nicht ohne Schlüssel von Microsoft läuft. Das berichtet der Nachrichtendienst Reuters.

Die Gruppe Hispalinux nennt Secure Boot mitsamt Microsofts Schlüssel "de facto ein technologisches Gefängnis für Computersysteme." Die Windows-Plattform sei damit so wenig neutral wie noch nie und verhindere fairen Wettbewerb. Der Rechtsanwalt und Vorsitzende der 8.000 Mitglieder zählenden Gruppe Hispalinux Jose Maria Lancho hat nach eigenen Angaben heute die 14-seitige Beschwerde bei der EU-Vertretung in Madrid eingereicht.

Secure Boot gegen Rootkits

Die Einführung von UEFI samt Secure Boot hatte in der Linux-Community für Diskussionen gesorgt. Microsoft nutzt den Wechsel auf UEFI aber nicht nur, um das System schneller starten zu lassen, sondern auch, um PCs besser gegen Bootkits und Rootkits abzusichern. UEFI 2.3.1 bietet dazu die Möglichkeit, dafür zu sorgen, dass nur verifizierte und entsprechend signierte Bootloader vom UEFI gestartet werden können. Hersteller, die ihr System von Microsoft für Windows 8 zertifizieren lassen wollen, müssen zwingend UEFI mit Secure Boot unterstützen, bei x86-Systemen aber auch die Option bereitstellen, Secure Boot abzuschalten. So will Microsoft sicherstellen, dass weiterhin ältere Versionen von Windows genutzt werden können. Das ist bei ARM-Systemen, die mit Windows RT laufen, nicht notwendig, so dass diese Systeme die Verwendung von Secure Boot erzwingen können.

Anpassungen der Linux-Community

Inzwischen haben sich Teile der Linux-Community auf Secure Boot mit Microsofts Schlüssel eingestellt: Das Fedora-Projekt hat sich entschieden, den Secure-Boot-Signierdienst von Microsoft in Anspruch zu nehmen und einen minimalen Bootloader von Microsoft signieren zu lassen, der dann den eigentlichen Bootloader Grub2 startet. So soll sichergestellt werden, dass Fedora auf möglichst vielen PCs läuft, auch auf solchen, die Secure Boot nutzen und für Windows 8 ausgelegt sind.

Ubuntu-Entwickler Canonical definiert eigene Zertifizierungsrichtlinien. Das ähnelt dem Vorgehen von Microsoft bis auf eine entscheidende Ausnahme: Hardwarehersteller, die Rechner mit vorinstalliertem Ubuntu ausliefern wollen, müssen Ubuntus Secure-Boot-Schlüssel in der UEFI-Firmware mitliefern, es aber Nutzern mit physischem Zugang zudem erlauben, eigene Schlüssel hinzuzufügen und letztlich auch Secure-Boot abzuschalten.

Private Nutzer bleiben außen vor

Nutzer, die selbst gebaute Betriebssysteme starten wollen, müssen entweder selbst einen Schlüssel bei Microsoft besorgen oder auf Secure Boot verzichten, sofern die Hardwarehersteller diese Option anbieten.

Erst vor wenigen Tagen ist Microsoft von der EU dazu verurteilt worden, eine Strafe von 516 Millionen US-Dollars zu zahlen. Der Grund: Microsoft hatte den Browser-Auswahlbildschirm bei seinem Windows 7 Service Pack 1 von Mai 2011 bis Juli 2012 nicht zur Verfügung gestellt.


fuzzy 29. Mär 2013

UEFI ist kein Synonym für Secure Boot.

VeldSpar 28. Mär 2013

das Entsprechende Projekt gab es zumindest mal für die iPhones. then again, wenn schon...

Lord Gamma 27. Mär 2013

Doch. Ist UEFI (ob nun mit oder ohne Secure Boot) es wirklich wert, dass Scharlatanen...

sys64738 27. Mär 2013

Lass mal deinen Sarkasmus. Mit ein wenig mehr Gehirn, könntest du dir ausdenken welches...

IT.Gnom 27. Mär 2013

Der Unterschied ist, Apple macht dies mit ihrer eigenen, selbst-entwickelnden und...

Kommentieren



Anzeige

  1. (Junior-)Projektleiter ERP (m/w)
    SOG Business-Software GmbH, Hamburg
  2. Key-User SAP CO (m/w) Bereich Controlling
    battenfeld-cincinnati Germany GmbH, Bad Oeynhausen
  3. Akademischer Mitarbeiter (m/w)
    Hochschule Furtwangen, Furtwangen
  4. Entwic­kler Con­trol­ling­sys­teme (m/w)
    Bitburger Braugruppe GmbH, Bitburg

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Quartalsbericht

    Facebook macht erneut Rekordgewinn

  2. Quartalszahlen

    Apple kann Gewinn und Umsatz wieder steigern

  3. IBM Power8

    Mit 96 Threads pro Sockel gegen Intels Übermacht

  4. Printoo

    Arduino kannste jetzt knicken

  5. Cloud-Dienste

    Streem verspricht unbegrenzten Speicherplatz

  6. Streaming

    HBO-Serien für US-Kunden von Amazon Prime

  7. Theo de Raadt

    OpenSSL ist nicht reparierbar

  8. Xplore XC6 DMSR

    Blendend hell und hart im Nehmen

  9. Programmiersprache

    Go 1.3 kommt für Solaris, Plan 9 und NaCL

  10. Arin

    IPv4-Adressen in Nordamerika nähern sich dem Ende



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Ubuntu 14.04 LTS im Test: Canonical in der Konvergenz-Falle
Ubuntu 14.04 LTS im Test
Canonical in der Konvergenz-Falle

Ubuntu soll künftig auch auf Tablets und PCs laufen, weshalb die Entwicklung des Unity-Desktops derzeit offenbar feststeckt. Die wenigen neuen Funktionen könnten gut für die lange Support-Dauer sein, zeigen aber auch einige interne Probleme auf.

  1. Canonical Ubuntu One wird beendet
  2. Canonical Mir in Ubuntu abermals verschoben
  3. Trusty Tahr Erste Beta der Ubuntu-Derivate verfügbar

25 Jahre Gameboy: Nintendos kultisch verehrte Daddelkiste
25 Jahre Gameboy
Nintendos kultisch verehrte Daddelkiste

Der Gameboy ist gut gealtert - heute wird mit der Konsole Musik gemacht, und selbst Spieleprogrammierer werden beim Anblick des grauen 8-Bit-Klotzes nostalgisch.

  1. Satoru Iwata Nintendo will Handhelds und stationäre Konsolen vereinen
  2. Nintendo Yamauchi-Clan will Anteile abstoßen
  3. Mario Nintendo macht Apps und gesund

OpenSSL: Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed
OpenSSL
Wichtige Fragen und Antworten zu Heartbleed

Der Heartbleed-Bug in OpenSSL dürfte wohl als eine der gravierendsten Sicherheitslücken aller Zeiten in die Geschichte eingehen. Wir haben die wichtigsten Infos zusammengefasst.

  1. Libressl OpenBSD startet offiziell OpenSSL-Fork
  2. OpenSSL OpenBSD mistet Code aus
  3. OpenSSL-Lücke Programmierer bezeichnet Heartbleed als Versehen

    •  / 
    Zum Artikel