Die Zeitsysteme des Linux-Kernels stolperten über die Schaltsekunde.
Die Zeitsysteme des Linux-Kernels stolperten über die Schaltsekunde. (Bild: Andreas Donath/Golem.de)

Schaltsekunde Zeitgeber des Linux-Kernels verursachen Serverausfälle

Fehlende Kommunikation zwischen der Systemzeit des Linux-Kernels und dem High-Resolution-Timer ist schuld daran, dass die Schaltsekunde zahlreiche Server aus dem Tritt brachte.

Anzeige

Die zusätzliche Schaltsekunde am 1. Juli 2012 hatte zum Ausfall zahlreicher Linux-Server geführt. In einer ersten Analyse hat Kernel-Entwickler Jonathan Corbet die beiden Zeit-Subsysteme als Fehlerquelle ausgemacht, die der Linux-Kernel bereitstellt. Die vom Kernel benutzte Systemzeit hat dem seit Kernel 2.6.16 eingeführten High-Resolution-Timer (Hrtimer) die Schaltsekunde nicht korrekt mitgeteilt.

Der Hrtimer verwendet intern eigene Zeitgeber, die unterschiedliche Zeitabstände zur Systemzeit haben. Die Realtime-Uhr in Hrtimer passt sich beispielsweise an die Systemzeit an, während die Monotonic-Uhr nicht gestellt werden kann, sie läuft immer nur vorwärts. Die Realtime-Zeitgeber sind von der jeweiligen CPU abhängig, denn diese können auch auf einem einzigen System unterschiedlich laufen. Der Hrtimer rechnet die von ihm ausgelesene Systemzeit in die entsprechenden Werte um, die von der Realtime-Uhr eines Prozessors genutzt werden können.

Fehlende Kommunikation zwischen Systemuhren

In der Kommunikation mit dem Hrtimer nutzte der Kernel nach seiner eigenen Anpassung der Systemzeit an die Schaltsekunde die abschließende Funktion clock_was_set() nicht. Das Resultat: Der Hrtimer lief eine Sekunde vor.

Für die meisten Anwendungen war das kein Problem, schreibt Corbet. In einigen Anwendungen laufen entsprechende Zeitschalter aber in weniger als einer Sekunde ab. Da die Timer nach einem Neustart wieder über die zusätzliche Sekunde stolperten, versetzen sie die jeweilige Anwendung in eine Endlosschleife, wie es mehrfach geschehen ist.

Der Befehl date; date `date +"%m%d%H%M%C%y.%S"`; date; behob das Problem meist ohne Server-Neustart. Einem weiteren Kommentar zufolge reicht der Befehl date -s "`date`".

Patch für Zeitangaben

Der Patch, den Kernel-Hacker John Stultz inzwischen eingereicht hat, reimplementiert die Funktion clock_was_set() in dem Schaltsekundencode, der sich bereits im Kernel befindet. Die Funktion wurde 2007 entfernt, da sie als vernachlässigbar galt. Allerdings muss die Funktion für jede CPU ausgeführt werden, was die Entwicklung des Patches etwas erschwerte.

Wann die nächste Schaltsekunde eingefügt wird, lässt sich nur schwer voraussagen, denn die Erdrotation nimmt nicht stetig ab. Corbet plädiert jedoch dafür, dass Entwickler und Distributoren ein solches Szenario testweise durchführen, um künftig Probleme zu vermeiden.

Seit der ersten Anpassung 1972 wurden insgesamt 35 Sekunden hinzugefügt.


muh3 05. Jul 2012

also erstmal nen Fisch: leider kommt das im Artikel raus, aber der Fehler wurde...

neocron 04. Jul 2012

das hat er doch gar nicht behauptet?

_4ubi_ 04. Jul 2012

Entweder hast du dich verlesen oder das wurde nachträglich geändert.

Kommentieren



Anzeige

  1. Linux Software Entwickler / Tester (m/w)
    imbus AG, München
  2. SAP Inhouse Berater (m/w) mit den Schwerpunkten MM und QM
    JOST-Werke GmbH, Neu-Isenburg
  3. IT-Consultant Mobile Applications (m/w)
    Media-Saturn IT Services GmbH, Ingolstadt
  4. Senior Software Tester / Testspezialist / Testberater / Senior Software Testconsultant (m/w)
    imbus AG, Möhrendorf (bei Erlangen) und München

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Bungie

    Destiny und der Gesundheitsbalken

  2. Galaxy A3 und A5

    Samsungs dünne Smartphones im Metallkleid

  3. MSI GT80 Titan

    Erstes Gaming-Notebook mit mechanischer Tastatur

  4. Ministerpräsident

    Viktor Orban zieht Internetsteuer für Ungarn zurück

  5. Spielentwickung

    Engine-Trends jenseits der Grafik

  6. Gesetz über geistiges Eigentum

    Spanien erlässt eine Google-Gebühr

  7. Android-Smartphone

    Huaweis Ascend Mate 7 für 500 Euro zu haben

  8. Crescent Bay

    Oculus Rift und die Sache mit dem T-Rex

  9. Foto-App

    Instagram jetzt auch mit Werbefilmen

  10. Personalie

    Android-Schöpfer Andy Rubin verlässt Google



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Legale Streaming-Anbieter im Test: Netflix allein macht auch nicht glücklich
Legale Streaming-Anbieter im Test
Netflix allein macht auch nicht glücklich
  1. Netflix-Statistik Die Schweiz streamt am schnellsten
  2. Deutsche Telekom Entertain ab dem 14. Oktober mit Netflix
  3. HTML5-Videostreaming Netflix bietet volle Linux-Unterstützung

Windows 10 Technical Preview ausprobiert: Die Sonne scheint aufs Startmenü
Windows 10 Technical Preview ausprobiert
Die Sonne scheint aufs Startmenü
  1. Oneget Paketmanager von Microsoft für Windows 10
  2. Build 9860 Windows 10 jetzt mit Info-Center für Benachrichtigungen
  3. Microsoft Neue Fensteranimationen für Windows 10

Data Management: Wie Hauptspeicherdatenbanken arbeiten
Data Management
Wie Hauptspeicherdatenbanken arbeiten

    •  / 
    Zum Artikel