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Die Software Precobs wird von deutschen Behörden ausprobiert.
Die Software Precobs wird von deutschen Behörden ausprobiert. (Bild: IfmPt)

Precobs allein verhindert keine Verbrechen

In Gebersdorf muss ein solcher Profi am Werk gewesen sein. Seine Beute und die Art, wie er ins Haus gekommen war, wiesen darauf hin. Doch nicht nur Diebesgut und Modus Operandi ließen die Software anschlagen. Die Tat geschah auch in einer Gegend, die das Programm als Risikogebiet eingestuft hat, als eine Region also, in der schon mehrfach eingebrochen wurde.

Die These der Kriminologie dazu heißt Near Repeats: Verbrechen treten in bestimmten Regionen häufiger auf als in anderen. Wenn Kriminelle halbwegs überlegt vorgehen - und nur diese Täter kann Precobs vorhersagen -, dann werden sie sich Opfer suchen, bei denen sie ohne viel Aufsehen zum Ziel kommen. Waren sie erfolgreich, werden sie ähnliche Objekte bevorzugen oder gar ein zweites Mal in dasselbe Haus einsteigen. Das bedeutet, dass auch die Nachbarn nach einem Einbruch stärker gefährdet sind, vor allem, wenn es eine Gegend mit ähnlichen Häusern und ähnlichen Sicherheitsmaßnahmen ist.

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In Nürnberg sagte die Software voraus, dass innerhalb von bis zu sieben Tagen im Umkreis von wenigen hundert Metern ein weiterer Einbruch passieren wird. Precobs war sich sicher, das Programm meldet so etwas nur, wenn die rechnerische Wahrscheinlichkeit dafür 75 Prozent oder höher ist. Und Precobs hatte recht: Drei Tage später gab es drei Querstraßen weiter die nächste Tat. Wieder ein Einfamilienhaus, wieder kamen der oder die Diebe durchs Fenster, wieder suchten sie offensichtlich nur Bargeld.

Jeder Vorschlag der Software wird einzeln geprüft

Eigentlich soll mit Precobs genau so etwas nicht mehr passieren. "Es waren zwar Kräfte draußen, es konnte dieses Mal aber leider nicht verhindert werden", sagt Andreas Riedelmeier. Der Polizeihauptmeister ist selbst viele Jahre lang Streife gefahren. Inzwischen sitzt er in Nürnberg im Polizeipräsidium an einem Schreibtisch und ist einer von drei Precobs-Operatoren. Er sichtet die Alarmmeldungen der Software und entscheidet, ob eine Streife losgeschickt wird oder nicht. Denn längst nicht alles, was der Computer auswirft, ergibt für die Ermittler einen Sinn, jeder Fall muss einzeln geprüft werden.

Aber selbst wenn eine Warnung sinnvoll erscheint, ist sie kein Garant dafür, dass auch ein Täter gefasst wird. Eigentlich geht es darum nicht einmal, Predictive Policing will Prävention sein, nicht Repression. "Täter festzunehmen ist kein Erfolgskriterium dabei. Es braucht so viele Zufälle, um jemanden auf frischer Tat zu erwischen, das ist selten", sagt Kriminalhauptkommissar Okon. Die Software soll der Polizei die Chance geben, ihre Beamten besser einzusetzen, die Täter zu verscheuchen. Sie soll vor allem vergrämen. Nur ungefähr 15 Prozent der Einbrüche in Bayern werden aufgeklärt, in Berlin sind es sogar nur sieben Prozent. Wohnungseinbrüche sind so häufig und für die Täter so risikolos, dass die Polizei für jede Unterstützung dankbar ist. Noch dazu, da die Zahl der Einbrüche deutschlandweit seit Jahren steigt.

Doch ob solche Systeme überhaupt etwas bringen, ist gar nicht klar. Die Firmen werben mit tollen Zahlen. IBM beispielsweise wirbt damit, dass dank seiner Software Blue Crush die Kriminalität in Memphis im US-Bundesstaat Tennessee bei schweren Verbrechen um 30 Prozent gesunken ist. Gewaltverbrechen hätten um immerhin 15 Prozent abgenommen. Predpol wirbt teilweise sogar mit noch höheren Zahlen.

"Predictive Policing ist bislang nirgendwo als wirksam evaluiert", sagt hingegen Joachim Eschemann, Leitender Kriminaldirektor beim Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen. Er leitet die Abteilung, die untersuchen soll, ob solche Software angeschafft wird. "Wir sind der Auffassung, dass Predictive Policing nicht so einfach ist, wie es dargestellt wird. Bringen diese Produkte wirklich einen Mehrwert für die Polizei? Für mich ist das eine völlig offene Frage, die wir mit unserer Forschung klären wollen." Die Aussagen zu Erfolgen stammten entweder von Firmen und "stellen eine Kausalität in den Vordergrund, zwischen der Entwicklung von Kriminalität und dem Einsatz von Predictive Policing, die nicht nachgewiesen ist".

Dürftige Daten über Qualität der Vorhersage

Auch beim LKA Niedersachsen hat man Zweifel. Alexander Gluba von der Kriminologischen Forschungsstelle des Landeskriminalamtes schrieb 2014 eine Bestandsaufnahme zu dem Thema. Die Frage, ob Predictive Policing wirke, könne "derzeit noch nicht beantwortet" werden, die Datenlage sei dürftig, unabhängige Studien gebe es nicht. Die Behauptungen der Hersteller zur Wirkung beruhten auf "nicht zulässigen Kausalschlüssen".

In Nürnberg hofft man auf eine Wirkung, ist sich aber nicht sicher. Im Herbst 2014 sank dort die Zahl der Einbrüche, obwohl in der dunklen Jahreszeit immer mehr eingebrochen wird als im Sommer. Die Polizei frohlockte schon, dass Precobs helfe. Aber "im Dezember gingen die Fallzahlen wieder deutlich nach oben", sagt Kriminaldirektor Geyer. Möglicherweise sind es neue Täter. Oder auch nicht. Kriminalität ist komplex, viele Faktoren spielen eine Rolle. "Wir sind überzeugt, dass das Potenzial vorhanden ist", sagt Geyer über Precobs. Auch wenn das Programm bislang nicht "die Quote liefert, die die Macher versprechen."

Das Problem: Die Vorhersagen gelten nur für professionelle Täter, und niemand weiß genau, wie viele Einbrüche von Profis verübt werden. Kriminaldirektor Geyer ist überzeugt: "Der Anteil der professionellen Täter ist erheblich. Ob er bei 40 Prozent liegt, bei 50 Prozent oder noch höher, können wir allerdings nicht sicher sagen. Die Ermittlungserfolge bei Banden gehen jedoch in diese Richtung."

Genau das ist eine Kritik an dem System. Aufgrund der hohen Dunkelziffer ist unklar, wie viel Kriminalität sich mit Systemen wie Precobs überhaupt bekämpfen lässt. Möglicherweise verschärfen sie sogar das Problem: Da das Programm nur mit Daten von Delikten gefüttert wird, die die Polizei registriert, sucht es auch nur entsprechende Muster. Unter Umständen engt die Software so den Blick der Beamten auf bestimmte Orte ein.

 Predictive Policing: Noch hat keiner bewiesen, dass Data Mining der Polizei hilftDaten zur Infrastruktur, zum Einkommen, zum Wasserverbrauch 

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david_rieger 31. Mär 2015

Kannst Du Dir bitte mal ein Mindestmaß von Ahnung anlesen, bevor Du Dich so weit aus dem...

SelfEsteem 31. Mär 2015

So einfach ist das nicht. Du kannst nicht so einfach SciFi nehmen und in die Gegenwart...

SelfEsteem 31. Mär 2015

Du hast voellig recht und umso lustiger finde ich es. Man wuerde wohl keinem Arzt...

Qbit42 30. Mär 2015

Diese Aber-Sätze können wirklich gefährlich sein. Echt zum fremdschämen manche Aussagen...

Qbit42 30. Mär 2015

Ja sicher. Einige Erweiterungen sind sicher nicht so dramatisch und teilweise auch...



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