Podcasts: Das Netz muss sprechen lernen
Das Netz muss sprechen lernen. (Bild: Wikimedia/Screenshot: Golem.de)

Podcasts Das Netz muss sprechen lernen

Im Netz tobt der Mob? Nicht, wenn wir uns verstehen. Das tun wir am besten in gesprochener Sprache. Ein Lob der unterschätzten Nische Podcast.

Anzeige

Im Netz tobt der Pöbel, lautet ein moderner Mythos. Wut und Unflat bestimmten die Debatten und mancher lässt sich angesichts dieser Überzeugung sogar zu der Forderung hinreißen, Twitter müsse verboten werden. Der Blogger und Podcaster Tim Pritlove hat eine Theorie, die das Phänomen erklären könnte. Und nein, es ist nicht die gern gescholtene Anonymität, die schuld ist.

Pritlove ist Programmierer und seit vielen Jahren beim Chaos Computer Club aktiv. Seit 2005 produziert er einen erfolgreichen Podcast namens CRE, früher Chaosradio Express. Er fasst das Phänomen in einem kurzen Satz zusammen: "Bei Blogs ist Shitstorm, beim Podcast die ganze Zeit Bällebad." Was er meint: Nicht das Netz sei das Problem, sondern die geschriebene Sprache.

Auf der diesjährigen Re:publica hielt er dazu einen Vortrag und sagte dort: "Bei Blogs entfaltet sich gern ein Kommentargewitter, das im Wesentlichen draufhaut, und man fragt sich angesichts dessen, ob sich irgendwer im Internet überhaupt noch lieb hat." Bei Podcasts, also bei vernetzten, abonnierbaren Internetradiosendungen, sei das anders. Deren Inhalte würden sehr viel wohlmeinender aufgenommen - eben weil die gesprochene Sprache viel mehr Nuancen transportiere als die geschriebene. Man verstehe sie einfach besser.

"Dadurch, dass man die Personen wahrnimmt und zum Beispiel Ironie heraushört", werde Podcasts mit dem "Mindestrespekt" begegnet, den viele in schriftlich geführten Debatten vermissen ließen, sagt Pritlove.

Eigentlich logisch. Unsere Kommunikation basiert auf gesprochener Sprache. In dieser sind wir wirklich trainiert, verstehen Anspielungen, Hintersinn, Ironie. Geschrieben hingegen wird erst seit ein paar Tausend Jahren. Die Fähigkeit, Schrift zu verfassen und zu verstehen, müssen wir mühsam erlernen, die Chance für Missverständnisse ist damit viel höher.

Noch ein Aspekt: "Beim Lesen von Texten hört man immer seine eigene, als unangenehm empfundene innere Stimme", sagt Linus Neumann. Bei Podcasts dagegen sei es die Stimme anderer, die zu hören sei, da sei man gelassener. Der Diplom-Psychologe bloggt ebenfalls seit längerer Zeit und hat vor kurzem Podcasting entdeckt.

Pritlove schließt an seine Beobachtung zwei Schlussfolgerungen an. Die erste formuliert er so: "Irgendwie nervt mich das Web. Alles ist Text. Das ist vorsintflutlich, die wesentliche Kommunikation der Menschen ist Sprache." Das derzeitige Internet sei eine "Textwüste" und "audiofeindlich". Die Ursache sieht er in der "Diktatur der Suchmaschinen".

Bislang können diese tatsächlich nur Text sicher verarbeiten. Sie lernen gerade erst, auch Bilder zu verstehen. Dementsprechend verbreitet sind auf Text und Video basierende Angebote. Gesprochene Sprache hingegen wird von Suchmaschinen noch ignoriert - nach Meinung Pritloves ist das der Grund dafür, dass Podcasts von der breiten Masse bislang als unbedeutend angesehen würden.

Podcasts gibt es für fast jedes Thema 

bstea 05. Mai 2012

Du willst mich verscheißern. Bei Google gleich der erste Link führt zu einer Seite die...

endmaster 04. Mai 2012

Kann ich nur unterschreiben. Einen podcast als kritische Auseinandersetzung mit einer...

Apple_und_ein_i 04. Mai 2012

Wieso? Man kann sowas doch aufzeichnen und Google ist, zumindest bei Telefongespraechen...

Dullahan 04. Mai 2012

Mal ganz abgesehen von Podcasts: Die waren noch nie in ner ordentlichen Teamspeak...

Moridin 04. Mai 2012

Bei Videos und Podcasts ist die Informationsdichte viel zu gering. Ich muss auf diese...

Kommentieren



Anzeige

  1. Planungsingenieurin / Planungsingenieur
    Deutsche Welle, Bonn
  2. Software Architekt (m/w)
    Bosch Sensortec GmbH, Reutlingen
  3. Application Developer .NET oder Java (m/w)
    IBS AG, Höhr-Grenzhausen bei Koblenz und Neu-Anspach bei Frankfurt am Main
  4. IT-Mitarbeiter (m/w)
    SRH Dienstleistungen GmbH, Heidelberg

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Sony-Sensor

    Baut Nikon eine eigene Mittelformatkamera?

  2. Adobe

    Lightroom 5.6 mit neuen Kamera- und Objektivprofilen

  3. Raumfahrt

    Nasa testet Schubdüse mit Mikrowellen

  4. Oculus Rift DK2 im Test

    Pixeldichte schlägt Pentile-Matrix

  5. Icann

    Länderdomains sind kein Eigentum

  6. LG

    Update soll Abschalt-Bug beim G3 beseitigen

  7. Square Enix

    Final Fantasy 14 zwei Wochen kostenlos

  8. Google und Linaro

    Android-Fork für Modulsmartphone Ara

  9. Wachstumsmarkt

    Amazon investiert 2 Milliarden US-Dollar

  10. Orbit

    Runtastic präsentiert neuen Fitness-Tracker



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Google: Youtube und der falsche Zeitstempel
Google
Youtube und der falsche Zeitstempel
  1. Spielevideos Google soll 1 Milliarde Dollar für Twitch.tv zahlen
  2. Videostreaming Youtube-Problem war ein Bug bei Google
  3. Videostreaming Telekom sieht Youtube-Problem erneut bei Google

Liebessimulation Love Plus: "Ich hoffe, du wirst für immer schön bleiben"
Liebessimulation Love Plus
"Ich hoffe, du wirst für immer schön bleiben"
  1. PES 2015 angespielt Neuer Ball auf frischem Rasen
  2. Metal Gear Solid - The Phantom Pain Krabbelnde Kisten und schwebende Schafe

LG 34UM95 im Test: Ultra-Widescreen-Monitor für 3K-Gaming
LG 34UM95 im Test
Ultra-Widescreen-Monitor für 3K-Gaming
  1. Free-Form Display Sharp zeigt LCD mit kurvigem Rahmen
  2. Eizo Foris FS2434 IPS-Display mit schmalem Rahmen für Spieler
  3. Philips 19DP6QJNS Klappmonitor mit zwei IPS-Displays

    •  / 
    Zum Artikel