Podcasts Das Netz muss sprechen lernen

Im Netz tobt der Mob? Nicht, wenn wir uns verstehen. Das tun wir am besten in gesprochener Sprache. Ein Lob der unterschätzten Nische Podcast.

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Im Netz tobt der Pöbel, lautet ein moderner Mythos. Wut und Unflat bestimmten die Debatten und mancher lässt sich angesichts dieser Überzeugung sogar zu der Forderung hinreißen, Twitter müsse verboten werden. Der Blogger und Podcaster Tim Pritlove hat eine Theorie, die das Phänomen erklären könnte. Und nein, es ist nicht die gern gescholtene Anonymität, die schuld ist.

Pritlove ist Programmierer und seit vielen Jahren beim Chaos Computer Club aktiv. Seit 2005 produziert er einen erfolgreichen Podcast namens CRE, früher Chaosradio Express. Er fasst das Phänomen in einem kurzen Satz zusammen: "Bei Blogs ist Shitstorm, beim Podcast die ganze Zeit Bällebad." Was er meint: Nicht das Netz sei das Problem, sondern die geschriebene Sprache.

Auf der diesjährigen Re:publica hielt er dazu einen Vortrag und sagte dort: "Bei Blogs entfaltet sich gern ein Kommentargewitter, das im Wesentlichen draufhaut, und man fragt sich angesichts dessen, ob sich irgendwer im Internet überhaupt noch lieb hat." Bei Podcasts, also bei vernetzten, abonnierbaren Internetradiosendungen, sei das anders. Deren Inhalte würden sehr viel wohlmeinender aufgenommen - eben weil die gesprochene Sprache viel mehr Nuancen transportiere als die geschriebene. Man verstehe sie einfach besser.

"Dadurch, dass man die Personen wahrnimmt und zum Beispiel Ironie heraushört", werde Podcasts mit dem "Mindestrespekt" begegnet, den viele in schriftlich geführten Debatten vermissen ließen, sagt Pritlove.

Eigentlich logisch. Unsere Kommunikation basiert auf gesprochener Sprache. In dieser sind wir wirklich trainiert, verstehen Anspielungen, Hintersinn, Ironie. Geschrieben hingegen wird erst seit ein paar Tausend Jahren. Die Fähigkeit, Schrift zu verfassen und zu verstehen, müssen wir mühsam erlernen, die Chance für Missverständnisse ist damit viel höher.

Noch ein Aspekt: "Beim Lesen von Texten hört man immer seine eigene, als unangenehm empfundene innere Stimme", sagt Linus Neumann. Bei Podcasts dagegen sei es die Stimme anderer, die zu hören sei, da sei man gelassener. Der Diplom-Psychologe bloggt ebenfalls seit längerer Zeit und hat vor kurzem Podcasting entdeckt.

Pritlove schließt an seine Beobachtung zwei Schlussfolgerungen an. Die erste formuliert er so: "Irgendwie nervt mich das Web. Alles ist Text. Das ist vorsintflutlich, die wesentliche Kommunikation der Menschen ist Sprache." Das derzeitige Internet sei eine "Textwüste" und "audiofeindlich". Die Ursache sieht er in der "Diktatur der Suchmaschinen".

Bislang können diese tatsächlich nur Text sicher verarbeiten. Sie lernen gerade erst, auch Bilder zu verstehen. Dementsprechend verbreitet sind auf Text und Video basierende Angebote. Gesprochene Sprache hingegen wird von Suchmaschinen noch ignoriert - nach Meinung Pritloves ist das der Grund dafür, dass Podcasts von der breiten Masse bislang als unbedeutend angesehen würden.

Podcasts gibt es für fast jedes Thema 

bstea 05. Mai 2012

Du willst mich verscheißern. Bei Google gleich der erste Link führt zu einer Seite die...

endmaster 04. Mai 2012

Kann ich nur unterschreiben. Einen podcast als kritische Auseinandersetzung mit einer...

Apple_und_ein_i 04. Mai 2012

Wieso? Man kann sowas doch aufzeichnen und Google ist, zumindest bei Telefongespraechen...

Dullahan 04. Mai 2012

Mal ganz abgesehen von Podcasts: Die waren noch nie in ner ordentlichen Teamspeak...

Moridin 04. Mai 2012

Bei Videos und Podcasts ist die Informationsdichte viel zu gering. Ich muss auf diese...

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