Plattner: SAP-Software muss bedienungsfreundlicher werden
Hasso Plattner (Mitte) posiert 2012 mit den Kochefs Jim Hagemann Snabe (l.) und Bill McDermott. (Bild: Uwe Anspach/AFP/Getty Images)

Plattner SAP-Software muss bedienungsfreundlicher werden

Laut SAP-Gründer Hasso Plattner wollen wichtige Kunden abspringen, wenn die Benutzeroberflächen nicht benutzerfreundlicher werden. Großkunde Nestlé will mit Salesforce zusammenarbeiten.

Anzeige

"Die Zukunft ist eine Kombination aus Verkauf und Beratung im Internet und Shops mit hoher Visibilität in den großen urbanen Zentren weltweit": Mit diesen Worten hat Aufsichtsratschef Hasso Plattner in einem Interview an die Manager des Softwarekonzerns im badischen Walldorf appelliert. "Apple macht das, Burberry, jetzt auch Microsoft. Ich habe SAP schon vor Jahren gesagt, sie sollen über eine Shop-Idee nachdenken, auch wenn das für eine Firma mit Geschäftskunden schwierig ist." Ohne Zahlen und Standorte zu nennen, sagte Plattner: "Physische Shops kann man sich vor allem in den großen Städten vorstellen."

Dabei sparte Plattner nicht an Kritik am gegenwärtigen Vertrieb des deutschen Softwareherstellers. "SAP hat einen Web Store, der bisher nur eingeschränkt funktioniert", bemängelte er. "Man kann zum Beispiel bisher nur in den USA und Kanada mit Kreditkarte online bezahlen. Das reicht nicht."

Der SAP-Gründer und Aufsichtsratschef Plattner hat seinen Vorstand aufgefordert, die SAP-Software dringend benutzerfreundlicher zu gestalten, weil sonst wichtige Kunden abspringen. "Unser langjähriger Kunde Nestlé hat damit gedroht, dass sie künftig in der Benutzeroberfläche mit unserem US-Wettbewerber Salesforce zusammenarbeiten", sagte Plattner im Interview. "Unser SAP-Entwicklungschef Vishal Sikka und ich haben zweimal eindringlich darum gebeten: 'Gebt uns noch eine Chance.'" Insbesondere die Spesenabrechnung und die Urlaubsverwaltung von SAP seien Programme, mit denen etwa 8 Prozent aller Mitarbeiter in einem Unternehmen arbeiten. "Und die ärgern sich sehr darüber, wenn derart einfache Transaktionen nicht einfach zu bedienen sind."

Plattner sieht darin ein generelles Problem der Softwarebranche in Deutschland. "Ich lebe ja nun fast die Hälfte der Zeit in Amerika und mache die Erfahrung, wie schrecklich Bedienoberflächen Made in Germany sind. Und das quer durch alle Branchen und selbst bei den besten Anbietern", sagte er. Um das zu ändern, arbeitet SAP nach Plattners Angaben an einer benutzerfreundlichen Oberfläche namens Fiori. Hier würden "Antworten auf Fragen und Entscheidungen einfach, anschaulich, übersichtlich und intuitiv leicht gemacht."

So attraktiv wie Apple werden

Plattner will, dass Deutschlands Vorzeigesoftwarekonzern als Arbeitgeber so attraktiv wird wie Apple, Google und Microsoft. "Die Beliebtheit bei jungen Talenten ist ein Schlüsselfaktor für den Erfolg von SAP und Aufgabe des Vorstands. Es muss sich ändern, so schnell es geht", sagte Plattner. "In Umfragen bei deutschen Betriebswirten war SAP nicht unter den Top 50. Bei deutschen Ingenieuren rangierte SAP auf Platz 34, Oracle auf 31, Google auf dem Spitzenplatz, Apple auf Platz drei und Microsoft auf Platz fünf. BMW und VW liegen ebenfalls vor uns. Hier müssen wir wirklich besser werden."

Plattner verlangt von dem Konzern im badischen Walldorf, schneller zu werden. "Wenn man sich bei SAP bewirbt, kann es sein, dass man erst Wochen später eine Antwort bekommt. Das ist heute untragbar", kritisiert Plattner. "Microsoft in Berlin reagiert innerhalb von 48 Stunden." Zudem müsse SAP eine neue Unternehmenskultur entwickeln, in der auch Fehler erlaubt seien. "Junge Leute wollen was machen können und nicht ständig bevormundet werden. Die Amis predigen das jeden Tag: Es muss die Freiheit da sein, Fehler zu machen. Wer einen Fehler macht, korrigiert ihn und weiß dann, dass jener Weg nicht funktioniert", meint Plattner. "Die Fehlervermeidung - und dazu neigen wir Deutschen ja ein wenig - ist der Tod der Kreativität."


casaper 08. Jul 2013

Vielleicht sollte man Plattner einfach mal ein SAP-Like-Dummy interface zu seiner UI...

asd 08. Jul 2013

Salesforce macht kein ERP soweit ich weiß sondern CRM. Wir reden hier also nicht über die...

asd 08. Jul 2013

Also wenn man meint es liegt an der Programmiersprache wenn das GUI scheisse ist, sollte...

hhf1 08. Jul 2013

Ich kenne MFG Pro unter den ERP-Systemen. Das ist genauso wie SAP ein Uralt-Dino, der...

George99 08. Jul 2013

Ach das is n Klamottenladen? Nie vorher von gehört...

Kommentieren



Anzeige

  1. Softwareentwickler / -innen .NET
    Dataport, Hamburg
  2. Mitarbeiter (m/w) für die Implementierung von Softwarelösungen
    DAN Produkte Pflegedokumentation GmbH, Siegen
  3. Anwendungsentwickler (m/w) Meldewesen
    Aareal Bank AG, Wiesbaden
  4. Produktmanager Digital (m/w)
    Commerz Finanz GmbH, München

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. SEO

    Google entfernt Autorenhinweise in Suchergebnissen

  2. ARD.connect

    HbbTV-Angebote über Smartphone oder Tablet steuern

  3. Administrationswerkzeug

    HPs Oneview wird auf Racks, Tower und Netzwerk erweitert

  4. Ortsnetze

    Telekom startet Vectoring für 200.000 Haushalte

  5. HP Proliant DL160 und 180

    Mit neuen Einstiegsservern gegen Huawei und Supermicro

  6. Zoff in Wikipedia

    Foundation lenkt im Streit mit deutscher Community ein

  7. Olympus Pen E-PL7

    Systemkamera für Selfies

  8. Virtual Reality

    Leap Motion setzt auf Hände und Augen

  9. KDE

    Plasma Active auf Frameworks 5 portiert

  10. Urheberrecht

    E-Book-Anbieter dürfen Weiterverkauf von Dateien untersagen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Test Star Wars Commander: Die dunkle Seite der Monetarisierung
Test Star Wars Commander
Die dunkle Seite der Monetarisierung

Alienware Alpha ausprobiert: Fast lautlose Steam-Machine mit eigenem Windows-UI
Alienware Alpha ausprobiert
Fast lautlose Steam-Machine mit eigenem Windows-UI
  1. Deutschland E-Sport ist mehr als eine Randerscheinung
  2. Crytek Ryse für PC mit 4K-Videos belegt über 120 GByte
  3. Wirtschaftssimulation Golem Labs entwickelt die Gilde 3

Digitale Agenda: Ein Papier, das alle enttäuscht
Digitale Agenda
Ein Papier, das alle enttäuscht
  1. Breitbandausbau Telekom will zehn Milliarden Euro vom Staat für DSL-Ausbau
  2. Zwiespältig Gesetz gegen WLAN-Störerhaftung von Cafés und Hotels fertig
  3. Digitale Agenda Bund will finanzielle Breitbandförderung festschreiben

    •  / 
    Zum Artikel