Grafik des Protestbündnisses Nein zur Bestandsdatenauskunft
Grafik des Protestbündnisses Nein zur Bestandsdatenauskunft (Bild: Nein zur Bestandsdatenauskunft)

Passwörter und IP-Adressen Schon 2.000 unterstützen Klage gegen Bestandsdatenauskunft

Vor einer Woche haben Datenschützer eine Sammel-Verfassungsbeschwerde gegen die Bestandsdatenauskunft gestartet. Sie wollen das neue Gesetz zur Herausgabe von PINs und Passwörtern in Karlsruhe wieder zu Fall bringen.

Anzeige

Dem Protest von Datenschützern gegen das neue Gesetz zur Bestandsdatenauskunft haben sich nach einer Woche schon rund 2.000 Unterstützer angeschlossen. Der Kieler Piraten-Fraktionschef Patrick Breyer und die neue Politische Geschäftsführerin der Piraten, Katharina Nocun, wollen die Verfassungsbeschwerde nach dem Inkrafttreten des Gesetzes am 1. Juli in Karlsruhe einreichen. Nach ihrer Ansicht verstößt das Anfang Mai auch vom Bundesrat gebilligte Gesetz in sechs Punkten gegen die Verfassung. So sei unter anderem "unklar und nicht kontrollierbar, unter welchen Voraussetzungen Anbieter Zugangssicherungscodes wie Mailbox-PINs oder E-Mail-Passwörter an Staatsbehörden herausgeben dürfen".

Unsicherheit besteht vor allem bei der Herausgabe von Passwörtern. Da diese bei den Anbietern in der Regel verschlüsselt vorliegen, können die Behörden mit den Daten nichts anfangen. Nach Auskunft des Bundesinnenministeriums sind die Anbieter nicht verpflichtet, die Passwörter zu entschlüsseln. Daher werde es bei der Auskunft in der Regel um PIN und PUK gehen, die unverschlüsselt vorlägen, hieß es auf Anfrage von Golem.de. Datenschützer wie Nocun befürchten jedoch, dass die Behörden dennoch versuchen werden, an die Passwörter zu gelangen, zumal nicht alle Provider ihre Daten verschlüsselten.

Hinweise darauf sehen sie in den Stellungnahmen der Ausschüsse von Bundestag und Bundesrat im Gesetzgebungsverfahren. So hat der Innenausschuss des Bundesrats in der Tat empfohlen, die Provider zu einer aktiven Mitwirkung zu verpflichten. "Der Anbieter kann allerdings das Kennwort aktiv zurücksetzen und so einen Zugriff auf diese mittels Zugriffssicherungscodes geschützten Daten ermöglichen", heißt es in der Empfehlung vom Dezember 2012.

Dieser konkrete Vorschlag wurde allerdings nicht vom Bundesratsplenum übernommen und findet sich auch nicht im neuen Gesetz. Die Bundesregierung beruft sich weiterhin darauf, dass keine neuen Befugnisse für Strafverfolgungs- und Sicherheitsbehörden geschaffen worden seien.

Falsche Darstellungen zur Durchsetzung des Gesetzes?

Verärgert zeigten sich die Organisatoren der Verfassungsbeschwerde über Berichte, wonach das nordrhein-westfälische Innenministerium mit falschen Darstellungen das Gesetz im Bundesrat durchzusetzen versucht habe. Breyer wies die laut Spiegel Online in dem Schreiben aufgestellte Behauptung zurück, die Behörden könnten ohne das neue Gesetz nach dem 1. Juli keine Bestandsdaten mehr in Erfahrung bringen. Das sei durch das sogenannte automatisierte Abrufverfahren nach Paragraf 112 Telekommunikationsgesetz weiter möglich.

Auch könnten weiterhin dynamische IP-Adressen bei gefährlichen Straftaten ermittelt werden. Mit diesen Darstellungen sei es möglicherweise gelungen, das zögerliche Land Berlin im Bundesrat zur Zustimmung zu bewegen. Dort wurde das Gesetz nach Angaben Breyers mit nur sehr knapper Mehrheit gebilligt, da alle Länder mit Regierungsbeteiligung von Grünen und Linke die Neuregelung abgelehnt hätten.

Für Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) soll das Schreiben noch ein parlamentarisches Nachspiel haben. Die NRW-Piratenfraktion will ihn im Innenausschuss "zur Rede stellen".

Nachtrag vom 14. Mai 2013, 22 Uhr Nach Angaben Breyers bezieht sich die Zahl der Unterstützer auf der Homepage von stopp-bda.de auf die Personen, die ihrer Nennung zugestimmt haben. Bislang hätten jedoch schon 8.000 Personen über das Webformular eine Vollmacht erstellt. Wie viele davon diese dann auch per Post abgeschickt hätten, sei nicht bekannt. Bei der Verfassungsbeschwerde gegen die Vorratsdatenspeicherung sei rund jede dritte Vollmacht auch abgeschickt worden. Falls das in diesem Fall genauso wäre, würde dies einer Zahl von mehr als 2.500 Unterstützern entsprechen.


derPhiL 14. Mai 2013

Frueher galt das Schlafzimmer als Privat. Heutzutage koennen die gerne in mein...

KeysUnlockTheWorld 14. Mai 2013

Das man sich daran Beteiligen kann habe ich auch jetzt erst erfahren. Natürlich direkt...

dschinn1001 14. Mai 2013

... ein Erfinder und Tueftler ein neues Passwort erfindet. z.B. eine komplette 500 GB...

likely 14. Mai 2013

Ich bin für eine änderbare SuperPIN als Gegenschlag. Per Klage dauert das einfach wieder...

Kommentieren



Anzeige

  1. Ingenieur/in für Fahrzeugprogrammierung
    ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, München
  2. Software Developer (m/w)
    transact Elektronische Zahlungssysteme GmbH - epay, Martinsried bei München
  3. Junior Systemingenieur/in oder Techniker/in für die Weiterentwicklung vernetzter Infotainmentfunktionen
    ESG Elektroniksystem- und Logistik-GmbH, Ingolstadt
  4. Senior BI Architekt Unternehmens-Datenmodell (m/w)
    Media-Saturn-Holding GmbH, Ingolstadt

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. NEU: PCGH-Gaming-PC GTX960-Edition
    (Core i5-4460 + Geforce GTX 960)
  2. GeForce GTX 960
    ab 199,90€ bei Alternate lieferbar
  3. Samsung Ultra-HD-Monitor U28D590D
    339,00€ inkl. Versand über Redcoon

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. VLC-Hauptentwickler

    "Appstores machen Kopfschmerzen"

  2. Torrent

    The Pirate Bay ist zurück - zumindest ein bisschen

  3. Freier Videocodec

    Daala muss Technik patentieren

  4. Android-Konsole

    Alibaba investiert zehn Millionen US-Dollar in Ouya

  5. Andrea Voßhoff

    Datenschutzbeauftragte jetzt gegen Vorratsdatenspeicherung

  6. Breitbandausbau

    "Wer Bauland will, fragt heute erst nach schnellem Internet"

  7. Dying Light

    Performance-Patch reduziert Sichtweite

  8. Project Tango

    Googles 3D-Sensor-Konzept verlässt Experimentierstatus

  9. Messenger

    Telefoniefunktion für Whatsapp erreicht erste Nutzer

  10. iTunes Connect

    Hallo, fremdes Benutzerkonto



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Fehlender Cache verursacht Ruckler: Nvidias beschnittene Geforce GTX 970 stottert messbar
Fehlender Cache verursacht Ruckler
Nvidias beschnittene Geforce GTX 970 stottert messbar
  1. IMHO Juhu, DirectX 12 gibt's auch für Windows-7-Besitzer
  2. Geforce GTX 965M Sparsamere Alternative zur GTX 870M
  3. MFAA Nvidias temporale Kantenglättung kann mehr

Glibc: Ein Geist gefährdet Linux-Systeme
Glibc
Ein Geist gefährdet Linux-Systeme
  1. Tamil Driver Freier Treiber für ARMs Mali-T-GPUs entsteht
  2. Red Star ausprobiert Das Linux aus Nordkorea
  3. Linux-Jahresrückblick 2014 Umbauarbeiten, Gezanke und Container

Onlinehandel: Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen
Onlinehandel
Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen
  1. Quartalsbericht Amazons Ausgaben steigen auf 28,7 Milliarden US-Dollar
  2. Amazon Original Movies Amazon will eigene Kinofilme kurz nach der Premiere streamen
  3. Ultra-HD Amazons 4K-Videos vorerst nur für Smart-TVs

    •  / 
    Zum Artikel