"Paparazzi over IP": Sicherheitslücken in Kameras mit Netzwerkfunktionen
(Bild: Canon)

"Paparazzi over IP" Sicherheitslücken in Kameras mit Netzwerkfunktionen

Aktuelle Kameras bringen Netzwerkfunktionen mit. Sie lassen sich deshalb leicht hacken und in Überwachungsgeräte verwandeln.

Anzeige

Fotografen können die Netzwerkfunktionen in aktuellen Kameras nutzen, um ihre Arbeit schneller zu verrichten: Fotos werden direkt auf den FTP-Server ihres Auftraggebers übertragen oder die Kamera lässt sich über das Netz fernsteuern. Die Netzwerkkommunikation lässt sich aber auch leicht überwachen. Dabei können Hacker die Fotos nicht nur abgreifen, sondern auch stattdessen ihre eigenen übertragen. Mühelos lässt sich die Videofunktion aber auch für eine Liveübertragung nutzen und die Kamera so in ein Überwachungsgerät verwandeln.

Noch fehle der Ton im Live-Betrieb, aber der lasse sich sicherlich ebenfalls aktivieren, sagen die beiden Experten Daniel Mende und Pascal Turbing von der Sicherheitsfirma ERNW. Dass sie die Kamera übernehmen und dann Videos mit Ton aufzeichnen können, sei bislang nur ein "Workaround". Demonstriert haben sie ihren Hack "Paparazzi over IP" auf der Sicherheitskonferenz Troopers13.

Viele Funktionen, kaum Sicherheit

Am Beispiel der DSLR EOS-1D X zeigen die beiden Experten, wie wenig Kamerahersteller in die Sicherheit ihrer Geräte investiert haben. Die Kamera lässt sich über eine Ethernet-Buchse, aber auch über WLAN im Netzwerk verbinden. Bilder können automatisch über FTP oder DLNA verteilt werden. Außerdem ist ein kleiner Webserver in der Software der Kamera, der zur Konfiguration oder Fernsteuerung verwendet werden kann. Während FTP und DLNA per se schon unsicher sind, hat Canon den Webserver und den entfernten Zugriff von Rechnern ebenfalls nur minimal abgesichert.

Als "langweilig" bezeichnen die beiden Sicherheitsforscher die möglichen DDoS-Angriffe auf die Kamera: Mit lediglich 100 ARP-Paketen pro Sekunden kann sie lahmgelegt werden. Dass Fotos über unverschlüsseltes FTP übertragen werden, sei ein nicht neuer, aber sicherlich interessanter Angriffsvektor. Canons DSLR EOS-1D X erlaubt es, aufgenommene Fotos sofort auf einen FTP-Server zu übertragen. Mit einfachen Mitteln kann sich ein Angreifer einklinken, die Fotos abgreifen oder möglicherweise durch manipulierte ersetzen. Über DLNA können ebenfalls auf sämtliche Fotos und Videos auf der Kamera zugegriffen werden - ohne Authentifizierung.

Zugriff auf den integrierten Webserver

"Nutzen Sie einen Webbrowser um Bilder zu machen, anzusehen oder Fotos herunterzuladen." So bewirbt Canon eine weitere Funktion, die in die Kamerasoftware integriert wurde. Es handele sich dabei um einen kleinen Webserver, der eine Ajax-basierte Benutzeroberfläche bereitstellt, berichten Mende und Turbing. Auch hier habe Canon auf das sichere HTTPS-Protokoll verzichtet. Die Authentifizierung erfolge zudem über HTTP Basic statt dem etwas sichereren Digest, so dass ein Angreifer die Zugangsdaten oder die Session-ID in einem unsicheren Netz auslesen könnte. Die Authentifizierung erfolge nur einmalig. Dabei werde eine Session-ID vergeben. Diese Session-ID bestehe aus nur vier Bytes. Sie lasse sich in wenigen Minuten per Brute-Force ermitteln. Damit habe ein erfolgreicher Angreifer Zugriff auf die auf der Kamera gespeicherten Fotos und die Kameraeinstellungen. Außerdem habe der Angreifer auch Zugang zu den über den Sucher übertragenen Live-Bilder. Somit lasse sich die Canon EOS-1D X als Überwachungsgerät nutzen.

Pwned per PTP/IP 

ursfoum14 17. Mär 2013

Es ist mir neu, dass das inzwischen doch geht. Habe ich einen Trend zu einem sicheren...

motzerator 17. Mär 2013

Die Frage ist ja, ob der WLAN DDOS auch funktioniert wenn das deaktiviert ist :)

posix 17. Mär 2013

Cloud is an sich nichtmal problematisch, doch aus Sicherheitsgründen würde ich alles was...

Kommentieren




Anzeige

  1. User Experience Designer (m/w)
    Nemetschek Allplan Systems GmbH, München
  2. IT-Systemadministrator (m/w)
    teliko GmbH, Limburg
  3. Senior Software Engineer (m/w) Healthcare MR
    Siemens AG, Erlangen
  4. Netzwerktechniker (m/w)
    Funkwerk video systeme GmbH, Nürnberg, Frankfurt am Main

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Schnell, aber ungenau

    Roboter springt im Explosionsschritt

  2. Urteil

    Foxconn-Arbeiter wegen iPhone-6-Diebstahl verhaftet

  3. Weniger Consumer-Notebooks

    Toshiba baut 900 Arbeitsplätze in der PC-Sparte ab

  4. XSS

    Cross-Site-Scripting über DNS-Records

  5. Venue 8 7000

    6-mm-Tablet wird mit Dell Cast zum Desktop

  6. HTML5-Videostreaming

    Netflix arbeitet an Linux-Unterstützung

  7. iPhone 6 und iPhone 6 Plus im Test

    Aus klein mach groß und größer

  8. Cloudflare

    TLS-Verbindungen ohne Schlüssel sollen Banken schützen

  9. Kein britisches Modell

    Medienrat will Pornofilter ohne Voraktivierung

  10. Telecom Billing

    Bundesnetzagentur schaltet eine SMS-Abzocke ab



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Physik: Zeitreisen ohne Paradoxon
Physik
Zeitreisen ohne Paradoxon
  1. Gehirnforschung Licht programmiert Gedächtnis um
  2. Neues Instrument Holometer Ist unser Universum zweidimensional?
  3. Sofia Der fliegende Blick durch den Staub

Doppelmayr-Seilbahn: Boliviens U-Bahn der Lüfte
Doppelmayr-Seilbahn
Boliviens U-Bahn der Lüfte

Intel Core i7-5960X im Test: Die PC-Revolution beginnt mit Octacore und DDR4
Intel Core i7-5960X im Test
Die PC-Revolution beginnt mit Octacore und DDR4
  1. Rory Read AMDs neue x86-Architektur Zen kommt 2015
  2. Intels Desktop-Chefin im Interview "Wir hatten unsere loyalsten Kunden frustriert"
  3. Intel Core i7-5960X X99-Mainboards angebrannt

    •  / 
    Zum Artikel