Oscar 2013 Ein künstlicher Tiger und ein sehr wütendes Grün

Ang Lees Film Life of Pi hat bei den diesjährigen Oscar Awards den Preis für die beeindruckendsten visuellen Effekte gewonnen. Die Schöpfer dieser Effekte wurden aber nicht einmal bezahlt - Grafiker und Digitalkünstler sind erzürnt.

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Bei der Oscar-Preisverleihung für die beeindruckendsten visuellen Effekte (Visual Effects, VFX) des Ang-Lee-Films Life of Pi hat es gestern einen Eklat gegeben: Der Spezialeffekt-Experte Bill Westenhofer von Rhythm & Hues Studios durfte zwar mit drei seiner Kollegen den Preis entgegennehmen, aber nicht darauf hinweisen, dass viele an der beeindruckenden Leistung beteiligte Mitarbeiter ihren Job verloren haben. Entsprechend groß ist die Empörung in der VFX-Branche.

In Life of Pi finden sich zwei Schiffbrüchige auf einem Rettungsboot wieder: ein Mann und ein ausgewachsener Tiger, auf engstem Raum. Gedreht wurden die Szenen in einem großen Wassertank - ohne den Richard Parker getauften Tiger. "Das meiste, was Sie sehen, ist unecht", erklärte Westenhofer bei der Oscar-Verleihung. Vorher hatte es bereits einen Bafta-Award für das Team gegeben. Die Angestellten des Studios haben davon leider nichts.

Das auf VFX spezialisierte Unternehmen Rhythm & Hues Studios musste in der vergangenen Woche Insolvenz anmelden und vielen Angestellten kündigen, die laut Medienberichten trotz Überstunden zur Fertigstellung des Films ohne Lohn gearbeitet hatten. Vor Life of Pi war Rhythm & Hues auch an der Produktion von Snow White and the Huntsman, der Herr-der-Ringe-Filmtrilogie, The Hunger Games und Der goldene Kompass beteiligt.

Abgeschnitten

Gelegenheit, auf die bittere Lage seiner Mitarbeiter hinzuweisen, bekam Westerhofer bei der Oscar-Verleihung nicht: Als er zum Abschluss seiner nicht einmal einminütigen Rede auf das Ende von Rhythm and Hues und die Schicksale der entlassenen Angestellten eingehen wollte, war die von den Veranstaltern festgelegte Redezeit vorbei. Westerhofer wurde mit dem immer lauter werdenden Soundtrack von Der weiße Hai (Jaws) und schließlich durch das Abschalten des Mikrofons daran gehindert. Was eigentlich für ein humorvolles Ausbremsen von allzu langen, aber auch bewegenden Dankesreden gedacht war, wurde in diesem Fall als Affront gegen die Künstler aufgefasst.

Das Resultat sind weltweite Sympathiebekundungen von Angestellten der VFX-Branche. Es gibt enttäuschte bis wütende Beiträge unter Oscar-Meldungen, auf Twitter und aus Protest grün gefärbte Facebook-Profilfotos. Die stammen von der eigens gründeten Facebook-Gruppe VFX Solidarity International, die VFX-Profis und Digitalkünstler weltweit vereinigen will und sich für bessere Geschäftsbedingungen und letztlich bessere Arbeitsbedingungen einsetzt.

Kritik und Proteste

"Life of Pi (Fox) und Snow White and the Huntsman (Universal) haben zusammen mehr als eine Milliarde US-Dollar Umsatz gemacht. Rhythm & Hues Studios, das VFX-Unternehmen, das Richard Parker zum Leben erweckt hat und den Großteil der visuellen Effekte für diese beiden Oscar-nominierten Filme kreierte, musste Insolvenz anmelden. Viele der Künstler, die Nächte und Wochenenden durcharbeiteten, sind nun arbeitslos und arbeiteten wochenlang unbezahlt an Tentpole-Filmen für dieselben Studios, Fox und Universal", so VFX Solidarity International.

Kritik muss sich auch Ang Lee gefallen lassen. So hat etwa Phillip Broste, Lead Compositor bei Zoic Studios, einen offenen Brief an den Regisseur und Produzenten von Life of Pi gerichtet. Darin schreibt er unter anderem: "Herr Lee, ich glaube, dass Sie ein bedachter und brillanter Mann sind. Und ein begnadeter Filmemacher. Aber ich glaube auch, dass Sie und jeder andere in ihrem Bereich unseres Business eine sagenhafte Ignoranz für die Schmerzen und die Turbulenzen zeigen, die Sie unseren Künstlern verursachen."

Unter Bezug auf eine Aussage Lees schreibt Broste weiter: "Ihre VFX sind bereits billiger, als sie es sein sollten. Es ist entmutigend zu sehen, wie völlig ahnungslos Sie in Bezug auf diesen Fakt sind."

Während der Oscar-Verleihung hatten unter anderem ehemalige Rhythm-and-Hues-Angestellte vor dem Veranstaltungsgebäude, dem Dolby Theatre, protestiert. Etwa 400 Menschen, darunter Angestellte aus verschiedenen Studios sowie Selbständige, sollen an der Demonstration teilgenommen haben. Sie äußerten teils Wünsche nach einer Gewerkschaft für VFX-Angestellte und nach einem Ende von ausländischen Film-Förderprogrammen, die in Los Angeles Jobs kosteten.

Nachtrag vom 26. Februar 2013, 9:36 Uhr

Yahoo hat eine Backstage-Pressekonferenz mit dem Team von Rhythm & Hues veröffentlicht. Die Oscar-prämierten VFX-Experten erzählen davon, dass derzeit generell schwierig für VFX-Unternehmen ist, am Leben zu bleiben. Und das, obwohl es nicht um Jobs geht, bei denen Menschen einfach nur auf Knöpfe drücken. Die Effekte würden viel mehr von Künstlern erstellt, die mit dem Regisseur zusammen eine Geschichte erzählen.

Nachtrag vom 26. Februar 2013, 11:47 Uhr

Der private Mitschnitt der Oscar-Preisverleihung an Rhythm & Hues bei Vimeo ist entfernt worden, deshalb ist es auch bei uns nicht mehr zu sehen. Die offizielle Oscar-Website verspricht zwar, dass man sich online die ganze Zeremonie anschauen könne, für deutsche Nutzer ist das aber nicht ganz einfach. Sie müssen zuerst die vom Partner ABC errichtete geografische Beschränkung auf das US-Publikum umgehen. Das ist beispielsweise mit dem Firefox-Browser und dem Add-on Media Hint möglich.


ZeroSama 28. Feb 2013

Dieser Soap-Effekt liegt an den digitalen Kameras. Fand den bei der Hobbit jetzt gar...

fluppsi 27. Feb 2013

Der ist gut. Kenne kaum eine Berufsgruppe, die so hemmungslos zulangt, wenn es möglich...

Endwickler 27. Feb 2013

Dass Michael Moore ein Polemiker ist, ist klar. Zur Unterhaltung ist er aber immer mal...

teslar2 26. Feb 2013

Teilweise wurde die Krankenversicherung nicht mehr bezahlt und die Kunstler und deren...

helgebruhn 26. Feb 2013

Naja, es handelt sich in diesem Fall immerhin um die Co-Produzentin (!) eines FIlms, die...

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