Die beiden Kaufoptionen: Wer billig will, muss wiederkommen.
Die beiden Kaufoptionen: Wer billig will, muss wiederkommen. (Bild: Justfab/Screenshot: Golem.de)

Onlineshopping Mit Justfab Deutschland beim Schuhkauf in die Abofalle

Modische Schuhe für 19,97 Euro und eine "kostenlose Mitgliedschaft" verspricht der Onlineshop Justfab Deutschland aus Berlin-Kreuzberg. Doch wer nicht einmal im Monat einen Button drückt, dem werden 39,95 Euro vom Konto abgebucht.

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Wer bei Justfab Deutschland einkauft, läuft Gefahr, ungewollt eine kostenpflichtige Klubmitgliedschaft abzuschließen, die dazu verpflichtet, monatlich für 39,95 Euro einzukaufen. "Unter Justfab.de eröffnet das US-amerikanische Unternehmen Justfabulous Inc. in diesen Tagen einen neuen Online Fashion- und Stylingservice in Deutschland und Österreich", gab das Startup im Mai 2012 bekannt. Geschäftsführer Gerrit Müller: "Wir starten die Europa-Expansion von Justfab im deutschen und österreichischen Markt, weil wir in diesen Märkten ein enormes Potenzial sehen. Von hier aus werden wir Justfab in den nächsten Jahren zu einem der führenden Fashion-Unternehmen in Europa entwickeln."

Golem.de hat sich den Einkauf im Onlineshop bei Justfab.de angesehen. Die Schuhe, Kleider und Handtaschen sehen modisch und hochwertig aus. Wer einen Artikel, in unserem Beispiel Schuhe, in den Einkaufskorb legt, bekommt zwei Bezahloptionen angeboten. Bei der VIP-Mitgliedschaft kosten die Schuhe 19,97 Euro, bei der Gastmitgliedschaft 59 Euro. Wer sich für die günstigere Variante entscheidet, bekommt folgende Informationen: "Kostenlose Mitgliedschaft - werde bei Deinem ersten Einkauf automatisch Mitglied. Alle Styles für nur 39,95 Euro. Deine einzige Verpflichtung ist, Deine Boutique einmal bis zum 5. des Monats zu besuchen." Einen deutlich sichtbaren Button mit der Aufschrift: "Ich möchte eine Einkaufsklubmitgliedschaft für monatlich 39,95 Euro abschließen" findet sich nirgends.

Wer Schuhe in den Einkaufskorb legt und zuvor eine E-Mail-Adresse und einige persönliche Daten eingibt, ohne jedoch einem Kauf zuzustimmen, bekommt 30 Minuten später eine E-Mail mit der Betreffzeile: "Willkommen bei Justfab" zugesandt.

Rund einen Monat nach dem ersten Einkauf für 19,97 Euro bekommt der Nutzer eine E-Mail mit der Betreffzeile: "Denke daran: Bis zum 5. Shoppen oder pausieren." Wer darauf nicht reagiert, dem bucht das Unternehmen 39,95 Euro vom Bankkonto ab. Auf der Facebook-Seite des Unternehmens beschweren sich Kundinnen, dass ihnen Geld vom Konto abgebucht wurde, auch wenn sie sich nur registriert, aber noch gar nicht eingekauft haben. Wer keine Bankverbindungen angibt, kann aber auch nicht abkassiert werden.

In einer E-Mail vom Justfab-Kundendienst, das Golem.de vorliegt, heißt es: "Solltest Du vergessen haben den Button zu drücken, werden 39,95 Euro von Deinem Bankkonto abgebucht und auf Deinem Justfab Konto gutgeschrieben. Dieses Guthaben ist jederzeit gegen einen Style Deiner Wahl eintauschbar; es geht Dir nichts verloren. Eine Rückbuchung auf Dein Bankkonto ist nicht möglich."

Verbraucherzentrale überprüft Justfab Deutschland

Die Mitgliedschaft kann nur schriftlich oder telefonisch gekündigt werden. Unternehmenssprecherin Sandra Steffens sagte Golem.de, dass die Nutzer in den AGB und mit der Lieferung eindeutig auf die Klubmitgliedschaft hingewiesen würden. "Der Pausieren-Button kann immer wieder gedrückt werden. Wenn sie wollen, hundert Jahre lang. Jeder kann auch als Gast einkaufen. Wir haben das Prinzip des Klubs aus den USA übernommen, das ist vollkommen legal. Die Artikel sind handverlesen, und die Menschen, die das machen, wollen auch bezahlt werden."

Im August 2012 hat das Bundeskabinett die sogenannte "Button-Lösung" zum Schutz der Verbraucher vor Kostenfallen im Internet verabschiedet. Webseitenbetreiber sollen künftig verpflichtet werden, Verbraucher bei Einkäufen im Internet unmittelbar vor Abgabe der Bestellung auf die Kosten und weitere wesentliche Vertragsinformationen hinzuweisen. Das war von Verbraucherschützern seit langem gefordert worden. "Mit der 'Button-Lösung' können wir der Internet-Abzocke einen Riegel vorschieben und unseriösen Anbietern leichter das Handwerk legen", sagte die Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ilse Aigner (CSU). "Mit der 'Button-Lösung' haben unseriöse Geschäftemacher im Internet künftig keine Chance mehr, ihre Preise vor den Verbrauchern zu verstecken", betonte Aigner.

Die Verbraucherzentrale Berlin prüft derzeit, ob es sich bei Justfab Deutschland um eine illegale Abofalle handelt.

Nachtrag vom 7. September 2012, 15:48 Uhr

Unternehmenschef Gerrit Müller sagte Golem.de, dass jeder Kunde als VIP-Mitglied einkaufen, fünf Minuten später anrufen und die Mitgliedschaft wieder kündigen könne. Daher könne nicht von einem Abo gesprochen werden. "Es gibt weder eine Mindestlaufzeit, noch einen Mindestumsatz."

Justfab sei gerade dabei, eine Zertifizierung von Trusted Shops zu beantragen. "In diesem Prozess wird streng auf die Einhaltung von Verbraucherschutzrichtlinien geachtet. Wir werden hier alles Notwendige tun, um die Einhaltung dieser Richtlinien zu gewährleisten", sagte Müller mit Bezug auf die VIP-Mitgliedschaft.


Endwickler 08. Sep 2012

Hat da noch jemand Vertrauen in die Internetsiegel? "Wenn du bezahlst, bist du dabei...

spambox 07. Sep 2012

Technisch kein Problem: Ein Script führt den Klick mittels Curl automatisch alle 30 Tage...

JoyntSoft 07. Sep 2012

Die Frist für solche Rückbuchungen lag zumindest mal bei 6 Wochen, aber auch über diesen...

ibsi 07. Sep 2012

Komisch das ich in Nikes immer 100%ig reinpasse (bei der richtigen Größe - 42.5), aber...

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