Offene Formate in Deutschland "Passiert ist nix!"

Linuxtag 2013 Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern tun sich die deutschen Behörden in Deutschland mit Open-Source-Software noch schwer. Eine Podiumsdiskussion auf dem Open-IT Summit 2013 offenbart das Problem: geschlossene Dokumentenstandards.

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Europaweit wird zunehmend freie Software in Behörden eingesetzt, nicht zuletzt auch durch Initiativen der Europäischen Union, die zumindest die Wettbewerbsfähigkeit für Open-Source-Software stärken, indem sie offene Standards für Dokumente fördern. In europäischen Ländern wie Frankreich und Spanien sind solche Standards inzwischen gesetzlich verankert, in Deutschland jedoch nicht.

Die Schwierigkeiten beim Austausch von Dokumenten war einer der Hauptgründe dafür, dass der Wechsel zu Open-Source-Software in Freiburg und im Auswärtigen Amt scheiterte. Selbst erfolgreiche Umstiege wie das Limux-Projekt der Stadt München kämpfen mit der Interoperabilität. Der Münchner Oberbürgermeister Christian Ude hat sich bereits 2011 für die Verwendung offener Dokumentformate eingesetzt. Auch an der Umsetzung von bereits beschlossenen Richtlinien mangele es aber, sagte Peter Hofmann vom Limux-Projekt in einer Podiumsdiskussion auf dem Open-IT Summit, der parallel zum Linuxtag 2013 in Berlin stattfand.

Docx statt ODF

"Wir haben auch schon Beschlüsse der Bundesregierung zur Verwendung von ODF gehabt. Toll. Passiert ist nix", sagte Hofmann. "Uns wäre schon geholfen, wenn wir Dokumente der Bundesregierung, die wir bearbeiten müssen, im ODF (Open Document Format) bekommen würden und nicht als Docx." Letztendlich sei dem Mitarbeiter egal, in welchem Format er seine Briefe schreibe. Wenn die Stadt vorgebe, dass Dokumente im ODF geschrieben werden müssen, "dann macht er das." Eine große Ablehnung von Open-Source-Software durch die Mitarbeiter könne Hofmann nicht bestätigen, auch wenn es anfangs Unsicherheiten gegeben habe. "Eine große Empörungswelle gab es bei uns nicht."

In seiner Fraktion werde Open-Source-Software eingesetzt, sagte auch Stefan Gelbhaar, der für die Grünen im Abgeordnetenhaus in Berlin sitzt. Wenn Dokumente mit anderen Fraktionen oder der Verwaltung ausgetauscht würden, "dann wird es spannend." Wenn die Formatierungen nicht mehr stimmten, führe das zu Frust unter den Mitarbeitern. Nicht der Einsatz von Open-Source-Software mache den Mitarbeitern zu schaffen, sondern der Mangel an ordentlichen Schnittstellen. Es habe eine interne Debatte gegeben, ob "wir uns bewegen müssen, weil sich die Verwaltung nicht bewegt." Das wurde kategorisch abgelehnt. "Im Zweifel müssen die anderen sich auf uns zubewegen. Aber das ist ein Kampf", sagte Gelbhaar.

Europaweites Problem

Ähnliche Beschwerden über Probleme beim Dokumententausch gebe es europaweit, sagte der belgische Journalist Gijs Hillenius. "Das lässt sich nicht so leicht ändern." Immerhin wollten die EU-Behörden zunehmend auf die Verwendung von proprietären Formaten verzichten, teilte Hillenius mit. Eine entsprechende Richtlinie solle erarbeitet werden. Der Journalist beteiligt sich gegenwärtig an dem von der Europäischen Kommission initiierten Projekt Joinup, das über die Interoperabilität in Behörden informiert und Hilfe anbietet.

Deutschland sei beim Einsatz freier Software europaweit zwar nicht an erster Stelle, sagte Hillenius. Neben dem weltweit bekannten Umstieg in München gebe es aber hierzulande durchaus weitere, weniger prominente Projekte, die erfolgreich waren, darunter der Umstieg der niedersächsischen Polizei und Finanzverwaltung oder der Stadtverwaltung in Schwäbisch Hall. Meist sind diese Projekte aber kaum bekannt, was wiederum anderen den Umstieg erschwert, etwa wenn es um den Austausch von Erfahrungen geht.

Deutschland trabt Europa hinterher 

teleborian 10. Sep 2013

Das ist ja allgemein bekannt, die Frage wie sich der Standard weiterentwickelt ist das...

Lala Satalin... 27. Mai 2013

Dann probiert mal OO oder LO Impress zwischen den Versionen. ;)

Thaodan 24. Mai 2013

Zu mal selbst wenn man die Spezifikation als Indiz für den Offenheit des Formates nimmt...

k@rsten 24. Mai 2013

Wie schlecht die Situation für den Verbraucher, ob nun Privat, Behörde oder Unternehmen...

k@rsten 24. Mai 2013

Wusste gar nicht das Aufsichtsräte in den USA umsonst "arbeiten" ... wieder was gelernt...

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