Abo
  • Services:
Anzeige
Dorothee Belz (Microsoft) und Nicklas Lundblad (Google) bei der Anhörung im EU-Parlament
Dorothee Belz (Microsoft) und Nicklas Lundblad (Google) bei der Anhörung im EU-Parlament (Bild: Europäisches Parlament/Screenshot: Golem.de)

NSA-Skandal Microsoft hält eigene Programme für sicherer als Open Source

Die Konzerne Microsoft, Google und Facebook haben sich im EU-Parlament kritische Fragen anhören müssen. Auch der Vater von Linus Torvalds meldete sich zu Wort.

Anzeige

Die großen US-Computerkonzerne haben ihre Zusammenarbeit mit den US-Geheimdiensten verteidigt. Vertreter von Microsoft, Google und Facebook sagten bei einer Anhörung im EU-Parlament am Montag unisono, dass sie Daten nur auf rechtlicher Grundlage herausgäben, keine Hintertüren in ihren Programmen und Diensten eingebaut hätten und den Geheimdiensten keinen Zugriff auf ihre Server gewährten. Die Vertreterin von Microsoft verteidigte ihre Produkte im Vergleich zu Open-Source-Programmen. "Open Source ist nicht sicherer und besitzt sogar höhere Risiken als 'kontrollierte' Software", sagte Dorothee Belz, Vice President Legal and Corporate Affairs bei Microsoft Europe.

Die Vertreter der drei Konzerne hatten zunächst vorbereitete Erklärungen verlesen. Damit gaben sich die EU-Abgeordneten jedoch nicht zufrieden. Der finnische Abgeordnete Nils Torvalds, Vater des Linux-Erfinders Linus Torvalds, warf Microsoft vor, durch seine "schlechte Programmierung" Hunderte Hintertüren in seinen Programmen zu lassen. Belz räumte ein, dass jede Software Schwachstellen habe. "Wir schützen unsere Kunden, indem wir die Lücken möglichst schnell schließen", sagte Belz. Microsoft gebe aber keine Schwachstellen an Behörden weiter, damit diese die Lücken ausnutzen könnten. Open Source sei nicht sicherer als proprietäre Software, sagte Belz. Denn Open Source sei offen für Programmierer, die Code einbringen könnten, der genau das mache, was der Nutzer vermeiden wolle. Der schwedische Piraten-Abgeordnete Christian Engström verwies hingegen auf die Risiken von geschlossener Software. Niemand könne wirklich wissen, was in den Programmen stecke. Selbst in den Fällen, in denen der Hersteller seinen Code den Behörden offengelegt habe.

Mehr rechtliche Klarheit gewünscht

Die Konzerne machten in der Anhörung deutlich, dass sie sich mehr rechtliche Klarheit wünschten. Denn das Recht in den USA und in der EU sei nicht immer miteinander zu vereinbaren. "Wir wollen allen Gesetzen entsprechen", sagte Belz. Wenn der Server in den USA stehe, werde US-Recht befolgt, wenn der Server in Irland stehe, gelte dortiges Recht. Belz kritisiert den geplanten Passus (Artikel 43a) in der neuen Datenschutz-Grundverordnung, wonach die Daten von EU-Bürgern in Drittländern wie den USA nur dann an Behörden übermittelt werden dürfen, wenn dies auf Grundlage europäischen Rechts oder auf Basis eines entsprechenden Abkommens geschieht. Dies bringe Microsoft in einen Konflikt, der nicht zu lösen sei. Ähnlich äußerte sich Nicklas Lundblad von Google. Sein Unternehmen fordere Klarheit, um die juristischen Konflikte zu beenden. Die Regierungen müssten untereinander die Datenschutzregeln abklären. Zwar gälten für ein Unternehmen mit Sitz in den USA meistens die amerikanischen Regeln, aber es gebe bei einem internationalen Konzern wie Google viele Schattierungen.

Mehrere Abgeordnete bezweifelten, dass die Konzerne überhaupt die Wahrheit über die Kooperation mit dem US-Geheimdienst NSA sagen dürften. Vor allem die Niederländerin Sophie in 't Veld warf ihnen mangelnde Transparenz vor. Sie fühle sich an die Sexaffäre des früheren US-Präsidenten Bill Clinton mit seiner Praktikantin Monica Lewinsky erinnert. Dessen Beteuerungen in der Affäre hätten auch wenig mit der Realität zu tun gehabt. "Wir wollen die Wahrheit wissen", sagte in 't Veld. Zudem müsse die EU die Daten ihrer Bürger schützen, auch wenn dies mit dem US-Recht kollidiere. Belz wies die Vorwürfe zurück: "Sie können von Unternehmen nicht verlangen, dass sie Statements abgeben, die illegal sind und den Unternehmenschef ins Gefängnis bringen." Zudem treffe es nicht zu, dass die Dinge, über die Microsoft laut US-Recht nicht reden dürfe, europäisches Recht brächen. Alle drei Konzernvertreter versicherten mehrfach, von der Existenz des Spionageprogramms Prism erst durch die Enthüllungen von Edward Snowden etwas erfahren zu haben.

Yahoo und BT wollen nicht reden

Das Europäische Parlament hatte Anfang Juli beschlossen, einen Untersuchungsausschuss zu den Überwachungspraktiken der Geheimdienste einzusetzen. Der Ausschuss für bürgerliche Freiheiten, Justiz und Inneres (LIBE) soll die Ausspähung der EU-Bürger durch die NSA sowie weiterer Dienste beleuchten. Für die achte und neunte Anhörung waren auch Vertreter von Yahoo und des britischen Telefonkonzerns BT eingeladen worden. Yahoo lehnte die Einladung jedoch ab. Die Begründung: Wenn ein Konzernmitarbeiter Auskunft gebe, der sich mit den Anfragen der US-Geheimdienste auskenne, verstoße dieser möglicherweise gegen US-Gesetze. Ein europäischer Yahoo-Mitarbeiter könne dem Ausschuss aber wahrscheinlich nicht genügend Informationen liefern. BT lehnte die Teilnahme an der Anhörung ab, weil die entsprechenden Fragen an die Regierungen gestellt werden sollten. In einem Schreiben versicherte das Unternehmen jedoch, nur auf rechtlicher Basis Kundendaten weitergegeben zu haben.


eye home zur Startseite
janitor 14. Nov 2013

Wir sind uns keinesfalls einig! Sie haben gesagt "Ganz persönlich finde ich hat mich ein...

igor37 13. Nov 2013

Tatsächlich? Microsofts Officepaket ist aus dem Markt geflogen? Wo? Und seltsamerweise...

oakmann 13. Nov 2013

Danke wieder ein Pfund schlauer

lightview 13. Nov 2013

Der Staat bzw. Rechtsstaat will oft nicht wissen was der Geheimdienst macht bzw. wie er...

allgemeinkonkret 13. Nov 2013

Und? Genau diese "paar Developer" sehen bei Closed Source rein gar nichts. "ein paar" > 0.



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Kassenärztliche Vereinigung Hamburg, Hamburg
  2. Ametras rentconcept GmbH, Ravensburg oder Ettlingen (Home-Office möglich)
  3. Scheugenpflug AG, Neustadt/Donau
  4. Hanse Orga AG, Hamburg


Anzeige
Top-Angebote
  1. 49,97€
  2. 110,00€

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Mit digitalen Workflows Geschäftsprozesse agiler machen
  2. Potenzialanalyse für eine effiziente DMS- und ECM-Strategie
  3. Tipps für IT-Engagement in Fernost


  1. Kaby Lake

    Intel stellt neue Chips für Mini-PCs und Ultrabooks vor

  2. Telefonnummern für Facebook

    Threema profitiert von Whatsapp-Datenaustausch

  3. Browser

    Google Cast ist nativ in Chrome eingebaut

  4. Master of Orion im Kurztest

    Geradlinig wie der Himmelsäquator

  5. EU-Kommission

    Apple soll 13 Milliarden Euro an Steuern nachzahlen

  6. Videocodec

    Für Netflix ist H.265 besser als VP9

  7. Weltraumforschung

    DFKI-Roboter soll auf dem Jupitermond Europa abtauchen

  8. World of Warcraft

    Sechste Erweiterung Legion ist online

  9. Ripper

    Geldautomaten-Malware gibt bis zu 40 Scheine aus

  10. Europäische Union

    Irlands Steuervorteile für Apple sollen unzulässig sein



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Galaxy Note 7 im Test: Schaut dir in die Augen, Kleine/r/s!
Galaxy Note 7 im Test
Schaut dir in die Augen, Kleine/r/s!
  1. Samsung Display des Galaxy Note 7 ist offenbar nicht kratzfest
  2. PM1643 & PM1735 Samsung zeigt V-NAND v4 und drei Rekord-SSDs
  3. Gear IconX im Test Anderthalb Stunden Trainingsspaß

Xfel: Riesenkamera nimmt Filme von Atomen auf
Xfel
Riesenkamera nimmt Filme von Atomen auf
  1. US Air Force Modifikation der Ionosphäre soll Funk verbessern
  2. Teilchenbeschleuniger Mögliches neues Boson weist auf fünfte Fundamentalkraft hin
  3. Materialforschung Glas wechselt zwischen durchsichtig und schwarz

Deus Ex Mankind Divided im Test: Der Agent aus dem Hardwarelabor
Deus Ex Mankind Divided im Test
Der Agent aus dem Hardwarelabor
  1. Summit Ridge AMDs Zen-Chip ist so schnell wie Intels 1.000-Euro-Core-i7
  2. Doom Denuvo schützt offenbar nicht mehr
  3. Deus Ex angespielt Eine Steuerung für fast jeden Agenten

  1. Re: Wenn wir jetzt noch den Faktor "bei gleicher...

    opodeldox | 15:01

  2. Re: Dinge, die ein künftiges iPhone haben sollte

    dakira | 15:01

  3. Bis die Leute merken, dass Threema keinen Desktop...

    dantist | 15:00

  4. Re: Mittelfristig wird sich die freie Variante...

    Salzbretzel | 15:00

  5. Re: Datenschutz / Täterschutz

    PyCoder | 14:58


  1. 15:01

  2. 14:57

  3. 14:24

  4. 14:00

  5. 12:59

  6. 12:31

  7. 12:07

  8. 11:51


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel