NSA-Direktor General Keith Alexander in Erklärungsnot
NSA-Direktor General Keith Alexander in Erklärungsnot (Bild: Saul Loeb/AFP/Getty Images)

NSA Geheimdienste lassen sich Sicherheitslücken liefern

Tausende US-Firmen tauschen angeblich Informationen über Schwachstellen in ihren Produkten gegen Geheimdienstwissen. Behörden können das für Angriffe nutzen.

Anzeige

US-Technologie-Unternehmen stellen der NSA nicht nur Nutzerdaten zur Verfügung, wie die Enthüllungen von Edward Snowden belegen. Sie melden den US-Geheimdiensten auch Sicherheitslücken ihrer Produkte, bevor sie diese Informationen veröffentlichen. Das berichtet die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf Informanten, die mit den Vorgängen vertraut sein sollen. Diesen Wissensvorsprung können die US-Behörden nutzen, um in Netzwerke und Computer einzudringen, bevor es ein Sicherheitsupdate durch den Anbieter gibt.

Zero-Day-Attacken heißen solche Angriffe, weil sie praktisch sofort nach der Entdeckung einer Sicherheitslücke stattfinden. Das Wissen um solche Sicherheitslücken ist zu einem begehrten Handelsgut geworden.

So hieß es in einem Reuters-Bericht vor einigen Wochen: "Viele talentierte Hacker, die früher zunächst ein Unternehmen wie Microsoft alarmierten, wenn sie in dessen Produkten eine Sicherheitslücke entdeckten, verkaufen diese Information mittlerweile an den Höchstbietenden - manchmal über Zwischenhändler, die den letztlichen Käufer niemals treffen. Militär und militärische Dienstleister geben zig Millionen Dollar im Jahr für solche Informationen aus." Und zwar nicht zur Abwehr, sondern zum Angriff auf fremde Computer. Im Extremfall für ausgefeilte Attacken wie mit Stuxnet.

50.000 US-Dollar oder mehr bringt der Verkauf einer Zero-Day-Schwachstelle, heißt es im Reuters-Bericht. Solche Summen zahlen nur Kriminelle und Regierungen. Das Nachsehen haben Unternehmen: Microsoft und Apple bezahlen gar nichts für solche Funde, weil sie niemanden zusätzlich motivieren wollen. Facebook, Mozilla, Google und andere haben sogenannte Bug-Bounty-Programme, in denen sie Belohnungen für entdeckte Sicherheitslücken ausloben. Google hat zum Beispiel gerade erst beschlossen, mehr als bisher zu zahlen. 50.000 Dollar für eine Lücke hat aber auch Google noch nie gezahlt.

Es sind nicht nur Hacker, die ihre Funde weitergeben. Laut Bloomberg werden die US-Behörden auch direkt von den Unternehmen beliefert, wenn deren eigene Sicherheitsspezialisten eine Schwachstelle entdecken. Im Tausch dafür bekommen die Unternehmen Zugang zu Geheimdienstinformationen, heißt es in dem Bericht. Und sie stellen sich auf diese Weise gut mit der Regierung, aus Überzeugung oder aus geschäftlichen Interessen.

Nur wenige Mitarbeiter hätten Einblick in diese Vorgänge, oft würden die Verhandlungen direkt zwischen den Vorständen und Spitzenvertretern der Behörden geführt.

Zu den sogenannten "vertrauenswürdigen Partnern" von NSA, CIA, FBI und militärischen Einheiten zählen unter anderem Hersteller von Hardware und Software, Banken, Antivirenspezialisten und Firmen aus dem Bereich der Satellitenkommunikation.

Mit PRISM hat dieser Vorgang nichts zu tun. Bei den Daten und Informationen, die diese Firmen übergeben, soll es sich nicht um private Nutzerdaten handeln. Vielmehr gehe es um Gerätespezifikationen oder Softwareschwachstellen. So würde etwa Microsoft seine Funde erst den Geheimdiensten melden, bevor es sich daran macht, Patches für seine Nutzer zu entwickeln.

Ein Microsoft-Sprecher sagte Bloomberg, man wolle der US-Regierung einen Vorsprung für die Risikoabschätzung und eigene Schutzmaßnahmen geben. Informanten jedoch, die für die Regierung oder eines der beteiligten Unternehmen arbeiteten, sagten Bloomberg, solche Informationen könnten auch für Angriffe genutzt werden.

Aus Sicherheitsforschern werden so zunehmend Unsicherheitsforscher. Es geht ihnen nicht mehr darum, Lücken zu finden, um sie schnell zu schließen, sondern damit sie ausgenutzt werden können.

Allerdings können auch Spezialisten aus anderen Ländern diese Schwachstellen entdecken und ihrerseits an Regierungen oder Kriminelle verkaufen oder sie selbst ausnutzen. Die Strategie, eine Lücke so lange offen zu halten, bis die eigene Seite sie ausnutzt, ist also riskant. Vor allem für die Endverbraucher.


Thaodan 17. Jun 2013

Er hat das letzte Wort was zu tun ist, allerdings nicht darüber was auch getan wird.

Thaodan 17. Jun 2013

Erst wenn der Staat fällt gelten sie offiziell so, oder meinst du Stasi und Gestapo...

posix 17. Jun 2013

https://ixquick.com/deu/ https://duckduckgo.com/ FirefoxOS Sailfish Ubuntu Phone OS...

posix 17. Jun 2013

Man kann auch gleich alles schwarz malen. Setzen 6 Die USA haben also die Macht jeden...

Eheran 15. Jun 2013

Heißen diese Sicherheitslücken nicht so, weil sie eben schon VOR veröffentlichung...

Kommentieren



Anzeige

  1. System Operatoren / Incident Manager (m/w)
    SVA System Vertrieb Alexander GmbH, Wiesbaden
  2. Engineer (m/w) für Software / Hardware im Bereich Gebäudeautomation
    Siemens AG, Stuttgart
  3. Firmware-Entwickler (m/w) - Industrielle Drucksysteme
    Atlantic Zeiser GmbH, Emmingen
  4. Solution Architect (m/w)
    fluid Operations AG, Walldorf

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. Medion Erazer X7835 PCGH-Notebook mit Geforce GTX 980M und Core i7-4710MQ
    1999,00€
  2. NEU: PCGH-Gaming-PC GTX960-Edition
    (Core i5-4460 + Geforce GTX 960)
  3. Raidmax Blackstorm Green
    64,99€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. Spionagesoftware

    NSA-Programm Regin zwei Jahre im Kanzleramt aktiv

  2. Biofabrikation

    Forscher wollen Gewebe aus Spinnenseide drucken

  3. Ultrabook-Prozessor

    Intels Skylake ersetzt Broadwell bereits im Frühsommer

  4. GTX-970-Affäre

    AMD veralbert Nvidia per Twitter und verlost Grafikkarten

  5. Spielebranche

    Sega streicht 300 Stellen

  6. Gegen Pegida

    Informatiker und Bitkom für Flüchtlinge und Vielfalt

  7. Smartphones

    Huawei empfindet Windows Phone als Einheitsbrei

  8. FCC

    Erst 25 MBit/s sind in den USA jetzt ein Breitbandanschluss

  9. DVB-T2/HEVC

    Nur ein Betreiber will Antennen-TV in HD aufbauen

  10. Place Tips

    Facebook wird zum Stadtführer



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Glibc: Ein Geist gefährdet Linux-Systeme
Glibc
Ein Geist gefährdet Linux-Systeme
  1. Tamil Driver Freier Treiber für ARMs Mali-T-GPUs entsteht
  2. Red Star ausprobiert Das Linux aus Nordkorea
  3. Linux-Jahresrückblick 2014 Umbauarbeiten, Gezanke und Container

Onlinehandel: Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen
Onlinehandel
Welche Versand-Flatrates sich nicht lohnen
  1. Quartalsbericht Amazons Ausgaben steigen auf 28,7 Milliarden US-Dollar
  2. Amazon Original Movies Amazon will eigene Kinofilme kurz nach der Premiere streamen
  3. Ultra-HD Amazons 4K-Videos vorerst nur für Smart-TVs

The Witcher 3: Hinter den Kulissen der Konsolenoptimierer
The Witcher 3
Hinter den Kulissen der Konsolenoptimierer
  1. The Witcher 3 angespielt Geralt und die "Mission Bratpfanne"
  2. CD Projekt The Witcher 3 hätte gerne eine 350-Euro-Grafikkarte
  3. The Witcher 3 Geralt von Riva hext erst im Mai 2015

    •  / 
    Zum Artikel