NSA-Affäre Rechtliche Tricks der USA für den Zugriff auf Datenströme

Unter dem Namen "Team Telecom" sollen US-Behörden ein System betreiben, das dafür sorgt, dass wichtige Infrastruktur des Internets innerhalb der USA kontrolliert werden kann. Das Ziel: direktes Abschöpfen von Daten durch Geheimverträge und richterliche Anordnungen.

Anzeige

Die USA und ihre Geheimdienste wie die NSA sichern sich nicht nur durch technische, sondern auch durch rechtliche Maßnahmen den direkten Zugriff auf die Datenströme des Internets. Dies berichtet die Washington Post unter Berufung auf Unterlagen des Whistleblowers Edward Snowden und eigene, um Anonymität bemühte Quellen aus US-Politik und Geheimdiensten.

So soll es mindestens seit dem Jahr 2003 eine Gruppierung namens "Team Telecom" geben, die von Rechtsanwälten der Bundespolizei FBI sowie Juristen aus den drei Ministerien für Verteidigung, Justiz und Heimatschutz gebildet worden sein soll. Anlass war der geplante Verkauf des mit über 12 Milliarden US-Dollar verschuldeten Unternehmens Global Crossing.

Die Firma hatte seit dem Jahr 1997 einen großen Teil der Internet-Infrastruktur aufgebaut und betrieben, darunter das transatlantische Glasfaserkabel AC-1. Wegen der zentralen Bedeutung dieser Verbindung waren die USA daran interessiert, dass Global Crossing nicht an ein ausländisches Unternehmen verkauft wird. Dafür gab es ein Angebot von Hutchison Whampoa aus Hongkong und Singapore Technologies Telemedia. Der US-Parlamentsausschuss für Auslandsinvestitionen hatte sich dann gegen den Verkauf ausgesprochen, so dass Hutchison 2003 sein Angebot zurücknahm.

Im gleichen Jahr soll laut der Washington Post mit Global Crossing das " Network Security Agreement" unterzeichnet worden sein, ein geheimer Vertrag zwischen US-Behörden und dem Unternehmen, der für die weiteren Jahre als Vorlage mit anderen Telekommunikationsbehörden gedient haben soll. Diese Verträge soll Team Telecom gestaltet haben.

30 Minuten bis zum Besuch durch die NSA

Das Agreement sieht vor, dass Firmen wie Global Crossing, auch wenn sie mehrheitlich ausländischen Firmen gehören, ein Rechenzentrum in den USA betreiben müssen. Diese Niederlassungen müssen nach einer Vorwarnfrist von nur 30 Minuten jederzeit Regierungsvertretern das Betreten der Anlagen gestatten.

Dadurch soll dann der direkte Zugriff auf Datenübertragungen gewährleistet werden. Dieses Verfahren soll unter dem Namen "Upstream" neben dem System "Prism" die zweite wichtige Säule der NSA-Überwachung sein. Laut der Washington Post sind sowohl Prism als auch Upstream in einer durch Edward Snowden zur Verfügung gestellten streng geheimen NSA-Präsentation auf einer Folie als zentrale Elemente verzeichnet.

Ein Grundsatz der US-Geheimdienste ist, dass US-Bürger im Prinzip nicht abgehört werden dürfen. Wenn jedoch die Kommunikation von einem Bürger eines anderen Landes angestoßen wird, beispielsweise durch eine E-Mail an einen US-Amerikaner, werden die so erfassten Daten als, so die Washington Post, "versehentlich" gespeichert betrachtet und dürfen rechtlich verwendet werden.

Neben diesen direkten Zugängen zu Netzknoten soll es unbestätigten, aber auch nicht dementierten Berichten zufolge auch einen für die Telekommunikationsunternehmen gänzlich unauffälligen Weg der US-Behörden geben, um Glasfaserkabel anzuzapfen. Das Atom-U-Boot USS Jimmy Carter, das 2005 in Dienst gestellt wurde, soll über Vorrichtungen verfügen, um optische Seekabel abzuhören. Dazu werden die Glasfasern so aufgetrennt, dass es keine Unterbrechung der Verbindung gibt. Über die neu entstandene Gabelung der Faser sollen die US-Behörden dennoch mithören können.


jnsmy 09. Jul 2013

Müsste man nicht, haste Recht, wir sitzen alle, in einem GEfängniss für den VErstand...

SoniX 08. Jul 2013

:-) Danke sehr. Lt. ccc wird das Kabel garnicht aufgetrennt, sondern nur ne Schlaufe...

Bouncy 08. Jul 2013

Müßte man auch nicht, Otto Normal interessiert diese Abhördebatte einen feuchten Schei...

AndWehle 08. Jul 2013

Schade dann ist ja alles gut in Deutschland, denn wir haben ja gar keine Verfassung...

Kommentieren



Anzeige

  1. Business Intelligence Analyst Logistik (m/w)
    Home Shopping Europe GmbH, Ismaning (Raum München)
  2. Trainee IT (m/w) Schwerpunkt: SAP Applikation
    Unternehmensgruppe Theo Müller, Aretsried
  3. Netzwerk Administrator (m/w)
    Loyalty Partner Solutions GmbH, keine Angabe
  4. Business Intelligence Experte (m/w)
    Sparkassen Rating und Risikosysteme GmbH, Berlin

 

Detailsuche


Folgen Sie uns
       


  1. Ubuntu 14.04 LTS im Test

    Canonical in der Konvergenz-Falle

  2. Überwachung

    Snowden befragt Putin in Fernsehinterview

  3. Bleichenbacher-Angriff

    TLS-Probleme in Java

  4. Cyanogenmod-Smartphone

    Oneplus One kann nur auf Einladung bestellt werden

  5. Heartbleed-Bug

    Strato und BSI warnen Nutzer

  6. Gameface Labs Mark IV

    Virtuelle, drahtlose Android-Realität mit 1440p

  7. Verbraucherwarnung

    Nokia ruft Netzteile des Lumia 2520 zurück

  8. Scannerdaten

    Landesdatenschützer wird wegen Zalando-Überwachung aktiv

  9. Test Wind-up Knight 2

    Endlos rennen bei Zeit- und Geldmangel

  10. Onlinehandel

    Wieder zwei Amazon-Standorte im Streik



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Test LG L40: Android 4.4.2 macht müde Smartphones munter
Test LG L40
Android 4.4.2 macht müde Smartphones munter

Mit dem L40 präsentiert LG eines der ersten Smartphones mit der aktuellen Android-Version 4.4.2, das unter 100 Euro kostet. Dank der Optimierungen von Kitkat überrascht die Leistung des kleinen Gerätes - und es dürfte nicht nur für Einsteiger interessant sein.

  1. LG G3 5,5-Zoll-Smartphone mit 1440p-Display und Kitkat
  2. LG L35 Smartphone mit Android 4.4 für 80 Euro
  3. Programmierbare LED-Lampe LG kündigt Alternative zur Philips Hue an

Vorratsdatenspeicherung: Totgesagte speichern länger
Vorratsdatenspeicherung
Totgesagte speichern länger

Die Interpretationen des EuGH-Urteils zur Vorratsdatenspeicherung gehen weit auseinander. Für einen endgültigen Abgesang auf die anlasslose Speicherung von Kommunikationsdaten ist es aber noch zu früh.

  1. Bundesregierung Vorerst kein neues Gesetz zur Vorratsdatenspeicherung
  2. Innenministertreffen Keine schnelle Neuregelung zur Vorratsdatenspeicherung
  3. Urteil zu Vorratsdatenspeicherung Regierung uneins über neues Gesetz

Windows 8.1 Update 1 im Test: Ein lohnenswertes Miniupdate
Windows 8.1 Update 1 im Test
Ein lohnenswertes Miniupdate

Microsoft geht wieder einen Schritt zurück in die Zukunft. Mit dem Update 1 baut der Konzern erneut Funktionen ein, die vor allem für Mausschubser gedacht sind. Wir haben uns das Miniupdate für Windows 8.1 pünktlich zur Veröffentlichung angesehen.

  1. Microsoft Installationsprobleme beim Windows 8.1 Update 1
  2. Windows 8.1 Update 1 Wieder mehr minimieren und schließen
  3. Microsoft Windows 8.1 Update 1 vorab verfügbar

    •  / 
    Zum Artikel