Novell-Manager: "E-Mail-Abschaffung bei Atos vor 2020 utopisch"
(Bild: Novell)

Novell-Manager "E-Mail-Abschaffung bei Atos vor 2020 utopisch"

Novell meint, dass der IT-Dienstleister Atos seinen Plan, die E-Mail bis Ende 2013 abzuschaffen, nicht einhalten kann. Es werde länger dauern, vergleichbare Lösungen wie Novells Vibe für Social-Enterprise-Collaboration einzuführen.

Anzeige

Michael Kleist, Managing Director Central Europe bei Novell, hält die Zero-E-Mail-Planung bei Atos für übereilt. Atos hatte bekräftigt, dass bis Ende 2013 interne E-Mails abgeschafft werden sollten. Kleist hatte sich schon früher kritisch zu den Plänen geäußert. Atos werde ohne E-Mail handlungsunfähig, sagte er damals. Jetzt bezeichnete er gegenüber Golem.de den Zeitplan von Atos als "utopisch".

Golem.de: Herr Kleist, Atos will an seinem Plan festhalten, bis Ende dieses Jahres den internen E-Mail-Verkehr abzuschaffen. Sie haben das im vergangenen Jahr kritisiert. Atos hat nun zur Umsetzung dieses Ziels im April 2012 den Social-Enterprise-Anbieter Bluekiwi gekauft. Was halten Sie davon?

Michael Kleist: Erst einmal unterscheidet sich Bluekiwi nicht wirklich von anderen Social-Enterprise-Collaboration-Lösungen, wie Salesforce Chatter, Yammer von Microsoft, IBM Connections oder unserem Vibe. Es geht immer darum, den sozialen Charakter in die Arbeitsweise zu integrieren. Das heißt für die Praxis: Experten im Unternehmen ausfindig machen, gemeinsam Dokumente erstellen und an Projekten arbeiten. Das Ganze wird dokumentiert in einer ordentlichen und durchsuchbaren Ablage. Dazu kommen dann noch Widgets für Abstimmungen, Projektfortschritt, Terminplanungen et cetera. Also eigentlich nur alter Wein in neuen Schläuchen.

Golem.de: Atos will damit aber bis Ende des Jahres 2013 seine Zero-E-Mail-Politik durchsetzen und meint entgegen Ihrer Prognose, dass das klappen wird.

Michael Kleist: Und genau das halte ich für utopisch. Robert Shaw von Atos hat im Interview mit Ihnen erzählt, dass bis jetzt 8.000 von 74.000 Atos-Mitarbeitern seit Oktober 2012 erste Schritte mit dem Tool machen. Im Umkehrschluss heißt das, dass 66.000 Mitarbeiter noch vor der Umstellung stehen. Den technischen Roll-out wird Atos als IT-Dienstleister sicherlich hinkriegen, aber viel entscheidender sind doch die Veränderungen im Kommunikationsverhalten der Mitarbeiter. Atos hat richtig erkannt, dass der Mensch mitgenommen werden muss - nach unserer Erfahrung dauert das allerdings etwas länger als ein halbes Jahr. Ich habe kürzlich mit Werner Degenhart von der Ludwig-Maximilians-Universität München zu dem Thema gesprochen. Er verantwortet dort eine unserer größten Vibe-Installationen und meinte, dass selbst er 12 bis 18 Monate gebraucht hat, um sein Verhalten umzustellen. Und ihn kann man getrost als Early Adopter bezeichnen. Von der technischen Prozessintegration in bestehende Alt-Systeme haben wir dabei noch gar nicht gesprochen.

Golem.de: Also ist das Projekt prinzipiell doch möglich, nur das Zeitfenster ist zu klein?

Kleist: Dann aber um viele Jahre. Mir stößt diese Entweder-oder-Haltung bei diesem Projekt auf. Die E-Mail ist im Moment noch immer das Mittel der Wahl, wenn es um asynchrone Kommunikation geht. Das merkt man schon allein daran, dass viele Nutzer in sozialen Netzwerken, sei es privat bei Facebook oder beruflich in Social-Enterprise-Collaboration-Tools, die E-Mail-Benachrichtigung aktiviert haben. Auch die Möglichkeit, per E-Mail auf so eine Benachrichtigung zu antworten, ist ein wichtiges Instrument, um beispielsweise auch unterwegs schnell und einfach reagieren zu können - eine Funktion, die sowohl Vibe als auch Bluekiwi anbieten. Ich kann natürlich die E-Mail auch Message oder Notification nennen, am Grundmodell der Kommunikation ändert sich dadurch nicht viel.

Golem.de: Ich bekomme den Eindruck, dass Sie kein Interesse daran haben, Ihr Social-Enterprise-Collaboration-Tool zu verkaufen.

Kleist: Social-Enterprise-Collaboration-Tools sind aus den genannten Gründen eine sinnvolle Ergänzung der professionellen Kommunikation. An vielen Stellen bieten sie schon heute Vorteile gegenüber der E-Mail. In Zukunft wird sich die Kommunikation auch immer weiter in diese Tools verlagern, aber im Moment ist die E-Mail noch das stärkste Kommunikationsinstrument im professionellen Umfeld, und ich bin mir sicher, dass das bis 2020 nicht auf den Kopf gestellt wird.

Golem.de: In den Kommentaren zum Atos-Interview haben unsere Leser diskutiert, wie es eigentlich mit der Archivierung von Informationen aussieht in diesen Tools. Kriegt Atos da ein Problem?

Kleist: Nein, Atos nicht. Die erforderlichen Informationen werden ordnungsgemäß archiviert und vorgehalten, ob das jetzt in einem E-Mail-System oder einem Social-Enterprise-Collaboration-Tool passiert, ist dem Gesetzgeber an sich egal. Interessant wird es in der Kommunikation mit Außenstehenden. Klar sagt Atos, dass sie nur ihren internen E-Mail-Verkehr abschaffen wollen, aber wie sieht es beispielsweise mit den in der Branche durchaus üblichen externen Spezialisten im Projektteams aus? Sinnvollerweise muss der in das interne soziale Netz und die entsprechende Projektgruppe integriert werden, damit verliert er allerdings die Möglichkeit der ordnungsgemäßen Archivierung in seiner 'angestammten' Umgebung. Im Worst-Case wird sein Zugang irgendwann gesperrt und er hat keine Möglichkeit mehr, etwas nachzuweisen oder auch nur seine eigenen Informationen nachzusehen.

Golem.de: Was hätten Sie denn dem Atos-Management geraten, wenn es sich für Novell als Projektpartner entschieden hätte, anstatt Bluekiwi zu kaufen?

Kleist: Ihr seid auf dem richtigen Weg, aber gebt dem Projekt mehr Zeit und setzt euch nicht selbst dermaßen unter Druck!


multics 19. Feb 2013

und der hat mir gesagt, dass das "Fussvolk" innerhalb von Atos über die ganze "Zero...

demon driver 19. Feb 2013

..., dass der Atos-Mensch angeblich E-Mail wegen der großen Belastung der Mitarbeiter...

burzum 19. Feb 2013

Dem kann ich mich nur anschließen. Das läuft hier (kleineres aber internationales Team...

flow77 18. Feb 2013

In 100 Jahren wird der Song sicher als "Klassiker" von Orchestern gespielt.

Kommentieren



Anzeige

  1. Softwareentwickler (m/w) C++
    BCC Unternehmensberatung GmbH, Eschborn bei Frankfurt am Main
  2. Administrator (m/w) für IH-Planungs- und Steuerungs­software (SAP PM)
    MKM Mansfelder Kupfer und Messing GmbH, Hettstedt bei Halle (Saale)
  3. Senior Software-Entwickler (m/w) TIA-Portal Schwerpunkt Motion
    Siemens AG, Fürth
  4. Systemarchitekt/in Projekt Internet der Dinge
    Robert Bosch GmbH, Stuttgart-Feuerbach

 

Detailsuche


Hardware-Angebote
  1. Seagate Supersale bei Alternate
  2. TIPP: Alternate Schnäppchen Outlet
    (täglich neue Deals)
  3. TIPP: Raspberry Pi 2 Model B
    41,49€

 

Weitere Angebote


Folgen Sie uns
       


  1. First Flight

    Sony stellt Crowdfunding-Plattform für eigene Ideen vor

  2. Prandtl-m

    Nasa will den Mars mit einem Gleitflugzeug erkunden

  3. Turtle-Entertainment-Übernahme

    MTG Media investiert 78 Millionen Euro in E-Sport

  4. Intel Compute Stick im Test

    Der mit dem Lüfter streamt

  5. Gello

    Cyanogenmod zeigt Browser mit umfangreichen Einstellungen

  6. Anhörung

    Telekom will bald Super Vectoring anbieten

  7. VoLTE

    Vodafone ermöglicht LTE-Telefonie mit dem iPhone 6

  8. Sicherheit

    Fehler im Debugger macht Android-Systeme angreifbar

  9. Raumfahrt

    Jan Wörner wird neuer Direktor der Esa

  10. Anonymes Surfen

    Die Tor-Zentrale für zu Hause



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de



Adblocker Humancredit: Faire Werbung für gute Menschen
Adblocker Humancredit
Faire Werbung für gute Menschen
  1. Sourcepoint Ex-Google-Manager bietet Blocker gegen Adblocker
  2. Adblocker EU-Mobilfunkbetreiber wollen Google-Werbung blockieren
  3. In eigener Sache Golem.de erweitert sein Abo um eine Schnupper-Version

Linux Mint 17.2 im Test: Desktops ohne Schnickschack, aber mit Langzeitunterstützung
Linux Mint 17.2 im Test
Desktops ohne Schnickschack, aber mit Langzeitunterstützung
  1. Fedora 22 im Test Das Ende der Experimentierphase
  2. Linux Mint Cinnamon 2.6 verringert CPU-Last deutlich
  3. Linux-Distributionen im Test Rosa Desktop Fresh kooperiert mit aktueller Hardware

Airbus E-Fan 2.0: Elektromobilität geht auch in der Luft
Airbus E-Fan 2.0
Elektromobilität geht auch in der Luft
  1. Oneweb Airbus baut gigantische Internet-Satelliten-Konstellation
  2. Raumfahrt Airbus entwickelt wiederverwendbares Raketentriebwerk
  3. Airbus Flugzeugtragflächen sollen mit Piezoelementen Strom erzeugen

  1. Wenn dass so weiter geht...

    Underdoug | 13:51

  2. Re: Jetzt fehlt nur noch die Telekom

    nonameHBN | 13:50

  3. Re: Na und?

    Trollversteher | 13:49

  4. Re: "House of Cards per Netflix im Internet Explorer"

    FreiGeistler | 13:49

  5. Teuer...

    Mixermachine | 13:49


  1. 13:53

  2. 13:20

  3. 12:35

  4. 12:09

  5. 12:05

  6. 11:15

  7. 11:07

  8. 10:44


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel