Anzeige
Kein Zugang zur New York Times (2008): Die Computersysteme sind wieder sicher.
Kein Zugang zur New York Times (2008): Die Computersysteme sind wieder sicher. (Bild: Mike Segar/Reuters)

New York Times: Chinesische Hacker spionieren US-Tageszeitung aus

Kein Zugang zur New York Times (2008): Die Computersysteme sind wieder sicher.
Kein Zugang zur New York Times (2008): Die Computersysteme sind wieder sicher. (Bild: Mike Segar/Reuters)

Hacker sind in Computer der New York Times eingedrungen. Sie stahlen Passwörter und spionierten E-Mail-Konten aus. Sicherheitsexperten verfolgten die Angriffe nach China zurück.

Unbekannte haben sich über Monate Zugang zu den Computersystemen der Tageszeitung New York Times (NYT) verschafft. Die Sicherheitsexperten konnten die Angriffe nach China zurückverfolgen. Anlass war mutmaßlich ein Bericht über die Familie des scheidenden Premierministers Wen Jiabao - die Angriffe begannen kurz danach.

Anzeige

Die Angreifer drangen in die Systeme der New York Times ein. Dort installierten sie Schadsoftware und verschafften sich Zugang zu den Arbeitsplatzrechnern von 53 Mitarbeitern, von denen die meisten nicht im Newsroom arbeiten. Zudem kopierten die Angreifer die Passwörter aller NYT-Mitarbeiter. Es sollen keine Kundendaten entwendet worden sein.

Warnung vor Erscheinen

Die Angriffe schienen in direktem Zusammenhang mit dem Bericht über den chinesischen Politiker zu stehen: Sie hätten unmittelbar nach der Veröffentlichung am 25. Oktober 2012 begonnen, berichtet die Tageszeitung. Kurz zuvor sei die Zeitung von chinesischen Behörden vor Angriffen gewarnt worden. Die Tageszeitung habe sich an den Netzbetreiber AT&T gewandt, und der habe direkt, nachdem der Artikel online erschienen war, Aktivitäten festgestellt, die auf einen Computerangriff hinwiesen. Das NYT engagierte daraufhin das Sicherheitsunternehmen Mandiant und informierte das FBI.

Die Analyse der Mandiant-Experten ergab, dass der Angriff schon früher begonnen hatte: Im September, kurz vor dem Ende der Recherchen zu dem Artikel, waren die Hacker erstmals in die NYT-Computer eingedrungen und hatten das Passwortsystem gehackt. So konnten sie sich Zugriff auf die E-Mail-Konten von David Barboza, Leiter des NYT-Büros in Schanghai und Autor des Berichts, und Jim Yardley, Leiter des Südostasienbüros in Indien und davor Chef des Pekinger Büros, verschaffen.

Wie es scheint, kopierten die Angreifer jedoch keine Dokumente, sondern suchten nach den Namen von Informanten. Auch hatten sie kein Interesse daran, die Computersysteme der Zeitung komplett lahmzulegen - obwohl sie, wie die Zeitung zugibt, die Möglichkeit dazu gehabt hätten.

Phishing-Mails

Wie die Angreifer den Zugang zu den NYT-Computern erlangten, ist noch nicht geklärt. Die Experten vermuten, dass sie E-Mails mit verseuchten Anhängen oder Links verschickt haben, über die Schadsoftware auf die Computer geschleust wurde. Inzwischen seien alle Zugänge, die die Hacker nutzten, geschlossen.

Um ihre Spuren zu verwischen, waren die Angreifer zuerst in Computersysteme von US-Universitäten eingedrungen, so dass es auf den ersten Blick so aussah, als kämen die Angriffe von dort. Chinesische Hacker gehen nach Angaben der von der NYT beauftragten Sicherheitsexperten häufig so vor. Auch die verwendete Schadsoftware wies Merkmale auf, die auf Akteure aus China schließen lassen. Schließlich gelang es den Sicherheitsexperten, die Angriffe zu den Universitätscomputern zurückzuverfolgen, die als Ausgangspunkt von Angriffen des chinesischen Militärs auf Lieferanten des US-Militärs gelten.

Hacker bei Bloomberg

Die NYT scheint indes nicht das einzige Medienunternehmen zu sein, das chinesische Hacker ins Visier genommen haben: 2012 wurden bei Bloomberg News Computer mit Schadsoftware infiziert. Anlass war mutmaßlich ein vergleichbarer Bericht der Nachrichtenagentur über Xi Jinping, seinerzeit noch Vizepräsident und inzwischen Chef der Kommunistischen Partei Chinas und designierter Staatschef.

Wen ist seit 2003 Premierminister der Volksrepublik China. Zuvor war er fünf Jahre lang Vizepremier. Im Oktober 2012 deckte die NYT auf, dass Wens Familie während seiner Amtszeit ein immenses Vermögen angehäuft habe - umgerechnet rund über 2 Milliarden Euro sollen Wens Angehörige, vor allem seine Frau Zhang Peili, zusammengetragen haben. Die Behörden reagierten umgehend auf den Bericht: Sie sperrten den Zugang zur Website der Zeitung.

Was wusste Wen?

Unklar ist Wens Rolle: Zwar ist seine Familie während seiner Amtszeit reich geworden - unter anderem aufgrund wirtschaftlicher Entscheidungen, die Wen mitverantwortet hat. Er selbst soll aber von den Aktivitäten seiner Frau wenig angetan gewesen sein. Laut einer der von Wikileaks veröffentlichten Botschaftsdepeschen soll er sogar deswegen eine Scheidung erwogen haben. Nach dem NYT-Bericht forderte er eine Untersuchung und bot an, dafür die Vermögensverhältnisse der Familie offenzulegen.

Wen wird turnusmäßig nach zwei Amtszeiten von je fünf Jahren sein Amt in diesem Frühjahr aufgeben. Auf dem 18. Parteitag der Kommunistischen Partei wurde im Herbst 2012 die neue Führungsriege vorgestellt. Wens Nachfolger wird voraussichtlich Li Keqiang, der das Amt im März übernehmen soll. Im Vorfeld des Führungswechsels gab es einen Machtkampf zwischen zwei Parteiflügeln.


eye home zur Startseite
enteKross 31. Jan 2013

Das ist der Grund, warum ich hinter ".bash_history" einen Smiley gemacht habe. Wenn da...

Endwickler 31. Jan 2013

Typisch Chinesen. :-)



Anzeige

Stellenmarkt
  1. Bosch Software Innovations GmbH, Waiblingen
  2. Amedes Medizinische Dienstleistungen GmbH, Hamburg
  3. Automotive Safety Technologies GmbH, Ingolstadt, Gaimersheim
  4. Daimler AG, Leinfelden-Echterdingen


Anzeige
Top-Angebote
  1. 229,00€ inkl. Versand
  2. mit Geforce GTX 1070 und i5-6500 für 1.229 €
  3. (u. a. Ice Age 1-4 Blu-ray je 6,90€, Rio 2 Blu-ray 6,90€, Playstation VR 399€)

Folgen Sie uns
       

Anzeige
Whitepaper
  1. Mehr dazu im aktuellen Whitepaper von SAS Institute
  2. Mehr dazu im aktuellen Whitepaper von Cyberark
  3. Mehr dazu im aktuellen Whitepaper von HP


  1. Netzausbau

    Telekom will ihre Mobilfunkmasten verkaufen

  2. Bruno Kahl

    Neuer BND-Chef soll den Dienst reformieren

  3. Onlinehandel

    Amazon sperrt Konten angeblich nur in seltenen Fällen

  4. The Assembly angespielt

    Verschwörung im Labor

  5. Kreditkarten

    Number26 wird Betrug mit Standortdaten verhindern

  6. Dobrindt

    1,3 Milliarden Euro mehr für Breitbandausbau in Deutschland

  7. Mini ITX OC

    Gigabyte bringt eine 17 cm kurze Geforce GTX 1070

  8. Autonomes Fahren

    Teslas Autopilot war an tödlichem Unfall beteiligt

  9. Tolino Page

    Günstiger Kindle-Konkurrent hat eine bessere Ausstattung

  10. Nexus

    Erste Nougat-Smartphones sollen von HTC kommen



Haben wir etwas übersehen?

E-Mail an news@golem.de


Anzeige
Rust: Ist die neue Programmiersprache besser?
Rust
Ist die neue Programmiersprache besser?
  1. Fraunhofer SIT Volksverschlüsselung startet ohne Quellcode
  2. Microsoft Plattformübergreifendes .Net Core erscheint in Version 1.0
  3. Oracle-Anwältin nach Niederlage "Google hat die GPL getötet"

Mikko Hypponen: "Microsoft ist nicht mehr scheiße"
Mikko Hypponen
"Microsoft ist nicht mehr scheiße"

Zelda Breath of the Wild angespielt: Das Versprechen von 1986 wird eingelöst
Zelda Breath of the Wild angespielt
Das Versprechen von 1986 wird eingelöst

  1. Re: Mal ein paar Infos von einem FBA Verkäufer.

    sydthe | 22:27

  2. Re: Wäre nett gewesen, aber

    sofries | 22:26

  3. Re: Schade

    The_Soap92 | 22:26

  4. Steuervermeidung

    x2k | 22:26

  5. Re: Die Frage ist, ob der LKW einen...

    wHiTeCaP | 22:24


  1. 20:04

  2. 17:04

  3. 16:53

  4. 16:22

  5. 14:58

  6. 14:33

  7. 14:22

  8. 13:56


  1. Themen
  2. A
  3. B
  4. C
  5. D
  6. E
  7. F
  8. G
  9. H
  10. I
  11. J
  12. K
  13. L
  14. M
  15. N
  16. O
  17. P
  18. Q
  19. R
  20. S
  21. T
  22. U
  23. V
  24. W
  25. X
  26. Y
  27. Z
  28. #
 
    •  / 
    Zum Artikel